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Taiwan (Insel)

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Dieser Artikel behandelt die Insel Taiwan. Für den unter demselben Namen bekannten Staat siehe Republik China (Taiwan).
Taiwan
Satellitenfoto Taiwans
Satellitenfoto Taiwans
Gewässer Pazifischer Ozean
Geographische Lage 23° 43′ N, 120° 51′ OKoordinaten: 23° 43′ N, 120° 51′ O
Lage von Taiwan
Länge 394 km
Breite 144 km
Fläche 35.801 km²
Höchste Erhebung Yu Shan
3952 m
Einwohner ca. 23.000.000
642 Einw./km²
Hauptort Taipeh
Übersichtskarte Taiwans
Übersichtskarte Taiwans

Taiwan (chinesisch 臺灣 / 台湾, Pinyin Táiwān, W.-G. T’ai-wan, taiwanisch: Tâi-oân, Hakka: Thòi-vǎn, früher auch Formosa genannt) ist eine Insel im West-Pazifik vor dem chinesischen Festland, von diesem getrennt durch die Formosastraße. Die Insel bildet seit 1949 den Hauptteil der Republik China auf Taiwan. Gleichzeitig wird Taiwan von der Volksrepublik China beansprucht, was sich im Taiwan-Konflikt niederschlägt. Der rechtliche Status Taiwans ist umstritten.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist die Insel auch unter dem vor allem früher verwendeten Namen Formosa, der ihr von portugiesischen Seefahrern verliehen wurde (nach „Ilha formosa“, portugiesisch für „schöne Insel“). In China ist bereits seit dem 16. Jahrhundert der Name Taiwan gebräuchlich, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Lehnwort aus einer Ureinwohnersprache handelt. Der Name bezeichnete ursprünglich sowohl die gesamte Insel als auch die damalige Hauptstadt (das heutige Tainan) im Süden der Insel. Die Gründung der Stadt geht auf die Niederländische Ostindien-Kompanie zurück, die 1623 das Fort Zeelandia sowie eine weitere Festung im Herzen des heutigen Tainan errichtete.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel Taiwan erstreckt sich über eine Fläche von 35.801 km² (zum Vergleich: die Fläche Baden-Württembergs beträgt 35.752 km²). Die Insel ist 394 km lang, die maximale Breite beträgt 144 km. Sie wird im Westen durch die an der engsten Stelle 130 km breite Taiwan-Straße vom chinesischen Festland getrennt, im Süden durch die Straße von Luzon von den Philippinen. Östlich begrenzt das Philippinenbecken Taiwan. Im Nordosten schließt sich Taiwan an die zu Japan gehörende Inselkette der Ryūkyū-Inseln an, die das flache Ostchinesische Meer vom übrigen Pazifik abgrenzen. Südwestlich der Insel liegt das Südchinesische Meer, im Osten liegt der offene Pazifik.

Taiwan hat auf der Landkarte eine Form ähnlich einer Süßkartoffel, aufgrund derer sich die Nachkommen von ursprünglich Min Nan sprechenden Zuzüglern aus der festlandchinesischen Provinz Fujian, die einen großen Teil der Bevölkerung Taiwan ausmachen, auch als Kinder der Süßkartoffel bezeichnen.[1] Eine andere Interpretation der Form ist die Vorstellung eines Wales im Meer.

Taiwan wird ähnlich wie Japan häufig von Erdbeben heimgesucht, was besondere Sicherheitsstandards bei Gebäuden und Infrastruktur erfordert.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fluss Xiuguluan

Der Wendekreis des Krebses, der die Klimagrenze zwischen Tropen und Subtropen markiert, durchläuft die Insel genau an ihrer mit 3.952 Meter Höhe höchsten Erhebung, dem Yu Shan. Im nördlichen Teil herrscht entsprechend ein subtropisches Klima, der Süden ist unter Berücksichtigung des klimatischen Einflusses der jeweiligen Höhenlage vorherrschend tropisch. Aufgrund der hohen Gebirge findet sich in den Höhenlagen auch im südlichen Teil ein – vorwiegend von tageszeitlichen Schwankungen geprägtes – gemäßigtes Klima.

Im Winter weht ein kräftiger Monsun aus Nordosten, im Sommer ein starker Monsun aus Südwest, der heftige Regenfälle mit sich bringt. Von Mai bis Oktober wird die Insel häufig von Taifunen heimgesucht. Im Winter kommt es in den Höhenlagen – vor allem über 3.000 Meter – zu vereinzelten Schneefällen. Einer der bekanntesten Orte hierfür ist der an einer 3.275 Meter hohen Passstraße im Landkreis Nantou gelegene Hehuanshan. Die Durchschnittstemperaturen betragen im Februar 12 °C und im Juli 25 °C.

Geomorphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhenrelief Taiwans

Die Insel besteht zu rund zwei Dritteln aus einem Gebirge, das sich in fünf Gebirgsketten gliedert und von Norden nach Süden über die östliche Hälfte der Insel erstreckt. Diese Gebirgszüge erstrecken sich von Norden nach Süden über rund 330 km, die West-Ost-Ausdehnung beträgt durchschnittlich 80 km. Den Westen der Insel bildet eine flache, von Tälern der im Gebirge entspringenden Flüsse durchzogene fruchtbare, heute stark besiedelte Ebene. Nach Osten steigt diese Ebene bis zur zentralen Gebirgskette an, die über 200 Gipfel mit mehr als 3.000 Meter Höhe aufweist. In ihrer Mitte liegt der Yu Shan, die mit 3.952 m ü. d. M. höchste Erhebung der Insel. Die im Vergleich zu den Alpen meist schmalen Täler sind von steil ansteigenden Hängen flankiert und wurden teils bis auf über 2.000 Meter Höhe durch Terrassierung besonders für Tee- und Obstanbau landwirtschaftlich nutzbar gemacht.

Entlang des mittleren Teils der Ostküste erstreckt sich das schmale, bis zu 1.682 m hohe Küstengebirge, welches durch den stark erdbebengefährdeten Huatung-Graben vom zentralen Gebirgszug getrennt ist und steil zum Meer hin abfällt. Weiter nördlich reicht das Zentralgebirge direkt bis an den Pazifik. An diesem Teil der Ostküste liegt die Tarokoschlucht, ein bis zu 600 Meter tief in Kalkfelsen eingeschnittenes Flusstal, welches zu den bedeutendsten Natursehenswürdigkeiten Taiwans zählt. Der an der Westseite des Zentralgebirges im geographischen Zentrum der Insel auf 762 m ü. d. M. gelegene Sonne-Mond-See ist das größte Binnengewässer Taiwans und wird durch seine Höhenlage als Speicherkraftwerk zur Erzeugung hydroelektrischer Energie genutzt.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taiwan liegt an der Westkante des pazifischen Feuerrings, wo die philippinische Platte mit der eurasischen Platte zusammenstößt. Die dabei entstehenden permanenten Reibungen sind die Ursache von steilen Bergen, Erdbeben und Vulkanen. Die Vulkane sind heute alle erloschen, jedoch sind die Magmaherde immer noch aktiv und die Ursache von zahlreichen Heißen Quellen. Zwei kleine im Südosten vorgelagerte Inseln — Lan Yu und Lü Dao — waren ursprünglich Vulkane.

Eine Hauptbruchlinie verläuft geradewegs der Ostküste entlang gen Süden, was die Ursache für regelmäßige Erschütterungen ist. Jährlich gibt es mehrere Erdbeben von geringen Stärken (2–3) bis zu 8 auf der Richterskala. Die Stärke 8 wurde letztmals 1995 erreicht, als ein nächtliches Erdbeben eine Schule zerstörte. Größere Schäden in weiten Teilen der Insel richtete jedoch ein Erdbeben der Stärke 7,6 am 21. September 1999 an, welches über 2.400 Todesopfer forderte. Die Gefahr, dass Erdbeben dieser Stärke wieder auftreten, besteht weiterhin, besonders an der Ostküste.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des teils tropischen, teils subtropischen Klimas war Taiwan bis vor einigen Jahrhunderten eine fast reine Waldinsel. Allerdings sind die Waldbestände verstärkt während der japanischen Herrschaft, insbesondere während des Zweiten Weltkrieges, dezimiert worden, da Holz für militärische Zwecke gebraucht wurde. Daneben wurde in dieser Zeit das Holz für den Bau von Schreinen und den zugehörigen Brandopfern gebraucht. Heute bestehen mit den wiederaufgeforsteten Gebieten etwa 55 Prozent Taiwans aus Wäldern und Kulturwald. Viele ursprünglich endemische Arten sind verschleppt worden. In den Bergen bestehen sie meist aus Zypressen (besonders Scheinzypressen), Wacholder, Tannen, Kiefern, Fichten, Bambus, Azaleen sowie Laubbäumen. Der Campherbaum wurde durch exzessive Abholzung fast ausgerottet, da Campher in der Vergangenheit Taiwans Hauptexportgut war.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taiwans Fauna wurde in der jüngsten Vergangenheit schwer beeinträchtigt. Die Industrie hat an der Westküste die Feuchtgebiete stark geschädigt, die einst eine große Anzahl an Vögeln und anderen Tierarten beherbergten. Die Abholzung hat sich auf die Fauna nachteilig ausgewirkt. An der Ostküste wurden Teile der Wälder rekultiviert, was die Anzahl der Tiere dort wieder steigen lässt.

Säugetiere wie der Taiwanische Schwarzbär (Ursus thibetanus formosus), der Sambar, der chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi), der Sikahirsch und die formosianische Gorale werden geschützt, man kann sie aber dennoch in freier Wildbahn nur selten antreffen. Bedroht ist auch der Formosa-Makak, der Taiwan-Nebelparder dürfte dagegen bereits ausgestorben sein.

Vögeln wird bei der Wiederaufforstung eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt, daher gibt es diese in einer großen Artenvielfalt, besonders auf den Penghu-Inseln. Einige davon sind die endemischen Arten Swinhoefasan und Mikadofasan, die zu den Rabenvögeln gehörende Dickschnabelkitta (Urocissa caerulea), der Weißschwanz-Tropikvogel, der Schneereiher, der Löffler, der Schwarzstirnlöffler (Platalea minor) und der Bindenfregattvogel.

Die Amphibienfauna ist mit 41 Spezies recht artenreich; darunter finden sich mehrere stark gefährdete Arten. Sogar der größte Lurch der Welt, der Chinesische Riesensalamander, soll in Taiwan noch vorkommen – allerdings ist diese Art akut vom Aussterben bedroht. Im Einzelnen gehören fünf Schwanzlurch- und 36 Froschlurcharten zur Tierwelt (drei Vertreter der Familie Winkelzahnmolche, einer der Riesensalamander, einer der Echten Salamander, drei Krötenarten, ein Laubfrosch, vier Engmaulfrösche, 16 Echte Frösche und zwölf Arten der Ruderfrösche). Die Aga-Kröte ist keine ursprünglich einheimische Art, sondern wurde vom Menschen eingeführt.[2]

Mehr als 110 Arten von Reptilien leben auf Taiwan und den Küstengewässern (z. B. Seeschlangen oder Meeresschildkröten). Ungefähr 20 Arten sind endemisch, d. h. sie kommen nur auf Taiwan und einigen kleinen vorgelagerten Inseln wie Lanyu (Orchideen-Insel) vor.[3]

Umweltverschmutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der hohen Bevölkerungsdichte leiden viele Regionen Taiwans an den Folgen schwerer Umweltverschmutzung. Am schlimmsten sind die Areale um Taipeh und Tainan bis Kaohsiung betroffen. In der Vergangenheit wurde diese Verschmutzung besonders durch Autos, Motorroller und Fabriken verursacht, als noch ohne Bedenken Blei benutzt wurde. Dies änderte sich nach der Gründung einer Umweltbehörde, die schon messbare Effekte in der Luftqualität erreicht hat.

Die Bodenverschmutzung ist besonders durch die neuere Schwerindustrie bedingt. Die steigende Anzahl an Giften im Boden ist eine stetig wachsende Herausforderung und schadet unmittelbar der Wirtschaft mit ihrem hohen Export landwirtschaftlicher Produkte. Auch die Wasserverschmutzung ist ein großes Problem. Zirka 90 Prozent der Abwässer werden ungeklärt in Flüsse und das Meer geleitet. Nach Schätzungen würde die Reinigung der Flüsse mehrere Milliarden US-Dollar kosten.

Ressourcen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windräder an der Westküste bei Taichung

Die Campherölgewinnung und Rohzuckerproduktion waren die wichtigsten Cash Crops seit dem 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Exportanteil dieser beider Branchen sank jedoch nicht nur, weil die Ressourcen hierfür langsam zur Neige gingen, sondern auch wegen der geringeren Nachfrage auf dem internationalen Markt.

Hauptsächlich werden Früchte (Bananen, Guaven, Litschi und Javaäpfel), Reis, Fisch und Tee exportiert (Taiwaner bezeichnen Taiwan oft als „Fruchtexportland Nr. 1“, was jedoch bisher nicht verifiziert werden konnte). Die Gewinne aus dem Export sind jedoch seit dem Beitritt Taiwans zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 rückläufig.

Wegen der exzessiven Ausbeutung während Taiwans jüngster Geschichte sind mineralische Ressourcen wie Kohle, Gold und Marmor sehr rar, weswegen die Republik Einlagen an Kohle, Gas und Öl einrichtete. Die verbliebenen Waldbestände wurden unter Naturschutz gestellt und durch Aufforstung erweitert.

Die Wasserqualität ist durchschnittlich gut, jedoch empfiehlt die Regierung, Wasser aus dem Wasserhahn abzukochen. Der Kalkgehalt liegt bei durchschnittlichen 10°dH.[4]

Die Elektrizität wird zu 55 Prozent durch Kohle, zu 18 Prozent nuklear, zu 17 Prozent aus Erdgas und zu je 5 Prozent aus Öl und erneuerbaren Ressourcen erzeugt. Öl und Gas für Transportmittel und zur Stromgewinnung müssen importiert werden, was die Wirtschaft Taiwans von konjunkturellen Schwankungen auf dem Energiemarkt abhängig macht. Aufgrund dessen beschloss das Exekutiv-Yuan, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromgewinnung von 5 Prozent auf 10 Prozent bis zum Jahr 2010 zu erhöhen. Mittlerweile wurden schon einige Windkraftwerke von deutschen und amerikanischen Firmen installiert, auch die Solarenergie wird immer interessanter für taiwanische Firmen, zumal die Technologie der erneuerbaren Energien ein mögliches Exportprodukt für die Insel ist.

Die Regierung Taiwans will in der nahen Zukunft eine verbindliche Politik zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes von Taiwan festlegen. Nach ersten Angaben des stellvertretenden Premierministers Qiu Yiren soll dabei bis zum Jahr 2025 das Niveau des CO2-Ausstoßes von 2000 erreicht werden. Im Jahre 2000 hat Taiwan 221 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, bereits im Jahr 2005 hat sich dieser Ausstoß um 25 % auf 276 Millionen Tonnen erhöht.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Taiwans

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit (etwa um 4000 v. Chr.), eine weitere Siedlungswelle vom chinesischen Festland her lässt sich für zirka 2500 v. Chr. nachweisen. Diese Periode war durch Ackerbau und eine Megalithkultur mit aufgerichteten Großsteinen gekennzeichnet und durch Gräber aus Steinkisten.

Noch während der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends unserer Zeitrechnung boten die indigenen Kulturen auf dem chinesischen Festland und den diesem vorgelagerten Inseln ein kulturell und linguistisch ähnliches Bild. Bis zum 17. Jahrhundert gab es jedoch kaum kulturelle Verbindungen zwischen Taiwan und China. Die indigenen Völker Taiwans pflegten Handelsbeziehungen sowohl mit China wie auch in Richtung Süden, z. B. mit den Philippinen.

Während der Sui-Dynastie soll es im Jahr 608 erstmals eine chinesische Expedition nach Taiwan gegeben haben. In der Anfang des 18. Jahrhunderts erschienenen ersten chinesischen Darstellung Taiwans (臺灣府志 / 台湾府志, Táiwānfǔ zhì ‚Schilderung des Distrikts Taiwan‘) ist als erste Expedition eine Reise des Admirals Zheng He im 15. Jahrhundert erwähnt, die jedoch ebenfalls nicht zweifelsfrei belegt ist.

Kolonisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1583 erreichten die Portugiesen als erste Europäer die Insel und nannten sie Ilha Formosa („Schöne Insel“). 1624 besetzten niederländische Seefahrer und die Niederländische Ostindien-Kompanie den Süden der Insel und 1626 gründeten Spanier Niederlassungen bei Keelung und Tanshui.

Bis ins Anfang des 17. Jahrhunderts war die Insel, abgesehen von einer geringen Zahl chinesischer Siedler, fast ausschließlich von austronesischen indigenen Völkern bewohnt. Dann wanderten in mehreren Immigrationswellen chinesische Siedler vom Festland her ein. Ihre Nachfahren bilden heute die Mehrheitsbevölkerung Taiwans. Die Ureinwohner in den westlichen Ebenen gingen weitgehend in der eingewanderten Han-Bevölkerung auf, nur in unzugänglichen Bergregionen konnten einige indigene Völker ihre Eigenständigkeit bis ins frühe 20. Jahrhundert bewahren.

Die erste größere chinesische Einwanderungswelle geht auf die niederländischen Kolonisatoren zurück, die ab 1624 Siedler anwarben. Um 1641 war etwa ein Drittel der Insel unter niederländischer Verwaltung. Die niederländische Kolonialverwaltung begann zudem mit der christlichen Missionierung der Ureinwohner und richtete die ersten öffentlichen Schulen ein. Das von den Niederländern eingeführte lateinische Alphabet hielt sich bis ins frühe 18. Jahrhundert.

Die niederländischen Kolonialherren wurden durch Koxinga (Zheng Chenggong) vertrieben, einem Kriegsherrn, Piraten, Kaufmann chinesisch-japanischer Abstammung und Ming-Loyalisten. 1683 annektierten die neuen Herrscher in Peking, die von den siegreichen Mandschu gegründete Qing-Dynastie (1644–1911), die Insel.

Japanische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke der Republik Formosa, 1895

Im Frieden von Shimonoseki musste China nach dem verlorenen chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 Formosa und die Pescadoren an Japan abtreten, wodurch Taiwan bis 1945 dem japanischen Kaiserreich als Provinz angegliedert wurde.

Die japanische Kolonialverwaltung brachte in jahrzehntelangen blutigen Auseinandersetzungen die Bergvölker unter ihre Kontrolle und richtete Schulen und Polizeistationen in den Dörfern ein. Die bis dahin übliche Kopfjagd wurde unterbunden und es wurde versucht, den Shintoismus als Staatsreligion und -ideologie einzuführen.

Im Jahr 1919 wurde die Bevölkerung auf ungefähr 3 Millionen Han-Chinesen, 100.000 Japaner und 120.000 Angehörige indigener Völker geschätzt.

Republik China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde Taiwan nach der japanischen Niederlage gemäß den alliierten Kriegszielen (Kairoer Erklärung) in die damalige Republik China unter Führung von Chiang Kai-shek eingegliedert, während auf dem chinesischen Festland der Bürgerkrieg zwischen der regierenden Kuomintang (KMT) und den chinesischen Kommunisten wieder entbrannte. Die Truppen der Republik wurden von den Taiwanern zunächst begeistert begrüßt, doch kam es wegen allgegenwärtiger Korruption, galoppierender Inflation und wirtschaftlichen Niedergangs rasch zu Spannungen zwischen Taiwanern und der von der Kuomintang-Regierung eingesetzten Verwaltung, die sich beim Zwischenfall vom 28. Februar 1947 in einem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand entluden.

1949 floh die Kuomintang-Regierung unter Chiang Kai-shek nach ihrer Niederlage im chinesischen Bürgerkrieg auf die Insel und machte die Stadt Taipeh zu ihrem Regierungssitz. Mit ihr kamen 1949 etwa 1,5 Mio. Flüchtlinge aus allen Teilen Festlandchinas nach Taiwan, die mit ihren Nachkommen heute ungefähr 14 % der Bevölkerung stellen und in der taiwanischen Gesellschaft als Waishengren bezeichnet werden.

Die Kuomintang (KMT) regierte die Insel über vier Jahrzehnte als autoritären Einparteienstaat. 1987 hob die KMT das Kriegsrecht auf, die erste Oppositionspartei, die Demokratische Fortschrittspartei (DFP) wurde gegründet. Die lange aus Schulen, Behörden und Rundfunk verbannten Lokalsprachen, insbesondere das Taiwanische, erlebten eine Renaissance. Auch gibt es seit Mitte der 1990er Jahre Bestrebungen, die Kultur und die Sprachen der Ureinwohner zu bewahren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Taiwan – Weitere Informationen zu Taiwan

Literaturverzeichnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James Wheeler Davidson: The Island of Formosa. Past and Present. History, people, resources, and commercial prospects. Tea, camphor, sugar, gold, coal, sulphur, economical plants, and other production. London / New York 1903 (Online bei Internet Archive)
  • Oskar Weggel: Geschichte Taiwans. Vom 17. Jahrhundert bis heute. Edition global, München 2007, ISBN 3-922667-08-2 (1. Auflage: Böhlau, 1991, ISBN 3-412-02891-6)
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 1, 2. Auflage, 1994, ISBN 957-9019-52-5, Online Ausgabe
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 2, 2. Auflage, 1996, Online Ausgabe: Fotokopie/pdf
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 3, 2. Auflage, 1993, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 4, 2. Auflage, 1998, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 5, 2. Auflage, 2000, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 6, 2. Auflage, 2003, Online Ausgabe: pdf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Taiwan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: 台灣 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chao, Kang & Johnson, Marshall (2000). Nationalist Social Sciences and the Fabrication of Subimperial Subjects in Taiwan, 1. Auflage, Band 8, 167 Seiten
  2. Amphibiaweb.org
  3. Reptilien Taiwans in der The Reptile Database, Stand vom 17. Jan 2016
  4. Water Quality, www.sinica.edu.tw/, abgerufen am 7. November 2007
  5. CO2-Emissionen sollen bis 2025 auf das Niveau von 2000 reduziert werden, Radio Taiwan International, 21. Dezember 2007
Dieser Artikel wurde am 16. Januar 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.