Das Literarische Quartett

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Seriendaten
Originaltitel Das Literarische Quartett
Produktionsland DeutschlandDeutschland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) 1988–2001, 2005, 2006
Produktions-
unternehmen
ZDF
ORF
Länge 75 Minuten
Episoden 77 (reguläre Folgen)
Genre Talkshow
Erstausstrahlung 25. März 1988 auf ZDF
Besetzung
Marcel Reich-Ranicki

Das Literarische Quartett war eine Literatursendung des Zweiten Deutschen Fernsehens. Ursprünglich von Johannes Willms konzipiert,[1] wurde sie vom 25. März 1988 – zunächst im Rahmen des Kulturmagazins Aspekte – bis 14. Dezember 2001 ausgestrahlt. Insgesamt wurden 385 Buchtitel besprochen.

Besetzung[Bearbeiten]

„Das Literarische Quartett“ bestand zu Anfang aus Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek, Sigrid Löffler und Jürgen Busche. Letzterer verließ nach sechs Folgen das Quartett und fand in Klara Obermüller einen Ersatz, ab 1990 wechselte der vierte Teilnehmer zu jeder Sendung.

In der Sendung vom Juni 2000 warf Reich-Ranicki während der Besprechung des Buches Gefährliche Geliebte des Schriftstellers Haruki Murakami seiner Kollegin Löffler vor: „Zweimal jährlich kommt ein Liebesroman und Sie sagen empört, das gehört gar nicht hierher. Ich weiß gar nicht, Sie halten die Liebe für etwas anstößig Unanständiges, aber die Weltliteratur befasst sich nun mal mit diesem Thema“. Noch in der Sendung wies Löffler dies als „persönliche Unterstellung“ zurück: „[…] das finde ich absolut unfair und das geht auch nicht“.[2] Anschließend gab sie bekannt, die Sendereihe zu verlassen. Ihre Nachfolgerin wurde die ZEIT-Redakteurin Iris Radisch.

Die Sendung lebte hauptsächlich von den Redebeiträgen Reich-Ranickis, der durch seine teilweise cholerische Art und seine oft vernichtenden Kritiken bzw. Verrisse auch für Lacher im Publikum sorgte. Reich-Ranicki beendete die Sendung jeweils mit dem Brecht-Zitat: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“, eine Abwandlung von „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ (aus Der gute Mensch von Sezuan).

Sigrid Löffler schrieb nach ihrem Ausstieg in ihrer Zeitschrift Literaturen:

„Im Falle Reich-Ranickis war das Fernsehen als Eitelkeitsmaschine seines Daseins Glück und Unglück. Es hat den Kritiker Reich-Ranicki zugleich unerhört popularisiert und beschädigt. Er ist heute prominenter als die meisten Autoren und Bücher, über die er sich äußert.“

Zitate[Bearbeiten]

„Wir werden über Bücher sprechen, und zwar, wie wir immer sprechen: liebevoll und etwas gemein, gütig und vielleicht ein bisschen bösartig, aber auf jeden Fall sehr klar und deutlich. Denn die Deutlichkeit ist die Höflichkeit der Kritik der Kritiker.“

Marcel Reich-Ranicki: Das Literarische Quartett, 18. März 1993

„Gibt es im ‚Quartett‘ ordentliche Analysen literarischer Werke? Nein, niemals. Wird hier vereinfacht? Unentwegt. Ist das Ergebnis oberflächlich? Es ist sogar sehr oberflächlich.“

Marcel Reich-Ranicki: „Mein Leben“, Seite 538

Sondersendungen[Bearbeiten]

Für einige Jubliläen von Dichtern und Schriftstellern gab es nach dem Ende der Sendereihe Sondersendungen:

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Das Literarische Quartett. Mitschrift aller 77 Sendungen. 3 Bände, 1.952 Seiten. Directmedia, Berlin. ISBN 3-89853-301-8.
  • Das Literarische Quartett. Volltext mit 16 Stunden MP3-Aufnahmen. CD-ROM aus der Reihe Digitale Bibliothek, Directmedia, Berlin. ISBN 3-89853-526-6.

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erwähnt in der Vorstellung Willms' in der Sendung Literaturclub des Schweizer Fernsehens vom 29. Juni 2010.
  2. Das literarische Quartett – der Krach. Abgerufen am 1. Juli 2014.