Mercedes-Benz T 80

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Mercedes-Benz T 80

Der Mercedes-Benz T 80 wurde gebaut, um einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge aufzustellen. Der Prototyp befindet sich heute als Ausstellungsstück im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erfolgreiche deutsche Rennfahrer Hans Stuck, dessen Stern mit 36 Lebensjahren und angesichts aufkommender Konkurrenz von jungen Rennfahrern wie Bernd Rosemeyer innerhalb seines Rennstalls Auto-Union im Sinken war, plante, den Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge nach Deutschland zu holen. Unterstützung bei seinem Vorhaben erhielt er unter Anderem vom Chef des Beschaffungsamtes im Reichsluftfahrtministerium, Ernst Udet. Udet gab schließlich eine mündliche Zusage zur Freigabe zweier Flugzeugmotoren vom Typ Daimler-Benz DB 601 für den Rekordwagen. Daraufhin wandte sich Stuck ab August 1936 an Wilhelm Kissel, den Vorstand der Daimler-Benz AG. So schrieb Stuck beispielsweise am 13. Oktober 1936:

„Mein Lebenswunsch ist es, der schnellste Mann der Welt zu werden. Ich werde dafür auch jedes Opfer und jede Leistung aufbringen.“

Hans Stuck: einestages[1]

Nach langen Überlegungen innerhalb der Daimler-Benz AG wurde der Auftrag für den Bau des Rekordwagens schließlich an das Ingenieurbüro des ehemaligen Daimler-Chefkonstrukteurs Dr.-Ing. h. c.Ferdinand Porsche vergeben. Ab 1938 lief die Entwicklung des Rekordfahrzeuges Mercedes-Benz T 80 auf Hochtouren. Die vom Flugzeugbauer Ernst Heinkel konstruierte und an Maßstabsmodellen im Windkanal getestete Karosserie erzielte die gewünschten Eigenschaften. Am 12. Oktober 1939 erfolgte der erste Lauf auf dem Rollenprüfstand.[2]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Antrieb sollte zunächst ein Daimler-Benz-DB-601-Flugmotor[1] dienen, der bereits für die Rekordflugzeuge Messerschmitt Me 109 R und Heinkel He 100 V 2 verwendet wurde. Später war ein Daimler-Benz-DB-603-Motor mit 3.000 PS (ca. 2.200 kW) und 44,5 Liter Hubraum vorgesehen, der leistungsgesteigert bis zu 3.500 PS (ca. 2.600 kW) erreichen sollte.[3]

Der T 80 verfügt über drei Achsen, die Vorderachse dient zur Lenkung, die beiden Hinterachsen zum Antrieb. Im vorderen Drittel ist der Fahrer untergebracht, in der Mitte der Motor und hinten das Getriebe (eine feste Übersetzung). Als Bereifung sollten Spezialreifen der Firma Continental mit einem Durchmesser von 1160 mm zum Einsatz kommen. Diese hatten bei Prüfstandsläufen bereits Geschwindigkeiten von 700 km/h ohne Schaden überstanden.[4]

Die Form der Karosserie wurde durch den Aerodynamiker Baron von Fachsenfeld beeinflusst. Zur Reduzierung des Radschlupfes verfügte der Wagen über eine spezielle Einrichtung, die beim Auftreten einer Differenzdrehzahl zwischen Vorder- und Hinterrädern die Kraftstoffzufuhr zum Motor gedrosselt hätte.[5]

Planung der Rekordfahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übliche Versuchsstrecke für eine derartige Rekordfahrt waren damals Salzseen in den USA. Allerdings kamen diesen aus Prestigegründen nicht in Frage; der Rekord sollte auch in Deutschland gefahren werden.[1]

So wurde schließlich geplant, dass das Fahrzeug 1940 auf einer geraden Autobahnstrecke zwischen Dessau und Halle (heute Teil der Autobahn A9) bis zu 600 km/h erreichen sollte.[6] Als Fahrer war Hans Stuck vorgesehen, innerhalb der Daimler-Benz AG gab es jedoch Überlegungen, den eigenen Werksfahrer Rudolf Caracciola einzusetzen.[1] Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurde die geplante Rekordfahrt letztendlich verhindert.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Daten des Mercedes-Benz T 80[7]
Motor: 12-Zylinder-V-Motor, Typ DB 603 RS[3]
Bohrung × Hub: 162 × 180 mm
Hubraum: 44.500 cm³
Leistung: 3.500 PS (ca. 2.600 kW) bei 3460 min−1
Kurbelwelle: einteilig, siebenfach gelagert
Motorsteuerung: je Zylinderreihe eine obenliegende Nockenwelle
Ventile: 2 Einlass-, 2 Auslassventile je Zylinder, hängend, über Schwinghebel betätigt
Aufladung: Kompressor, Ladeluftkühlung
Schmierung: Trockensumpf-Druckumlaufschmierung
Kühlung: Glycol
Getriebe: feste Übersetzung
Kupplung: Dreischeiben-Kupplung mit automatischem Fliehkraftregler
Fahrgestell: Doppelrohrrahmen
Radaufhängung vorn: Doppelte Kurbellenker, Drehstabfedern
Radaufhängung hinten: Pendelachsen, Drehstabfedern
Stoßdämpfer: Reibungsstoßdämpfer
Bremsen: hydraulisch betätigte Innenbacken-Trommelbremsen
(Trommeldurchmesser 500 mm)
Länge: 8240 mm
Breite: 3200 mm
Höhe: 1270 mm
Radstand: 3550 mm
Spur: 1320/1180 mm (vorne/hinten)
Fahrzeuggewicht: 2800 kg
Höchstgeschwindigkeit: ca. 650 km/h

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mercedes-Benz T 80 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Das 3000-PS-Projekt. In: einestages. Spiegel Online, 2. September 2009, abgerufen am 24. Mai 2014.
  2. Mercedes-Benz T 80 mit V12-Flugmotor DB 603. Mercedes-benz Public Archive, abgerufen am 5. Januar 2016.
  3. a b MB-T80-1939-Motor. Mercedes-Benz Classic, 12. Februar 2010, abgerufen am 30. Mai 2014: „DB 603 RS Spezial-Flugmotor“
  4. Alfred Neubauer, Harvey T. Rowe: Männer, Frauen & Motoren, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1970, S. 235−238
  5. Paul Clifton: Die schnellsten Männer am Lenkrad. Die Geschichte der Geschwindigkeits-Weltrekorde im Automobil, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1968, S. 193−195
  6. Unternehmen Reichsautobahn. Die Reichsautobahn kommt nach Dessau. In: Die Geschichte der Stadt Dessau. Dirk Schröter, abgerufen am 30. Mai 2014 (PDF; 52 kB, Auszug aus der Dessauer Chronik - Sonderheft "Unternehmen Reichsautobahn").
  7. Kategorie:MB Rekordwagen. Mercedes-Benz Rekordwagen T 80, 1939. Mercedes-Benz Classic, 24. Februar 2010, abgerufen am 5. Januar 2016.