Mercedes-Benz L 311

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Mercedes-Benz
L 311
L 311
L 311
Hersteller: Daimler-Benz
Verkaufsbezeichnung: L 3250 (1949)
L 3500 (1950–1955)
L 311 (1955–1961)
Produktionszeitraum: 06/1949–05/1961
Vorgängermodell: Mercedes-Benz L 701 (Opel Blitz)
Nachfolgemodell: L 323
Technische Daten
Bauformen: Hauben-Lkw mit Pritsche
Frontlenkerfahrgestell
Motoren: OM 312 (Diesel, 4580 cm³)
Leistung: 66–74 kW
Länge: 6185–8265 mm
Breite: 2230–2300 mm
Höhe: 2295–2420 mm
Radstand: 3600–4830 mm
Wendekreis: 14,5–18,5 m
Nutzlast: 3,15–3,76 t
zul. Gesamtgewicht: 7–7,1 t

Der Mercedes-Benz L 311 ist ein Lastkraftwagen von Mercedes-Benz, der ab der zweiten Jahreshälfte 1949 im Mercedes-Benz-Werk Mannheim gebaut wurde. 1949 wurden die Fahrzeuge als L 3250 bezeichnet, was der Nutzlast in kg entspricht. Von 1950 bis 1955 hießen die Fahrzeuge nach Erhöhung der Nutzlast L 3500. Im Jahr 1955 änderte sich der Name erneut, die Fahrzeuge wurden von da an als L 311 bezeichnet.[1] Da die Lkw häufig überladen wurden, bot Mercedes-Benz ab 1953 ein dem L 311 ähnliches Modell mit größerer Nutzlast unter dem Namen L 312 an.[2] Der L 311 wurde als Haubenlenkerlastkraftwagen mit Pritsche und als Kipper gebaut, die Pritschenausführung wurde darüber hinaus auch als Allradvariante LA 311 gebaut. Auch das Segment der in den 1950er-Jahren aufkommenden Frontlenker bediente Mercedes-Benz ab 1954 mit dem Frontlenkerfahrgestell LP 311, das von externen Herstellern mit einem Fahrerhaus und Aufbau ausgestattet wurde. Die Produktion des Frontlenkerfahrgestells endete in Mannheim im Januar 1961, die Hauber wurden noch bis Mai 1961 gebaut.[1] Insgesamt entstanden rund 55.000 Fahrzeuge,[2] 3000 davon mit Allradantrieb.[3] Wegen ihrer Motorleistung von anfangs 90 PS (66 kW) waren L 311 und L 312 zu ihrer Zeit als „90er Mercedes“ bekannt.[4]

Modellvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L 311: Basismodell, Hauber, Heckantrieb, Pritsche
  • LK 311: Hauber, Heckantrieb, Kipper
  • LA 311: Hauber, Allradantrieb, Pritsche
  • LP 311: Frontlenkerfahrgestell, Heckantrieb

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrwerk und Getriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mercedes-Benz L 311 hat einen modularen Leiterrahmen für die Radstände 3600, 4200 und 4830 mm sowie vorn und hinten Starrachsen an je zwei halbelliptischen Blattfedern. Zusätzlich sind an der Vorderachse Teleskop- oder Hebelstoßdämpfer und an der Hinterachse zwei progressiv wirkende Zusatzfedern eingebaut. Die Reifen der Größe 7,55–20 sind auf geteilte Schrägschulterfelgen der Größe 6,5-20 aufgezogen. An der Hinterachse ist der Wagen zwillingsbereift. An allen Rädern gibt es hydraulisch betätigte Innenbacken-Trommelbremsen, die auf Wunsch auch Druckluftunterstützung (Bremsservo) hatten. Die Fahrzeuge, die sowohl als Rechts- wie als Linkslenker lieferbar waren, haben eine Kugelumlauflenkung mit ungeteilter Spurstange von Mercedes-Benz. Bei den noch als L 3500 bezeichneten Fahrzeugen hingegen ist es eine ZF-Rosslenkung des Typs 704.

Vom Motor wird die Kraft über eine Einscheibentrockenkupplung des Typs Fichtel & Sachs H32 auf das Getriebe übertragen. Das Getriebe, eine Eigenentwicklung von Mercedes-Benz, ist standardmäßig ein Klauengetriebe, auf Wunsch war aber auch ein vollsynchronisiertes Fünfganggetriebe mit Kugelschaltung verfügbar. Vom Getriebe wird die Antriebskraft auf das Kegelrad-Differenzial an der Hinterachse übertragen; allradgetriebene Fahrzeuge haben zusätzlich ein Verteilergetriebe und eine Geländeuntersetzung. Eine Differenzialsperre gab es weder für Hinterachse noch für Vorderachse.

Motor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor ist in allen Fahrzeugen der Mercedes-Benz OM 312, ein stehender Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor mit zwei Ventilen, Vorkammereinspritzung und Wasserkühlung. Der Zylinderblock aus nickellegiertem Gusseisen und das geteilte Kurbelgehäuse sind aus einem Guss. Bei einer Zylinderbohrung von 90 mm und einem Kolbenhub von 120 mm hat der Motor einen Gesamthubraum von 4580 cm³. In den Zylindern laufen geschmiedete Kolben aus Leichtmetall von Mahle mit jeweils vier Kompressionsringen und zwei Ölabstreifringen. Die Kraft wird über schräggeteilte Pleuel auf eine geschmiedete und an den Lagerstellen gehärtete, siebenfach gelagerte Kurbelwelle übertragen. Pleuel und Kurbelwelle haben Bleibronze-Gleitlager mit Stahlstützschalen. Die Kurbelwelle ist mit sechs Gegengewichten und einem Schwingungsdämpfer versehen.

Im Kurbelgehäuse läuft eine vierfach in Gleitlagern gelagerte Nockenwelle, die über schrägverzahnte Stirnräder angetrieben wird. Sie betätigt über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel die senkrecht hängenden Ventile. Jeder Zylinder hat ein Ein- und ein Auslassventil. Der alle Zylinder abdeckende Zylinderkopf aus Gusseisen ist abnehmbar und hat eine Asbestdichtung.

Die Druckumlaufschmierung arbeitet mit Zahnradölpumpe und einem Ölfilter im Hauptstrom. Das Öl wird von einem Ölkühler mit Temperaturregler gekühlt. Die Kraftstoffpumpe an der Einspritzpumpe fördert den Kraftstoff aus dem Tank durch einen Filzrohrfilter zur Einspritzpumpe des Typs Bosch PES 6 A70 B 410 RS 64/7, die ihn über Einspritzdüsen des Typs Bosch DNO SD 211 in die Vorkammern einspritzt. Die Einspritzpumpe hat einen Fliehkraftregler. Die Luft wird vor dem Kühler angesaugt und mit einem Ölbadluftfilter gereinigt, der auch das Ansauggeräusch des Motors dämpft. Gekühlt wird der Motor mit einem Röhrenkühler, dessen warme Abluft ein Ventilator fortbläst.

Der Motor leistete zunächst 66 kW (90 DIN-PS) bei 2800 min−1 und gab ein maximales Drehmoment von 265 Nm bei 1600 min−1 ab. 1956 wurden Verdichtung und Drehzahl erhöht, die Steuerzeiten geändert und so die Leistung auf 74 kW (100 DIN-PS) bei 3000 min−1 gesteigert.

Technische Daten 1959[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

L 311 LK 311 LP 311 LA 311
Abmessungen und Gewichte
Radstand (mm) 3600 4200 4830 3600 3600 4200 4830 4200
Länge (mm) 6565 7265 8265 6185 6500 7435 8730 7265
Breite (mm) 2280 2230 2300
Höhe (mm) 2295 [2310] Abhängig vom Aufbau [2420]
Spurweite vorne (mm) 1700 1820
Spurweite hinten (mm) 1700
Bodenfreiheit (mm) 240 [255] 235
Wendekreisdurchmesser (m) 14,5 16,6 18,5 14,5 Abhängig vom Aufbau 18,5
Leergewicht* (kg) 3080 [3150] 3180 [3250] 3405 [3475] 3480 [3550] [3550]
Nutzlast (kg) 3600 [3850] 3760 [3750] 3300 [3150] 3320 [3450] [3550]
Maximal zulässige Gesamtmasse (kg) 7000 7100
Antriebsstrang
Kupplung Fichtel & Sachs H32
Getriebe Mercedes-Benz-Fünfganggetriebe
Getriebeübersetzungen 1. Gang: 7,37 {8,02}
2. Gang: 4,23 {4,785}
3. Gang: 2,49 {2,736}
4. Gang: 1,56 {1,663}
5. Gang: 1,0 {1,0}
R. Gang: 7,15 {8,29}
Übersetzung vom Getriebe zur Hinterachse 5,72
Höchstgeschwindigkeit 88 km/h [92 km/h] [82 km/h]
Motor
Typ Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Zweiventil-Vorkammer-Dieselmotor
Motorbezeichnung Mercedes-Benz OM 312
Kühlung Wasserkühlung
Bohrung ×Hub 90 × 120 mm
Hubraum 4580 cm³
Nennleistung 74 kW (100 DIN-PS nach DIN 70020) bei 3000 min−1
Maximales Drehmoment 265 Nm (27 kpm) bei 1600 min−1
Verdichtungsverhältnis 19,8:1
Zündfolge 1-5-3-6-2-4
Einlassventil öffnet 29 ° vor oberem Totpunkt
Einlassventil schließt 55,9 ° nach unterem Totpunkt
Auslassventil öffnet 57,4 ° vor unterem Totpunkt
Auslassventil schließt 24,3 ° nach oberem Totpunkt
Motormasse 382 kg
Glühkerze Bosch KE/GA 1/8/Beru 214 Ge (36 W)
Kraftstoffverbrauch nach DIN 70030 14,4 l / 100 km 15,9 l / 100 km
Ölverbrauch 200 ml / 100 km

*Mit Bremsservo steigt das Gewicht um 60 kg, mit Synchrongetriebe um weitere 30 kg
[] Gewichte in eckigen Klammern: Mit verstärkten Reifen
{} Werte in geschweiften Klammern: Synchronisiertes Getriebe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ L 3500 und L 3500 K (PDF) Gruppe 14, Nr. 700. Frankfurt am Main. Oktober 1954.
  • Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ L 311 und LK 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 700. Frankfurt am Main. November 1959.
  • Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ LP 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 700a. Frankfurt am Main. November 1959.
  • Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ LA 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 710. Frankfurt am Main. November 1959.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vor 55 Jahren: Daimler-Benz führt den Nachkriegs-Bestseller L 3250 und den O 3250 ein. Daimler-Benz Media, 20. April 2004
  2. a b Mercedes-Benz L 4500: Nutzlaststarker Renner der Mittelklasse. Daimler-Benz Media, 25. Februar 2008
  3. Transport mit Traktion: Allradgetriebene Lkw seit 1945. Daimler-Benz Media
  4. Veteranenhalle.de abgerufen am 14. April 2016.