Islamischer Staat (Organisation)

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Islamischer Staat‎
ad-daūla al-islāmiyya
Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg
IS-Flagge

Syrian, Iraqi, and Lebanese insurgencies.png

Für mehr Informationen steht folgende Karte zur Verfügung Syrischer Bürgerkrieg, detaillierte Karte

Libyan Civil War.png

Für mehr Informationen steht folgende Karte zur Verfügung Krieg in Libyen, detaillierte Karte

Aufstellung 2014
Land SyrienSyrien Syrien
IrakIrak Irak
LibyenLibyen Libyen
LibanonLibanon Libanon
NigeriaNigeria Nigeria (Boko Haram)
JemenJemen Jemen
AgyptenÄgypten Ägypten (Sinai-Halbinsel)
AfghanistanAfghanistan Afghanistan
PakistanPakistan Pakistan
Typ De-facto-Staat (umstritten)
Stärke in Syrien und Irak:

Außerhalb Syriens und Iraks:

  • 32.600–57.900
Spitzname IS, ISIS, ISIL, DAESH
Farben Schwarz, Weiß
Jahrestage 29. Juni 2014 (Ausrufung des „Kalifats“) (umstritten)
Kommandeur
Proklamierter „Kalif(umstritten) Abu Bakr al-Baghdadi
Leiter des Militärrats Abu Ali al-Anbari
Oberbefehlshaber in Syrien Omar Schischani

Der Islamische Staat (IS) (arabisch ‏الدولة الإسلامية‎, DMG ad-daula al-islāmiyya), bis Juni 2014 Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS), ist eine seit 2003 aktive kriminelle und terroristische Vereinigung mit zehntausenden Mitgliedern, die derzeit große Gebiete im Irak und in Syrien und kleinere Gebiete in Libyen beherrscht. Die Führungsspitze des IS wird von einer Gruppe von ehemaligen Geheimdienstoffizieren der irakischen Streitkräfte gebildet, die Medienberichten zufolge bis zu dessen Tötung 2014 von Haji Bakr angeführt wurden.[3][4] Die Organisation war und ist in verschiedenen Staaten unter anderem mit Anwerbung von Mitgliedern, Bombenanschlägen und Beteiligung an Bürgerkriegen aktiv.

Nach militärischer Eroberung eines zusammenhängenden Gebietes im Nordwesten des Irak und im Osten Syriens rief sie am 29. Juni 2014 einen als Kalifat bezeichneten Staat aus. IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi regiert diesen nach seiner eigenen Vorstellung über einen „Islamischen Staat“ als selbsternannter Kalif. Damit ist der Anspruch auf die Nachfolge des Propheten Mohammed als politischem und religiösem Oberhaupt aller Muslime verbunden.[5][6]

Die Organisation hat ihren Ursprung im irakischen Widerstand und bekannte sich anfangs zu al-Qaida,[7] von deren Führung sie sich etwa Mitte 2013 löste und mit der sie seitdem in zunehmend deutlicher Konkurrenzbeziehung steht.[8][9] Der IS kämpft im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad, aber zugleich auch gegen die Freie Syrische Armee sowie gegen die kurdische Minderheit im Norden des Landes. Seit August 2014 sind IS-Truppen Ziele US-amerikanischer Luftangriffe, an denen sich seit September mehrere westliche und arabische Staaten beteiligen.[10]

Vom UN-Weltsicherheitsrat[11] sowie unter anderem von den Regierungen der USA,[12] Großbritanniens,[13] Australiens[14] und Deutschlands[15] wird der IS als terroristische Vereinigung eingestuft. Auch muslimische Gelehrte lehnen das IS-Kalifat ab[16] und haben sich in einem offenen Brief an den IS-Anführer al-Baghdadi von der Vorgehensweise seiner Organisation distanziert.[17] Der Großmufti Saudi-Arabiens Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich nannte IS und al-Qaida „Feinde Nummer eins des Islams“.[18] Selbst in einer Kriegssituation habe kein Muslim das Recht, Zivilisten, Frauen und Kinder anzugreifen.

Inhaltsverzeichnis

Organisation[Bearbeiten]

Namen[Bearbeiten]

Der Irak und die Länder der Levante (in heutigen Grenzen)

Die Organisation nannte sich bis Ende Juni 2014 „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (arabisch ‏الدولة الإسلامية في العراق والشام ‎, DMG ad-daula al-islāmiyya fī l-ʿIrāq wa-š-Šām; auch als „… in der Levante“ oder „… in Großsyrien“ übersetzbar), wovon sich auch die gebräuchlichen Abkürzungen ISIS und ISIL ableiten. Als namenspolitisch motivierte Fremdbezeichnung wird die aus den arabischen Anfangsbuchstaben abgeleitete und im arabischen Sprachgebiet verbreitete, eher negativ konnotierte Abkürzung Daaisch bzw. Daesh (‏داعش‎, DMG dāʿiš) inzwischen auch in anderen Sprachen verwendet. Damit soll der im Islam positiv konnotierten Eigenbezeichnung der Organisation bewusst entgegengetreten und eine direkte Assoziation mit dem Islam vermieden werden.[19][20]

Seit Ende Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat. Nach Ansicht des Politologen Volker Perthes will die Organisation, die er als „dschihadistisches Staatsbildungsprojekt“ kennzeichnet, durch Verzicht auf frühere Namensbestandteile unterstreichen, dass sie über den Irak und die Levante hinaus expandieren will.[21] Weitere, ehemalige Namen der Organisation oder ihrer Vorläufer (JTJ, Az-Zarqawi-Netzwerk, TQJBR, AQI) sind im Abschnitt Geschichte angegeben.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Gruppe finanziert sich wahrscheinlich über Spenden superreicher Privatleute, religiöser Stiftungen und Moscheevereine[22] vor allem aus Saudi-Arabien und Katar,[23] in geringerem Umfang auch aus Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zusätzliche Einnahmen erzielt sie, indem sie Rohöl aus eroberten Ölfeldern,[24][25] antike und islamische Fundstücke aus Raubgrabungen an archäologischen Fundstellen und der Plünderung von Museen[26][27] sowie Frauen als „Bräute“ verkauft,[28][29] indem sie Steuern und Zölle erhebt[30] und bei Geiselnahmen Lösegeld (und anderes[31]) erpresst.[32][33] Archäologische Funde werden in den Westen geschmuggelt und hier mit gefälschten Papieren in den Kunsthandel gebracht, wo Sammler oft hohe Preise zahlen.[26] Im Dezember 2014 platzierte der US-General John R. Allen die Einschätzung, dass der IS zunehmend in Geldnot gerate.[34]

Der Islamische Staat proklamiert auf seinen Webseiten und in sozialen Netzwerken die Einführung eines Gold-Dinars. Sukzessive wurde dieser auch schon in Umlauf gebracht.[35]

Führungsstruktur[Bearbeiten]

Neben dem „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi stehen mit Adnan al-Sweidawi („Abu Ali al-Anbari“) für Syrien und Fadel al-Hayali („Abu Muslim al-Turkmani“) für den Irak zwei weitere „Regierungsvertreter“ an der Spitze der Organisation IS. Fünf „Gouverneure“ regieren in Syrien, sieben weitere im Irak. Die Führung des IS besteht aus neun Räten: dem Führungsrat, dem Schura-Rat, dem Rechtsrat, dem Sicherheitsrat, dem Hilfsrat für Kämpfer, dem Militärrat, dem Geheimdienstrat, dem Medienrat und dem Finanzrat.[36][37]

Dokumente, die lt. Angaben des Spiegel vom getöteten IS-Chefstrategen Haji Bakr stammen, legen nahe, dass es neben der oben beschriebenen Führungsstruktur eine parallele Geheim- bzw. Geheimdienststruktur gibt.[4] An deren Spitze steht das klandestine Gremium Ahl al-Hall wa-l-ʿAqd, das die tatsächlich relevanten Entscheidungen trifft. Im klassischen Kalifat hatte ein Gremium dieses Namens die Aufgabe, den Kalifen zu wählen oder abzusetzen.[38] Der Spiegel-Quelle zufolge haben Haji Bakr und dessen irakische Geheimdienstclique al-Baghdadi 2010 tatsächlich als religiösen Frontmann an die Spitze des IS gebracht. Wie viel Macht der „Kalif“ tatsächlich habe, sei unklar.

Mitglieder[Bearbeiten]

Schätzungen des US-Außenministeriums vom Mai 2013 bezifferten die Truppenstärke des IS im Irak mit 1.000 bis 2.000,[39] Schätzungen eines Irak-Experten der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Juni 2014 gehen jedoch von einer Stärke von 10.000 bis zu 15.000 Mann aus.[40] In Syrien wurde die Anzahl der Kämpfer vom IS je nach Quelle auf 3.000 bis 8.000 geschätzt.[41][42][43] Im August 2014 berichtete der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, von 50.000 Mann, die mittlerweile in Syrien kämpfen – 20.000 davon seien aus dem Ausland,[44] laut Schätzungen der EU-Kommission waren 2.000 davon aus Europa.[45] Der Sprecher des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, Ryan Trapani, sagte im September 2014, man gehe von 20.000 bis 31.500 Kämpfern aus.[46]

Eine Reihe von Anführern des IS waren Häftlinge im US-amerikanischen Gefängnis Camp Bucca im Südirak.[47]

Bedeutende Mitglieder[Bearbeiten]

Anführer

Andere

Ideologie[Bearbeiten]

Gründungsmanifest[Bearbeiten]

Mitte Oktober 2006 wurde in einem Video von einem anonymen Vertreter des ISI-Informationsministeriums eine Gründungserklärung des Islamischen Staates verlesen. Als politische Begründung für die Ausrufung eines islamischen Staates wurde angeführt, dass die Sunniten, anders als die Kurden im Norden und die Schiiten im Süden, noch immer nicht über ein eigenes Staatswesen verfügten, sondern weiter unter Fremdherrschaft leben müssten. Zur religiösen Begründung wurde auf einen Spruch des Propheten Mohammed im Hadith verwiesen, dass Muslime von einem Muslim regiert werden müssen. Als wichtigste politische Ziele wurden bereits damals die Vertreibung aller „Invasoren“ und „Aggressoren“ aus dem Irak und nachfolgend die Schaffung von Frieden und Sicherheit, die buchstabengetreue Ausführung der Scharia und damit einhergehend die gerechte Verteilung der Ressourcen des Landes an alle Gläubigen genannt.

Anfang 2007 veröffentlichte ISI eine neunzigseitige Schrift mit dem Titel Benachrichtigung der Gläubigen über die Geburt des Islamischen Staates. Darin wurde durch Berufung auf Koranverse und Stellungnahmen berühmter mittelalterlicher sunnitischer Staatsgelehrter versucht, die Rechtmäßigkeit der Staatsgründung im Sinne des sunnitischen Rechtsverständnisses nachzuweisen. Die Bestimmung des Staatsführers solle durch „Usurpation durch Unterwerfung mit dem Schwert“ (Recht des waffenstärksten Bewerbers auf die Führungsposition im Krisen- oder Streitfall) erfolgen. Da aus sunnitischen Quellen nicht abzuleiten ist, wie groß das Territorium sein muss, auf dem ein Islamischer Staat ausgerufen werden darf, gilt aus der Sicht des ISI, dass dies überall dort ist, wo seine Kämpfer öffentlich mit Waffen auftreten. Bald nach ihrer Veröffentlichung wurde die Schrift durch den palästinensisch-jordanischen Gelehrten Abū Muhammad al-Maqdisī auf seine viel beachtete Internetseite tawhed.ws gestellt und ist dort auch immer noch zu lesen, obwohl Al-Maqdisi nach seiner Haftentlassung im Juni 2014 versucht, sich als Kritiker des „Islamischen Staates“ darzustellen.[52]

Scharia[Bearbeiten]

In seinem Herrschaftsgebiet führte der IS einen auf der Scharia und dem „klassischen“ Wahhabismus[53][54][55] basierenden „16-Punkte-Katalog“ ein, der das öffentliche und private Leben massiv normiert.[56] Demnach sind der Konsum und Verkauf von Alkohol, Tabakwaren und anderen Drogen ebenso untersagt wie das Tragen von Waffen, das Abhalten von Versammlungen, „Götzen-Bildnisse“ und „Schreine“. Frauen müssen „züchtig-bedeckende Kleidung“ tragen und gemeinhin zuhause bleiben. Verlautbarungen in Moscheen unterliegen der Zensur.[57] Im Juni 2015 wurde das im Nahen Osten beliebte Taubenzüchten verboten, weil es die Moslems vom Beten abhalte und der Anblick von Taubengenitalien ihre Sittlichkeit verletzte. Bereits vor dem Verbot wurden 3 Männer wegen Taubenzüchtens hingerichtet.[58]

Umgang mit Abweichlern[Bearbeiten]

Beobachtet wurde, dass der IS gegen Muslime anderer Glaubensrichtungen eine rigorose Version der islamischen Praxis des Takfīr anwendet: Alle „Abweichler“ (z. B. die Schiiten) sind demnach „Ungläubige“ bzw. „Gottesleugner“ (Kāfir) und werden als „todeswürdig“ eingestuft und getötet, wenn sie sich im Machtbereich des IS aufhalten.[59][60]

Sklaverei und sexueller Missbrauch[Bearbeiten]

Beim Vormarsch im Sommer 2014 vertrieb der IS die jesidische Bevölkerung im Nordirak und nahm einen großen Teil gefangen. Im Oktober 2014 erklärte der IS in seinem Propagandamagazin Dabiq, dass sein „Ziel die kulturelle und religiöse Auslöschung der Identität der Jesiden ist“. Scharia-Studenten des IS hätten die Jesiden nicht als ehemalige islamische Sekte eingestuft, sondern als eine heidnische Religion aus vorislamischer Zeit, somit als Muschrik (Götzendiener, also eine abwertende Bezeichnung für Polytheisten). „Nach islamischem Recht sei man damit auch berechtigt, jesidische Frauen und Kinder zu versklaven.“[61]

Der Artikel mit dem Titel Die vorzeitige Wiedergeburt der Sklaverei führt weiter aus, dass man Frauen und Kinder unter den Kämpfern des islamischen Staates aufgeteilt habe, „nachdem ein Fünftel von ihnen der Regierung des Islamischen Staates als Steuer übergeben wurde.“[61] Nach Berichten geflohener Mädchen gehört es zur Praxis in allen vom IS besetzten Territorien, junge Frauen und Mädchen ab neun Jahren als „Sexkonkubinen“ zu versklaven. Ausländische Anhänger der Milizen werden mit Frauen versorgt.[62] Der Sexhandel wird als fromme Bekehrung beschönigt.

2015 wurde durch geflohene Jugendliche bekannt, dass der IS Kindersoldaten ausbildet. In den überfallenen jesidischen Dörfern im Irak versucht der IS Jungen umzuerziehen und als Kämpfer auszubilden. Beobachter sehen das Training als Teil der IS-Bemühungen, eine neue Generation von Kämpfern heranzuzüchten. Neben gewaltsamer Rekrutierung werden die Teenager und Kinder mit Hilfe von Geschenken, Drohungen und Gehirnwäsche gefügig gemacht. Der IS nutze ein Video, in dem ein Junge, der unter Aufsicht eines erwachsenen Dschihadisten steht, einen syrischen Soldaten enthauptet. In einem anderen Propaganda-Video werden 25 Kinder gezeigt, die 15 gefangenen syrischen Soldaten in den Kopf schießen. Im Lager Faruk werden laut IS-Quellen Jungen mit menschenverachtendem Drill zu Kämpfern ausgebildet.[63]

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen gehen von 2500 bis 7000 Verschleppten aus.[64] „Die Selbstbezichtigung von IS ist nun ein wichtiges Indiz dafür, dass die Terrormiliz den Versuch eines kulturellen Genozids an den Jesiden unternimmt.“[61]

Umgang mit behinderten Menschen[Bearbeiten]

Seit mehreren Jahren wird festgestellt, dass die Terrororganisation körperlich oder psychisch kranke Menschen entführt und sie anschließend „benutzt“, um Selbstmordattentate durchzuführen.[65]

Zerstörung von Kulturgut[Bearbeiten]

Der IS betreibt einen scharfen Ikonoklasmus und zerstört systematisch „Götzenbilder“ der vor-islamischen Vergangenheit. Im Februar 2015 wurden im Museum von Mossul gezielt Statuen, insbesondere aus der assyrischen Zeit, zerschlagen.[66] Ferner liegen Berichte vor, wonach sich die Zerstörungswut auch gegen archäologische Monumente generell richtet. Im Irak sollen zwischen Ende Februar und Anfang März 2015 die Überreste der antiken Städte Nimrud,[67] Hatra[68] und Dur Šarrukin[69] mit Sprengstoff und Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht worden sein. Der Umfang des Ikonoklasmus erinnerte Beobachter an die Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die afghanischen Taliban im März 2001.[70] Es wird vermutet, dass der IS verschiedene Ziele damit verfolgt und bei dem Bildersturm auch propagandistische Motive eine Rolle spielen. Stellenweise wurde auch berichtet, dass Kulturgüter möglicherweise mit LKW abtransportiert wurden, um sie im westlichen Antikenhandel zu Geld zu machen.[71]

Muslimische Gelehrte und Institutionen, wie das in Kairo ansässige oberste islamische Rechtsinstitut Dar al-Ifta verurteilten die Zerstörung der Kulturgüter durch den IS[72] und wiesen darauf hin, dass selbst frühere Kalifen oder Gelehrte wie Abu Hanifa im Irak lebten und diese Stätte erhielten und nicht zerstörten.

Nach der Eroberung der Stadt Suchnah in der Nacht zum 14. Mai bedrohen Einheiten des IS in Syrien die antike Metropole Palmyra, einem UNESCO-Weltkulturerbe mit den heute noch erhaltenen vorwiegend römischen Ruinen. In der Region liegen auch wichtige Gasfelder, um die es schon seit Monaten Kämpfe gibt.“[73]

Am 20. Mai eroberte der IS die gesamte Stadt Palmyra nach heftigen Gefechten mit der syrischen Armee,[74] am 23. August 2015 wurde der Baalschamin-Tempel in der Ruinenstadt durch Sprengung völlig zerstört.

Völkermord und Kriegsverbrechen[Bearbeiten]

Am 19. März 2015 veröffentlichte das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte einen Bericht, in dem die Einschätzung vertreten wurde, dass die durch den IS verübte Gewalt das Ausmaß von Völkermord erreicht habe. Besonders das Vorgehen gegen die Jesiden habe das Ziel, diese als Gruppe zu vernichten, so der Bericht. Außerdem wurden weitere Verbrechen wie Mord, Folter, Vergewaltigungen und sexuelle Versklavung sowie erzwungene religiöse Konvertierung und Zwangsrekrutierungen von Kindern aufgezählt. Die Ermittler appellierten an den in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat, sich beim UN-Sicherheitsrat für die strafrechtliche Verfolgung aller derartigen Verbrechen einzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat müsse damit den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beauftragen.[75]

Entwicklung[Bearbeiten]

At-Tauhīd wa-l-Dschihād (2003 bis 2004)[Bearbeiten]

Das zerstörte Bagdader Canal Hotel nach dem Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq 2003

Die Organisation wurde 2003 bzw. Anfang 2004 von Abu Musab az-Zarqawi gegründet (az-Zarqawi war bereits am 23. September 2003 auf die konsolidierte Liste des Al-Qaida Sanctions Committee des UN-Sicherheitsrates gesetzt worden).[76] Az-Zarqawis Organisation wurde für den Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq im Bagdader Canal Hotel am 19. August 2003 verantwortlich gemacht, bei dem 22 Menschen (darunter Sérgio Vieira de Mello) getötet und über 100 verletzt wurden.[77] Die Organisation trat im April 2004 als Dschamāʿat al-Tauhīd wa al-Dschihād (JTJ, Gemeinschaft für Tauhīd und Dschihad) in Erscheinung; sie wurde auch Zarqawi-Gruppe bzw. Az-Zarqawi-Netzwerk genannt.

Qāʿidat al-Dschihād fi Bilād ar-Rāfidain (2004 bis 2006)[Bearbeiten]

Im Oktober 2004 schloss sich die Organisation al-Qaida an und änderte ihren Namen in Tanzīm Qāʿidat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain (wörtlich: Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland, meist als al-Qaida im Irak bezeichnet, kurz: AQI): Osama bin Laden erkannte den von Zarqawi ausgesprochenen Treueschwur (baiʿa) an und erklärte ihn in einer Ende Dezember veröffentlichten Botschaft zu seinem Stellvertreter im Irak.[78] Die vor allem in Bagdad und westlich von Falludscha aktive Organisation verfolgte von Anfang an die Absicht, Angriffe (Bombenanschläge, Ermordung von Geiseln) auf Zivilisten (Beamte, ausländische Hilfsarbeiter – im Jahr 2004 Dutzende von Toten) durchzuführen; später zählte sie auch Parteien und alle am demokratischen Prozess Beteiligten zu den legitimen Zielen für Anschläge.[79] Sie bekannte sich zum Attentat auf Ezzedine Salim.[80] Über auf dschihadistischen Websites verbreitete Videos bezeichnete sich die Organisation 2004 als verantwortlich für die Entführungen und auf Video festgehaltenen Ermordungen folgender ausländischer Zivilisten: Nicholas Berg, Eugene Armstrong und Jack Hensley (USA), Kenneth Bigley (Großbritannien), Murat Yuce (Türkei), Kim Sun-Il (Südkorea),[81] Shosei Koda (Japan),[82] Georgi Lazov und Ivailo Kepov (Bulgarien).[83]

Am 15. Oktober 2004 gab das Außenministerium der Vereinigten Staaten bekannt, dass JTJ auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt worden sei.[81] Am 18. Oktober 2004 wurde AQI aufgrund von Resolution 1526 des UN-Sicherheitsrates als mit al-Qaida, bin Laden bzw. den Taliban assoziiert gelistet.[77] Am 17. Dezember 2004 wurde AQI auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt.[84] Am 2. März 2005 listete die australische Regierung AQI als terroristische Organisation.[78]

In einem auf den 9. Juli 2005 datierten Brief Aiman az-Zawahiris an Abu Musab az-Zarqawi[85] erklärte Zawahiri u. a. die Wichtigkeit des Irakkriegs für den weltweiten Dschihad, dass der Krieg nicht mit dem Abzug amerikanischer Truppen enden werde, die zumindest zeitweilige Notwendigkeit der Unterstützung durch die Volksmassen, die Forderung nach politischen Aktionen, die Einsicht, dass mehr als die Hälfte des Konflikts in den Medien ausgetragen werde.

AQI änderte seine Strategie weg von Entführungen und einzelnen Ermordungen Anfang 2005 hin zu spektakulären Anschlägen (vor allem Bombenattentate in Bagdad sowie West- und Nordirak mit über 700 Toten im Jahr 2005). Im September 2005 erklärte Abu Musab az-Zarqawi den „Rāfiḍa“ wegen Anschlägen von Schiiten auf Sunniten den Krieg; im selben Jahr war AQI auch in Jordanien aktiv (insbesondere mit den Bombenattentaten in Amman am 9. November auf die Hotels Grand Hyatt, Radisson SAS und Days Inn).[79]

Schura-Rat der Mujahidin im Irak (2006)[Bearbeiten]

Diverse dschihadistische Gruppen schlossen sich TQJBR an, und im Januar 2006 wurde unter ihrer Führung die Dachorganisation Madschlis Schura al-Mudschahidin fi 'l-Iraq (MSC, Schura-Rat der Mudschahidin im Irak) ausgerufen; zum Anführer wurde Abu Abdullah al-Rashid al-Baghdadi (auch Abu Omar al-Baghdadi) erklärt, bis zu Zarqawis Tod im Juni 2006 kontrollierte jedoch dieser die Organisation. Nach Zarqawis Tod übernahm Abu Ayyub al-Masri die Leitung von TQJBR.

Islamischer Staat im Irak (2006 bis 2013)[Bearbeiten]

Im Oktober 2006 benannte sich die Organisation in ad-dawla al-islāmīya fī l-ʿirāq (ISI, Islamischer Staat im Irak) um; seitdem wird ISI von einem Kabinett geleitet, in dem Masri Kriegsminister wurde.[79] Vordergründig wurde für die Ausrufung des Islamischen Staates, der als sunnitisches Territorium Bagdad sowie die Gouvernate al-Anbar, Diyala, Salah ad-Din, Kirkuk, Ninawa und Teile von al-Wasit und Babil umfassen sollte, auf die Autonome Region Kurdistan für Iraks Kurden und die Verabschiedung von Iraks Föderalismusgesetz für Iraks Schiiten Bezug genommen.[86] Die Aktivitäten von TQJBR/ISI konzentrierten sich 2006 auf Bagdad, Kerbela, Tuz Churmatu und Kufa mit ca. 440 Toten.[79] In der zweiten Jahreshälfte 2006 wurde mit Finanzierung, Ausbildung und Bewaffnung durch die Vereinigten Staaten im Irak (zunächst in al-Anbar) die sogenannte Sahwa- oder Erweckungsbewegung ausgehoben: aus sunnitisch-arabischen Stämmen rekrutierte und in örtlichen Räten organisierte Milizen, die gegen Aufständische – und vor allem AQI – eingesetzt wurden. Zu ihren Hochzeiten hatte sie über 100.000 Mitglieder (seit dem Abzug der amerikanischen Truppen 2010 nicht mehr als 38.000); zu ihren Anführern gehörte Abdul Sattar Abu Rischa.[87][88]

Im Jahr 2007 beging ISI im ganzen Irak Anschläge, oft mit Autobomben in Selbstmordattentaten, wodurch ca. 1900 Menschen getötet wurden.[79] Anfang Oktober 2013 gaben die aufständischen Organisationen im Irak Asaeb al-Iraq al-Jihadiya und Hamas im Irak Verlautbarungen heraus, in denen sie sich von ISI distanzierten und deren Taktiken verurteilten.[89]

Im Jahr 2008 beging ISI vor allem in Mossul Anschläge, aber auch in Bagdad, Baquba und Tal Afar mit insgesamt ca. 520 Toten. 2009 tötete ISI insgesamt ca. 630 Menschen. Mit derselben Strategie war Mossul 2008 oft Ziel von ISI; daneben wurde z. B. auch in Kirkuk ein Anschlag bei einer Schia-Moschee mit über 70 Toten verübt. 2010 wurden die meisten Anschläge von ISI in Mossul, Bagdad sowie den Gouvernements Diyala und Kerbela (unter anderem auf schiitische Pilger und auf stark besuchte Märkte) durchgeführt, dadurch wurden ca. 700 Menschen getötet.[79] Im April 2010 kamen al-Baghdadi und al-Masri bei Tikrit in einer durch irakische und amerikanische Truppen durchgeführten Operation ums Leben.[90]

Mitte Mai 2010 erklärte ISI Abu Bakr al-Baghdadi zu ihrem neuen Anführer.[91][92][93] Am 31. Oktober 2010 verübte ISI Anschläge auf die Iraker Börse sowie die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad.[78]

Im Zuge des Arabischen Frühlings, der auch von den westlichen Ländern begrüßt wurde, kam es ab Anfang 2011 zu bewaffneten Auseinandersetzungen gegen Demonstranten. Mitte 2011 mündeten die Zustände im Bürgerkrieg in Syrien. ISI wurde laut Medienberichten von der Türkei hierbei jahrelang unterstützt.[94] 2011 verübte ISI vor allem in Bagdad sowie in den Gouvernements Kerbela und Salah ad-Din (so auf schiitische Pilger bei Samarra) Anschläge, dabei wurden ca. 320 Menschen getötet. 2012 verübte ISI vor allem in Bagdad sowie den Gouvernements Basra, Salah ad-Din und Babil Anschläge (so auf schiitische Pilger in Basra), dadurch wurden ca. 770 Menschen getötet;[79] hierzu gehörte die Anschlagserie am 23. Juli 2012 in 19 irakischen Städten, in der 113 Menschen getötet und 250 verletzt wurden und die zur am 21. Juli von Abu Bakr al-Baghdadi angekündigten Offensive „Zerstörung der Mauern“ gehörte, die u. a. die Befreiung von Gefangenen zum Ziel hatte.[95]

Am 26. Januar 2012 wurde ISI durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten auf Anweisung von Außenministerin Hillary Clinton vom 11. Januar[96] als Alias von AQI erfasst. Am 11. Februar 2012 rief al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Muslime im Irak, in Jordanien, im Libanon und in der Türkei zum Kampf gegen das Assad-Regime auf.[97] Seit ungefähr dieser Zeit beteiligt sich ISI offen am syrischen Bürgerkrieg.[98][99][100] Dort gehörte sie neben der al-Nusra-Front, mit der sie teils kollaborierte und die sie teils bekämpfte, zu den al-Qaida zugehörigen Akteuren. Am 11. Dezember 2012 erfasste das US-Außenministerium auf Anweisung vom 20. November[101] auch die Nusra-Front als Alias von AQI.[102][103]

Am 4. März 2013 verübte ISI einen Anschlag auf syrische Truppen, die in das irakische Gouvernement al-Anbar geflohen waren; dabei wurden mindestens 42 syrische Soldaten und Beamte sowie bis zu 14 Iraker getötet.[104]

Islamischer Staat im Irak und in der Levante (April 2013 bis Mai 2014)[Bearbeiten]

Im April 2013 erklärte Abu Bakr al-Baghdadi die Nusra-Front zu einem bloßen Teil von ISI und gab die Vereinigung von Nusra-Front und ISI unter dem neuen Namen Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) bekannt. Der Anführer der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Jawlani (arabisch ‏أبو محمد الجولاني‎), widersprach daraufhin einen Tag später der Vereinigung mit ISI, schwor aber dem al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Treue.[105][106] Am 30. Mai 2013 wurden sowohl ISIS als auch al-Nusra durch die UN als Alias-Namen von AQI festgestellt.[107] Am 9. Juni 2013 veröffentlichte Al-Jazeera einen Brief von Aiman az-Zawahiri an die Anführer von ISIS und al-Nusra, in dem er die Vereinigung annullierte und zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen den beiden al-Qaida-Gruppen aufrief (wofür er Abu Musab al-Suri als Vermittler nannte) sowie beiden verschiedene Einflussgebiete zuwies (ISIS Irak, Nusra Syrien).[108] Abu Bakr al-Baghdadi und ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani verweigerten die Vermittlung in eigenen Botschaften; diese würde die illegitime koloniale Grenze des Sykes-Picot-Abkommen heiligsprechen; die Nusra-Front werde weiterhin als Teil von ISIS betrachtet und Abu Mohammed al-Jawlani als Abtrünniger betrachtet.[109][110]

Der Hintergrund der Abspaltung des ISIL von al-Qaida liegt darin, dass al-Baghdadi, der als sehr ehrgeizig beschrieben wird, die Operationen des ISIL nicht auf den Irak beschränken wollte, sondern auch in Syrien tätig ist und in naher Zukunft in der gesamten Levante aktiv werden will. Dagegen vertritt al-Zawahiri das Motto: „Betreibst du den Jihad überall, betreibst du ihn nirgendwo“, wonach eine Konzentration der einzelnen Organisationen auf genau abgegrenzte Operationsgebiete stattfinden soll, um möglichst große Wirksamkeit zu erzielen. Die von al-Qaida abweichenden theologischen Positionen des ISIL haben sich nach der Ansicht von Beobachtern erst nach diesem Bruch entwickelt, auch um diesen Bruch zu legitimieren.[111]

ISIS bekannte sich am 23. Juli 2013 zu den in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli ausgeführten Anschlägen auf die irakischen Gefängnisse in Abu-Ghuraib und Tadschi. ISIS tötete dabei Dutzende von Menschen mit Handfeuerwaffen, Granaten und durch von Selbstmordattentätern gesteuerte Autobomben und verhalf so Hunderten von Gefangenen, darunter hochrangigen al-Qaida-Mitgliedern, zur Flucht aus Abu-Ghuraib.[112][113][114][115]

Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki beschloss in der zweiten Jahreshälfte 2013 in Reaktion auf das Erstarken von ISIS im Irak die Wiedereinsetzung und Stärkung der Sahwa-Bewegung.[88][116]

Am 29. September 2013 töteten Selbstmordattentäter mit Autobomben in Arbil (Regierungssitz von Iraks Autonomer Region Kurdistan) in der Nähe des Asayesch-Hauptquartiers sechs Menschen und verwundeten 36.[117][118] Am 6. Oktober bekannte sich ISIS zu dem Anschlag, der eine Reaktion auf Masud Barzanis angeblichen Willen gewesen sei, die Regierung in Bagdad und kurdische Kräfte, die in Syrien gegen Dschihadisten kämpfen, zu unterstützen.[119]

Neben dem Assad-Regime gehören im syrischen Bürgerkrieg vor allem die Freie Syrische Armee[120] und kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG)[121] zu den Gegnern von ISIS. Zu den von ISIS eingenommenen syrischen Städten zählen al-Bab, Dscharabulus, A'zāz und ar-Raqqa. Am stärksten ist ISIS im Gouvernement ar-Raqqa.[42] Dort und u. a. auch in Manbidsch kam es 2013 zu Protesten gegen ISIS.[122]

In der zweiten Jahreshälfte 2013 baute ISIS seine Präsenz in der irakischen Stadt Mossul aus, wo die Organisation Berichten zufolge 8 Millionen US-Dollar Schutzgeld pro Monat eintrieb.[123][124] Ende September 2013 begann ISIS mit Selbstmord- und Mörser-Anschlägen in Damaskus; damit tötete sie in einem Monat etwa 100 Menschen.[125]

Am 11. Oktober 2013 veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht, nach dem ISIS zusammen mit mindestens 19 anderen bewaffneten Oppositionsgruppen vom 4. bis 18. August in ländlichen Gegenden des Gouvernement Latakia an organisierten Massakern beteiligt war, bei denen mindestens 190 Zivilisten getötet und über 200 als Geiseln genommen wurden. Mindestens 67 Menschen seien in der Operation bei regierungstreuen Alawiten-Dörfern hingerichtet oder rechtswidrig getötet worden. Die fünf Gruppen, die diese Operation hauptsächlich finanziert, organisiert und ausgeführt hätten, seien Ahrar al-Scham, ISIS, Dschabhat al-Nusra, Jaish al-Muhajireen wal-Ansar und Suquor al-Izz. ISIS und Jaish al-Muhajireen wal-Ansar hätten noch Gewalt über die Geiseln, zu denen größtenteils Frauen und Kinder gehören.[126] The Wall Street Journal berichtete am 17. Dezember 2013, die Geiseln seien immer noch in den Händen von ISIS und die Organisation habe Angriffe auf Alawiten und Christen verstärkt.[127]

Am 15. Oktober 2013 gaben die türkischen Streitkräfte (TSK) bekannt, mit zwei T-155 Fırtına vier Granaten auf ISIS-Stellungen abgefeuert zu haben, nachdem am 14. Oktober ein Mörser-Geschoss aus der Aʿzāz-Region auf türkischem Territorium beim Armee-Grenzposten Demirisik nahe Kilis eingeschlagen war. Dies war der erste Angriff der türkischen Streitkräfte auf al-Qaida zugehörige Gruppierungen.[128][129]

Im November 2013 gab ISIS bekannt, in Syrien ein Ausbildungslager für minderjährige Kämpfer zu unterhalten, die jüngsten davon zehn Jahre alt.[130] Im selben Monat begannen die Vereinigten Staaten auf eine entsprechende Anfrage Malikis während eines Staatsbesuchs im Vormonat, Hellfire-Raketen und Überwachungsdrohnen zur Bekämpfung von ISIS in den Irak zu schicken.[131] Ebenfalls im November kam es zur Konfrontation zwischen ISIS und Ahrar al-Scham, als ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham enthauptete, den sie irrtümlich für einen irakischen Schiiten hielt.[132] Anfang Januar 2014 kam es wieder zu einem Vorfall, bei dem ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham tötete und verstümmelte.[133]

Am 19. Dezember 2013 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, dem zufolge ISIS in Syrien Geheimgefängnisse unterhält, in denen systematisch Folterungen, Auspeitschungen und spontane Ermordungen durchgeführt werden.[134]

Wegen der Massenverhaftungen und Ermordungen seitens ISIS unter den syrischen Aktivisten und Rebellen, der extremen Islamauslegung sowie der mangelnden Beteiligung an Kämpfen gegen das Regime wurde ISIS von zahlreichen Rebellengruppen unterstellt, von Kräften des Regimes unterwandert zu sein und gegen die Revolution zu arbeiten. Ein weiterer Teil der ISIS-Führung stammt aus dem Irak, die Kämpfer dienten früher als Offiziere unter Saddam Hussein und wurden aus irakischen Gefängnissen kurzfristig wieder freigelassen.[135] Der Chef der Al-Qaida Zawahiri distanzierte sich im Februar 2014 von ISIS.[136]

Islamischer Staat (Juni 2014 bis heute)[Bearbeiten]

Mit der Ausrufung eines Kalifats am 29. Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat. Mitte November 2014 gab der IS in einem Statement bekannt, eine eigene Währung auf Basis von Gold- und Silbermünzen einzuführen. Das Ziel sei es, sich der „Gewaltherrschaft des Finanzsystems“ zu entziehen und „Muslime von einem globalen Wirtschaftssystem [zu] entlassen, das auf satanischem Wucher basiere“.[137]

Mitte November 2014 wurden Auswertungen interner IS-Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass der IS sich bemüht, staatsähnliche Strukturen aufzubauen. Nach Angaben der irakischen Regierung waren die Dokumente auf USB-Sticks und Festplatten gespeichert und am 5. Juni 2014 bei einer Razzia durch die irakische Spezialeinheit „Die Falken“ aus Bagdad im Versteck von Abdel Rahman al-Bilawy in Mossul gefunden worden. Adnan Ismail Najm (Kampfname: Abdel Rahman al-Bilawy), der bei der Razzia am 4. Juni 2014 erschossen wurde, galt als „der zweite Mann“ innerhalb des IS. Er fungierte als „Kriegsminister“ und galt außerdem als enger Vertrauter des Kalifen Baghdadi; nach dem Sturz Saddam Husseins waren sie 2003 gemeinsam im US-Militärgefängnis Camp Bucca (bei Umm Qasr) im Süden des Iraks, welches sie „die Akademie“ nannten, inhaftiert gewesen.[138] Einen Teil der Dokumente hatte die irakische Regierung dem Investigativteam des NDR, des WDR und der Süddeutschen Zeitung zur Verfügung gestellt. Im Juni hatte der britische Guardian bereits über den Dokumentenfund berichtet. Das ausgewertete Material stammt aus dem Jahr 2013 und reicht bis ins Frühjahr 2014. Die Unterlagen beziehen sich fast ausschließlich auf den Irak. Demzufolge seien Sozialleistungen (Krankenversicherung, Heiratsbeihilfen und Unterstützungszahlungen) für die Familien getöteter oder inhaftierter Kämpfer initiiert worden. Die Kosten für das Sozialsystem, die dort aufgeführt wurden, überstiegen bisweilen die Ausgaben für den Ankauf von Waffen. Aus den Unterlagen ergibt sich ferner, dass alle neun IS-Provinzen über einen eigenen Etat verfügen, allein der Bezirk Bagdad-Nord gab danach im November 2013 genau 493.200 Dollar aus. Das Material zeigt auch, dass zwischen den IS-Provinzen zudem ein Finanzausgleich stattfindet, bei dem reiche Bezirke an ärmere Zahlungen leisten.

Laut dem Politikwissenschaftler Peter Neumann, Professor am King’s College London, setze der IS, vermutlich mehr als jede andere Terrororganisation vor ihr, ganz systematisch den Terror als Mittel der Kriegsführung ein: „Diese Dokumente bestätigen im Prinzip, dass diese gesamte Organisation eigentlich viel rationaler und viel durchdachter ist, als wir uns das bisher vorgestellt haben.“ Für die Bundesregierung analysierte der Bundesnachrichtendienst: Anders als al-Qaida biete der IS das Leben in einem Kalifat. Dies mache ihn für Muslime in aller Welt hochattraktiv und sei einer der Gründe, warum der IS „eine größere Herausforderung für die westliche Staatengemeinschaft“ darstelle als al-Qaida.[139]

Militärische Situation[Bearbeiten]

Februar 2015[Bearbeiten]

Mit Stand vom Februar 2015 kontrollierte der IS ein Gebiet von etwa 600 km Ausdehnung in ostwestlicher Richtung. Zum Machtgebiet zählte Ostsyrien, darunter Manbidsch, der Norden Iraks, sowie Teile des Nordostens des Iraks, darunter Mosul. Hier traf der IS auf Widerstand der kurdischen Bevölkerung. Im Norden grenzt der Machtbereich an vielen Stellen an die Grenze der Türkei. Im südlichen Teil ist Falludscha nahe Bagdad in den Händen des IS. Die Grenzübergänge an der türkischen Grenze gehörten zu den wichtigen Nachschublinien des IS.[140]

Juli 2015[Bearbeiten]

Im Juli 2015 hatte der IS größere Gebiete im Irak an die irakischen Regierungsgruppen, die vom Iran unterstützt wurden, verloren. Im Norden Syriens und im Nordirak hatten kurdische Einheiten mit alliierter Luftunterstützung Gebiete zurückerobern können. Hingegen konnte der IS in Syrien Gebiete erobern. In Libyen hielt der IS die Region um Sirte. Ende Juli 2015 kündigte die Türkei ein militärisches Engagement an.

Militärische und politische Situation im Irak[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Irakkrieg, der international umstritten war (siehe Irakkrise 2003), wurde zunächst eine Übergangsverwaltung, dann ein Regierungsrat und danach eine irakische Regierung installiert. Die Truppen der Vereinigten Staaten wurden im Dezember 2011 abgezogen (siehe Besetzung des Irak 2003–2011). Im Land stehen gesellschaftliche und religiöse Gruppen in einer Spannung. Die sunnitische Bevölkerungsminderheit fühlte sich vom schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki (zurückgetreten im August 2014) unterdrückt. Teile der irakischen Armee desertierten. In der ersten Jahreshälfte 2014 gelang es den Milizen des IS, große Teile des nördlichen Irak unter die eigene Kontrolle zu bringen. Im Juni 2014 drohte sogar Bagdad der Fall.[141]

Januar 2014[Bearbeiten]

Anfang Januar 2014 gelang es ISIS-Kämpfern, die Städte Falludscha und Ramadi, die Hauptstadt der westirakischen Provinz Al-Anbar, zu erstürmen und unter ihre Kontrolle zu bringen; aus Ramadi wurden sie allerdings von Stammeskämpfern und lokalen Polizeikräften bald wieder vertrieben (siehe Islamistischer Aufstand in Anbar Januar 2014).[142][143][144] Nach einigen Tagen hatten auch in Falludscha die regulären Behörden wieder normal geöffnet. Zuvor hatten sunnitische Stammesführer gemeinsam mit der Lokalpolizei die Sicherheitsverantwortung für das Gebiet übernommen.[145]

US-Außenminister John Kerry mit Iraks Premier Nuri al-Maliki bei einem Treffen in Bagdad

Die USA und die Europäische Union berieten sich über eine erneute militärische Invasion, um so den Zerfall des Irak zu verhindern. Auch die Türkei und Israel waren als von der Krise betroffen zu sehen.[146][147][148][149] Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großayatollah Ali al-Sistani, rief die Iraker zum Widerstand gegen die sunnitischen Dschihadisten auf.[150] Der iranische Präsident Hassan Rohani schloss eine Zusammenarbeit mit den USA zur Bekämpfung der ISIS-Milizen nicht aus.[151]

Juni 2014[Bearbeiten]

Anfang Juni 2014 startete die Organisation eine Blitzoffensive auf die zweitgrößte irakische Stadt Mossul – angeführt wurde die Gruppe von Abu Bakr al-Baghdadi. Innerhalb weniger Tage eroberte sie die Stadt und anschließend die mehrheitlich von Sunniten bewohnten Provinzen Ninive, Salahaddin und Anbar im Norden des Landes. Bei der Einnahme von Mossul entführen sie auch 49 Personen des türkischen Konsulats.[152] Im Gefängnis Badusch soll es zu einem Massaker an etwa 670 nicht-sunnitischen Häftlingen gekommen sein.[153] Die irakische Armee überließ den Angreifern das Feld meist kampflos.[154] Die britische Zeitung The Guardian berichtete, es seien bei der Offensive auf Mossul etwa 30.000 Regierungssoldaten desertiert; die Zahl der ISIS-Angreifer habe schätzungsweise 800 betragen.[155] Dabei brachten die ISIS-Kämpfer neben den Waffenlagern der lokalen Garnison auch eine noch unbekannte Zahl US-Black-Hawk-Hubschrauber, weiteres Fluggerät sowie schwere Waffensysteme unter ihre Kontrolle. Nach Angaben eines irakischen Sicherheitsoffiziers, der sich auf Verhöre eines gefangengenommenen ISIS-Kuriers beruft, sind ihr bei der Eroberung Mossuls Geld und militärisches Gerät im Wert von bis zu 1,5 Milliarden USD in die Hände gefallen, ihr Gesamtvermögen (Geld und Waffen) soll schon vorher bei 875 Millionen Dollar gelegen haben.[156] Der IS erbeutete 2400 gepanzerte Fahrzeuge, zumeist aus US-amerikanischer Produktion.[157]

Von Mossul aus drangen am 10. Juni ISIS-Kämpfer nach Baidschi vor, wo sich die größte Ölraffinerie des Irak befindet, zogen sich aber angesichts verstärkter Armee- und Polizeikräfte wieder zurück.

Am 11. Juni 2014 erreichten ISIS-Kämpfer Tikrit, wo Sunniten des früheren Regimes von Saddam Hussein mit den ISIS-Kämpfern zusammenarbeiteten,[158] und Baidschi.[159] Bei Gefechten zwischen der Hawza of Najaf und dem IS in der Provinz Salah ad-Din starben am 12. Juni in den Ortschaften Udhaim und Mukdadija mehr als 100 Menschen.[160]

Am 12. Juni verließen 3000 Soldaten der irakischen Armee den Luftwaffenstützpunkt Camp Speicher, in Zivilkleidung, um sich zu ergeben, zuvor waren ihre Offiziere geflohen. Die ISIS-Milizen teilten die Soldaten in Sunniten und Schiiten auf und richteten laut eigenen Angaben etwa 1700 schiitische Soldaten hin. Die Organisation Human Rights Watch schätzte die Zahl der Opfer auf bis zu 770, es konnten anhand von Satellitenbildern fünf Orte identifiziert werden, an denen Ermordungen stattgefunden hatten.[161] Diese Massenermordungen wurden als Massaker von Tikrit bekannt. Im selben Zeitraum sollen um das Dorf Beshir etwa 700 Turkmenen vom IS hingerichtet worden sein.[162]

Die Menschen in Bagdad bereiteten sich auf einen Angriff vor, und am 13. Juni legte das religiöse Oberhaupt der Schiiten im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, seine Zurückhaltung ab und rief zum Kampf gegen die sunnitischen Extremisten auf. Jeder, der eine Waffe tragen könne, solle sich den irakischen Sicherheitskräften anschließen. Der Aufruf wurde von Sistanis Vertreter, Scheich Abdul Mehdi Kerbalaie, während der Freitagspredigt in der Imam-Hussein-Moschee in Kerbala verlesen.[163] Auch der radikale Schiitenprediger Muktada al-Sadr rief seine Anhänger zum Widerstand auf.

Bei einem Angriff von ISIS-Anhängern auf eine Polizeistation und ein Gefängnis, in dem Sunniten einsitzen, starben in Baquba, der Hauptstadt der Provinz Diyala, 44 Menschen.[164]

Rund eine Million Iraker befanden sich auf der Flucht. Viele versuchten, das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Wenig später wurde der Grenzposten Al-Kaim erobert, ein offizieller Grenzübergang zwischen dem Irak und Syrien.[165]

Trotz des offenen Streits zwischen dem Regierungschef Nuri al-Maliki in Bagdad und dem Kurdenpräsident Masud Barzani in Arbil stellte sich die Führung der kurdischen Gebiete im Irak offiziell an die Seite der irakischen Regierung und schickte ihre Peschmerga-Einheiten aus der Hauptstadt Arbil ins Kampfgebiet. Am 12. Juni übernahmen Peschmerga-Kämpfer die vollständige Kontrolle über die Großstadt Kirkuk.

Nach der Einnahme von Mossul bat die Regierung von Nuri al-Maliki die US-Regierung um Luftunterstützung gegen die ISIS-Kämpfer. US-Präsident Barack Obama zog einen Militärschlag in Erwägung, der Einsatz von US-Truppen am Boden wurde jedoch ausgeschlossen. Die Vereinigten Staaten hätten schon viel Geld in den Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte investiert; wenn diese nicht bereit seien zu kämpfen, gebe es „Probleme mit der Moral und dem Bekenntnis zum Irak“. Es liege „an den Irakern, als einem souveränen Staat, ihre Probleme zu lösen“, sagte Obama und verwies auf die schwierige Geschichte des Irak.[166] Zunächst verlegte der US-Verteidigungsminister Chuck Hagel den Flugzeugträger USS George H. W. Bush in den Persischen Golf. Begleitet wurde dieser von drei Zerstörern, die mit ihren Tomahawk-Marschflugkörpern bereits bei der Irak-Invasion 2003 eingesetzt wurden, der USS Arleigh Burke (DDG-51), der USS Truxtun (DDG-103), der USS O’Kane (DDG-77) und einem mit Raketen bestückten Kreuzer, der USS Philippine Sea (CG-58).[167][168] Zudem wurde ein weiteres Kriegsschiff in die Region abkommandiert, die USS Mesa Verde, das für amphibische Einsätze konzipiert ist, mit senkrecht startendem Kipprotor-Wandelflugzeug Bell-Boeing V-22 Osprey und mit 550 Marineinfanteristen an Bord.[169]

Der iranische Präsident Hassan Rohani bot am 14. Juni dem Irak an, im Rahmen internationalen Rechts beizustehen, und schloss eine Kooperation mit den Vereinigten Staaten im Irak nicht grundsätzlich aus: „Wenn wir sehen, dass die Vereinigten Staaten gegen terroristische Gruppen im Irak einschreiten, dann kann man darüber nachdenken. Bisher haben wir aber von ihrer Seite keine Handlungen gesehen.“[170] Zudem dementierte Rohani einen Bericht des Wall Street Journals, wonach bereits mindestens drei Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden Al-Quds-Brigaden (Al-Kuds-Brigaden) in den Irak entsandt worden seien.[171]

Am 17. Juni entschied Barack Obama, eine 275-köpfige Spezialeinheit in den Irak zu entsenden, um Personal der US-Botschaft in Bagdad zu den US-Konsulaten in Arbil (Autonomen Region Kurdistan im Nordirak) und Basra (Südirak) sowie in die US-Botschaft nach Amman in Jordanien zu verlegen. Wie viele der insgesamt 5000 US-Botschaftsmitarbeiter in Bagdad verlegt werden, wurde nicht bekanntgegeben.[172]

Eine mögliche militärische Zusammenarbeit mit dem Iran wurde von der Sprecherin des US-Außenministeriums dementiert, nachdem Außenminister John Kerry sie zuvor nicht ausgeschlossen hatte.[173]

Nach Angaben eines Funktionärs der kurdischen DPK sind die meisten Rebellen, die sich der ISIS-Offensive angeschlossen haben, keine Islamisten, sondern nicht-radikale sunnitische Iraker, die mit der schiitischen Maliki-Regierung nicht einverstanden sind.[174] Unterstützt werden sie von entlassenen oder übergelaufenen Soldaten der irakischen Armee, deren Anzahl um ein Vielfaches über der der Dschihadisten liegen soll.[175] Als Grund nennen sie vielfältige Diskriminierung durch die schiitisch dominierte irakische Regierung.[176]

Am 29. Juni 2014, dem ersten Tag des Fastenmonats Ramadan, rief die Organisation in einer umfassenden Erklärung das Kalifat und ihren Anführer Baghdadi zum Kalifen aus.[177] Auf Arabisch, Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch erklärte die Organisation gleichzeitig ihre Umbenennung von „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ zu „Islamischer Staat“.[178] Sie erklärte auch, dass alle Emirate, Gruppen, Staaten und Organisationen ihre Rechtmäßigkeit mit der Ankunft des Kalifats und dem Eintreffen seiner Truppen verlören.[179]

Juli 2014[Bearbeiten]

Am 3. Juli gab Saudi-Arabien die Verlegung von 30.000 Soldaten in Richtung irakische Grenze bekannt, nach einem Rückzug dortiger stationierter irakischer Soldaten und vor dem Hintergrund der anhaltenden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und dem IS.[180]

Im Juli 2014 zerstörten IS-Kämpfer in den irakischen Städten Mossul und Tal Afar schiitische und sufistische Moscheen und Heiligtümer, darunter auch das Mausoleum von Ahmed Rifai, eines Nachkommen Mohammeds.[181] Die christlichen Einwohner Mossuls wurden am 18. Juli über Lautsprecher der Moscheen aufgefordert, die Stadt zu verlassen; ansonsten drohe ihnen „das Schwert“. Eine Woche zuvor waren sie aufgefordert worden, zum Islam zu konvertieren oder eine Sondersteuer zu zahlen, um der Ausweisung zu entgehen.[182] Die Häuser von Christen wurden mit einem N für Nasrani markiert; sie sollen dem Islamischen Staat zufallen.[183] Der Bischofssitz der syrisch-katholischen Kirche in Mossul wurde in Brand gesetzt.[184] Die Gruppe übernahm ebenfalls die Kontrolle über mehrere Ölfelder[24] und den größten Staudamm des Irak, die Mosul-Talsperre.[24]

Ende Juli zogen sich die nördlich und westlich von Mossul stationierten Peschmerga-Einheiten nach heftigen Gefechten mit mindestens 77 Toten zurück. Die meisten Bewohner des Gebiets gehören zur religiösen Minderheit der Jesiden, die in den Augen des IS „ungläubig“ sind. Im Zuge der Eroberung ermordete der IS zehn schiitische Kurden und zerstörte schiitische und jesidische Schreine. Das Vorrücken des IS löste eine Massenflucht aus, bis zu 200.000 Menschen flohen in den nahegelegenen Dschabal Sindschar. Der UNO-Sonderbeauftragte für den Irak, Nikolaj Mladenow, sprach von einer humanitären Tragödie und warnte davor, dass der IS das Sindschar-Gebirge eingeschlossen habe. Nach der Zerstörung bedeutender Moscheen und Grabmäler formierte sich in Mossul aber auch sunnitischer Widerstand gegen den IS; eine Gruppe mit Namen „Brigaden der Revolutionäre von Mossul“ tötete mehrere IS-Kämpfer.[185]

Rund 11.000 Kurden, Aleviten und Jesiden demonstrierten am 16. August 2014 in Hannover für Hilfe gegen den IS-Terror.

August 2014[Bearbeiten]

Südöstlich von Mossul eroberten Kämpfer des IS unter anderem am 7. August Bachdida (Karakosch). Über 200.000 Christen besonders der Chaldäisch-katholischen Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens wurden aus der Ebene von Mossul vertrieben. Zudem stießen IS-Kämpfer in Richtung Arbil vor, dem Sitz der Autonomen Region Kurdistan.[186]

Am 8. August 2014 bombardierte die US-Regierung mit Kampfjets Artilleriestellungen des IS.[187] Weitere Luftangriffe der US-Navy fanden in den folgenden Tagen vom Flugzeugträger USS George H. W. Bush (CVN-77) aus statt. Dabei wurden nach US-Militärangaben auch Panzer, welche der IS erbeutet hatte, ausgeschaltet.[188]

Der irakische Minister für Menschenrechte, Schia al Sudani, berichtete von 500 durch IS-Anhänger getöteten Jesiden, einige davon seien lebendig begraben worden. Zudem seien hunderte Frauen gekidnappt worden, die alle unter 35 Jahre alt seien und in Schulen in der Stadt Mossul eingesperrt sein sollen, so ein Sprecher des Ministers.[189] Die jesidische Parlamentsabgeordnete Wian Dachil gab an, dass 20.000–30.000 Jesiden durch kurdische Peschmerga-Kämpfer aus dem Sindschar-Gebirge gerettet wurden.[190] Nach Angaben vertriebener Jesiden erfolgte die Rettung nicht durch die Peschmerga, sondern durch Kämpfer der Partei der Demokratischen Union (PYD) und der Volksverteidigungseinheiten (YPK), die beide der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahestehen.[191][192] Die UN berichtete von mehreren weiteren tausend Jesiden, die im Gebirge festsäßen und vom IS eingeschlossen seien.[193] Qasim Şeşo hatte am 30. Juli eine jesidische Bürgerwehr (YBŞ) gegründet, um auf den Extremfall vorbereitet zu sein.[194] Diese Bürgerwehr bezog Stellung im Sindschar-Gebirge, um die Pilgerstätte Sherfedin zu schützen und gegen den IS zu kämpfen.[195] Im Ort Tel Kudscho starben mindestens 80 Männer, laut der kurdischen Nachrichtenagentur Basnews, weil sie nicht zum Islam übertreten wollten.[196]

Ein Führungsmitglied des IS, Abu Turab Al Mugaddasi, kündigte an, bis nach Saudi-Arabien ziehen zu wollen, um Mekka einzunehmen. König Abdullah ibn Abd al-Aziz erklärte daraufhin, 30.000 Soldaten im Norden des Landes fest stationieren zu lassen.[197] Einen Monat später wurde angekündigt, einen Zaun an der Grenze zu Jordanien mit einer Länge von 900 Kilometern errichten zu lassen.[198]

Am 11. August wurde bekannt, dass kurdische Kräfte die Städte Machmur und Gwer – mit US-Luftunterstützung – zurückerobert haben. Gwer wurde zuvor in der Nacht von 6. auf 7. August von den kurdischen Kräften aufgegeben.[199][200]

Nuri al-Maliki trat am 14. August 2014 zugunsten des designierten Nachfolgers und politischen Rivalen Haidar al Abadi von seinem Amt als Premierminister des Irak zurück. Am 15. August begannen 25 sunnitische Stämme ihren Widerstand gegen den IS und vertrieben ihn aus den Gebieten westlich der Provinzhauptstadt Ramadi. Am 18. August wurde die strategisch wichtige Mosul-Talsperre von kurdischen und irakischen Einheiten mit US-Luftunterstützung zurückerobert.[201]

Die irakische Armee startete am 19. August 2014 eine Gegenoffensive zur Rückeroberung der sunnitisch dominierten Stadt Tikrit.[202] Die Offensive kam jedoch noch am selben Tag zum Erliegen, da die Gegenwehr zu stark war.[203]

Kurdische Kräfte starteten am 22. August 2014 eine Offensive auf den strategisch wichtigen Ort Jalawla im Gouvernement Diyala, die irakische Armee marschierte derweil auf den in der Nähe befindlichen Ort Saadiya.[204] Am 17. September wurde bekannt, dass der Ort noch immer in der Hand des IS war, ein Hauptgrund war die Unterstützung des IS durch den Krui-Stamm, der laut Angaben der Peschmerga ca. 1500 ehemalige Armeesoldaten in seinen Reihen hat.[205]

Ende August 2014 stellten Mitglieder des IS ein Video ins Internet, das die Ermordung des US-amerikanischen Journalisten James Foley zeigen soll. Am Schluss wurde im Video ein zweiter Gefangener gezeigt, der als Steven Sotloff bezeichnet wurde. Im Video wurde erklärt, dass das Leben dieses Mannes von den „nächsten Entscheidungen“ Obamas abhänge.[206][207] Kurz darauf berichtete der Nachrichtensender ABC News von einer weiteren Geiselnahme durch den IS. Es handelt sich um eine 26-jährige Frau, die bereits im Jahr 2013 in Syrien entführt wurde. Die Entführer forderten unter anderem 6,6 Millionen Dollar und die Freilassung von Aafia Siddiqui.[208] Die USA setzen ihre Luftangriffe fort und schlossen eine Ausdehnung der Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien nicht mehr aus.[209]

Die irakische Luftwaffe begann am 27. August mit Angriffen auf IS-Stellungen, um die seit zwei Monaten eingeschlossene Stadt Amerli im Distrikt Tuz Churmatu Gouvernement Salah ad-Din. Parallel wurden mit Helikoptern Hilfsgüter und Munition in die Stadt geflogen.[210][211] Kräfte der irakischen Armee sowie schiitische und kurdische Kämpfer starteten am 30. August eine gemeinsame Offensive zum Entsatz der seit mehr als zwei Monaten eingeschlossenen Stadt.[212] Diese Bodentruppen in Stärke von mehreren Tausend Mann rückten aus vier Richtungen, unterstützt von Luftschlägen mit US-Beteiligung, gegen die Einschließung vor.[213] Der irakischen Armee gelang der Durchbruch des Belagerungsringes am 31. August 2014.[214] Die kleineren Orte rund um Amerli Stadt konnten noch am selben Tag zurückerobert werden.[215] Erstmals dürfte sich die Luftwaffe des schiitisch dominierten Iran beteiligt haben.[216] Laut einer Aussage des Irak-Experten vom Washington Institute for Near East Policy Michael Knights wurde die Stadt zum Symbol des schiitischen Widerstands und war auch die letzte nicht-sunnitische Gemeinde, die der Terrororganisation ausgeliefert war.[217] Im Zuge dieser Offensive konnten die verbündeten Kräfte die vor elf Wochen verloren Stadt Sulaiman Bak zurückerobern, dabei wurden 36 IS-Kämpfer gefangengenommen.[218] Kurz darauf wurden dort Massengräber entdeckt.[219]

Am 28. August wurde ein Video auf YouTube online gestellt, das die Enthauptung eines Peschmerga-Kämpfers zeigen soll. Die Enthauptung soll eine Warnung für die kurdischen Führer sein, ihre Allianz mit den USA zu beenden. Am frühen Morgen konnten kurdische Kräfte im Raum Zumar Distrikt Tal Afar im Gouvernement Ninawa – 10 bis 20 km westlich des Mosul-Dammes – einige Ortschaften unter anderem die am 3. August verlorene Ölstadt Ain Zalah und den strategisch wichtigen Berg Batma zurückgewinnen – er ermöglicht eine sehr gute Sicht auf die Städte Ain Zalah und Zumar. Der IS zündete im Verlauf ihres Rückzugs drei Ölquellen an.[220][221] Die ersten kurdischen Verbände konnten am 30. August in die Stadt Zumar eindringen, die seit Monatsanfang unter Kontrolle des IS stand. Zumar konnte kurz darauf eingenommen werden.[218][222][223]

September 2014[Bearbeiten]

Karte zu den Luftangriffszielen gegen den IS in Syrien am 23. September 2014
Karte zu den alliierten Luftangriffen auf vom IS kontrollierte Raffinerien am 24. September 2014

Am 2. September veröffentlichte der IS ein Video, in dem ein schwarz vermummter Kämpfer offenbar den Journalisten Steven Joel Sotloff ermordet. Im Video wurde die Ermordung mit der Weiterführung der Angriffe der USA gegen IS-Stellungen begründet. Es wurde auch mit der Tötung des Briten David Cawthorne Haines gedroht, falls die US-Luftschläge weitergehen.[224][225]

Am 4. September wurde bekannt, dass die „rechte Hand“ von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi, Abu Hadschir al-Suri, mutmaßlich bei einem Luftschlag auf Mossul getötet worden war; bei diesem Luftangriff sollen auch 50 IS-Kämpfer gestorben sein.[226] Im gleichen Zeitraum wurde westlich von Kirkuk der Ort Tel Ali von den IS-Milizen gestürmt, und es wurden mindestens 50 Männer entführt.[227]

Kurdische Kräfte rückten östlich von Mossul vor und konnten sich bis zum 5. September 25 Kilometer an die Stadt herankämpfen, dabei wurden weitere Dörfer vom IS zurückerobert.[228] Am 6. September konnte die Peschmerga, ca. 20 km östlich von Mossul, den strategisch wichtigen Berg Zartak erobern. Die US-Luftwaffe unterstützte den Vormarsch.[229]

Am 7. September bombardierte die US-Luftwaffe auch IS-Stellungen bei der Haditha-Talsperre, ca. 250 km südwestlich von Mossul, und eröffnete dadurch eine zusätzliche Front. Die Angriffe dienten der Unterstützung irakischer Sicherheitskräfte und sunnitischer Stämme, die den Staudamm verteidigten, die Luftschläge erfolgten auf Bitte der irakischen Regierung. Durch die Luftschläge konnten die Kämpfer die Stadt Barwana ca. 10 km südlich des Dammes einnehmen.[229][230][231]

Am 12. September wurde bekannt, dass sich Saudi-Arabien, der Irak, Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, der Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate an der internationalen Allianz beteiligen wollen. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die zehn arabischen Länder nach einer Anti-Terror-Konferenz in der saudischen Hafenstadt Dschidda, sie seien übereingekommen, ihren Teil zum Kampf gegen die Extremisten beizutragen und die Militäraktion zu unterstützen. Sie sagten unter anderem zu, die Finanzströme der Extremisten und den Zulauf von ausländischen Kämpfern zu stoppen.[232]

Australien kündigte Mitte September 2014 die Verlegung von 600 Soldaten und acht FA18 Super Hornet in die Vereinigten Arabischen Emirate an. Zweihundert dieser Soldaten waren Mitglieder des Australian Special Air Service Regiments.[233][234] Am 15. September 2014 startete die Französische Luftwaffe erstmals Aufklärungsflüge im Irak.[235]

Am 13. September wurde ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung des britischen Entwicklungshelfers David Haines zeigen soll. Die Tat wurde darin wie folgt begründet: „Dieser Brite muss den Preis für dein Versprechen, Cameron, zahlen, die Peschmerga zu bewaffnen, um gegen den 'Islamischen Staat' vorzugehen.“ Als nächstes Opfer wurde der britische Entwicklungshelfer Alan Henning angekündigt.[236]

Bis zum 16. September hatten die US-Luftangriffe auf IS-Stellungen eine Anzahl von 162 erreicht, und erstmals wurden Stellungen nahe der irakischen Hauptstadt angegriffen. Am selben Tag konnten die Peschmerga weitere fünf Dörfer nordöstlich von Mossul befreien. Die Befreiung dieser Dörfer wurde als strategisch wichtiger Erfolg gewertet. Nachdem sich die Peschmerga zehn Tage zuvor 20 km östlich von Mossul, am Berg Zartak, hatte festsetzen können, zeichnete sich hier eine nördliche Umfassungsbewegung ab. Gemäß Aussagen eines Kommandeurs vor Ort befanden sich die IS-Truppen schon seit Tagen im Rückzug. Auch wurde bekannt, dass die kurdischen Kämpfer eine Offensive für die Rückeroberung der Ebene von Mossul vorbereiten.[237][238][239] Die US-Luftwaffe griff am 18. September mehrere Ausbildungslager, im Bereich Hammam al-Alil, ca. 25 km südlich von Mossul an und zerstörte diese vollständig.[240] Am 20. September wurde bekannt, dass die US-Luftwaffe erstmals Ziele im Stadtzentrum von Mossul angegriffen hat.[241]

Am 19. September bombardierten Rafale-Jets der französischen Luftwaffe ein Waffendepot des IS im Raum Zumar und zerstörten es vollständig.[242] In Algerien wurde der Franzose Hervé Gourdel von Dschund al-Chilāfa / ‏ جُنْد الخِلافة‎ / Ǧund al-ḫilāfa / „Armee des Kalifats / Kalifatsarmee“[243] (vormals al-Qaida im Maghreb angegliedert,[244] seit dem 14. September IS) am 21. September entführt, die Terroristen forderten eine Einstellung der französischen Luftangriffe.[245][246] Am 24. September wurde die französische Geisel enthauptet. Die französische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, man werde „keiner Erpressung“ nachgeben.[247]

Am 25. September folgten weitere Luftangriffe durch zehn Kampfflugzeuge aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie sechs aus den USA auf 12 vom IS kontrollierte und modular aufgebaute Ölraffinerien nahe der syrisch-irakischen Grenze bei Al Mayadin, Al Hasakah und Abu Kamal.[248]

Am 26. September beteiligte sich Großbritannien an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Irak mit zwei bewaffneten Kampfflugzeugen des Typs Tornado. Auch Belgien, die Niederlande und Dänemark sagten ihre Unterstützung zu. Belgien entsandte sechs Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und 120 Soldaten nach Jordanien, die Niederlande ebenfalls sechs F-16 und maximal 250 Soldaten, darunter 130 für die Ausbildung von irakischen und kurdischen Soldaten.

Mit Luftunterstützung und Artilleriefeuer rückten, laut Vertretern der Peschmerga, kurdische Kämpfer am 30. September an drei Fronten vor. Im Grenzgebiet zu Syrien konnten zwei Dörfer zurückerobert werden, auch rückten die kurdischen Kämpfer in den (an der Autobahn 1 gelegenen) Grenzort Rabia ein und stießen dabei auf Widerstand. Auch im Raum Zumar wurde wieder eine Offensive durchgeführt. Rund um den Darkuk im Gouvernement Kirkuk konnten ebenfalls einige Dörfer zurückerobert werden.[249][250]

Am 30. September 2014 flog die Royal Air Force Angriffe gegen IS-Stellungen.[251] Kanada kündigte an, sich an den Luftschlägen gegen den IS zu beteiligen.[252] Der türkische Vize-Premierminister Bülent Arınç sagte, das türkische Parlament werde am 1. Oktober Resolutionen zum Kampfeinsatz gegen den IS zustimmen.[251][253]

Neben zehn ehemaligen Parlamentskandidaten wurde die irakische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Samira Salih Ali al-Nuaimi nach fünftägiger Folter in Mossul hingerichtet, weil sie die Zerstörung religiöser Stätten durch den IS kritisiert hatte.[254]

Im Raum Alqosh entstand die erste christliche Bürgerwehr. Als Grund dafür gilt der fluchtartige Rückzug der Peschmerga im August 2014.[255]

Oktober 2014[Bearbeiten]

Am 3. Oktober erschien ein Video im Internet, das die Enthauptung des britischen Entwicklungshelfers Alan Henning zeigen soll, der im Dezember 2013 von IS-Kämpfern entführt worden war. Seine Ermordung wurde im Video mit der Beteiligung Großbritanniens an den Angriffen auf den IS im Irak gerechtfertigt.[256]

Hinrichtungen von politisch aktiven Frauen und Akademikerinnen, darunter zwei Ärztinnen, wurden ebenfalls Anfang Oktober bekannt.[257] Auch der Kameramann Raad Mohammed al-Asawi und der Journalist Muhannad al-Akidi wurden vom IS getötet.[258] Außerdem wurde berichtet, dass der IS bereits am 11. Juni 2014 den Muthanna-Komplex nordwestlich von Bagdad erobert hat und vermutlich auch Reste von Kampfstoffen oder Produktionsreste erbeutet habe, darunter Sarin.[259][260]

Hauptartikel: Schlacht um Sherfedîn

Anfang Oktober 2014 rückten Einheiten des IS gegen die Jesiden im Sindschar-Gebirge vor. In der Region hielten sich etwa 10.000 Menschen auf, denen es an Nachschub mangelte. Darunter befanden sich etwa 3000 Mitglieder der Bürgerwehr (Hêza Parastina Şingal) unter der Führung von Qasim Şeşo sowie 7000 Zivilisten. Sie versuchen unter anderem, die Pilgerstätte Scharaf ad-Din zu schützen. Die Ortschaften Borik und Dhola fielen an den IS.[261] Kurdischen Einheiten gelang es, die erneut stark umkämpfte Stadt Zumar und somit den Zugang zum Sindschar-Gebirge zu halten.[262] Nach Schätzungen der UN wurden seit dem Sommer 2014 bis zu 5000 Jesiden vom IS exekutiert und etwa 7000 Frauen versklavt.[263]

Der syrische Botschafter in Neu-Delhi, Riad Kamel Abbas, bezeichnete den IS bei einer Konferenz des Indian Women's Press Corps (IWPC) am 15. Oktober 2014 als einen „amerikanischen Mythos“, eine Erfindung, die direkte Unterstützung von der Türkei erhalte und von Saudi-Arabien und Katar finanziert werde: „Al-Qaida erschien in Syrien, nachdem die USA den Irak besetzt hatte. Vorher gab es keine al-Qaida in Syrien. Es ist klar, dass al-Qaida von den USA erschaffen wurde und der IS von den USA unterstützt wird.“[264][265]

November 2014[Bearbeiten]

Die irakische Armee vermeldete die Vertreibung von IS-Milizen aus der Stadt Baidschi.[266] In der westirakischen Provinz al-Anbar, die seit der Einnahme der Stadt Hīt auch an strategisch wichtigen Punkten größtenteils vom IS kontrolliert wird,[267] kam es erneut zu schweren Kämpfen um Ramadi.[268] Zudem sollen in der Provinz mehr als 630 Angehörige des sunnitischen Volksstammes Albu Nimr hingerichtet worden sein, weil dieser den IS bekämpft hatte.[269]

Dezember 2014[Bearbeiten]

Sindschar-Gebirge: Kurdische Truppen begannen eine erfolgreiche Offensive zur Zurückeroberung des Sindschar Gebirges. Dort sollen weiterhin noch viele Jesiden nach ihrer Flucht vor dem IS versteckt und vom Winter bedroht sein. Vom Gebirge aus wurde der Zugang zur strategisch wichtigen Stadt Sindschar geöffnet.

Sindschar (auch: Sinjar): Kurdische Truppen konnten die ehemals mehrheitlich von Jesiden bewohnte Stadt Sindschar „weitgehend“ zurückerobern. Es wurde von Scharfschützen („snipers“) in der Stadt berichtet.[270] Die Stadt liegt auf einer Verbindungsstraße zwischen ar-Raqqa und Mossul. Die Unterbrechung der Verbindung soll zu Versorgungsproblemen des IS in Mossul geführt haben.[271] Aus Sindschar geflohene Dschihadisten sollen in Mossul hingerichtet worden sein. Die schwer zu prüfenden Zahlen schwankten zwischen 45 und 70 Personen.[272] Die kurdischen Erfolge führten in den Medien zu Diskussionen über die Strategie der Kurden in nicht-kurdisch bewohnten Gebieten und die Gefahr eines kurdisch-sunnitischen Krieges.[273] In Hardan, einem jesidischen Dorf nahe Sindschar, wurden Massengräber entdeckt.[274]

Tal Afar (Karte:[275]): Die nächste größere Stadt Richtung Mossul ist Tal Afar. Dort lebende sunnitische Turkmenen sollen aus Angst vor Luftangriffen und Racheakten nach Mossul geflohen sein.[271] Eine Sondereinheit der irakischen Truppen eroberte im Zuge der kurdischen Erfolge eine Militärbasis in der Nähe von Tal Afar zurück.[266]

Mossul: Der IS sprengte eine katholische Marienkirche im Norden der Stadt[276] in die Luft.[277]

Samarra: Ein iranischer Offizier wurde durch einen Scharfschützen getötet.[278]

Baidschi (engl. Baiji) (Karte: [279]): Die Stadt Baidschi, die erst vor kurzem von irakischen Regierungstruppen zurückerobert worden war, wurde wieder vom IS eingenommen. Dieser belagerte damit nun wieder die benachbarte größte Raffinerie des Irak.

Schiitische Milizen: Inzwischen soll es im Irak 35 schiitische Milizen geben, darunter 6 Hisbollah-Milizen, die gegen Daesh kämpfen. Ihnen wurde vorgeworfen, wahllos gegen sunnitische Männer vorzugehen und Menschenrechtsverletzungen zu verüben.[280]

Januar 2015[Bearbeiten]

Mitte Januar 2015 konnten die kurdischen Kämpfer weitere Geländegewinne im Nordirak erzielen.[281] Ende des Monats startete der IS bei dichtem Nebel eine überraschende Offensive auf die Stadt Kirkuk, die von den Kurden abgewehrt werden konnte.[282] Nahost-Experten werteten dies als Ablenkungsversuch, um den Vormarsch der Peschmerga auf Mossul zu unterbinden.[283]

Februar 2015[Bearbeiten]

Anfang Februar 2015 flog die Anti-IS-Koalition verstärkt Luftangriffe auf Mossul.[284] Der IS nahm daraufhin die Stadt Chan al-Baghdadi ein[285] und führte erfolglose Offensiven gegen den nahegelegenen Militärflugplatz Al Asad[286] sowie die kurdische Hauptstadt Arbil durch.[287] Für das Frühjahr wurde eine große Militäroffensive der irakischen Armee angekündigt, bei der bis zu 25.000 Soldaten auf Mossul vorrücken sollen. Die Ausbildung der Armee geschieht unter Leitung der Anti-IS-Koalition.[288] Neuseeland kündigte an, zu diesem Zweck 140 Soldaten in den Irak zu entsenden.[289] Auch Australien nahm dies zum Anlass, das bestehende Truppenkontingent von 170 Soldaten um weitere 300 auf 470 zu erhöhen.[290] Frankreich verlegte den Flugzeugträger Charles de Gaulle in den Persischen Golf.[291] Der IS soll in Mossul mit dem Bau eines Verteidigungsgrabens begonnen haben.[292]

Am 17. Februar wurde bekannt, dass der IS in der Provinz al-Anbar 30 bis 45 Zivilisten im Rahmen einer öffentlichen Hinrichtung bei lebendigem Leib verbrannt haben soll, weil sie angeblich mit staatlichen Sicherheitskräften kollaboriert hatten.[293]

Ende des Monats kam es zu einem schweren Fall von Kulturvandalismus in Mossul. Zunächst stürmten IS-Anhänger die historische Bibliothek der Stadt und verbrannten mindestens 8000 Bücher. Möglicherweise wurden sogar mehr als 100.000 Bücher und Manuskripte vernichtet, darunter auch Exemplare, die auf der Raritätenliste der UNESCO stehen.[294] Am 26. Februar veröffentlichte der IS ein Video, das die Zerstörung von zahlreichen Kunstwerken im Mosul Museum zeigte. Neben antiken Fundstücken aus Hatra wurden zwei Lamassu-Türhüterfiguren aus Ninive, die mehr als 2600 Jahre alt waren, zerschlagen; die eine stand im Museum, die andere am Nergal-Tor an der Stadtmauer.

März 2015[Bearbeiten]

Am 1. März 2015 starteten die Streitkräfte des Irak von Samarra aus die Schlacht um Tikrit.[295] Irakische Soldaten, schiitische Milizen und Kämpfer sunnitischer Stämme (insgesamt etwa 30.000 Mann) rückten aus drei Richtungen auf die Stadt vor.[296] Sie wurden von Kampfjets und Kampfhubschraubern unterstützt.[297] Der IS verteidigte sich mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Heckenschützen, so dass der Angriff zunächst nur langsam vorankam.[298]

Am 6. März wurde bei Tikrit die Einnahme der strategisch wichtigen Ortschaft Al-Dur durch die irakische Armee gemeldet.[299] Außerdem konnten im Westirak Chan al-Baghdadi und weitere Dörfer in der Umgebung erobert werden, die IS-Kämpfer zogen sich in Richtung Haditha zurück.[300][301] Auch bei Kirkuk gingen kurdische Soldaten aus der von ihnen gehaltenen Stadt gegen IS-Stellungen im Umland vor.[302] Im selben Zeitraum wurden vier Angehörige der Sahwa-Miliz in Tikrit[303] und 20 Iraker in Hawidscha hingerichtet, die mit paramilitärischen Einheiten den IS bekämpfen wollten.[304]

Am 6. März wurde berichtet, dass der IS im Nordirak Überreste der altorientalischen Stadt Nimrud, einstmals eine Hauptstadt des assyrischen Reiches, mit Planierraupen zerstört habe.[305] Kurz darauf sollen auch in der antiken Stadt Hatra, die auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht, zahlreiche Gebäude mit Sprengstoff und Bulldozern eingerissen worden sein.[306] Im Anschluss soll der IS in der Nähe von Ninive die alte assyrische Festungsanlage Dur Šarrukin[307] und das Kloster Mar Gorgis zerstört haben.[308]

Nachdem irakische Einheiten am 9. März die Ortschaft Al-Alam eingenommen hatten, konnte Tikrit eingekreist werden.[309] Am 11. März rückte die Armee erstmals in Tikrit ein; sie konnte den Stadtteil Kadissija partiell unter ihre Kontrolle bringen[310] und noch am selben Tag bis ins Stadtzentrum vordringen.[311] Am Tag darauf wurde gemeldet, dass die irakischen Streitkräfte einen Großteil Tikrits zurückerobern konnten.[312]

Am 31. März konnte die irakische Regierung einen Sieg gegen den IS in Tikrit vermelden.[313]

Mai 2015[Bearbeiten]

Nach schweren Gefechten zwischen Regierungstruppen und IS-Kämpfern fiel die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi am 17. Mai vollständig an den IS.[314] Behörden sprechen von etwa 500 toten Kämpfern und Zivilisten in der Stadt, die trotz verstärkter Luftangriffe seitens der USA von den Regierungstruppen nicht gehalten werden konnte. Es war der erste bedeutende Sieg der Terrormiliz seit den Niederlagen von Tikrit Anfang April und Kobane im Januar. Der Fall von Ramadi wird deshalb als herber Rückschlag des Irak im Kampf gegen den IS betrachtet.[315]

Juni 2015[Bearbeiten]

Die USA beschlossen, in Taqaddum in der Nähe der Stadt Habbanija ein Ausbildungslager zu errichten. Die Rückeroberung Mossuls soll verschoben werden.[316]

Juli 2015[Bearbeiten]

Die Rückeroberung Ramadis durch die regierungstreuen Truppen wurde angestoßen, die Stadt wurde vom Nachschub abgeschnitten.[317] Insbesondere wurden 3.000 ausgebildete Soldaten als Verstärkung herangeführt.

August 2015[Bearbeiten]

Am 1. August 2015 forderte Masud Barzani die PKK auf, ihre Stützpunkte im Nordirak zu verlassen.[318]

Ende August zählten zu den von der Koalition belagerten oder umkämpften Großstädten: Baidschi, Ramadi und Falludscha.

Militärische und politische Situation in Syrien[Bearbeiten]

Seit März 2011 hält der Bürgerkrieg in Syrien an. Präsident Baschar al-Assad befehligt die Regierungstruppen und wird von der Hisbollah unterstützt. Die Freie Syrische Armee versteht sich als die Miliz der syrischen Opposition. Ferner etablierte sich die al-Qaida nahestehende al-Nusra-Front als Gegner Assads; 2014 erlangte der IS eine dominierende Rolle unter der Führung von Omar al-Schischani. Darüber hinaus gibt es kleinere aufständische Organisationen. 2012 kam es zum syrisch-türkischen Konflikt; die Türkei versteht sich seitdem als Gegner Assads.

Siehe auch: Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2014, 2013, 2012, 2011

Januar 2014[Bearbeiten]

Seit dem 3. Januar 2014 finden massive Angriffe durch Rebellen, darunter die Freie Syrische Armee (FSA) und die Islamische Front, gegen ISIS in Nordsyrien statt.[319][320][321] Nachdem ISIS Anfang Januar 2014 einige bedeutende syrische Aktivisten in ihren Gefängnissen ermordet hatte, brachen verstärkt offene Kämpfe zwischen ISIS und den Rebellen aus, denen sich immer mehr Rebellengruppen anschlossen. Mehrere Vermittlungsversuche zwischen ISIS und den Rebellen waren zuvor gescheitert.

Februar 2014[Bearbeiten]

Bereits Anfang Februar 2014 hatte ISIS unter den syrischen Rebellengruppen keinen Verbündeten mehr, insbesondere auch unter der Al-Nusra-Front und der islamischen Armee. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten, YPG und YPJ (Frauenbataillone), verteidigten schon seit längerem die kurdischen Gebiete gegen Einfälle des ISIS.

März 2014[Bearbeiten]

Ende März 2014 startete ISIS einen erneuten Angriff auf die kurdische Region um Ain al-Arab (kurdisch: Kobanê). Zur selben Zeit verlangte der ISIS von der Türkei, ihre Truppen aus der einzigen türkischen Exklave der Grabstätte Sulaiman Schahs beim Dorf Qara Qusaq abzuziehen. Die Türkei drohte mit einer militärischen Antwort.[322]

Juni 2014[Bearbeiten]

Im Juni 2014 wurde von Ermordungen und Kreuzigungen in Dayr Ḥāfir im Osten der Provinz Aleppo und Al-Bab berichtet.[323][324]

Juli 2014[Bearbeiten]

Im Juli 2014 kam es zu schweren Kämpfen um das Scha'ar-Erdgasfeld bei Homs. Nachdem der IS das Feld vorübergehend eingenommen und 270 syrische Soldaten getötet hatte, eroberten es Regierungstruppen Ende des Monats wieder zurück.[325]

Außerdem griff der IS nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) in ar-Raqqa rund 35 km östlich der Tabqa-Talsperre einen Militärstützpunkt der 17. Division der syrischen Armee an. Dabei starben mindestens 50 Regierungssoldaten und 28 IS-Kämpfer.[326]

August 2014[Bearbeiten]

Mitte August 2014 berichteten Aktivisten, dass IS-Kämpfer 700 Angehörige des regionalen Stammes der Schuʿaitat, darunter 600 Zivilisten, im Gouvernement Deir ez-Zor gefangengenommen und getötet hätten.[327][328] Deir ez-Zor ist eine von der Freien Syrische Armee besetzte Enklave in einem vom IS kontrollierten Gebiet.

Am 24. August 2014 nahm die IS-Miliz den Militärflughafen al Tabqa syrischer Regierungstruppen in Al-Tabka ein. Dabei kamen 500 Menschen zu Tode.[329] Bei einem Kampf mit der Al-Qaida verbündeten Al-Nusra-Front eroberte der IS im August 2014 auch weitere Gebiete an der türkischen Grenze.[330]

Am 28. August 2014 töteten IS-Kämpfer mehr als 160 Soldaten im Gouvernement ar-Raqqa.[331]

September 2014[Bearbeiten]

Im September 2014 griffen IS-Anhänger die Stadt Kobanê an der Grenze zur Türkei an. Die Kampfhandlungen mündeten in die international beachtete Schlacht um Kobanê. Zeitweilig waren bis zu einer halben Million Menschen durch IS-Kämpfer eingekesselt.[332] Die US-Luftwaffe bombardierte zusammen mit jordanischen und saudiarabischen Kampfflugzeugen Ziele des IS in Syrien. Die Aktion wurde auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterstützt.[333] Der IS nahm Mitte September 2014 insgesamt 16 mehrheitlich kurdisch bewohnte Dörfer, in der Nähe der Stadt Ain al-Arab, ein. Die Dörfer in der Nähe der türkischen Grenze wurden von lokalen Bürgerwehren verteidigt, die Zivilisten waren vor der Einnahme geflohen.[334] Die kurdische Enklave um Ain al-Arab wurde vom IS schon seit Monaten angegriffen, die Enklave war eingekesselt.[335] Nach heftigen Protesten öffnete die Türkei die Grenze für die Flüchtenden. Mit Ausnahme von Ain al-Arab kontrollierte die Terrororganisation IS die gesamte Grenze zur Türkei zwischen Ras al-Ain und Aleppo. Die Einnahme von Ain al-Arab hätte zudem den Vormarsch auf Aleppo erleichtert. Der Erfolg der IS-Miliz bei dieser Offensive wurde mit den von der syrischen Armee erbeuteten schweren Waffen in Zusammenhang gebracht. Die Versorgung der Enklave von außen gestaltete sich schwierig, da die Türkei den syrischen Kurden feindlich gesinnt war.[336] Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte drangen in der Nacht zum 20. September mindestens 300 türkische Kurdenkämpfer über die Grenze nach Syrien vor, um den Kampf der syrischen Kurden gegen den IS zu unterstützen. Salih Muslim Mohamed, ein Vertreter der syrischen Kurdenbewegung, forderte Hilfe von den USA und Europa. Bei Ain al-Arab drohten „sogar noch schlimmere ethnische Säuberungen als jene in Sindschar.“[337] Am 23. September 2014 wurde bekannt, dass die USA gemeinsam mit den arabischen Verbündeten Luftschläge in Syrien ausgeführt hatten. Die Verbündeten Staaten waren laut Washington Post: Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabische Emirate und Bahrain. Die Angriffe fanden im Raum ar-Raqqa der nordsyrischen IS-Hochburg und entlang der syrisch-irakischen Grenze statt.[338] Diese Ziele wurden mit Kampfjets, Bombern und Marschflugkörpern angegriffen. Die Washington Post berichtete, dass bei dem Angriff auch Drohnen zum Einsatz kamen.[339]

Oktober 2014[Bearbeiten]

Mitte Oktober 2014 konnten die Dschihadisten große Teile der belagerten nordsyrischen Grenzstadt Kobanê einnehmen. Mehrere kurdische Kämpfer wurden vom IS enthauptet.[340] Berichtet wurde auch vom Häuserkampf in Aleppo gegen syrische Regierungseinheiten sowie von der Sprengung eines Kontrollpostens in Hama.[341]

Im weiteren Verlauf konnten die Milizen des IS aus Kobanê zurückgedrängt werden. Die USA unterstützten die Kurden dort mit insgesamt 135 Luftangriffen gegen die Einheiten des IS. Am 20. Oktober 2014 wurde bekannt, dass die USA erstmals mit Flugzeugen des Typs Lockheed C-130 mehrere Ladungen von Waffen, Munition und medizinischen Gütern für die kurdischen Kämpfer abgeworfen haben. Das Material sei von der Autonomen Region Kurdistan im Irak zur Verfügung gestellt worden. Zur gleichen Zeit erklärte Erdogan nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die syrisch-kurdische Partei PYD sei ebenso „eine Terrororganisation“ wie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK; er lehne eine Waffenhilfe durch die Türkei grundsätzlich ab.[342]

Als Reaktion auf den wachsenden Widerstand veröffentlichte der IS am 27. Oktober ein Propagandavideo mit der Geisel John Cantlie, in dem der britische Journalist die militärischen Erfolge der Kurden und Anti-IS-Koalition – mutmaßlich unter Zwang – herunterspielte.[343]

November 2014[Bearbeiten]

Luftschlag der Anti-IS-Koalition auf eine IS-Position in Kobane am 19. November 2014

Am 16. November wurde ein Video veröffentlicht, aus dem hervorging, dass der US-amerikanische Entwicklungshelfer Peter Kassig enthauptet wurde. Im selben Video wurde die Ermordung von mehreren syrischen Soldaten gezeigt.[344]

Bei Homs fanden erneut Kämpfe um das Scha'ar-Erdgasfeld statt, das die syrische Armee nach einem zwischenzeitlichen Verlust gegen den IS verteidigen konnte.[345] In Kobanê konnten die kurdischen Kämpfer größere Teile der Stadt zurückerobern.[346]

Dezember 2014[Bearbeiten]

Deir ez-Zor: Obwohl der IS große Teile der seit Monaten umkämpften Region kontrolliert, konnte die syrische Armee eine Offensive auf den Militärflughafen der Stadt abwehren und ihn weiter als Basis für Luftangriffe gegen den IS nutzen.[347]

ar-Raqqa: Ein jordanischer F16-Kampfjet stürzte über Syrien ab. Der Pilot Muʿādh al-Kasāsba überlebte und wurde vom IS gefangen genommen. IS-Kämpfer behaupteten, den Jet mit einer Abwehrrakete mit Wärmesensoren abgeschossen zu haben. Die US-Armee erklärte, dass die Maschine aus technischen Gründen abgestürzt sei.[348] Die Intensität der Luftangriffe der USA und ihrer Alliierten wurde trotz des Absturzes nicht vermindert.[349]

Kobane: Es wurde berichtet, dass die kurdische YPG nun 60 % der Stadt kontrollieren soll.[350] Der IS war zu diesem Zeitpunkt vor allem noch im Osten der Stadt präsent. Manche vom IS aufgegebene Straßen wurden von der YPG gemieden, weil man Minenfallen fürchtete.

al-Bab: Assad-Truppen bombardierten die vom IS gehaltenen Städte al-Bab und Qabaseen, u. a. mit Fassbomben. Es wurde von 45 toten und 175 verwundeten Zivilisten berichtet.[351] Die Angriffe wurden hervorgehoben, weil Assad-Truppen damit Luftangriffe vermehrt in Gebieten flogen, in denen sie keine Kontrolle mehr haben.

Afrin (Stadt bzw. Bezirk mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit nördlich von Aleppo): Die Türkei hält die Grenze zu Afrin gesperrt. Im Süden wird die kurdische Enklave von der Nusra-Front bedroht. Im Osten ist die Islamische Front ein Puffer gegen den IS. Die Islamische Front hat dem IS die Grenzstadt Aʿzāz (Azaz) abgenommen. Die Islamische Front lässt einen Grenzverkehr von Kurden und anderen über Aʿzāz in die Türkei zu. Nach Ansicht von Sulaiman Dschaafar, Leiter des Ressorts für Auswärtige Beziehungen in Afrin, hält die Türkei die Grenze geschlossen, um die Kurden zu schwächen, und unterstützt die Nusra-Front, um Assad zu bekämpfen.[352]

Januar 2015[Bearbeiten]

Die japanischen Geiseln Haruna Yukawa und Kenji Gotō wurden vom IS hingerichtet.[353] Der IS drohte für den Fall, dass die 2006 zum Tode verurteilte Terroristin Sadschida al-Rischawi nicht freigelassen werde, mit der Ermordung des jordanischen Piloten Muʿādh al-Kasāsba. Kobanê stand kurz vor der Befreiung, weite Teile der Stadt sind allerdings zerstört.[354]

Februar 2015[Bearbeiten]

Kobanê gilt als befreit, auch umliegende Ortschaften wurden von den Kurden zurückerobert. Sie kündigten an, nun auf die vom IS gehaltene Grenzstadt Tall Abyad vorrücken zu wollen.[355] Mitte des Monats konnten von den Kurden erstmals Ortschaften im Gouvernement ar-Raqqa eingenommen werden.[356] Ende des Monats vermeldeten sie die Rückeroberung der Stadt Tall Hamis und des heute gleichnamigen Ortes bei der antiken Siedlungsstätte Tell Brak im Nordosten des Landes.[357][358]

Über den Piloten Muʿādh al-Kasāsba wurde am 3. Februar bekannt, dass er vermutlich bereits Anfang Januar von IS-Milizen mit Benzin bei lebendigem Leibe verbrannt wurde.[359] Die jordanische Regierung richtete als direkte Reaktion darauf die Terroristen Sadschida al-Rischawi und Ziyad Karboli hin[360] und verstärkte zudem die Luftangriffe auf IS-Stellungen.[361] Bei einem Bombardement von ar-Raqqa soll laut IS-Angaben die US-amerikanische Entwicklungshelferin Kayla Mueller, die seit August 2013 als Geisel festgehalten wurde, getötet worden sein. Ihr Tod wurde ohne Verifizierung der Umstände am 10. Februar von der US-Regierung bestätigt.[362]

Mitte Februar 2015 formierte sich das Bündnis Burkān al-Furāt aus verschiedenen syrischen Gruppen gegen den IS. Strategisches Ziel sei unter anderem die Erlangung der Kontrolle über der Straßen von Aleppo über Manbidsch und Sarrin nach Ar-Raqqa, um die Nachschubwege des IS zu verlängern.[363]

In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar startete die Türkei eine Militäraktion, um die vom IS umzingelte Exklave Qalʿat Dschaʿbar mit der Grabstätte des Sulaiman Schah dauerhaft zu räumen. 38 Wachsoldaten, die Gebeine Sulaiman Schahs und andere bewegliche Teile wurden evakuiert, der Rest des Mausoleums wurde gesprengt. Ein Soldat starb dabei durch einen Unfall, zu Kampfhandlungen kam es nicht.[364]

Im Gouvernement al-Hasaka wurden Ende des Monats bei einem Angriff auf mehrere Dörfer bis zu 350 assyrische Christen vom IS verschleppt.[365] Am 27. Februar wurde berichtet, dass 15 von ihnen hingerichtet worden sein sollen.[366]

März 2015[Bearbeiten]

Nachdem Anfang des Monats bereits 19 der entführten Christen gegen Lösegeld freigekommen waren,[367] wurde bald darauf auch ein Großteil der anderen Geiseln in die Freiheit entlassen. Nach Angaben von Mario Zenari, dem vatikanischen Botschafter in Syrien, wurden keine weiteren Zahlungen geleistet.[368]

Am 9. März wurde berichtet, dass bei einem Luftangriff der Anti-Terror-Koalition auf eine vom IS betriebene Ölraffinerie bei Tall Abyad 30 Menschen getötet wurden.[369] Am 11. März griff der IS die Stadt Raʾs al-ʿAin an der türkischen Grenze an, es kam zu schweren Gefechten mit kurdischen Einheiten.[370]

April 2015[Bearbeiten]

Die Nusra-Front eroberte Idlib, dann Dschisr asch-Schughur im Nordwesten Syriens.[371]

Mai 2015[Bearbeiten]

Etwa zeitgleich zur Offensive des IS auf die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi begannen Mitte Mai Einheiten der IS-Miliz den Vormarsch auf das UNESCO-Weltkulturerbe von Palmyra. Diese konnten zwar zunächst von Regierungstruppen Syriens zurückgeschlagen werden, bis zum 20. Mai erlangte der IS trotzdem die vollständige Kontrolle über Palmyra, die syrische Armee war zum Rückzug gezwungen. Auch in Nordsyrien verbuchten die Islamisten durch eine Reihe von Offensiven teils erhebliche Geländegewinne. So konnte am 19. Mai der letzte große Militärstützpunkt des Regimes eingenommen werden, wodurch sich nun mehr als 50 % der syrischen Landesfläche unter Kontrolle der Terrormiliz befinden, darunter die meisten Ölfelder des Landes.[372][373] Am 28. Mai wurde von IS Einheiten der letzte syrische Kontrollpunkt an der Grenze zwischen Irak und Syrien eingenommen.[374] Am 27. Mai musste sich der IS aus dem Ort Mabrukeh zurückziehen, der von kurdischen Soldaten besetzt wurde.[375][376]

Juni 2015[Bearbeiten]

Tall Abyad wurde Mitte Juni 2015 vom Bündnis Burkān al-Furāt erobert.[377]

Es wird berichtet, dass die PYD, ein syrischer Ableger der PKK, auch Jugendliche dazu zwinge, als Soldat mit zukämpfen, bei Desertation drohe der Tod.[378]

Bei Angriffen und Anschlägen in Kobane kamen über 150 Menschen um.[379]

Beim Kampf um die Grenzstadt Tel Abjad verzeichneten die Kurden am 30. Juni 2015 Erfolge.[380]

Juli 2015[Bearbeiten]

Türkische Streitkräfte der Luftwaffe greifen seit dem 26. Juli 2015 in Nordsyrien Stellungen der IS und im Nordirak Stellungen der PKK an.[381]

August 2015[Bearbeiten]

Mitte August 2015 beschossen Islamisten Latakia, Assads letzte wirkliche Hochburg.[382]

Der in Palmyra tätige Archäologe Khaled Asaad wurde vom IS hingerichtet.[383]

Der Flughafen Abu al-Duhur, letzte Bastion der syrischen Regierung in der Provinz Idlib, wird vom IS belagert.[384]

Situation in der Türkei[Bearbeiten]

Verhältnis zu den Kurden in der Türkei und in Syrien[Bearbeiten]

In der Türkei strebte Recep Tayyip Erdoğan, bis 2014 Ministerpräsident und daraufhin Staatspräsident, einen Ausgleich mit den Kurden in der Türkei an und schlug als historische Übereinkunft die kulturelle Autonomie und mehr politische Rechte der Kurden bei gleichzeitiger Entwaffnung der PKK und ähnlicher Gruppen vor.[385] Es ist umstritten, welche Seite für die neuerlichen Spannungen zwischen PKK und türkischer Regierung überwiegend verantwortlich ist.[386]

Die YPG und die in der Türkei und anderen NATO-Staaten als terroristische Vereinigung eingestufte PKK, die seit Jahrzehnten gewaltsam für die Loslösung der Kurdengebiete von der Türkei kämpft,[387][388] hatten die Jesiden aus den Sindschar-Bergen gerettet, Kobani verteidigt und zuletzt den IS aus Tel Abiad vertrieben. Zudem sind sie mit einem säkularen, demokratischen und die Gleichberechtigung der Frauen fördernden Gesellschaftsbild eine der wenigen Kampfgruppen in Syrien, die sich vom IS deutlich unterscheiden.[389] Ihre Gebietsgewinne in Syrien und Nordirak beunruhigten jedoch die türkische Regierung.[390]

Im Juli 2015 erklärte Erdogan den Friedensprozess mit der PKK für beendet.

Unterstützung von IS und al-Qaida-Gruppen[Bearbeiten]

Während der Syrienkrise ließ der NATO-Mitgliedsstaat Türkei lange Zeit dschihadistische Gruppen gewähren, möglicherweise um Baschar al-Assad zu schwächen.[385][391] Mitte September 2014 galt die Türkei als wichtigstes Transitland für Angehörige des IS. Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoğlu bezeichnete den IS zwar als „reaktionär“, vermied aber wie der vorherige Ministerpräsident, Recep Tayyip Erdoğan, die direkte Verurteilung seiner Taten als „Terrorismus“.[392]

In türkischen Krankenhäusern wie dem städtischen Krankenhaus in der türkisch-syrischen Grenzstadt Kilis sollen nach Medienberichten radikalislamische Syrienkämpfer, darunter auch ein IS-Kommandeur und der deutsche Salafist Denis Cuspert, bis zur Rückkehr ins Kriegsgebiet medizinisch behandelt worden sein, ohne festgenommen worden zu sein.[393][394] Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) warf der Türkei im Oktober 2014 vor, dass IS-Kämpfer in türkischen Krankenhäusern behandelt und Waffen durch die Türkei geliefert würden. Sie forderte von der NATO, Druck auf die Türkei auszuüben.[395] Hinweise auf Waffen- und Munitionslieferungen über die Türkei in das vom IS beherrschte Gebiet konnte die türkische Regierung Medienangaben zufolge nicht entkräften.[394]

Nach Angaben von James Clapper, Nationaler Geheimdienstdirektor (DNI) der Vereinigten Staaten, ließ die Türkei 60 % der radikalen Islamisten nach Syrien einreisen. Aus Gerichtsakten und den Aussagen von Polizisten, kurdischen Kämpfern sowie IS-Kommandeuren geht hervor, dass der türkische Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı die IS-Miliz und die al-Nusra-Front regelmäßig mit Waffen einschließlich Raketenteilen belieferte. Auch beim Schmuggel von Erdöl und Waffen hat die Türkei (bisher) weggesehen.

Im Juli 2015 kündigte die Türkei an, gegen den IS vorgehen zu wollen.

Aufnahme von Flüchtlingen[Bearbeiten]

Die Türkei hatte bereits bis zum Zeitraum 2014 eine große Zahl Flüchtlinge aufgenommen. So sind seit dem Bürgerkrieg 2011 in Syrien ca. 1,8 Millionen Menschen in die Türkei geflohen. Zwischen dem 20. und 22. September sollen bis zu 130.000 Menschen vor einer Offensive des IS auf die syrische Stadt Ain al-Arab in die Türkei geflüchtet sein.[396][397]

Laut einem Bericht von Michael Martens in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FASZ), der sich auf die PKK-nahe Bürgermeisterin der Stadt Suruç, Zühal Ekmez, berief, sollte die Türkei die Flüchtlingszahlen aus Ain al-Arab stark übertrieben haben: statt der vom UNHCR kolportierten 144.000 syrischen Flüchtlinge aus Ain al-Arab seien demnach lediglich 15.000 bis 20.000 Menschen geflohen. Ekmez unterstellte der Türkei, durch Übertreibung der Flüchtlingszahlen die de facto autonomen Kurdengebiete in Syrien zu menschenleeren Pufferzonen erklären lassen zu wollen.[398][399][400] Frank Nordhausen, Korrespondent für Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung, beschuldigte den FAZ-Korrespondenten Martens daraufhin auf Twitter, eine Falschmeldung und PKK-Propaganda zu verbreiten.[401][402][399]

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu nannte am 26. September 2014 eine Zahl von 160.000. Die Türkei gab eine Verschärfung der Grenzkontrollen und ein Unterbinden der Handelswege für Diesel und Öl aus IS-Gebieten bekannt. Bis zum 27. September 2014 sollen 830 Europäer festgenommen worden sein, die als IS-Kämpfer die Türkei als Transitland nutzen wollten.[403]

Im Juli 2015 kündigte Erdogan an, in Syrien eine Sicherheitszone zu schaffen, um dort syrische Flüchtlinge unterbringen zu können.

September 2014[Bearbeiten]

Im 20. September 2014 wurden die im Juni 2014 von der IS im nordirakischen Mossul genommenen Geiseln freigelassen. Die Regierung in Ankara diskutierte am 30. September 2014 im Parlament ein militärisches Eingreifen im Irak und in Syrien; die Türkei blieb bei der Schlacht um Kobani jedoch passiv.[404]

Im September 2014 wurde das Grabstätte des Sulaiman Schah im Irak, eine Exklave der Türkei, von IS-Einheiten umschlossen.

Februar 2015[Bearbeiten]

Im der Nacht zum 22. Februar 2015 wurde die Grabstätte des Sulaiman Schah von der Türkei in der Operation Şah Fırat evakuiert.

Juni 2015[Bearbeiten]

Im Juni 2015 dementierte der türkische Staatspräsident Erdoğan in den Medien kursierende Gerüchte um einen türkischen Alleingang in Syrien und erklärte, es sei jedoch Aufgabe des Staates, mit entsprechenden Maßnahmen seine Grenzen zu schützen. Erdoğan stellte klar, die Türkei werde die Gründung eines kurdischen Staates nicht dulden.[390]

Juli 2015[Bearbeiten]

Beim Anschlag in Suruç kam es am 20. Juli 2015 in der türkischen Stadt Suruç, etwa 10 km entfernt von der syrischen Grenze, zu einem Selbstmordattentat. Dabei starben 32 Menschen und mehr als 100 wurden verletzt. Das türkische Innenministerium machte den Islamischen Staat für den Anschlag verantwortlich. Ein 20-jähriger IS Kämpfer wurde als Attentäter identifiziert.[405]

Hierdurch kam es möglicherweise zum Ende der stillschweigenden Duldung des IS. Es wird vermutet, dass sich die Türkei, wie auch Katar und Saudi Arabien, auf die Unterstützung von al-Qaida-Gruppen beschränken könnte.[406]

Erdogan gestattete nach Meldungen vom 22. Juli 2015 den US-Amerikanern die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik auch für bemannte Flüge. Am 23. Juli 2015 wurde ein türkischer Soldat von der syrischen Seite aus erschossen; das türkische Militär reagierte und tötete dabei einen IS-Kämpfer. Am 24. Juli 2015 flogen daraufhin drei türkische Kampfflugzeuge von der Basis Diyarbakir aus Angriffe auf die Stellungen der IS-Miliz im syrischen Dorf Havar.[407]

In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 2015 nahm die türkische Luftwaffe Militärlager der PKK im Nordirak unter Beschuss, wie ein Sprecher der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mitteilte und das Büro des türkischen Premiers Ahmet Davutoglu bestätigte.[408] Von der PKK unabhängig sind die kurdischen Peschmerga, die von den USA, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland unterstützt werden.[409]

Am 28. Juli 2015 erklärte Erdogan den Friedensprozess zwischen der Türkei und der PKK für beendet. Er kündigte zugleich nach Rücksprache mit Barack Obama die Einrichtung einer Sicherheitszone in Syrien an, um dort Flüchtlinge unterbringen zu können. Er beraumte eine Sondersitzung der NATO ein.[410]

Situation in weiteren Ländern[Bearbeiten]

Asien[Bearbeiten]

Afghanistan[Bearbeiten]

Im September 2014 wiesen Ermordungen in der Provinz Ghazni darauf hin, dass sich Ableger des IS in Afghanistan bilden.[411] In dem Land besteht jedoch eine starke Rivalität mit den sich al-Qaida zugehörig fühlenden Taliban, so dass es unter anderem in der Provinz Helmand zu bewaffneten Konflikten zwischen den beiden Gruppen kam. Am 9. Februar 2015 wurde bekannt, dass der führende IS-Rekrutierer in Afghanistan, Mullah Abdul Rauf, bei einem Drohnenangriff der USA getötet worden sein soll.[412] Im April 2015 bekannten sich Angehörige des IS mehrfach zu einem Anschlag in Dschalalabad, bei dem 30 Menschen ums Leben kamen und mehr als 100 verletzt wurden.[413]

Iran[Bearbeiten]

Seit August 2014 stattet der Iran die Kurden im Irak mit Waffen aus.[414] Nach von Dritten nicht bestätigten Aussagen einer iranischen Oppositionsseite soll der Iran im Irak 1000 Militärberater und 7000 Revolutionsgardisten im Einsatz haben.[415]

Israel/Palästina[Bearbeiten]

Laut dem israelischen Generalmajor Yoav Mordechai und anderen Sicherheitskreisen unterstützen Teile der Hamas den IS in Ägypten.[416] Im Juli 2015 drohte der IS der Hamas, er werde sie vernichten.[417]

Jemen[Bearbeiten]

Seit März 2015 erklärte sich der IS für eine Reihe prominenter – insbesondere anti-schiitischer – Anschläge oder Angriffe für verantwortlich. Diese Anschläge stellten die Operationen der al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) in den Schatten, die von der durch Saudi-Arabien angeführten und von den USA logistisch unterstützten Militärintervention im Jemen 2015 profitiert und weite Gebiete eingenommen hatte.[418][419] Während die AQAP weiterhin von der US-Regierung als gefährlichster Zweig der al-Qaida eingestuft wurde, setzte der IS im Jemen nach Ansicht von Experten dazu an, die AQAP zu verdrängen.[418] Die relative Schwächung der AQAP gegenüber den IS-nahen Gruppen während der saudisch angeführten Militärintervention wurde auch als eine Folge der US-Drohnenangriffe auf führende Vertreter der AQAP gedeutet. Einige Beobachter wie Ibrahim Sharqieh Frehat vom Brookings Doha Center vertraten die Ansicht, dass die Methoden der US-Extremistenbekämpfung ein Klima erzeugt hätten, das dem IS beim Aufbau förderlich war und „ein Muster, wie wir es im Irak und in Syrien gesehen haben“ festzustellen sei. Eine Schwächung von al-Qaida sei demnach insbesondere als förderlich für den Aufstieg des IS zu bewerten.[420]

Jordanien[Bearbeiten]

Der IS nahm am 20. Juni 2014 in Jordanien den einzigen Grenzübergang zum Irak am Highway 10 nach Al Rutbah, al-Anbar, ein. Der Verkehr kam zum Erliegen.[421][422] Jordanien verstärkte danach seine Truppen im Osten des Landes vor dem Hintergrund des Vormarsches des IS im westirakischen Gouvernement al-Anbar.[423] US-Präsident Obama warnte vor einem Übergriff des IS auf Jordanien.[424] Nach der Gefangennahme und Ermordung des Piloten Muʿādh al-Kasāsba flogen die jordanischen Luftstreitkräfte vermehrt Angriffe gegen IS-Stellungen.[425]

Katar[Bearbeiten]

Katar wird vorgeworfen, einer der wichtigsten Finanziers des „Islamischen Staats“ zu sein. Katars Distanzierung von diesem Vorwurf wird allgemein für unglaubwürdig gehalten. Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nannte in einem ZDF-Interview im Zusammenhang mit der IS-Finanzierung das „Stichwort Katar“, in einem darauffolgenden Interview distanzierte sich Angela Merkel indirekt von diesem Vorwurf. Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl stellte die Eignung Katars als Großinvestor in Deutschland infrage. Die grüne Abgeordnete Katja Keul verwies darauf, dass Katar in Ägypten, Mali, Syrien, Irak und Libyen islamistische und terroristische Organisationen fördert. Katar weigere sich insbesondere, die Beteiligung eigener Staatsangehöriger an Kämpfen im Ausland, sowie den Aufruf zur Teilnahme an solchen Kämpfen unter Strafe zu stellen und damit der UNO-Resolution 2170 nachzukommen. Anders als in Saudi-Arabien sei die Werbung für IS, die Rekrutierung von Kämpfern und die Unterstützung durch Spenden für Kataris bis heute ohne jede Konsequenz möglich. Auch SPD-Vize Ralf Stegner nannte Katars Einfluss auf die Konflikte in der Region „nicht eben krisenentschärfend“.[426]

Kuwait[Bearbeiten]

Am 26. Juni sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer Moschee in Kuwait beim Freitagsgebet in die Luft. Später bekannte sich der Islamische Staat zu der Tat. Nach ersten Angaben starben mindestens 25 Menschen, und mehr als 200 wurden verletzt.

Libanon[Bearbeiten]

Anfang Januar 2014 übernahm ISIS die Verantwortung für einen am 2. Januar ausgeführten Autobomben-Anschlag in Beirut, der der Hisbollah galt und bei dem vier Menschen getötet und 77 verletzt wurden.[427]

Infolge eines mehrtägigen Waffenkonflikts wurden im August 2014 mindestens 27 libanesische Soldaten in der Ortschaft Arsal, die an Syrien grenzt, entführt. Zwei von ihnen, Ali Sayyed und Abbas Medlej, wurden im August und September 2014 enthauptet.[428][429][430]

Pakistan[Bearbeiten]

Im Oktober 2014 sagte die Führung der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) dem IS Unterstützung zu,[431] nachdem der IS eine Rekrutierungskampagne in dem Land gestartet hatte. Die TTP ist zerstritten; manche Gruppierungen innerhalb der Organisation sympathisieren mit al-Qaida, andere mit dem IS.[432]

Philippinen[Bearbeiten]

Die Gruppe Abu Sajaf, die im Süden der Philippinen seit 1991 für einen islamischen Staat kämpft, unterstützt den IS. Im September 2014 drohte sie mit der Ermordung zweier deutscher Geiseln, falls sich Deutschland am Kampf gegen den IS beteiligt und nicht ein gefordertes Lösegeld zahlt.[433] Am 17. Oktober wurde die Freilassung beider Personen vermeldet.[434]

Saudi-Arabien[Bearbeiten]

Im Juni 2014 machte der irakische Premierminister Nuri al-Maliki Saudi-Arabien verantwortlich für das, was IS an finanzieller und moralischer Unterstützung erhalten habe.[435]

Am 3. Juli 2014 gab Saudi-Arabien bekannt, 30.000 Soldaten an die 800 km lange Grenze zum Irak zu entsenden.[436] Ende Juli 2014 distanzierte sich Saudi-Arabien vom IS.[437]

Anfang Januar 2015 gab es in der Region Arar einen Überfall auf eine Grenzpatrouille Saudi-Arabiens, zwei saudische Soldaten wurden getötet.[438] Im Gegenzug griff Saudi-Arabien Stellungen des IS an.[439]

Im Mai 2015 wurden beim Anschlag auf eine Moschee in Al Kudaich, zu dem sich der IS bekannte, 22 Menschen getötet.[440]

Im August 2015 wurde ein Anschlag in Abha verübt zu dem sich eine bislang unbekannte Gruppe des IS, namens Hidschas, bekannte.[441]

Afrika[Bearbeiten]

Ägypten[Bearbeiten]

In einer in der ersten Novemberhälfte 2014 verbreiteten Videobotschaft erklärte ein Sprecher der ägyptischen Gruppe Ansar Bait al-Maqdis, der eine Reihe von Terroranschlägen zugeschrieben wird, sie habe sich dazu entschieden, sich dem IS anzuschließen und al-Baghdadi die Treue zu schwören.[442] Die Gruppe besteht aus 2000 Kämpfern, kontrolliert große Gebiete im Norden des Sinai und hat in den Jahren bis 2014 etwa 100 ägyptische Sicherheitsleute getötet, zudem beschoss sie den Badeort Eilat wiederholt mit Raketen.[443]

Nach einer Anschlagsserie mit mindestens 20 Toten[444] wurde am 7. Februar 2015 berichtet, dass das ägyptische Militär mit Kampfhubschraubern gegen die IS-Milizen auf der Sinai-Halbinsel vorgehe.[445] Zwei Tage später veröffentlichte die Gruppe ein Video, das die Enthauptung von acht Männern zeigte, die angeblich mit der ägyptischen Armee kollaboriert hatten.[446]

Ende Juni 2015 war Ägypten von einer Anschlagserie auf Kontrollposten betroffen.[447] Insgesamt starben mehr als 117 Menschen.[448]

Algerien[Bearbeiten]

Der französische Bergführer Hervé Gourdel wurde in Algerien am 21. September 2014 entführt und am 24. September 2014 enthauptet. Einer der Täter war mutmaßlich Bachir Kherza, Anführer der Dschihadistengruppe Dschund al-Chilafa (Soldaten des Kalifats), der Frankreich aufforderte, seine Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat im Irak binnen 24 Stunden einzustellen.[449] Die Gruppe hat dem IS die Treue geschworen.[450]

Libyen[Bearbeiten]

In Libyen gelingt es dem örtlichen Ableger des Islamischen Staats im Zuge des Bürgerkrieges seit 2014 die größten Erfolge außerhalb des Iraks und Syriens zu erzielen.

Am 3. Oktober 2014 erklärte die „Schura der Islamischen Jugend“ die Stadt Darna, die sie seit April 2014 kontrolliert, zum Bestandteil des Islamischen Staats.[451] Die Gruppe rivalisiert mit anderen Milizen, die der libyschen Ansar al-Scharia nahestehen.[452] Sie verhinderte im Juni 2014 die Öffnung von Wahllokalen für die Wahl des neuen libyschen Parlaments und erschoss mehrere antiislamistische Demonstranten.[453] Am 18. August 2014 führte sie mehrere öffentliche Hinrichtungen in einem Fußballstadion durch.

Berichten einer libyschen Internetzeitung zufolge plant der Islamische Staat in Sirte die Einrichtung eines Propagandasenders mit dem Namen Tawhid (Einheit).[452] IS unterhält nach Aussagen des US-Generals Rodriguez von Anfang Dezember Ausbildungslager im Osten Libyens mit mehreren hundert Teilnehmern.[454] Gemeinsamer Gegner der Milizen ist General Chalifa Haftar, der mit Unterstützung der international anerkannten Regierung Libyens in Tobruk die antiislamistische „Operation Würde“ kommandiert.[453]

Der frühere Menschenrechtsaktivist Ahmed Shebani, der sich als „säkularer Demokrat“ bezeichnet, forderte in einem Interview mit der NZZ zur Unterstützung der von Katar geförderten Gegner Haftars auf, zu denen auch die dschihadistischen Milzen aus Darna gehören.[455][456] Er bezeichnete die Dschihadisten als „Teil unserer Gesellschaft“, mit dem man „zivil umgehen“ müsse.[457]

Am 15. Februar 2015 veröffentlichten Anhänger des IS in Libyen unter dem Titel Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes ein Video im Internet, das die Tötung von 21 entführten christlichen Kopten aus Ägypten zeigt. Die Gastarbeiter aus dem Nachbarland waren seit Jahresanfang vermisst. Experten halten das Video für echt.[458] Als Vergeltung bombardierten die libysche und ägyptische Luftwaffe gemeinsam die Stellungen des IS in Libyen. Ägyptische Kampfflugzeuge vom Typ F-16C zerstörten dabei nach eigenen Angaben Waffenlager und Trainingscamps nahe Darna.[459]

Nachdem IS-Milizen zuvor bereits die Stadt an-Nufalija unter ihre Kontrolle bringen konnten,[460] wurde am 19. Februar 2015 die Einnahme von Sirte vermeldet.[461] Anfang März 2015 wurden beim IS-Angriff auf das Ölfeld Al-Ghani elf libysche Wachleute getötet[462] und neun Ausländer verschleppt, darunter ein Österreicher und ein Tscheche.[463]

Ein Aufstand von Bewohnern des „Stadtteils Nummer drei“ von Sirte vom IS mit Mörsern, Panzern und Kampfeinheiten wurde im August 2015 niedergeschlagen; das Krankenhaus des Stadtteils wurde niedergebrannt.[464]

Nigeria[Bearbeiten]

Die nigerianische sunnitisch-islamistische Terrororganisation Boko Haram sagte dem IS 2014 Unterstützung zu.[465] Umkämpft ist seit einigen Jahren der Osten Nigerias; hier rief Boko Haram einen Islamstaat aus. Mit Gwoza ging den Regierungstruppen eine Großstadt an die Islamisten verloren.[466] Anfang Januar 2015 verübte die Gruppe bei der Einnahme von Baga eines von zahlreichen Massakern an der Zivilbevölkerung, in dessen Verlauf die Stadt größtenteils niedergebrannt und vernichtet wurde.[467] Ende Februar konnte die nigerianische Armee Baga zurückerobern.[468]

Im März 2015 schloss sich Boko Haram offiziell dem IS an.[469] Nigerianische Truppen konnten derweil in den Bundesstaaten Yobe und Adamawa die Terrororganisation zurückdrängen.[470] Am 8. März wurde eine Bodenoffensive gestartet, die Soldaten aus den Nachbarländern Niger und Tschad unterstützen.[471] Auch Kamerun und Benin sagten zu, sich mit eigenen Heereseinheiten am Kampf zu beteiligen.[472] Einen Tag nach ihrer Grenzüberschreitung konnten nigrische und tschadische Verbände die Stadt Damasak im Bundesstaat Borno zurückgewinnen.[473] Am 11. März wurde die Rückeroberung von 36 Ortschaften durch die Koalition gemeldet.[474]

Tunesien[Bearbeiten]

Im Verwaltungsbezirk Kasserine an der Grenze zu Algerien befindet sich die Hochburg der tunesischen Dschihadistengruppe Phalange Okba Ibn Nafaa, die dem IS Unterstützung anbietet.[475][476] Im Februar 2015 wurden bei einem Anschlag in Boulaaba vier Polizisten getötet.

Am 19. März 2015 bekannte sich der IS zu dem Terroranschlag auf das Nationalmuseum von Bardo, bei dem am Vortag 25 Menschen, hauptsächlich ausländische Touristen, starben.[477] Die tunesischen Behörden gehen aber davon aus, dass Okba Ibn Nafaa den Anschlag selbst begangen hat.[478]

Siehe auch: Anschlag in Port El-Kantaoui 2015.

Australien[Bearbeiten]

Mitte September 2014 nahm die australische Polizei 15 IS-Anhänger fest, die geplant haben sollen, Passanten auf der Straße wahllos aufzugreifen und vor laufender Kamera zu enthaupten.[479] Am 15. Dezember 2014 nahm der IS-Sympathisant Man Haron Monis in einem Café in Sydney 17 Personen als Geiseln. Im weiteren Verlauf starben zwei Geiseln, Man Haron Monis wurde von der Polizei erschossen.[480]

Amerika[Bearbeiten]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

US-Präsident Barack Obama äußerte anlässlich der Enthauptung von James Foley im August 2014, dass die Ideologie des IS für keine Religion stehe. Sie bedrohe Muslime und Nichtmuslime gleichermaßen. „Ihre Opfer sind überwiegend Muslime, und kein Glaube lehrt Menschen, Unschuldige zu massakrieren. […] Kein gerechter Gott würde hinter dem stehen, was sie gestern getan haben und was sie jeden einzelnen Tag tun.“[481]

Seit August 2014 statten die USA die Kurden mit Waffen aus[414] und fliegen zudem vermehrt Luftangriffe gegen die Stellungen des IS. Zugleich leiteten sie Hilfsmaßnahmen für die vom IS bedrängten Jesiden ein.[482]

Im Mai 2015 bekannte sich der IS zu einem Terroranschlag auf eine Veranstaltung in Texas, auf der Mohammed-Karikaturen präsentiert wurden. Zwei Angreifer wurden während des Angriffs erschossen.[483]

Europa[Bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten]

Frankreich beteiligt sich am Kampf gegen den IS. Während sich die beiden Hauptattentäter beim Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 zur Organisation Al-Qaida im Jemen bekannten, erklärte ihr ebenfalls getöteter Komplize Amedy Coulibaly in einer später veröffentlichten Videobotschaft seine Solidarität mit dem Islamischen Staat.[484]

Italien[Bearbeiten]

Italien unterstützt den Feldzug gegen den IS im Irak mit 280 Militärausbildern, einem Boeing KC-767-Tankflugzeug, zwei Predator-Kampfdrohnen und vier Tornado-Aufklärungsflugzeugen.[485]

Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Aktivitäten von IS-Anhängern[Bearbeiten]

Anfang August 2014 attackierten deutsche und nichtdeutsche IS-Anhänger in Herford Jesiden mit Messern und bedrohten sie.[486][487] In Hamburg gab es im September 2014 in der Schnackenburgallee im Hamburger Stadtteil Stellingen Bedrohungen und Übergriffe durch Sympathisanten des IS.[488] Abu Abdullah, der eine tragende Rolle in der Ausführung von Selbstmordattentaten des Islamischen Staats in Baghdad hatte, berichtet, daß ein Deutscher mit seiner Hilfe ein Attentat ausgeübt hätte.[489]

Einschätzung des Verfassungsschutzes[Bearbeiten]

Im Verfassungsschutzbericht 2012 des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz wurde AQI als die „aktivste terroristische Gruppierung im Zentral- und Südirak“ beschrieben. Strukturen von AQI in Deutschland seien derzeit nicht bekannt.[490] Ende November 2013 veröffentlichte ISIS ein Video, in dem erstmals ein deutsches ISIS-Mitglied für den Dschihad in Syrien warb.[491] Das Bundesamt für Verfassungsschutz identifizierte den Mann als einen 26-jährigen Konvertiten aus Dinslaken; er soll mit vier Salafisten aus dem Raum Dinslaken über die Türkei nach Syrien gereist sein und sich dort ISIS angeschlossen haben.[492] Inzwischen sind mehrere Männer aus Deutschland für den IS im Einsatz, wie auch der ehemalige Rapper Denis Cuspert.[51][493]

Im Februar 2014 gaben deutsche Behörden an, mindestens 20 Dschihadisten aus Deutschland seien in Syrien getötet worden.[494] Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes des Bundes für das Jahr 2013 warnte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen vor einem „besonderen Sicherheitsrisiko“ durch nach Deutschland zurückkehrende Syrien-Kämpfer.[495] Im November 2014 gingen, laut Verfassungsschutz, bisher bereits 550 junge Männer von Deutschland aus in den Irak oder nach Syrien, um für den IS zu kämpfen – 60 davon seien dabei bereits getötet worden.[496] Angeregt von den neuesten Verfassungsschutzberichten wurde eine erste umfangreiche kriminalistische (kriminalätiologische und kriminalpräventive) Studie zum Phänomen des deutschen IS-Dschihadismus verfasst.[497]

Verbot und Strafbarkeit[Bearbeiten]

In Deutschland ist die Organisation seit dem 12. September 2014 nach § 3 Abs. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 und § 18 Satz 2 Vereinsgesetz verboten. Die öffentliche Verwendung von Kennzeichen des IS, das Sammeln von Spenden und die Rekrutierung von Kämpfern sowie jegliche andere Unterstützung der Organisation ist somit strafbar.[498]

Eine Strafbarkeit der Verwendung der IS-Flagge wurde kritisiert, da ihr Inhalt („Es gibt keinen Gott außer Gott.“; „Mohammed ist der Prophet Gottes.“) als Glaubensbekenntnis vom Schutzbereich der Religionsfreiheit umfasst sei.[499] Das Bundesinnenministerium teilte diesbezüglich mit, das Kennzeichenverbot richte sich nicht gegen islamische Symbolik allgemein, sondern gegen deren spezifische Verwendung durch den IS für seine verfassungswidrigen Zwecke.[500]

Strafverfolgung und Resozialisierung[Bearbeiten]

Mit Stand Mitte September 2014 laufen etwa 140 Ermittlungsverfahren gegen aus Deutschland stammende Kämpfer und Aktivisten des IS. 33 Verfahren mit 60 Beschuldigten werden von der Bundesanwaltschaft bearbeitet. Jedoch warnte die Bundesanwaltschaft bereits, dass sie bald überfordert werden könnte, weil tendenziell mehr Verfahren dazu kommen könnten. Justizminister Heiko Maas sprach sich für eine Wiedereingliederungshilfe für IS-Kämpfer aus, welche dem Terror abschwören wollen, um sie so wieder in die Gesellschaft zurückzuführen.[501]

Unterstützung der Autonomen Region Kurdistan[Bearbeiten]

Deutschland startete am 15. August 2014 Hilfsflüge in den Irak. Vier Bundeswehrflugzeuge brachten 36 Tonnen Sanitätsmaterial und Lebensmittel nach Arbil. Nach einem Treffen der europäischen Außenminister[502] fällte die Bundesregierung am 20. August 2014 einen Grundsatzbeschluss, dass man den Kampf der Kurden im Nordirak gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat notfalls auch mit Waffen unterstützen werde.[503] Ende August 2014 entschied die Bundesregierung, Panzerabwehrwaffen (MILAN-System, Panzerfaust 3, Schwere Panzerfaust), Sturmgewehre (G3, G36), Maschinengewehre (MG3), Pistolen (P1), Handgranaten und Munition an die irakischen Kurden zu liefern.[504][505][506]

Obwohl eine Zustimmung formal nicht erforderlich war, unterstützte der Deutsche Bundestag am 1. September 2014 die Waffenlieferungen mehrheitlich, gegen das Votum der Linken und bei einigen Enthaltungen aus den Reihen der Grünen. Bundeskanzlerin Angela Merkel begründete den Entschließungsantrag von CDU/CSU und SPD. Die Expansion des grausamen IS-Terrors müsse aufgehalten werden. Waffenlieferungen entsprächen sowohl der Bitte der kurdischen Autonomieregierung als auch der irakischen Zentralregierung. „Maßnahmen zur Bekämpfung“ von IS seien durch einen Resolution des UN-Sicherheitsrates gedeckt. Thomas Oppermann erklärte, die Gefahr eines „fortgesetzten Völkermordes und weiterer Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ seien höher zu bewerten als das „durchaus vorhandene Risiko, dass unsere Waffen in falsche Hände geraten“. Auf Seiten der Opposition verwies dagegen Anton Hofreiter auf US-Waffen, die der IS erbeutet habe. Er hielt am Grundsatz fest, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, und forderte, Druck besonders auf Saudi-Arabien und Katar auszuüben, die Unterstützung für den IS einzustellen. Die UN solle stärker einbezogen werden. Gregor Gysi sah dies ähnlich und betonte außerdem das Ziel der Verhinderung aller Waffenexporte.[507]

Diskussion um UN-Mandat[Bearbeiten]

Angesichts der andauernden Kämpfe in Kobanê äußerte die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, am 13. Oktober 2014, der IS sei „nur militärisch zu bekämpfen“, dafür müsse es jedoch ein UN-Mandat geben. Wenn nötig, solle sich daran auch die Bundeswehr mit Bodentruppen beteiligen.[508] Außenminister Frank-Walter Steinmeier widersprach und verwies auf die bestehende Ablehnung der USA und aller „wichtigen“ europäischen Staaten zur Entsendung von Landstreitkräften. Zudem gebe es keine Chancen auf ein UN-Mandat in Syrien.[509]

Jürgen Trittin meinte, dass auch Russland kein Interesse am Aufbau eines muslimischen Kalifats habe. Eine Einigung sei möglich, wenn ein Sturz Baschar al-Assads keine Priorität habe und man mit dem Iran und der verbündeten libanesischen Hisbollah rede. Europäische oder US-Truppen seien nicht durchsetzbar und würden zur Solidarisierung mit dem IS als alleinigem Kämpfer gegen die Ungläubigen führen. Bodentruppen sollten vielmehr aus dem Irak, von der Freien Syrischen Armee und den Kurden kommen. Ein solches UN-Mandat könne ein Schritt zu einer politischen Gesamtlösung sein.[510]

Demonstrationen[Bearbeiten]

Rund 11.000 Menschen demonstrierten am 16. August 2014 in Hannover für Hilfe gegen den IS-Terror.

Mitte August 2014 kam es in mehreren Städten, wie z. B. Hannover,[511] Bielefeld[512] und Frankfurt am Main[513] zu Demonstrationen gegen den Terror des IS, mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. Am 6. Oktober 2014 kam es in mehreren europäischen Städten zu Demonstrationen gegen die Belagerung von Kobanê durch den IS. Dabei wurde auch das Europaparlament im belgischen Brüssel und das Parlament in Den Haag kurzzeitig besetzt.[514] Am 7. Oktober wurden in Düsseldorf und Bonn kurzzeitig Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und der Deutschen Welle besetzt und eine Resolution übergeben.[515] Am 8. Oktober demonstrierten 1300 Menschen in Hamburg,[516] am 11. Oktober demonstrierten in Düsseldorf 21.000 Menschen gegen den Angriff des IS auf Kobanê,[517] am 12. Oktober demonstrierten über 3000 Menschen in Berlin.[518]

Österreich[Bearbeiten]

Aus Österreich zogen bis August 2014 130 Personen für den IS in den Krieg. Mehrheitlich stammen sie aus Tschetschenien. Zehn Personen, hauptsächlich anerkannte tschetschenische Asylbewerber, wurden in diesem Zusammenhang wegen Mitgliedschaft in einer Terrorverbindung im August 2014 festgenommen.[519][520] Das Symbole-Gesetz (BGBl. I Nr. 103/2014) verbietet grundsätzlich die Verwendung von IS-Symbolen mit Wirkung vom 1. Januar 2015.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurde die Gruppierung „Islamischer Staat“ am 8. Oktober 2014 durch den Bundesrat verboten,[521] wie früher bereits al-Qaida.

Ursachen für das Erstarken des IS[Bearbeiten]

Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi, der der Muslimbruderschaft nahesteht, kritisierte die Benachteiligung und Unterdrückung der Sunniten im Irak.[522] Berichtet wurden Benachteiligungen, Inhaftierungen und Folterungen unter der Regierung von Maliki.[523]

Insbesondere wurden die sunnitischen Einheiten der irakischen Armee nicht ausreichend mit Waffen ausgestattet, so dass der IS zum Beispiel Ramadi 2015 ohne Widerstand einnehmen konnte.[524]

Die Rhein-Zeitung geht in einem Kommentar davon aus, dass die Bürgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien das Erstarken des IS erst möglich machten; Chaos und Vakuum seien wie gemacht für straff organisierte Terrormilizen wie den Islamischen Staat.[525] Der von der irakischen Regierung geforderte Komplettabzug der US-Truppen 2011 war sicherheitpolitisch ein Fehler, so der Politikwissenschaftler David Siddhartha Patel.[526] Dem Irak fehlt darüber hinaus auch eine Luftwaffe.[527]

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth warf der Türkei vor, die IS-Milizen mit Waffen und Ausbildungslagern unterstützt zu haben, sie sprach von einer „dreckigen Politik“ der Türkei.[528] Die Grünen-Politikerin Katja Keul kritisiert zudem eine mögliche Rolle Katars als Unterstützer des IS: „Ob Muslimbrüder in Ägypten, Islamisten in Libyen, Mali, Syrien oder Irak – überall dort wird von Finanzierung aus katarischen Quellen berichtet.“[426]

US-General John R. Allen ist der Auffassung, dass man beim Daesh nicht gegen eine Kraft, sondern gegen eine Idee kämpfe. Der IS habe es geschafft, sich das Image eines islamischen Staates zu geben, der unbesiegbar sei und den islamischen Glauben schütze.[529] Ähnlich wird US-General Michael K. Nagata mit den Worten zitiert: "We do not understand the movement, and until we do, we are not going to defeat it”[530] Nach einem Kommentar des ehemaligen israelischen Generalmajors Giora Eiland auf dem Nachrichtenportal ynetnews wäre der IS jedoch militärisch wesentlich leichter zu besiegen als andere Terrororganisationen, weil er mit großen Truppenansammlungen operiere, die leicht auszumachen seien und es liege vielmehr an der mangelnden Bereitschaft des Westens.[531]

Der syrische Journalist Hassan Hassan erklärte, dass der IS sich bereits existierende Strukturen zu Eigen macht, und so seine Macht in den sunnitischen Regionen konsolidiert. So baute die Organisation einen Sicherheitsapparat bestehend aus konkurrierenden Geheimdiensten nach dem Vorbild der Regime in Syrien und dem Irak auf. Ähnlich wie die Baath-Regime weite der IS zudem seinen Einfluss aus, indem er verschiedene Gruppen und Stämme gegeneinander ausspiele. Dieses, weitestgehend aufgrund lokaler Verbündeter aufgebaute, System sorge allerdings auch dafür, dass der IS außerhalb der sunnitischen Gebiete im Irak und in Syrien keinen Einfluss hat.[532]

Reaktionen[Bearbeiten]

Muslimische Welt[Bearbeiten]

Politische Verbände[Bearbeiten]

Im Juni 2014 distanzierte sich die 56 Mitgliedsstaaten zählende Organisation für Islamische Zusammenarbeit vom IS. Der Generalsekretär betonte, dass „diese gewaltsame Vertreibung ein nicht zu tolerierendes Verbrechen darstellt und dass die Praktiken von ISIS nichts mit dem Islam und seinen Prinzipien, welche Gerechtigkeit, Güte, Anstand, Glaubensfreiheit und Koexistenz einfordern, zu tun haben.“[533]

Der Golf-Kooperationsrat verurteilte Ende August die Gräueltaten all jener, „die den Islam als Vorwand zum Morden und Vertreiben nehmen“.[534] Die Außenminister der Arabischen Liga kamen bei einem Treffen am 7. September 2014 in Kairo überein, dass sie die notwendigen Maßnahmen gegen terroristische Vereinigungen wie IS ergreifen werden.[535]

Stimmen aus den religiösen Gemeinschaften[Bearbeiten]

Im August 2014 wurde die Organisation vom Rat der islamischen Gelehrten Indonesiens für „harām“ (verboten) erklärt.[536] Der oberste Mufti von Saudi-Arabien Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich stellte fest, dass der IS mit seinen Verbrechen im Nahen Osten die islamischen Prinzipien und Lehren verletze, und bezeichnete ihn als „Feind Nummer eins“ des Islam.[537] Der ägyptische Großmufti Schawki Ibrahim Allam kennzeichnete den IS als eine Gefahr für den Islam und die Muslime, weil er das Image des Islam zerstöre und korrumpiere,[538] sprach dem IS das Recht ab, sich „Islamischer Staat“ zu nennen, und forderte die Medien dazu auf, den IS nur noch als „al-Qaida-Separatisten in Irak und Syrien“ zu bezeichnen.[539]

Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi äußerte Verständnis für den Aufstand der Sunniten gegen Benachteiligung und Unterdrückung, distanzierte sich aber vom IS und forderte eine Einheit des Irak über konfessionelle Unterschiede hinweg.[522]

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erklärte, die Vertreibung von Christen sei gegen den Islam.[540] Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verlautbarte, dass IS nicht das Recht habe, den muslimischen Glauben zu vertreten.[541] Die türkische Kulturgemeinde in Österreich warf dem IS den Missbrauch des Islam vor.[542] Die Islamic Society of North America (Islamische Gesellschaft Nordamerikas) verurteilte die Angriffe des IS als „unislamisch“.[543] Anfang September erließen führende britische Imame eine Fatwa, die es Muslimen verbietet, die „vergiftete Ideologie“ des IS zu unterstützen: „IS ist eine häretische, extremistische Organisation, und es ist religiös verboten (haram), sie zu unterstützen oder sich ihr anzuschließen. Weiterhin ist es für britische Muslime eine Pflicht, sich dieser giftigen Ideologie aktiv entgegenzustellen, vor allem dann, wenn sie in Großbritannien verbreitet wird.“[544][545]

Abseits dieser offiziellen Aussagen stellten muslimische Intellektuelle in der saudischen und anderen arabischen Gesellschaften nicht unbeträchtliche Sympathien für Ideologie und Terrorakte des IS fest.[546]

Meinungsbild in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden[Bearbeiten]

Das britische Meinungsforschungs-Institut ICM Research führte 2014 eine telefonische Umfrage unter je 1000 Franzosen, Briten und Deutschen durch. Diese hat ergeben, dass 16 % der befragten Franzosen, 7 % der Briten und 3–4 % der Deutschen eine positive Meinung vom IS hatten, demgegenüber standen 26 % der Gruppe ablehnend und 43 % stark ablehnend gegenüber. Unter den 18–24-jährigen Franzosen betrug der Anteil der positiven Meinungen 27 %.[547] Die Glaubwürdigkeit dieser Studie wurde in einem Artikel der Washington Post in Zweifel gezogen, da die Zahl der Sympathisanten in Frankreich damit größer wäre als die gesamte Anzahl der Muslime im Land. Gemäß früheren Studien sei die Zahl der Muslime mit extremistischen Ansichten weitaus geringer.[548]

Nach einer Umfrage in den Niederlanden 2014[549] bezeichnen 90 % der jungen türkischischstämmigen Niederländer (18–35 Jahre) diejenigen als Helden, die nach Syrien in den Dschihad gezogen sind. 80 % der türkischen Niederländer empfinden Gewalt von Dschihad-Gruppen gegen Nichtgläubige oder Andersgläubige als "nicht verkehrt". Marokkanische Jugendliche haben ein sehr viel negativeres Bild vom IS, von ihnen bezeichnen nur 18 % Syrien-Kämpfer als „Helden“. Gewalt gegen Nicht- oder Andersgläubige lehnen sie mit großer Mehrheit ab. Befragt wurden 404 marokkanische und 300 türkische Jugendliche.[550]

Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat[Bearbeiten]

Am 24. September 2014 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig Resolution 2178 für den weltweiten Kampf gegen die islamistische Terrororganisation IS. Die Resolution verpflichtet alle Uno-Staaten, Rekrutierung, Transport, Durchreise, Organisierung und Ausrüstung von Terroristen zu unterbinden und zu bekämpfen.[551][552]

Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat[Bearbeiten]

Die USA riefen am 5. September 2014 beim NATO-Gipfel im walisischen Newport eine internationale Allianz gegen den IS ins Leben. Die Gründungsmitglieder waren: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark, Australien, Kanada, die Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika.[231]

US-Präsident Barack Obama legte am 11. September 2014 in einer Rede an die Nation seine zukünftige Strategie gegen die Terrororganisation IS dar. Diese umfasst im Wesentlichen vier Punkte:

  1. Die US-Luftoffensive im Irak werde systematisch ausgeweitet. IS-Stellungen sollten weiter unter Beschuss genommen werden. Auch in Syrien solle es US-Luftschläge geben. „Ich werde nicht davor zurückschrecken, dort ebenfalls gegen den IS vorzugehen“, unterstrich der Präsident: „Wer Amerika bedroht, wird nirgendwo Unterschlupf finden.“
  2. Der Kampf werde sich nicht allein auf Luftangriffe beschränken. Die USA wollten zudem lokale Sicherheitskräfte im Irak und Oppositionstruppen in Syrien unterstützen. Zur US-Hilfe zählen militärisches Training, Waffen und anderes Gerät. Schon in den kommenden Tagen sollten 475 Militärberater aus den USA nach Bagdad aufbrechen. US-Soldaten, so stellte Obama klar, würden jedoch nicht in die Schlacht geschickt. „Unsere Bemühungen unterscheiden sich grundlegend von den Kriegen im Irak und Afghanistan. Es wird keine amerikanischen Kampftruppen auf fremdem Boden geben.“
  3. Dem Terrornetz solle die finanzielle Basis entzogen werden. Dazu wolle man IS-Konten mit Hilfe von Geheimdiensten weltweit einfrieren. Auch solle verhindert werden, dass ausländische IS-Kämpfer unbehelligt in Syrien ein- und ausreisen können.
  4. Die humanitäre Hilfe für Opfer des IS-Terrorismus und Flüchtlinge solle verstärkt werden.[553][554]

Wenige Tage später berief Obama den ehemaligen General und früheren Befehlshaber der International Security Assistance Force John Allen zum Sonderbeauftragten für die Allianz gegen den IS.[555]

Am 22. September 2014 wurde bekannt, dass auch Russland einen Beitritt zur Allianz erwägt.[556]

Am 15. Oktober 2014 gab das United States Central Command (CENTCOM) den Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak offiziell und rückwirkend ab dem 8. August 2014 den Namen Operation Inherent Resolve (zu deutsch etwa: Innere Entschlossenheit).[557]

Wissenschaft und Medien[Bearbeiten]

Der Beginn der amerikanischen Luftangriffe nach der Flucht vieler Jesiden in das Sindschar-Gebirge wurde weitgehend als notwendig angesehen.[525]

Ein Kommentar[525] der Rhein-Zeitung beurteilt sie und den Krieg gegen einen „islamistischen Staat brutalster Prägung“ als alternativlos, auch wenn sich darin viel Hilflosigkeit ausdrücke. Die Bürgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien, die das Erstarken des IS erst möglich gemacht hätten, seien „ein weltpolitisches Desaster“. In Zukunft sollten nur besonnene Kräfte unterstützt werden. Der Irakkrieg habe viele alte Strukturen zerschlagen, jedoch müssten die bisher meist korrupten und egoistischen Eliten im Irak auf nationalen Ausgleich hinarbeiten.

Der Konfliktforscher Musa al-Gharbi kritisiert dagegen in Al Jazeera America, die Ziele des Militäreinsatzes seien schlecht definiert. Fundamentalismus und Terrorismus seien ein grundlegend soziologisches Problem, das durch militärische Mittel nicht gelöst werden könne. Vielmehr werde so die Legitimität des IS erhöht als Kampforganisation gegen die in weiten Teilen der arabischen Welt als Hauptfeinde muslimischer Selbstbestimmung wahrgenommenen Kräfte: die einzige Supermacht USA, autokratische Staaten der Region und frühere europäische Kolonialmächte. Stattdessen solle nicht-staatlichen Akteuren die Unterstützung entzogen werden, fremde Waffen- und Geldflüsse sowie der Zustrom von Kämpfern unterbunden werden, außerdem die Zusammenarbeit mit Israel sowie Diktatoren und Monarchen im Mittleren Osten reduziert werden. Dann könnten die Staaten der Region und die lokalen Bevölkerungen die schwere, aber übertrieben dargestellte Herausforderung durch den Islamischen Staat bewältigen.[558]

Es gehört zu den Zielen der internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, die territoriale Integrität sowie die Autorität der Zentralregierung des Irak in den vom IS kontrollierten Gebieten wieder herzustellen.[559] Dagegen stellt der Politikwissenschaftler Vicken Cheterian einen Zerfall des Irak als eines am Ende der Kolonialzeit künstlich geschaffenen Nationalstaats fest. Das Sykes-Picot-Abkommen sei von Großbritannien und Frankreich gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchgesetzt worden. Die staatliche Ordnung des Irak sei dann durch den Zweiten Irakkrieg zerstört worden. Nicht weniger wichtig seien innere Gründe für die Staatskrise, besonders die enormen sozialen und ökonomischen Gegensätze. Überlagert werde dies von lokalen, religiösen oder Stammesinteressen, besonders der Konfrontation von Schiiten, Sunniten und Kurden.[560] Neben den historischen und soziologischen Ursachen seien außerdem machtpolitische Interessen wirksam – die Hegemoniebestrebungen der tonangebenden Staaten Iran, Türkei, Saudi-Arabien – sowie die Gier nach Ressourcen.[561]

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery sieht die allgemeinere Tendenz, dass Nationalstaaten angesichts weltweiter Verflechtungen überholt seien, aber oft zunächst in kleinere Gebilde zerbrächen. Diese Tendenz zeige zum Beispiel das knapp gescheiterte schottische Unabhängigkeits-Referendum. Die europäische Nationalstaats-Idee sei sogar nie stark in der arabischen Welt verwurzelt gewesen. Dagegen werde der Mythos großer muslimischer Reiche wie des arabischen durch die Idee vom Islamischen Staat wieder belebt, die wie die europäische Einigung Nationalstaaten überwinden wolle. Führende Politiker in den USA und Europa glaubten zu Unrecht, eine revolutionäre neue Idee durch Bombardements und in Koalition mit „arabischen Diktatoren und korrupten Politikern“ löschen zu können. Sie stünden „nicht 'Terroristen' gegenüber – das magische Wort, das alle Probleme zu lösen scheint, ohne das Gehirn zu strapazieren. Sie stehen einem neuen Phänomen gegenüber.“ Darauf sei keine einfache Antwort möglich.[562]

Im Dezember 2014 machte der 74-jährige deutsche Publizist Jürgen Todenhöfer (* 1940) von sich reden, der zusammen mit seinem Sohn in Mossul und ar-Raqqa mit Mitgliedern des IS sprach.[563] Nach seiner Ansicht unterschätze der Westen den IS. Seine Anhänger befänden sich in einem rauschhaften Zustand.[564] Allgemein wurde bemängelt, dass – abgesehen von den Gefahren – im Internet-Zeitalter immer weniger Medien sich Kriegsreporter vor Ort leisten würden.[565]

Netzkultur[Bearbeiten]

Anfang September 2014 gab das Kollektiv Anonymous auf Twitter bekannt, dass es eine Cyberwar-Kampagne namens „Operation Ice ISIS“ (#OpIceISIS) gegen den IS betreibt.[566] Ziel der Kampagne ist es, den Einfluss des IS auf Soziale Medien zu verringern.[567] Im Rahmen dieser Aktion wurden bereits hunderte Accounts des IS in sozialen Netzwerken aufgespürt, übernommen und unbrauchbar gemacht.[568]

Der Islamische Staat nutzt in hohem Maße das Internet, insbesondere auch die Sozialen Medien für Online-Propaganda. Die entsprechenden Seiten sind professionell gestaltet, meist in arabischer Sprache, oft mit englischen Untertiteln. Die Domain wurde bei der eNom registriert, einer Tochter des Unternehmens Rightside in Seattle, USA. Viele IS-Videodateien lagern auf Servern in Kalifornien.[569]

Film[Bearbeiten]

  • Medyan Dairieh: The Islamic State. Vice News, 2014[570]
  • Nafeez Ahmed: The Powers Behind The Islamic State. filmsforaction.org, 2014[571]
  • Weltspiegel Extra: Die Bürokratie des Terrors[572]
  • #beckmann: Unser Krieg? Deutsche Kämpfer gegen den IS-Terror[573]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Cockburn: The Rise of Islamic State: ISIS and the New Sunni Revolution. Verso, London & Brooklyn 2015. ISBN 978-1-78478-040-1.[574]
  • Christoph Günther: Ein zweiter Staat im Zweistromland? Genese und Ideologie des „Islamischen Staates Irak“. Ergon, Würzburg 2014, ISBN 978-3-95650-036-7 (in der Schriftenreihe Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Band 28, zugleich Dissertation an der Universität Leipzig 2013).
  • Rainer Hermann: Endstation Islamischer Staat? Staatsversagen und Religionskrieg in der arabischen Welt. dtv, München 2015, ISBN 978-3-423-34861-4.
  • Hamideh Mohagheghi, herausgegeben und kommentiert: Frauen für den Dschihad. Das Manifest der IS-Kämpferinnen; in arabischer und deutscher Sprache. Herder, Freiburg 2015, ISBN 978-3-451-34832-7.
  • Loretta Napoleoni: Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens. Aus dem Englischen von Peter Stäuber. Rotpunktverlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-85869-640-3 (Orig.: The Islamist Phoenix. The Islamic State and the Redrawing of the Middle East, 2014).
  • Christoph Reuter: Die schwarze Macht. Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04694-9.
  • Behnam T. Said: Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-67210-1 (auch als Lizenzausgabe der BPB erschienen, Band 1546, Bonn 2015).
  • Bruno Schirra: ISIS - Der globale Dschihad. Wie der "Islamische Staat" den Terror nach Europa trägt. Econ, Berlin 2015, ISBN 978-3-430-20193-3.
  • Guido Steinberg: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror. Knaur, München 2015, ISBN 978-3-426-78772-4.[575]
  • Michael Weiss, Hassan Hassan: ISIS: Inside the Army of Terror Regan Arts 2015. ISBN 978-1-941393-57-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Islamic State has 200,000 fighters claims Kurdish leader. 16. November 2014. 
  2. Islamic State formations comprise up to 70,000 gunmen — Chief of Russia's General Staff. In: Russian News Agency "TASS", 10. Dezember 2014. 
  3. Jürg Bischoff: Symbolik und Macht im Islamischen Staat. In: Neue Zürcher Zeitung, 15. November 2014.
  4. a b Christoph Reuter: Terror-Mastermind Haji Bakr: Der Spitzel-Führer des "Islamischen Staates" In: Der Spiegel Online, 19. April 2015.
  5. Stephan Rosiny: „Des Kalifen neue Kleider“: Der Islamische Staat in Irak und Syrien (PDF; 476 kB). In: GIGA Focus, Nr. 6/2014, abgerufen am 2. Oktober 2014
  6. IS-Führer Baghdadi sieht sich als Nachfolger des Propheten, abgerufen am 16. Juli 2015 von rp-online.de
  7. Führungsmitglied der Al Qaida im Irak gefasst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. September 2006.
  8. Raniah Salloum: Neuer Gottesstaat im Nahen Osten. In: Spiegel Online, 4. Januar 2014.
  9. Clint Watts: Jihadi Competition After al Qaeda Hegemony – The 'Old Guard', Team ISIS & The Battle For Jihadi Hearts & Minds, in: Foreign Policy Research Institute vom 20. Februar 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014 (englisch)
  10. USA fliegen mit arabischen Verbündeten Luftangriffe in Syrien. In: Spiegel Online, 23. September 2014.
  11. United Nations Security Council, SC/11495, 28. Juli 2014 (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive) Webarchiv Wayback
  12. Foreign Terrorist Organisations, US Departement of State, abgerufen am 26. August 2014
  13. Proscribed Terrorist Organisations, Home Office, 20. Juni 2014
  14. Listed terrorist organisations, Australian National Security, abgerufen am 26. August 2014
  15. Verfassungsschutzbericht 2013 (PDF) des Bundesamtes für Verfassungsschutz, S. 209 f, abgerufen am 2. Oktober 2014.
  16. Islamische Gelehrte lehnen Isis-Kalifat ab. In: Handelsblatt, 30. Juni 2014.
  17. Offener Brief verschiedener Islam-Gelehrter an ISIS-Führer. Abgerufen am 7. März 2015.
  18. Großmufti nennt Dschihadisten „Feinde Nummer eins des Islam“ In: Die Zeit, 19. August 2014.
  19. Matthias Heine: Das ABC des Islamischen Staats, in: Welt Online vom 26. September 2014, abgerufen am 5. Februar 2015
  20. So US-General Allen in [1]; vgl. auch France says the name 'ISIS' is offensive, will call it 'Daesh' instead; so jetzt auch John Kerry, kritisch: The Washington Post: [2]
  21. Volker Perthes: Viel mehr als eine Terrormiliz In: Süddeutsche Zeitung, 25. September 2014.
  22. Die Sponsoren der IS-Gotteskrieger
  23. Matthias Gebauer, Christoph Sydow: Der zwielichtige Scheich besucht Berlin. In: Spiegel Online, 17. September 2014.
  24. a b c DW: ISIS verkauft Rohöl aus eroberten Ölfeldern, 3. Juli 2014
  25. Die reichste Terrorgruppe der Welt tagesschau.de vom 9. September 2014
  26. a b Kunstraub für Kalaschnikows. Tagesschau 19. Oktober 2014
  27. Entführungsopfer nach der Farbe des Reisepasses ausgesucht. In: Süddeutsche Zeitung, 27. August 2014.
  28. Das Kalifat handelt mit Frauen. Artikel vom 30. August 2014 im Portal tagesanzeiger.ch, abgerufen am 30. August 2014
  29. Kämpfen gegen „sexuellen Dschihad“. Artikel vom 22. September 2014 im Portal tagesschau.de, abgerufen am 22. September 2014
  30. Die Geldgeber der IS-Terroristen. Tagesschau.de, 22. August 2014
  31. Hasnain Kazim: Die mysteriöse Geiselbefreiung von Mossul. In: Spiegel Online, 20. September 2014.
  32. Raniah Salloum: Geiseln für den Gottesstaat. In: Spiegel Online, 21. August 2014.
  33. Das einträgliche Geschäft mit den Entführungen, Welt Online, 21. August 2014
  34. Der Spiegel, 28. Dezember 2014: [3]
  35. http://www.forbes.com/sites/timworstall/2014/11/14/this-will-be-fun-as-islamic-state-mints-its-own-gold-dinar/
  36. Christoph Sydow: Organigramm des Terrors. In: Spiegel Online, 24. September 2014.
  37. a b c d e f g h i j Alfred Hackensberger: Das Organigramm des Terrorkalifats In: Die Welt, 20. September 2014.
  38. Ahl al-Hall wa’l-Aqd. In: Oxford Islamic Studies Online; abgerufen am 21. April 2015.
  39. Office of the Coordinator for Counterterrorism: Country Reports on Terrorism 2012. Chapter 6 Foreign Terrorist Organizations. United States Department of State, 30. Mai 2013, abgerufen am 28. September 2013.
  40. tagesschau.de: Irak-Experte Walde zum Machtkampf: „Bagdad ist auf der Kippe. ARD, 12. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2014.
  41. James Traub: 'Everyone Is Scared of ISIS.' Foreign Policy, 4. Oktober 2013, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  42. a b Barak Barfi, Aaron Y. Zelin: Al Qaeda's Syrian Strategy. Foreign Policy, 10. Oktober 2013, archiviert vom Original am 15. Oktober 2013, abgerufen am 11. Oktober 2013.
  43. Syria crisis: Guide to armed and political opposition. BBC News, 17. Oktober 2013, abgerufen am 20. Oktober 2013.
  44. Immer mehr Kämpfer schließen sich der IS-Terrormiliz an 25. August 2014.
  45. Die EU als Rekrutierungszentrum für IS 28. August 2014.
  46. IS verfügt über bis zu 31.500 Kämpfer 12. September 2014.
  47. Raniah Salloum: Die Knastbrüder von Camp Bucca. In: Spiegel Online, 5. November 2014.
  48. Enger Vertrauter von IS-Führer angeblich getötet, Abruf am 4. September 2014
  49. ÊzîdîPress: Êzîdîsche Verteidigungseinheit tötet IS-Terrorfürsten al-Hassani in Shingal, Abruf am 14. September 2014
  50. Herber Verlust für IS-Miliz: ’Bombenvater’ und wichtiger IS-Emir getötet. basnews, 27. Oktober 2014, archiviert vom Original am 28. Oktober 2014, abgerufen am 28. Oktober 2014.
  51. a b Christoph Sydow: Berliner Ex-Rapper schließt sich Terrorgruppe in Syrien an. In: Spiegel Online, 12. April 2014.
  52. Joseph Croitoru: Rechtfertigung der Terrorherrschaft. Das übersehene Gründungsdokument. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. November 2014, Nr. 275, S. 12 (zuletzt aufgerufen am 27. November 2014) Terrorherrschaft
  53. Paul Lies: Ausbreitung und Radikalisierung des islamischen Fundamentalismus in Dagestan. LIT Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8258-1136-5, S. 29 ff. (online)
  54. Lorenz Graitl: Sterben als Spektakel. Zur kommunikativen Dimension des politisch motivierten Suizids. Dissertation Freie Universität Berlin 2011, Veröffentlichungen der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18461-6, S. 93 (online)
  55. Fouad al-Ibrahim: Why ISIS is a threat to Saudi Arabia: Wahhabism’s deferred promise. Artikel vom 22. August 2014 im Portal english.al-akhbar.com (al-Akhbar), abgerufen am 27. August 2014
  56. Christoph Sydow: Dschihadisten erlassen drakonische Regeln in Mossul. In: Spiegel Online, 12. Juni 2014.
  57. So leiden die Bürger von Mossul unter der ISIS. Artikel vom 23. Juni 2014 im Portal merkur-online.de, abgerufen am 5. Juli 2014
  58. Daily Mail, ISIS bans pigeon breeding, 2.6.2015
  59. Brian Fishman: Containing the ISIS Threat. Artikel vom 3. August 2014 im Portal theepochtimes.com, abgerufen am 26. August 2014
  60. Nicholas P. Roberts: The (non) Islamic State: Abu Bakr al-Baghdadi and the Challenge of Islamic Illiteracy. Artikel vom 31. Juli 2014 im Portal middleeastmonitor.com, abgerufen am 26. August 2014
  61. a b c Clemens Wergin: Das primitive Glaubensverständnis der IS-Terroristen. In: Die Welt, 14. Oktober 2014.
  62. Dalton Bennett: Die Zwangsbräute des IS. In: Die Welt, 13. Oktober 2014.
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  64. Raniah Salloum: IS gibt Versklavung Tausender Frauen zu. In: Spiegel Online, 13. Oktober 2014.
  65. ISIL's use of mentally disabled youth as a weapon is a growing trend: officials, 21. Mai 2014.
  66. spiegel.de: IS-Fanatiker verwüsten Mossuls Museen, 26. Februar 2015
  67. spiegel.de: IS-Kämpfer verwüsten antike Stadt Nimrud, 6. März 2015
  68. spiegel.de: Weltkulturerbe gesprengt: Dschihadisten zerstören auch antike Stadt Hatra, 7. März 2015
  69. spiegel.de: IS-Milizen sprengen antike Königsresidenz der Assyrer, 8. März 2015
  70. Der Frevel von Mossul
  71. Krieg gegen die Vergangenheit? Der IS und die systematische Zerstörung archäologischer Fundstellen. Archaeologik (9. März 2015) mit einer Sammlung einschlägiger Meldungen
  72. [5]
  73. DIE WELT, 15. Mai 2015 und IS tötet 26 Zivilisten auf dem Weg nach Palmyra. Welt-online, 14. Mai 2015
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  75. UN stuft IS-Verbrechen als Völkermord ein, süddeutsche.de (abgerufen am 19. März 2015). Originalbericht (online).
  76. SC/10263. Security Council Al-Qaida and Taliban Sanctions Committee Approves Deletion of Two Entries from Consolidated List. United Nations Security Council • Department of Public Information • News and Media Division • New York, 27. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Oktober 2013, abgerufen am 28. September 2013.
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  81. a b Richard Boucher, Spokesman: Foreign Terrorist Organization: Designation of Jama'at al-Tawhid wa'al-Jihad and Aliases. United States Department of State, 15. Oktober 2004, abgerufen am 28. September 2013.
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  232. Kurier: Allianz gegen Terrormiliz IS nimmt Formen an, Abruf am 14. September 2014
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  237. Peschmerga-Kämpfer weiter auf dem Vormarsch, Abruf am 16. September 2014
  238. USA greifen IS bei Bagdad an, Abruf am 16. September 2014
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  240. ORF: Zahlreiche Tote bei US-Luftangriff auf IS-Camp im Nordirak, Abruf am 19. September 2014
  241. diepresse: Irak: Erstmals US-Luftangriffe im Stadtzentrum von Mossul, Abruf am 22. September 2014
  242. Französische Luftwaffe bombardiert Depot der IS-Terroristen. In: Spiegel Online, 19. September 2014.
  243. In europäischen Medien wurde von „Soldaten des Kalifats“ berichtet. Es handelt sich aber nicht um Einzelpersonen, sondern um eine militärische Organisation (arabisch: ǧund). Siehe:Band 1, S. 400:An army; a military force; a legion; a body of troops or soldiers; Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. s.n. ǧund: Heer, Armee
  244. Vgl. Jacob Zenn: On the Eve of 2014: Islamism in Central Asia. In: Current Trends in Islamist Ideology 15 (2013), S. 67–91, hier S. 78 ff.
  245. derStandard: IS will französische Geisel in Algerien ermorden, Abruf am 22. September 2014
  246. Tourist zuvor bei Wanderung verschleppt, Abruf am 24. September 2014
  247. Die Zeit: IS enthauptet Franzosen, Abruf am 24. September 2014
  248. Niklaus Nuspliger: Belgien, die Niederlande und Dänemark reihen sich in Allianz ein. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. September 2014.
  249. MZ: Kurden rücken an drei Fronten vor, Abruf am 30. September 2014
  250. Die Welt: Kurdenkämpfer rücken an drei Fronten gegen IS vor, Abruf am 30. September 2014
  251. a b Britische Kampfjets bombardieren erstmals IS-Milizen. In: Spiegel Online, 30. September 2014.
  252. Canada to join anti-Islamic State air strikes
  253. Terrormiliz vor Kobane – Türkei mobilisiert 10.000 Soldaten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. September 2014.
  254. IS-Kämpfer erschießen irakische Menschenrechtlerin
  255. Iraks Christen greifen zu den Waffen, Abruf am 27. September 2014. Abzeichen der Bürgerwehr ist ein X, das aus blau-weiß-roten Streifen gebildet wird und in dessen Mitte ein blauer Stern mit einem goldfarbenen Punkt ist.
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  258. Islamischer Staat macht Jagd auf Journalisten
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  262. Kurden im Irak melden Erfolge gegen IS-Jihadisten
  263. UN confirms 5,000 men were executed and 7,000 women are now kept as sex slaves
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  266. a b Armee vermeldet Rückeroberung Baidschis
  267. IS-Kämpfer rücken im Irak vor
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  282. Kurden können IS zurückschlagen
  283. Der IS hat in Kirkuk keine Chance
  284. Massive Luftangriffe auf Mossul
  285. Terrormiliz IS erzielt wieder militärischen Erfolg
  286. IS attackiert Stützpunkt mit 400 US-Soldaten
  287. Kurdische Kämpfer wehren IS-Angriff ab
  288. USA kündigen große Offensive gegen IS in Mossul an
  289. Neuseeland schickt Truppen in den Irak
  290. Australien erhöht Truppenkontingent
  291. Frankreich bringt Flugzeugträger gegen IS in Stellung
  292. IS baut Verteidigungsgraben um Mossul
  293. IS-Miliz soll Dutzende Menschen lebendig verbrannt haben
  294. IS-Fanatiker verwüsten Mossuls Museen
  295. Iraks Armee startet Offensive gegen IS
  296. Irak schickt Zehntausende in die Schlacht um Tikrit
  297. +++ IS-Terror +++Bundeswehr warnt vor IS-Anschlägen auf deutsche Soldaten im Nordirak
  298. Heftige Kämpfe um IS-Hochburg Tikrit
  299. Weitere Niederlage für IS im Irak
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  303. IS-Kämpfer richten vier sunnitische Stammesmitglieder in Tikrit hin
  304. IS-Miliz verübt erneut Massaker - 20 Menschen hingerichtet
  305. zeit.de: Islamischer Staat zerstört antike Stadt Nimrud, 6. März 2015.
  306. zeit.de: Islamischer Staat zerstört Weltkulturerbe Hatra, 7. März 2015
  307. spiegel.de: IS-Milizen sprengen antike Königsresidenz der Assyrer, 8. März 2015
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  309. Irakische Armee startet Sturm auf Tikrit focus.de, 10. März 2015
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  342. Hilfe für belagerte Kurden in Kobane
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  353. Islamischer Staat tötet zweite japanische Geisel
  354. Kobane befreit, aber völlig zerstört – Wiederaufbau kostet Millionen
  355. Kurden nehmen Kampf um Tal Abjad auf
  356. Anti-IS-Koalition rückt auf Rakka und Mossul vor
  357. Kurden melden Rückeroberung von IS-Hochburg
  358. Under Kurdish attacks, ISIS loses main stronghold in Hasakah
  359. IS verbrannte Geisel bei lebendigem Leib
  360. Jordanien exekutiert zwei Dschihadisten
  361. Jordanien fliegt Großangriff gegen Terrormiliz IS
  362. Obama bestätigt Tod von IS-Geisel Kayla Mueller
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  364. Türkischer Panzereinsatz erzürnt Assad-Regime
  365. Bis zu 350 Menschen aus christlichen Dörfern entführt
  366. Berichte über Hinrichtung von 15 entführten Christen in Syrien
  367. IS-Miliz lässt 19 Christen gegen Lösegeld frei
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  499. Yassin Musharbash: Soll man die Flagge des “Islamischen Staates” verbieten?, Blog Radikale Ansichten auf Zeit Online, 12. September 2014.
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  521. Verordnung über das Verbot der Gruppierung «Islamischer Staat» und verwandter Organisationen vom Bundesrat verabschiedet“, Medienmitteilung der Schweizer Bundesbehörden vom 8. Oktober 2014
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  539. Islamischer Staat politisch unter Druck aufgerufen am 26. August 2014
  540. Muslime distanzieren sich von IS aufgerufen am 26. August 2014
  541. Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich verurteilt IS-Terror aufgerufen am 26. August 2014
  542. Laut türkischer Kulturgemeinde sollen sich Muslime von IS distanzieren aufgerufen am 26. August 2014
  543. ISNA, aufgerufen am 26. August 2014
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