Rumänien

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rumänien (Begriffsklärung) aufgeführt.
România

Rumänien

Flagge Rumäniens
Wappen Rumäniens
Flagge Wappen
Amtssprache Rumänisch
Hauptstadt Bukarest
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsident Traian Băsescu
Regierungschef Premierminister Emil Boc
Fläche 238.391 km²
Einwohnerzahl 21.498.616 (Stand 1. Januar 2009)[1]
Bevölkerungsdichte 93,7 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt

- Total (Nominal)
- Total (PPP)
- BIP/Einw. (Nom.)
- BIP/Einw. (PPP)

2008 (Quelle: IMF)[2]

$213,891 Mrd.
$272,881 Mrd.
$9.953
$12.698

Human Development Index 0,813 (60.)
Währung 1 Leu (RON) = 100 Bani
1 EUR = 4,2795 RON
Unabhängigkeit 9. Mai 1877
Nationalhymne Deșteaptă-te, române!
Nationalfeiertag 1. Dezember
Zeitzone UTC+2 OEZ
UTC+3 OESZ (März–Oktober)
Kfz-Kennzeichen RO
Internet-TLD .ro
Telefonvorwahl +40
EU-Romania.svg
ROMANIA Fizic.jpg

Rumänien (rum. România) ist eine semipräsidentielle Republik im geografischen Grenzraum zwischen Mittel- und Südosteuropa. Es liegt am Schwarzen Meer und erstreckt sich in westlicher Richtung über den innere Teil des Karpatenbogens bis zur Pannonischen Tiefebene. Rumänien grenzt an fünf Staaten: im Süden an Bulgarien, im Westen an Serbien und Ungarn, im Norden an die Ukraine, im Osten an Moldawien und erneut die Ukraine.

Der moderne rumänische Staat entstand 1859 durch die Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei. 1918 wurde das Staatsgebiet auf Siebenbürgen (Transsylvanien) ausgeweitet. Nach 1945 war Rumänien während des Kalten Krieges Teil des Warschauer Paktes. Seit 1989 hat sich Rumänien politisch den westeuropäischen Staaten angenähert und wurde Mitglied der NATO (2004) sowie der Europäischen Union (2007).

Mit 238.391 km² verfügt Rumänien über die neuntgrößte Fläche und mit etwa 21 Millionen Einwohnern über die siebtgrößte Bevölkerung aller EU-Staaten.[3] Die rumänische Hauptstadt Bukarest ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt der EU.

Inhaltsverzeichnis

Ländername

Der rumänische Begriff România (Rumänien) kommt von român (Rumäne), was seinerseits eine Ableitung des lateinischen romanus (Römer, römisch) ist.[4] Im 16. Jahrhundert berichteten italienische Reisende, dass die Bewohner auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens sich selbst Römer nannten. In einem Brief des Kaufmannes Neacșu von 1521 wird das Fürstentum Walachei als Rumänisches Land (rumänisch: Țara românească) bezeichnet. Die moderne Entsprechung România ist seit dem frühen 19. Jahrhundert gebräuchlich.

Historische Dokumente weisen die Schreibweisen rumân und român zur Bezeichnung der Rumänen auf, die ursprünglich synonym verwendet wurden. Im 17. Jahrhundert nahm die vorherrschende Sprechform rumân die Bedeutung Leibeigener an, während român seine Bedeutung als Bezeichnung der Rumänen beibehielt. Nach der Abschaffung der Leibeigenschaft Mitte des 18. Jahrhunderts ging die Form rumân allmählich aus der Sprache verloren, ist im Deutschen aber bis heute Wortstamm von Rumänien.

Geografie

Historische Regionen Rumäniens

Topografie

Rumänien liegt in der Übergangszone zwischen Mittel-, Süd- und Osteuropa.[5] Die Staatsgrenzen sind insgesamt 3.150 km lang.[5] Davon entfallen 1.817 km auf Flüsse, vor allem auf die Donau, die Rumänien nach Süden gegenüber Bulgarien und nach Südwesten gegenüber Serbien abgrenzt. Die rumänische Seegrenze am Schwarzen Meer ist 247 km lang. Die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine im Norden und Osten wird durch Moldawien unterbrochen. Eine weitere Außengrenze besteht im Westen zu Ungarn.

Rumäniens Landschaft wird etwa zu je einem Drittel von Gebirge, Hochland und Ebene eingenommen.[6] Der prägende Gebirgszug des Landes sind die Karpaten, welche die drei historischen Regionen Moldau, Walachei und Siebenbürgen (Transsilvanien) voneinander trennen. Das geografische Zentrum Rumäniens ist das Siebenbürgische Hochland, das im Westen vom Apuseni-Gebirge und ansonsten vom Karpatenbogen umschlossen wird. Die Ostkarpaten bilden die Grenze zum Moldauer Hochland, das im Nordosten Rumäniens liegt. Die Südkarpaten wiederum trennen Siebenbürgen von der Walachischen Tiefebene. Diese Region lässt sich in die Kleine Walachei (Oltenien) im Westen sowie die Große Walachei (Muntenien) unterteilen, welche die zentralen und östlichen Anteile umfasst. Die Walachei wird nach Westen durch das Banater Gebirge abgegrenzt. Dieses bildet zusammen mit Apuseni-Gebirge und Poiana–Ruscă–Gebirge die sogenannten Rumänischen Westkarpaten. Diese grenzen die zentralen Regionen Rumäniens zur Pannonischen Tiefebene ab. Hier befinden sich die historischen Regionen Banat (Südwesten), Kreischgebiet (Westen) und Maramureș (Nordwesten). Im Norden Rumäniens liegt die Bukowina. Im Osten des Landes grenzt die Dobrudscha ans Schwarze Meer.

Geologie

Das Făgăraș-Gebirge ist mit fünf Bergen über 2.500 m (darunter auch der Moldoveanu) die am höchsten gelegene Region Rumäniens.

Fast die gesamte südliche Hälfte der Karpaten befindet sich auf rumänischem Staatsgebiet. Das Gebirge bildete sich während der Alpidischen Orogenese im Trias und gehört zu einem Gebirgssystem, das sich von den Alpen bis zum Himalaya erstreckt.[5] Zehn Gipfel der Karpaten erreichen Höhen von über 2.500 m. Höchster Punkt der Südkarpaten und ganz Rumäniens ist der Moldoveanu mit 2.544 m. Die Ostkarpaten erreichen am Pietros 2.303 m, die Rumänischen Westkarpaten am Curcubăta Mare-Gipfel 1.848 m. Die Südkarpaten sind am massivsten, während Ost- und Westkarpaten von Senken und Pässen durchzogen sind. Teile der Ostkarpaten sind vulkanisch, der Rest der rumänischen Karpaten besteht aus Schiefer und Kalkstein.

Das Siebenbürgische Hochland ist zwischen 300–700 m, das Moldauische Hochland 300–500 m hoch. Das kleine Dobrudscha-Hochland erreicht an seinem höchsten Punkt 467 m. Die Pannonische und Walachische Tiefebene (Campia Romana) bleiben unterhalb der Grenze von 200 m.

Hydrologie

Das Eiserne Tor ist ein Durchbruchstal der Donau an der serbisch–rumänischen Grenze.

Der bedeutendste Fluss Rumäniens ist die Donau, die über tausend Kilometer durch oder an Rumänien entlang fließt. Sie stellt einen der wichtigsten Verkehrswege des Landes dar. Die Donau bildet den größten Teil der rumänischen Südgrenze zwischen dem rumänischen Teil des Banats und Serbien beziehungsweise der Walachei und Bulgarien. Im großen Donaudelta mündet der Fluss ins Schwarze Meer.

Die übrigen wichtigen Flüsse Rumäniens gehören direkt oder indirekt zum Einzugsgebiet der Donau (Dunarea) und entwässern die Ostkarpaten:[5] Die Theiß grenzt Rumänien teilweise nach Norden zur Ukraine ab, der Pruth die rumänische Region Moldau (Moldova) nach Nordosten zu Moldawien (Republica Moldova). Der Sereth fließt durch Moldau, der Olt durch die Walachei, der Mureș (Nebenfluss der Theiß) durch Siebenbürgen.

Rumäniens Seen machen 1,1 Prozent der Landesfläche aus.[5] Insgesamt gibt es über 3.400 Seen. Am größten sind die Lagunen Razim mit 41.500 ha und Sinoie mit 17.100 ha.

Klima

Rumänien gehört zur gemäßigten Klimazone im Bereich der Westwindzone. Durch die natürliche Barriere der Karpaten unterscheiden sich die einzelnen Landesteile allerdings klimatisch voneinander. Siebenbürgen (westlich der Karpaten) ist noch vom maritimen Klima der atlantischen Winde geprägt. Die Karpaten verhindern jedoch, dass diese Luftmassen den Osten und Süden des Landes erreichen. In Moldau (östlich der Karpaten) herrscht ein kontinentales Klima vor. Diese Region ist kalten Luftströmen aus der Ukraine ausgesetzt. In der Walachei (südlich der Karpaten) existieren mediterrane Einflüsse; in noch stärkerem Ausmaß trifft dies auf die Dobrudscha zu.

Die jährlichen Durchschnittstemperaturen variieren innerhalb Rumäniens zwischen 11 °C im Süden und 8 °C im Norden. Kältester Monat ist gewöhnlich der Januar, wärmster Monat der Juli. Im Winter betragen die durchschnittlichen Temperaturen 0 °C an der Schwarzmeerküste und −15 °C im Hochgebirge. Im Sommer steigen die durchschnittlichen Temperaturen in den tieferen Regionen des Landes auf mehr als 25 °C. Die tiefste jemals gemessene Temperatur wurde mit −38,5 °C am 25. Januar 1942 in Bod festgestellt, die höchste mit 44,5 °C am 10. August 1951 bei Brăila.[7]

Die Niederschläge sind tendenziell am stärksten im Nordwesten Rumäniens und am schwächsten im Südosten. Die höchsten jährlichen Niederschlagsraten treten mit 1.000 mm im Hochgebirge auf, die geringsten mit 300–400 mm an der Schwarzmeerküste. Diese kommt auf 2.286 Sonnenstunden im Jahr, gegenüber nur 1.500 in den Gebirgsregionen Rumäniens.[7]

Natur

Das Donaudelta ist ein Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten

Rumänien ist zu 27 Prozent von Wald bedeckt.[8] Die Waldzone endet bei 1.800 Meter, darüber befinden sich Bergweiden. Innerhalb der Nadelwaldzone (1400–1800 m) wachsen Fichten, Tannen, Kiefern, Eiben und Lärchen. Im Buchenwald (400–1400 m) dominieren zwar Buchen, doch kommen daneben auch Hainbuchen, Ulmen, Eschen und Birken vor. Die unterste Waldzone ist der Eichenwald (150–400 m), wo sich neben Eichen auch Ahorne, Platanen, Weiden, Pappeln und Linden finden lassen.

Im Bărăgan (Teil der Walachischen Tiefebene) und in der Dobrudscha existieren Steppenlandschaften, von denen allerdings mittlerweile große Teile landwirtschaftlich genutzt werden.[8] Ansonsten kommen hier neben vereinzelten Laubbäumen Rosen, Prunus und Weißdorne vor. Im Donaudelta befindet sich eine Sumpflandschaft, die durch Schilfrohr, Rohrkolben, Wasserschierling und Seerosen geprägt ist.

Ein Braunbär in den Südkarpaten

Rumäniens Tierwelt umfasst 3.600 Arten, bei denen es sich teilweise um in Europa weit verbreitete Gattungen handelt, teilweise aber auch um nur hier vorkommende.[9] Dazu zählen in den Karpaten die Gämse, Bartgeier, Braunbär (ca. 6.600 Exemplare[10]), Wolf (ca. 3.100[11]) und Luchs (ca. 1.500[12]). Daneben finden sich in den höher gelegenen Waldregionen Rumäniens auch in anderen Teilen Europas beheimatete Tiere wie Steinadler, Mönchsgeier, Rothirsch und Rotfuchs, in tiefer gelegenen Laubwäldern Dachs, Reh und Wildschwein.

In der Walachischen Tiefebene finden sich kleine Populationen der Großtrappe. Das Donaudelta bietet Heimat für zahlreiche Arten von Fischen, Amphibien und Zugvögeln. Dazu zählt der in Europas nur hier vorkommende Rosapelikan.[9] Daneben leben hier unter anderem der Purpurreiher und der wegen seines Kaviars bekannte Stör.

Bevölkerung

Demografie

Die Altersstruktur Rumäniens weist die geburtenstärksten Bevölkerungszahlen in den Jahrgängen 1975–1979 auf.

In Rumänien leben 21,5 Millionen Menschen.[1] Die Bevölkerung Rumäniens war nach 1945 kontinuierlich auf schließlich über 23 Millionen gestiegen, ist aber seit der Revolution von 1989 aufgrund des Geburtendefizites leicht gesunken. Auf tausend Rumänen kommen jährlich 11,8 Todesfälle, aber nur 10,6 Geburten, was eine Wachstumsrate der Bevölkerung von −0,14 Prozent bedeutet.[13] Die rumänische Fruchtbarkeitsrate von 1,3 Kindern pro Frau liegt deutlich unterhalb der Nettoreproduktionsrate.[14] Dies hat auch Auswirkungen auf die rumänische Altersstruktur, nach der – für Europa typisch – nur 15 Prozent der Einwohner jünger als 15 Jahre alt sind. Weitere 15 Prozent der Bevölkerung sind älter als 65, wobei dieser Wert angesichts der zunehmenden Lebenserwartung (72 Jahre) mittelfristig steigen wird. Des Weiteren ist Rumänien aufgrund seiner wirtschaftlichen Probleme seit 1945 ein Auswanderungsland gewesen, auch wenn sich diese Entwicklung durch die Stärkung der Wirtschaft seit 2002 abschwächt.[15]

Rumänien hat eine für EU-Verhältnisse leicht unterdurchschnittliche Bevölkerungsdichte von 90,6 Einwohnern pro km². In Bezug auf die einzelnen Landesteile verteilt sich die Bevölkerung relativ ungleichmäßig.[16] Am wenigsten dicht besiedelt ist das Banat mit 60,2 Einwohner pro km². Ebenfalls unter dem rumänischen Durchschnitt liegen das südliche Siebenbürgen (74,2), die Kleine Walachei (78,5), die Dobrudscha (79,4) und das nördliche Siebenbürgen (79,9). Relativ dicht besiedelt ist Moldau (101,3), besonders stark die Große Walachei einschließlich der Hauptstadtregion (kombiniert 152,6).

Der urbane Anteil der rumänischen Bevölkerung ist mit 54 Prozent im Verhältnis zur ruralen gemessen am europäischen Durchschnitt ausgewogen.[14] Allerdings ist der Altersdurchschnitt in den ländlichen Gebieten durch die Abwanderung junger Rumänen in die Städte deutlich höher.[17] Nach 1990 haben sich verstärkt Einwohner in stadtnahen Gebieten niedergelassen. Als Reaktion auf diese Entwicklung sind seit 2005 mehrere Metropolregionen gegründet worden.

Ethnien

Die ungarische Minderheit in Rumänien

Die Rumänen sind mit 89,5 Prozent deutlich die größte Bevölkerungsgruppe des Landes.[18] Daneben existieren aber zahlreiche autochthone, nationale Minderheiten, die teilweise regional die Mehrheit stellen. Darunter sind vor allem die Ungarn mit 6,6 Prozent (etwa 1,4 Millionen Menschen) hervorzuheben. Die Hauptsiedlungsgebiete der ungarischen Bevölkerung befinden sich im Südosten Siebenbürgens, dem Szeklerland, sowie im Grenzgebiet zu Ungarn. Das Verhältnis zwischen Rumänen und Ungarn ist vorbelastet, da beide Anspruch auf die gemeinsamen Siedlungsgebiete erhoben haben. Zwischen 1952 und 1968 hatten die Gebiete der Szekler einen autonomen Status, der danach wieder aufgehoben wurde. Seit Mitte der 1990er hat sich die Beziehung zwischen Rumänen und Ungarn allerdings entspannt. Die Demokratische Union der Ungarn in Rumänien, eine ethnische Sammelpartei, ist seitdem mehrfach Teil der nationalen Regierungskoalition gewesen.

Die historischen Siedlungsgebiete der deutschen Minderheit in Rumänien um 1918

Die drittgrößte Bevölkerungsgruppe in Rumänien sind die Roma (2,5 Prozent), welche keine regionalen Schwerpunkte bewohnen. Diese sind sozial und wirtschaftlich schlechter als die übrigen Gruppen gestellt und haben im Gegensatz zu den Ungarn auch keine eigene politische Vertretung.[19] Der bis Mitte des 20. Jahrhunderts hohe Anteil der Deutschen ist auf 0,3 Prozent gesunken. Dabei handelt es sich vor allem um Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben (Banat und Nordwesten bei Satu Mare). Der Altersdurchschnitt dieser Gruppen ist jedoch relativ hoch, so dass die Gesamtzahl der Rumäniendeutschen von unter 50.000[20] Menschen weiter sinken wird. Daneben existieren zahlreiche weitere Minderheiten: Ukrainer (0,3 %) in der Bukowina und Maramureș, Russen (0,2 %), Türken (0,2 %) und Tataren (0,1 %) in der Dobrudscha sowie Serben (0,1 %) und Slowaken (0,1 %) im Banat.

Sprachen

Die Verteilung der Sprachen entspricht weitgehend den einzelnen Nationalitäten.[18] Amtssprache Rumäniens ist laut Verfassung Rumänisch (limba română), eine der Ostromanischen Sprachen, das von 91 Prozent der Bevölkerung des Landes gesprochen wird. Ungarisch nimmt mit 6,7 Prozent regional ebenfalls eine bedeutende Rolle ein. In den Regionen, in denen jeweils eine der Minderheitensprachen von mehr als 20 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, ist diese offizielle Zweitsprache in Verwaltung, Gerichten und Schulen. Die häufigsten Fremdsprachen in Rumänien sind Englisch und Französisch, in Siebenbürgen und im Banat auch Deutsch.

Religionen

Rumänien hat als säkulares Land keine Staatsreligion. 86,7 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche.[18] Diese ist eine autokephale Kirche innerhalb der osteuropäischen Orthodoxie. Die ethnische und sprachliche Teilung Rumäniens setzt sich in der Kirchenzugehörigkeit fort, da die Ungarn vorzugsweise anderen Konfessionen angehören.

Protestanten machen insgesamt 6,6 Prozent der Bevölkerung aus. Etwa die Hälfte von ihnen sind Reformierte, während die übrigen den Gemeinden der Pentekostalen, Baptisten, Adventisten, Unitarier, Lutheraner und Evangelikalen angehören. Die alten protestantischen Kirchen sind zur Hälfte unter den Ungarn und Deutschen in Siebenbürgen vertreten, während die neuen protestantischen Kirchen vor allem unter den Rumänen verbreitet sind. Insgesamt 5,6 Prozent der Rumänen bekennen sich zur katholischen Kirche, wovon allerdings etwa ein Sechstel der mit Rom unierten Rumänischen Griechisch-Katholischen Kirche aus Siebenbürgen angehört. Die Mehrheit der römischen Katholiken wird von den ethnischen Ungarn gestellt. In der Moldau leben mit den Tschangos einige Katholiken ungarischer und rumänischer Sprache. Überwiegend katholisch sind auch die Donauschwaben.

Muslime in Rumänien machen 0,3 Prozent der Bevölkerung aus, wobei es sich vor allem um Türken und Tataren in der Dobrudscha handelt. Von den vor 1945 ursprünglich zahlreichen Juden ist nur eine kleine Minderheit übrig geblieben. Die Anzahl der rumänischen Konfessionslosen liegt trotz der langen kommunistischen Herrschaft nur bei 0,2 Prozent. Circa 0,2% der Bevölkerung sind Zeugen Jehovas.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Rumäniens

Frühgeschichte und Ethnogenese der Rumänen

Ethnogenese der Rumänen

Das Gebiet des heutigen Rumänien wurde seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. von Geten und Dakern besiedelt. Die beiden Stämme wurden 106 n. Chr. durch Kaiser Trajan gewaltsam in das Römische Reich eingegliedert. Die Römer etablierten auf dem Gebiet des heutigen Siebenbürgens und des Banats die Provinz Dacia (Dakien), die etwa 271 wieder aufgegeben wurde. Während der Völkerwanderung wurde das Gebiet des heutigen Rumäniens von verschiedenen Stämmen durchzogen, darunter Goten, Gepiden, Slawen, Hunnen und Magyaren (Ungarn).

Der Ursprung des rumänischen Volkes ist unter Historikern umstritten, die zwei konkurrierende Thesen vertreten: Die dako-romanische Kontinuitätstheorie besagt, dass auch nach der Aufgabe der römischen Provinz Dacia dauerhaft eine dakisch-romanische Bevölkerung nördlich der Donau verblieben sei, aus der zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert die heutigen Rumänen hervorgegangen seien. Dem gegenüber steht die Migrationsthese, der zufolge die Ethnogenese der Rumänen südlich der Donau stattgefunden habe und diese Bevölkerungsgruppe erst nach dem Ungarneinfall (9. Jahrhundert) nach Siebenbürgen eingewandert sei.

Die drei Fürstentümer

Die drei rumänischen Fürstentümer wurden durch die Karpaten geteilt: Moldau (rot), Walachei (blau), Siebenbürgen (gelb)

Siebenbürgen war etwa seit 895 Teil des ungarischen Árpáden-Reiches. Teile seiner rumänischen Bevölkerung siedelten sich jenseits der Karpaten an, wodurch sich im 14. Jahrhundert auch die Fürstentümer Moldau und Walachei etablieren konnten. Die drei Fürstentümer befanden sich während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit im Grenzgebiet des osmanischen und ungarisch-habsburgischen Einflussgebietes. Siebenbürgen war politisch an Ungarn gebunden und seine rumänische Bevölkerung hatte im Vergleich zu den dort angesiedelten Ungarn und Deutschen weniger Rechte inne. Moldau und die Walachei bewahrten ihre politische und religiöse Autonomie, waren aber dem Osmanischen Reich gegenüber tributpflichtig. Bedeutende Fürsten dieser Epoche waren Mircea cel Bătrân (Mircea der Alte, 1386–1418) und Vlad III. Drăculea (1456–1462, 1476) in der Walachei, sowie Ștefan cel Mare (Stephan der Große, 1457–1504) in Moldau. Im Jahr 1600 wurden alle drei Fürstentümer kurzzeitig unter Mihai Viteazul (Michael der Tapfere, 1593–1601) vereinigt.

Im 18. Jahrhundert verschlechterte sich die politische Lage der rumänischen Fürstentümer. Siebenbürgen wurde bis 1711 fester Bestandteil von Österreich-Ungarn, das bis 1775 auch die Bukowina und das Banat eroberte. Moldau und die Walachei gerieten verstärkt unter den Einfluss der Osmanen, die griechischstämmige Phanarioten als Fürsten einsetzten. Als dritte ausländische Großmacht übte Russland, das sich 1812 in Bessarabien festsetzte, Einfluss auf die rumänischen Fürstentümer aus.

Etablierung des unabhängigen Rumäniens

Carol I. – erster rumänischer König von 1881 bis 1914

Wie in vielen Staaten Europas kam es auch in Rumänien zur Revolution von 1848. In Folge dieser wurde eine Vereinigung der Fürstentümer Rumäniens propagiert, wozu sich ab 1856 nach der Schwächung Russlands infolge des Krimkrieges eine außenpolitische Gelegenheit bot. 1859 wurde Alexandru Ioan Cuza (1859–1866) sowohl zum Fürsten der Walachei als auch Moldaus gewählt. Am 24. Dezember 1861 schuf er eine Realunion durch die Proklamation des souveränen Fürstentums Rumänien (das sogenannte „Altreich“). Aufgrund innenpolitischer Konflikte wurde Cuza 1866 mit Billigung der Großmächte durch die Bojaren (Adlige) zur Abdankung gezwungen und durch Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (den späteren Carol, s.u.) ersetzt. Im Russisch-Osmanischen Krieg 1877–1878 unterstützten die Rumänen Russland, woraufhin ihre Unabhängigkeit de jure auf dem Berliner Kongress bestätigt wurde. Zusätzlich erhielt Rumänien die Dobrudscha gegen die Abtretung des südlichen Bessarabiens an Russland. Am 26. März 1881 wurde in Bukarest das neue Königreich Rumänien unter Carol I. (Karl I., 1881–1914) proklamiert.

Nach mehreren Jahren innenpolitischer Reformen und außenpolitischer Stabilität kämpfte Rumänien 1913 im Zweiten Balkankrieg gegen Bulgarien und sicherte sich im Frieden von Bukarest die südliche Dobrudscha. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wollte Carol I. Partei zugunsten der Mittelmächte ergreifen, setzte sich damit aber innenpolitisch nicht durch. Unter seinem Neffen und Nachfolger Ferdinand I. (1914–1927) trat Rumänien im Sommer 1916 der Entente bei. Zunächst eroberten die Rumänen Teile Siebenbürgens, verloren aber im Dezember 1916 durch die Gegenoffensive der deutschen, österreichischen und bulgarischen Truppen die Walachei (Țara Românească), so dass Ferdinand I. und die Regierung nach Moldau fliehen mussten.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schlossen sich 1918 die mehrheitlich rumänisch besiedelten Territorien Russlands und Österreich-Ungarns Rumänien an. Dies führte 1919 zu einem Krieg mit Ungarn, der mit der Besetzung Budapests durch die Rumänen endete. In den Friedensverträgen von Versailles 1919 und Trianon 1920 wurden Rumäniens neue Grenzen anerkannt: Vom untergegangenen Österreich-Ungarn erhielt es Siebenbürgen (Transilvania), das östliche Kreischgebiet, die Bukowina und zwei Drittel des Banats; vom bolschewistischen Russland zusätzlich Bessarabien (Ost-Moldawien).

Großrumänien

Die Entwicklung des rumänischen Territoriums zwischen 1861 und 1947
Verteilung der Ethnien in den Kreisen Großrumäniens (Volkszählung 1930)

Staatsfläche und Bevölkerungszahl des neuen „Großrumäniens“ hatten sich verdoppelt, wodurch es von einem relativ einheitlichen Nationalstaat zu einem Vielvölkerstaat geworden war. Etwa ein Viertel der rumänischen Staatsbürger gehörten einer der nationalen Minderheiten wie Ungarn, Deutschen, Juden, Ukrainern oder Bulgaren an. Wie andere Staaten Europas war auch Rumänien in der Zwischenkriegszeit von politischer Instabilität gekennzeichnet. 1927 wurde Kronprinz Carol zum Thronverzicht gezwungen und sein minderjähriger Sohn Mihai I. (Michael I., 1927–1930, 1940–1947) wurde König. Sein Vater bestieg jedoch 1930 doch noch als Carol II. (Karl II., 1930–1940) den Thron. Dieser errichtete 1938 eine Königsdiktatur, um eine Beteiligung der faschistischen Eisernen Garde an der Regierung zu verhindern.

Rumänien hatte sich seit dem Ersten Weltkrieg außenpolitisch an Frankreich orientiert, wandte sich aber ab 1934 aus wirtschaftlichen Gründen und auf der Suche nach einer neuen Schutzmacht dem nationalsozialistischen Deutschland zu. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der sich daran anschließenden territorialen Neuordnung Europas im Hitler-Stalin-Pakt verlor Rumänien große Gebiete seines Staatsgebietes: Im Sommer 1940 wurden die Nordbukowina, das Hertza-Gebiet und Bessarabien von der Sowjetunion besetzt, die Süddobrudscha wurde an Bulgarien, das nördliche Siebenbürgen an Ungarn (Zweiter Wiener Schiedsspruch) abgetreten.

Carol II. ging nach diesen Verlusten ins Exil, woraufhin die Macht an den General Ion Antonescu fiel. Dieser errichtete ein faschistisches Regime in Rumänien und trat den Achsenmächten bei. Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Rumänien 1941 am zunächst erfolgreichen deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion, wodurch die ein Jahr zuvor verlorenen Gebiete wieder rumänisch wurden. Innenpolitisch wurden Juden und Roma vom Antonescu-Regime verfolgt und ermordet.[21] Die erfolgreiche Offensive der Sowjetunion im August 1944 führte zum Sturz Antonescus und zum Frontwechsel Rumäniens. Es erhielt zwar Nordsiebenbürgen zurück, doch kamen Bessarabien, das Hertza-Gebiet und die Nordbukowina wieder unter sowjetische Herrschaft. Der Hauptteil dieses Gebietes bildet heute den eigenständigen Staat Moldawien, der Rest (Budschak und die heutige Oblast Tscherniwzi) ist Teil der Ukraine.

Volksrepublik und Sozialistische Republik

Nicolae Ceaușescu – rumänischer Autokrat von 1965 bis 1989

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Rumänien unter sowjetischen Einfluss. Die Eliten des alten Systems und politische Gegner wurden enteignet, verschleppt oder ermordet. 1947 wurden alle bürgerlichen Parteien verboten, König Mihai I. wurde abgesetzt. Die Sozialdemokraten wurden mit der zuvor unbedeutenden Partidul Comunist din România (PCR) zwangsvereinigt, woraus ab März 1948 die Partidul Muncitoresc Român (PMR, dt. Rumänische Arbeiterpartei) hervorging. Diese rief die Volksrepublik Rumänien aus, in der Gheorghe Gheorghiu-Dej der bestimmende Mann war. 1948 erfolgte eine letzte territoriale Abtretung, als die Schlangeninsel der Sowjetunion übergeben wurde.

Staat und Wirtschaft Rumäniens wurden systematisch nach kommunistischen Vorstellungen umgeformt: 1948 wurde die Industrie verstaatlicht, ab 1950 auch die Landwirtschaft. Mitte der 1950er verbesserte sich die wirtschaftliche Versorgungslage in Rumänien, was die innenpolitische Lage stabilisierte. Um den ethnischen Gegensatz mit den Ungarn innerhalb Rumäniens abzuschwächen, wurde 1952 in deren Hauptsiedlungsgebiet das autonome Szeklerland eingerichtet. Außenpolitisch strebte Gheorghiu-Dej eine vorsichtige Eigenständigkeit gegenüber der Sowjetunion an, dennoch trat Rumänien 1949 dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe und 1955 dem Warschauer Pakt bei.

Die rumänische Revolution im Dezember 1989

Am 21. August 1965 wurde unter der Führung der sich nun Partidul Comunist Român (PCR) nennenden Rumänischen Kommunistischen Partei die Sozialistische Republik Rumänien ausgerufen. Führender Mann des Landes wurde Nicolae Ceaușescu, der nach dem Tod von Gheorghiu-Dej das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei übernommen hatte. Ceaușescu unternahm mehrere radikale Einschnitte in die rumänische Wirtschaft und Gesellschaft: Gesetze zur Förderung des Kinderreichtums und ein Abtreibungsverbot sollten die Bevölkerungszahl Rumäniens steigern.[22] Mittels ausländischer Kredite und durch die Umsiedlung von Teilen der Landbevölkerung in die Städte sollte das agrarisch geprägte Land industrialisiert werden.

Diese Maßnahmen führten jedoch nicht zum gewünschten Erfolg, sondern seit den 1970er Jahren zu einer Versorgungskrise. Der Zusammenbruch der Volkswirtschaft und die mangelnde Bonität Rumäniens zwang das Regime zum Export von Grundversorgungsgütern. Dennoch bewahrte Ceaușescu seine Macht durch die Geheimpolizei Securitate und einen ausgeprägten Personenkult. Nach dem Mauerfall und der Wende 1989 in der DDR und den anderen Staaten des Ostblocks kam es zur Rumänischen Revolution. Demonstrationen forderten das Ende des mit Gewalt regierenden Ceaușescu-Regimes, was zu mehr als tausend Todesopfern führte. Nachdem sich die Armee mit den Demonstranten verbündet hatte, wurde Ceaușescu am 25. Dezember 1989 vor ein Militärgericht gestellt und standrechtlich erschossen.

Rumänien seit 1990

In der nachkommunistischen Zeit konnte sich Rumänien nur langsam von den Folgen jahrzehntelanger Diktatur und Misswirtschaft erholen. Vorherrschende Partei in den Jahren nach der Revolution wurde die sozialdemokratische PSD (Partidul Social Democrat) unter dem neuen Staatspräsidenten Ion Iliescu. Die PSD rekrutierte sich größtenteils aus den alten kommunistischen Eliten. Dennoch verfolgte Rumänien fortan einen demokratischen und marktwirtschaftlichen Kurs. Außenpolitisch orientierte es sich nach Westen.

1996 wurde Emil Constantinescu neuer Staatspräsident, seine Partei, die christdemokratische PNȚ-CD, wurde stärkste Kraft im Parlament. Sie scheiterte jedoch bei den Wahlen 2000 an der Fünfprozenthürde, was eine Rückkehr der PSD an die Regierung ermöglichte. Iliescu wurde wieder Staatspräsident, Adrian Năstase neuer Ministerpräsident. Im Jahr 2004 trat Rumänien der NATO bei.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 setzte sich Traian Băsescu durch, der sich auf eine Mitte-Rechts-Koalition stützte. 2007 wurde Rumänien Teil der Europäischen Union. Im gleichen Jahr kam es zu einem Machtkampf zwischen Băsescu und dem Ministerpräsidenten Călin Popescu-Tăriceanu von der nationalliberalen PNL. Băsescu wurde zeitweilig vom Parlament suspendiert, kehrte aber nach einem für ihn positiven Referendum in sein Amt zurück.

Die Parlamentswahlen in Rumänien 2008 fanden erstmals entkoppelt von den Präsidentschaftswahlen statt. Die PSD und die neu gegründete PD-L gingen daraus als Sieger hervor, woraufhin sie eine Regierung unter Emil Boc bildeten.[23]

Politik

Politisches System

Der Parlamentspalast in Bukarest

Rumänien ist eine repräsentative parlamentarische Demokratie mit einem semi-präsidentiellen Regierungssystem. Staatsoberhaupt ist der Präsident (președinte), Regierungschef ist der Ministerpräsident (Prim-ministru). Die gesetzgebende Gewalt liegt bei einem Zweikammerparlament.

Der Präsident wird direkt vom Volk gewählt. Erhält kein Kandidat im ersten Durchgang eine absolute Mehrheit, wird eine Stichwahl durchgeführt. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt fünf Jahre, wobei die Möglichkeit zur einmaligen Wiederwahl besteht. Als Staatsoberhaupt ernennt der Präsident den Ministerpräsidenten und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Amtierender Präsident Rumäniens ist seit 2004 der ehemalige Bürgermeister von Bukarest, Traian Băsescu.

Sitzverteilung im rumänischen Parlament seit 2008

Das Parlament ist für die nationale Gesetzgebung zuständig. Es besteht aus zwei Kammern: der Abgeordnetenkammer mit derzeit 334 Parlamentariern (Camera Deputaților) und dem Senat (Senatul) mit 137. Die Mitglieder werden in einem gemischten Personen- und Verhältniswahlrecht gewählt. Eine Legislaturperiode dauert vier Jahre. Parteien ziehen nur in das Parlament ein, wenn sie die Sperrklausel von fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen übertreffen. Insgesamt sind achtzehn Sitze für Abgeordnete von Minderheitenparteien reserviert.

Seit den Wahlen vom November 2008 besteht eine Mehrheit für die konservative Partidul Democrat Liberal (PD-L) und die sozialdemokratische Partidul Social Democrat (PSD), die gemeinsam eine Regierung unter Ministerpräsident Emil Boc stützen. Die Opposition wird von der liberalen Partidul Național Liberal (PNL) sowie der Demokratischen Union der Ungarn in Rumänien (UDMR) gebildet. Die nationalistische Partidul România Mare verfehlte den Wiedereinzug ins Parlament.

Außen- und Sicherheitspolitik

Rumänische Soldaten in Afghanistan (2003)

Rumänien ist in die bedeutenden europäischen und transatlantischen Staatenbünde integriert. Es trat am 1. Januar 2007 unter Auflagen der Europäischen Union bei. Die EU verlangt allerdings von Rumänien, dass es die Korruption bekämpft, eine unabhängige Justiz aufbaut und funktionierende Behörden schafft.[24] Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurde Rumänien am 29. März 2004 Mitglied der NATO und ist seitdem in die transatlantische Sicherheitsstruktur eingebunden. 2004 und 2005 war Rumänien nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat, im Juli 2004 und im Oktober 2005 führte es den Vorsitz.

Die Armata Română (Rumänische Armee) sind die Streitkräfte Rumäniens. Sie setzt sich aus 75.000 Berufssoldaten und 15.000 zivilen Mitarbeitern zusammen. Das Verteidigungsbudget macht ungefähr zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts aus.[25] Rumänien nimmt an den NATO-Missionen in Bosnien (SFOR) und dem Kosovo (KFOR) teil. Außerdem unterstützt die Armee die militärischen Operationen der Vereinigten Staaten in Afghanistan und dem Irak. Die rumänische Regierung hat allerdings angekündigt, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen.[26]

Gesundheitspolitik

Das Gesundheitswesen war bis 1996 staatlich gelenkt. Danach wurde eine Pflicht-Krankenversicherung eingeführt, über die ein Großteil ärztlicher Leistungen sowie Arzneimittel zur Behandlung chronischer Erkrankungen abgedeckt werden. Der derzeitige Beitragssatz von etwa zwölf Prozent wird paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Kinder und Jugendliche, Behinderte, Veteranen und Arbeitslose sind beitragsbefreit. Die 42 regionalen Krankenkassen schließen mit den Leistungserbringern (Krankenhäuser, Ambulanzen, Gesundheitszentren) Verträge ab. Seit 2004 gibt es private Zusatzversicherungen. Nach Angaben des nationalen Statistikbüros machen „Selbstzahlungen“ 30 Prozent der Gesamtausgaben für Gesundheit aus. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt unter vier Prozent (Deutschland: 10,7 Prozent). Die Ausgaben für Gesundheit pro Einwohner betragen jährlich etwa 120 Euro (Deutschland: 2.900 Euro). 2007 wanderten vor allem wegen der niedrigen Bezahlung etwa 4000 und damit jeder zehnte Mediziner aus.[27]

Verwaltungsgliederung

Kreise

Die Kreise Rumäniens

Die historischen Regionen haben in Rumänien keine administrative Bedeutung. Der Staat ist in 41 Kreise („județ“, Pl.: „județe“) sowie die Hauptstadt Bukarest unterteilt. Diese zentralistische Verwaltungsgliederung wurde nach dem Vorbild der französischen Départements im 19. Jahrhundert geschaffen. In den ersten Jahren der kommunistischen Herrschaft wurde diese Ordnung verändert, doch kehrte Rumänien 1968 zum ursprünglichen System zurück. Davon abweichend wurden 1981 die Kreise Ialomița und Ilfov in die Kreise Călărași, Giurgiu, Ialomița und Ilfov neu organisiert. Bis 1995 war Ilfov kein selbstständiger Kreis, sondern von Bukarest abhängig.

Im Durchschnitt haben die rumänischen Kreise (inklusive der Hauptstadt) etwas mehr als 500.000 Einwohner auf 5.676 km². Verglichen mit föderalistischen Verwaltungsstrukturen in Deutschland oder den USA, wo einzelne Verwaltungseinheiten andere der gleichen Ebene um mehr als das Zehnfache an Größe übertreffen, weichen die Zahlen in Rumänien nur gering voneinander ab. Abgesehen von der Hauptstadtregion reicht die Bevölkerungsanzahl in den Kreisen von etwa 222.000 (Covasna) bis 829.000 (Prahova). Der flächenmäßig größte Kreis ist Timiș mit 8.697 km², der kleinste Ilfov mit 1.593 km². Letzterer umgibt Bukarest und ist deutlich kleiner als die übrigen Verwaltungseinheiten. Bereits der zweitkleinste Kreis Giurgiu erstreckt sich über 3.526 km².

Parallel existieren in Rumänien acht Planungsregionen. Diese wurden 1998 im Zuge der Vorbereitung auf den EU-Beitritt geschaffen. Sie haben keine realen Befugnisse und sind somit auch keine juristischen Verwaltungseinheiten. Die Planungsregionen sind allerdings für die Zuteilung von EU-Fördergeldern sowie für statistische Erhebungen von Bedeutung.

Städte über 200.000 Einwohner, Stand Januar 2009[28]
Rang Rumänischer
Name
Deutscher
Name
Einwohner
1. București Bukarest 1.944.367
2. Timișoara Temeswar 311.586
3. Iași Jassy 308.843
4. Cluj-Napoca Klausenburg 306.474
5. Constanța Konstanza 302.171
6. Craiova Krajowa 298.928
7. Galați Galatz 291.354
8. Brașov Kronstadt 278.048
9. Ploiești 229.285
10. Brăila 212.501
11. Oradea Großwardein 204.477

Städte

Die mit Abstand größte Stadt Rumäniens ist die Landeshauptstadt Bukarest, in der über 1,9 Millionen Einwohner leben, was sie zur insgesamt sechstgrößten Stadt innerhalb der Europäischen Union macht. Sie ist daneben das Zentrum der Großen Walachei (Muntenien).

Gleich mehrere Städte liegen etwa um einen Wert von 300.000 Einwohnern herum, wobei es sich meist um die historischen Zentren der rumänischen Regionen handelt: Das im Banat gelegene Timișoara war Ausgangspunkt der Revolution von 1989. Iași ist die bedeutendste Stadt der Moldau. Cluj-Napoca in Siebenbürgen verfügt über eine dreisprachige Universität (rumänisch, ungarisch, deutsch). Constanța in der Dobrudscha ist der wichtigste EU-Hafen am Schwarzen Meer. Craiova ist das Zentrum der Kleinen Walachei (Oltenien). Der bedeutende Binnenhafen Galați liegt am Zusammenfluss von Donau und Sereth. Brașov war eines der historischen Zentren der Siebenbürger Sachsen.

Insgesamt haben 24 Städte Rumäniens mehr als 100.000, weitere 22 Städte mehr als 50.000 Einwohner.

Infrastruktur

Die Infrastruktur Rumäniens hat gewisse Probleme. Rumänien wird von den paneuropäischen Verkehrskorridoren Nr. 4 und Nr. 9 durchquert sowie von Nr. 7 (Wasserweg Donau) in seinem Süden begrenzt. Investitionen in den Eisenbahnverkehr sowie den Zustand der Straßen sind dringend nötig.

Obwohl Rumänien seit 1. Januar 2007 Mitglied der EU ist und dadurch Geld zur Verbesserung und zum Ausbau der Infrastruktur bei der EU beantragt werden kann, geschieht dies nur sehr zögerlich. Der mögliche Rahmen wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Ursache ist die ineffiziente Verwaltung welche die Infrastrukturprojekte nicht in angemessener Zeit vorantreibt.

Flugverkehr

Es existieren zwei Flughäfen bei Bukarest, weiterhin je einer bei Arad, Baia Mare, Craiova, Sibiu, Târgu Mureș, Constanța, Cluj-Napoca, Timișoara, Oradea, Bacău, Suceava und Iași. Einheimische Fluggesellschaften sind TAROM, Carpatair und die Billigfluggesellschaft Blue Air.

Straßennetz

Autobahn in Rumänien
Das rumänische Straßennetz

Um die Autobahnen und Nationalstraßen in Rumänien benutzen zu dürfen, muss eine Vignette (rovinietă) erworben werden. Es existieren mit der A1 und A2 zwei Autobahnen in Rumänien, doch sind weitere in Planung, um das Land stärker an die übrige EU anzuschließen:

Im Gegensatz zu den relativ gut ausgebauten Autobahnen (Tempolimit: 130 km/h) sind die übrigen Straßen - auch die Europastraßen - in einem größtenteils sehr schlechtem Zustand. Der starke Schwerlastverkehr und die Fahrweise vieler Rumänen sorgen für zahlreiche schwere Verkehrsunfälle. Auf der Hauptverbindung zwischen Ungarn und Bulgarien (Europastraßen E 68, E 70, E 81 Szeged (Ungarn)–AradDevaSibiuBukarestRusse (Bulgarien)) ist eine maximale Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 bis 60 km/h möglich.

Die Europastraße E 70/E 79 (CalafatCraiovaDrobeta Turnu SeverinTimișoara–Arad), die als Alternative zur viel befahrenen Strecke durch die Karpaten dienen könnte, wird zurzeit (Oktober 2009) auf der ganzen Strecke ausgebaut. Die zahlreichen Baustellen sind, mit Ampeln abgesichert, einspurig passierbar, deshalb sinkt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit auf ca. 30 bis 40 km/h.

Die Hauptstraßen führen meist direkt durch Ortschaften, in denen es häufig vor Schulen und Zebrastreifen Bremsschwellen gibt. Auch neu asphaltierte Straßen sind aufgrund der Hitze des Sommers oft sehr wellig, was zum Aufschaukeln führt. Die zahlreichen Brücken sind oft nicht repariert. Beim Wechsel von neuem auf alten Belag gibt es häufig hohe Schwellen, vor denen es oft zu Vollbremsungen der voraus fahrenden Fahrzeuge kommt.

Das rumänische Tankstellen- und Werkstättennetz ist gut ausgebaut. Auf Europastraßen sind die Zapfsäulen meist rund um die Uhr geöffnet. Daneben gibt es zahlreiche Raststätten und Mini-Markets, die immer geöffnet haben.

Eisenbahn

Das rumänische Eisenbahnnetz

Rumänien verfügt mit der Rumänischen Staatsbahn (CFR) über eines der längsten Eisenbahnnetze Europas. Große Teile des Streckennetzes und des rollenden Materials haben einen starken Modernisierungsbedarf, wobei es in den letzten Jahren punktuelle Verbesserungen gab. So werden seit Anfang 2003 u.a. im Fernverkehr moderne Desiro-Züge (CFR-Baureihe 96) unter dem Namen „Săgeata Albastră“ („Blauer Pfeil“) eingesetzt.

Telekommunikation

In Rumänien verfügen laut Eurostat nur ca. 22 Prozent der Haushalte über einen Internetzugang. Ca. 7 Prozent der Haushalte verfügen über einen Breitbandinternetanschluss. Größter Anbieter im Festnetzbereich mit ca. 3 Mio. Festnetzanschlüssen ist Romtelecom, der privatisierte Nachfolger der Rumänischen Post. Es gibt mehr Mobilfunkanschlüsse als Festnetzanschlüsse in Rumänien.

Es gibt folgende Mobilfunknetzbetreiber in Rumänien:

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft Rumäniens

Zu den Bodenschätzen Rumäniens gehören Erdgas, Kohle (vor allem Braunkohle), Salz, Gold, Wasserkraft und Erdöl, wobei dieses Vorkommen kontinuierlich sinkt. Das Land wird zu 41 Prozent durch Ackerland genutzt, zu 29 Prozent durch Wald, zu 21 Prozent durch Weide und zu 3 Prozent durch permanente Saat. Die übrigen geschätzten 6 Prozent treffen auf andere Ländereien zu.

Rumänische Nationalbank in Bukarest (Banca Națională a României)

Rumänien erwirtschaftete im Jahr 2008 nach Schätzungen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 213,891 Mrd. $, was bei einer Bevölkerung von 21,489 Mio.[29] rund 9.953$ pro Kopf entspricht. Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Rumänien 2006 einen Index von 38,4 (EU-27 = 100).[30] Trotz der nun positiven volkswirtschaftlichen Gesamtentwicklung (BIP-Wachstum seit 2001 durchschnittlich 5 Prozent) bedarf die rumänische Wirtschaft weiterer Reformen. Das Wirtschaftswachstum erreichte im Jahr 2004 8,3 Prozent und im Jahr 2005 4,1 Prozent.[31] Die Zuwächse stammen aus Landwirtschaft, Industrie und Bauwesen. Eine weiterhin positive Entwicklung wird in den nächsten Jahren in der Bauwirtschaft erwartet. Ebenfalls sind die Bereiche des Verkehrs in Bahn, Hafen oder generelle Energieprojekte durch internationale Finanzinstitute und EU-Programme im Aufschwung. Auch sind Einzelbranchen wie Kommunikations- und Informationsindustrie im Wachstum begriffen. Versicherungswesen, Tourismus, Pharma, Lebensmittel und Großhandel, Maschinen und Kfz-Industrie desgleichen erleben einen wirtschaftlichen Anstieg. Der durchschnittliche Bruttolohn erreichte im Jahr 2007 einen Betrag von 781 € (Euro zu Kaufkraftparität).[32]

Der Anteil des Dienstleistungssektors am BIP lag 2002 bei 44,7 %, während der Anteil des Industriesektors durch Umstrukturierung und Abbau speziell in der Schwerindustrie von noch 40 Prozent im Jahr 1989 auf nur noch 29,1 Prozent im Jahr 2002 zurückging. Der Landwirtschaftssektor machte 7 Prozent des BIP aus. Dagegen waren 2004 mit 22,6 Prozent Rekordzuwächse im Landwirtschaftssektor zu verzeichnen.

Die jährliche Teuerungsrate ging in Rumänien seit der ersten Welle der EU-Erweiterung 2004 von 9,6 % auf 8,6 % im Jahr 2005 zurück. Für 2006 wurde mit einer Inflationsrate von 6,5 % gerechnet.[31]

Obwohl die Wirtschaft 2005 weiterhin wuchs und auch das Exportvolumen gesteigert werden konnte, hatte Rumänien 2005 eine Steigerung des Außenhandelsdefizits gegenüber dem Vorjahr um 3 Mrd. Euro zu verzeichnen[31], was mit der im Verhältnis zur Produktionsleistung überproportional gestiegenen Nachfrage nach Importgütern zu erklären ist, die durch Erleichterungen bei der Kreditvergabe möglich wurde. Das hieraus resultierende Leistungsbilanzdefizit belief sich auf rund 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[31]

Ministerpräsident Călin Popescu Tăriceanu nannte in seiner Antrittsrede 2006 im Parlament als sein wirtschaftspolitisches Ziel die Übernahme des Euro bis zum Jahr 2012. Dafür wird angesichts des hohen Budgetdefizits eine konsequente Sparpolitik verfolgt werden müssen. Wirtschaftspolitische Themen spielten auch bei den Parlamentsdiskussionen eine große Rolle, wobei keine Partei damit warb, die Staatsfinanzen mit Steuererhöhungen sanieren zu wollen. Mit 6,7 Prozent Wachstum kann Rumänien als Tigerstaat Mitteleuropas bezeichnet werden. Das Land zählt zu den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt. Seit 2005 gilt eine Einheitssteuer von 16 %. Rumänien ist einer der größten Produzenten von Halbleiter-Anwendungen wie PC-Hauptplatinen, Notebooks und WLAN-Komponenten, die unter verschiedensten (konkurrierenden) Marken weltweit abgesetzt werden. Man bezeichnet dieses als Original Equipment Manufacturer.

Infolge der Finanzkrise geriet auch Rumänien Ende 2008 in finanzielle Schwierigkeiten. Mitte März 2009 beschloss der Internationale Währungsfonds (IWF) Hilfen von knapp 13 Milliarden Euro in einem zweijährigen Stand-by-Kredit für Rumänien bereitzustellen, ergänzt um 5 Milliarden Euro aus dem Notfallfonds der Europäischen Kommission und zusätzlichen 2 Milliarden Euro von weiteren internationalen Organisationen.[33]

Privatisierung und Beschäftigung

Die Privatisierung der staatlichen Betriebe wird fortgesetzt. Im Juli 2004 erhielt der österreichische Energieversorger OMV die Aktienmehrheit an dem rumänischen Öl- und Erdgaskonzern PETROM (60.000 Mitarbeiter). Ende 2005 erhielt die österreichische Erste Bank den Zuschlag für eine Beteiligung von 61,88 Prozent an der größten rumänischen Bank, der Banca Comercială Română (BCR). Der Kaufpreis von 3,75 Mrd. EUR war bisher die mit Abstand größte Direktinvestition in Rumänien. Nach Zahlen der Wirtschaftskammer wurden bisher rund 30 Prozent aller ausländischen Investitionen in Rumänien von österreichischen Firmen getätigt. Betrug die Erwerbslosenquote im Jahr 2005 noch 5,9 %, waren es im September 2007 nur noch 3,9 %.[34] Der Staat schreibt einen gesetzlichen Mindestlohn von etwa 150 Euro vor.[35] Nach wie vor suchen aber viele Rumänen Arbeit im Ausland, vorzugsweise in den Mittelmeerländern Italien und Spanien.

Industrie

Die Industrie trägt zu beinahe 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt etwa 20 Prozent aller Arbeitskräfte. Hergestellt werden in Rumänien vor allem Elektronik wie Computer, Telekommunikationsausrüstungen, Unterhaltungselektronik und Halbleiter; daneben Fahrzeuge, Schiffe, Produkte der chemischen Industrie, Stahl und Produkte der Leichtindustrie wie Textilien, Schuhe oder Lebensmittel.

Tourismus

Mamaia an der rumänischen Schwarzmeerküste ist ein beliebter Badeort.

2003 erwirtschaftete der Tourismus 780 Millionen Dollar, 14 Prozent mehr als 2002. Die Zahl der Gäste betrug 5,6 Millionen (davon 1,1 Mio aus dem Ausland), was einem Zuwachs von 15,5 Prozent entsprach.

Zum Herbst des Jahres 2004 war der Baustart für das erste von zwei touristischen Großprojekten geplant. Nach einem Fossilienfund entsteht im Kreis Hunedoara ein Dinosaurierpark. Der Baubeginn des zweiten Großprojekts – des Themenparkes Dracula-Park bei Sighișoara (Schäßburg) – wurde bisher von einer Bürgerinitiative verhindert und soll jetzt in der Nähe von Bukarest entstehen.

Mit dem 1. Juli 2005 erfolgte eine Währungsumstellung. Der Kurs beträgt (Stand Januar 2009) 4,22 Lei = 1 Euro. Es wurden neue Geldscheine und auch Münzen in Umlauf gebracht, die alten Zahlungsmittel haben ihre Gültigkeit verloren (2007).

In Rumänien besteht seit Januar 2005 eine Vignettenpflicht für PKW und LKW auf allen Straßen. Die Vignetten („Rovinieta“) sind an den Grenzübergängen und den meisten Tankstellen von OMV, Rompetrol und Petrom erhältlich. Bei der Ausreise wird an der Grenze oft kontrolliert, ob die Rovinieta und der dazugehörige Kaufbeleg vorhanden und gültig sind. Der Preis der Vignette richtet sich seit 2008 nicht mehr nach der Abgaseinstufung (Euronorm), sondern wird pauschal erhoben. Die Preise für PKW betragen 2008 für die Jahresvignette 28 Euro, für eine 30-Tages-Vignette 7 Euro und für die 7-Tages-Vignette 3 Euro. Die Vignette wird bisher nicht gelocht oder gestempelt, daher muss der Kassenbeleg unbedingt aufgehoben werden. [36]

Großprojekte

Projekt Wert Stand 2006 Anmerkung
Transilvanien-Autobahn, (Brașov-Bors), 680 km 2,2 Mrd. Euro, bis 2012 Arbeiten nach Unterbrechung wieder aufgenommen Staatliche Finanzierung; Ausführung: Bechtel
Karpaten-Autobahn, (Bukarest-Brașov) rund 1,7 Mrd. Euro. Ausschreibungen laufen; Bau von Anfang 2007 bis 2009 Staatliche Finanzierung oder PPP
Städtische Infrastrukturprojekte in Bukarest circa 5,7 Mrd. Euro Ausschreibungen bis 2008 Städt. Eurobondanleihe, Bankkredite und private Finanzierungen
Bahnmodernisierung bis 2018 circa 17 Mrd. Euro in Planung EU-Kofinanzierungen angestrebt
Erdölsektor, Raffineriemodernisierung, Tankstellennetzausbau 3 Mrd. Euro bis 2010 in Planung Investor: Petrom/OMV
Erweiterung des KKW in Cernavoda, Block drei und fünf bis 2011 bzw. 2015 2,2 Mrd. Euro in Vorbereitung Betreiber: Nuclearelectrica S.A.
Metro-Erweiterungsprojekt in Bukarest, Linie V 1 Mrd. Euro in Vorbereitung EIB-Kredit von 370 Mio. Euro genehmigt

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 63,3 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 51,4 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 7,3 % des BIP.[37]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 39,0 Mrd. US-Dollar oder 24,0 % des BIP.[37]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Kultur

Sibiu (Hermannstadt):Brukenthal-Palais, links das „Blaue Stadthaus“, rechts das Rathaus.
Hauptartikel: Rumänische Kultur

Rumänien teilt die traditionelle Kultur (Rumänische Kultur) mit der von Moldawien. In Rumänien füllen sich bei Literaturlesungen teilweise Stadien. Rumänische Comics werden Comedie genannt und finden auch in Deutschland zunehmend Fans. Auf der Frankfurter Buchmesse 2003 war Rumänien Gastland.

In Rumänien existieren in 18 Städten 28 professionelle Orchester:

Im Jahr 2007 war Sibiu (Hermannstadt) Kulturhauptstadt Europas.

Sport

Organisierter Fußball in Rumänien wird seit 1909 in der Divizia A (seit 2006: Liga 1) gespielt, der höchsten nationalen Spielklasse. Im gleichen Jahr ist auch der rumänische Fußballverband Federația Română de Fotbal gegründet worden. Seit der kommunistischen Ära wird der nationale Fußball von Steaua Bukarest und Dinamo Bukarest dominiert, die 23 beziehungsweise 18 Meistertitel gewonnen haben, sowie dem 14-maligen Pokalsieger Rapid Bukarest. Den bisher größten internationalen Erfolg einer rumänischen Mannschaft errang Steaua Bukarest mit dem Europapokal der Landesmeister 1986. Gegenwärtig (2009/10) steht die rumänische Liga auf Platz 8 der UEFA-Fünfjahreswertung.

Die Rumänische Fußballnationalmannschaft nahm bisher an sieben Fußball-Weltmeisterschaften und vier Fußball-Europameisterschaften teil. Die beste Platzierung war das Erreichen des Viertelfinales bei der WM 1994 und der EM 2000. Bekanntester rumänischer Spieler dieser Ära war Gheorghe Hagi, der anlässlich des UEFA-Jubiläums vom rumänischen Verband zum besten nationalen Spieler der letzten fünfzig Jahre benannt wurde.

Rumänien nimmt seit 1900 an Olympischen Spielen teil. Im ewigen Medaillenspiegel gehört es mit 86 Goldmedaillen, die alle bei Sommerspielen gewonnen wurden, zu den zwanzig erfolgreichsten Nationen. Am erfolgreichsten schnitt die rumänische Mannschaft bei den Spielen 1984 in Los Angeles ab, an denen sie als einziges Team des Ostblocks teilnahmen und zwanzigmal Gold holten. Einzige Medaille bei Winterspielen war Bronze im Zweier-Bob bei den Spielen 1968 in Grenoble.

Rumänische Turnerinnen haben große Erfolge errungen: Nadia Comăneci gewann 1976 und 1980 insgesamt fünfmal Gold, Simona Amânar 1996 und 2000 insgesamt dreimal.

Die Rumänische Rugby-Union-Nationalmannschaft ist eine der stärksten Europas außerhalb der Six Nations und hat bisher an jeder Weltmeisterschaft teilgenommen.

In den frühen 1970ern war Ilie Năstase ein erfolgreicher Tennisspieler, der zwei Grand-Slam-Titel gewann und die Weltrangliste anführte. Die rumänische Mannschaft erreichte zwischen 1969 und 1972 dreimal das Finale des Davis Cups. Seit 1993 werden in Bukarest die Romanian Open abgehalten.

Feiertage

Offizielle Feiertage in Rumänien sind[39]:

1. und 2. Januar Neujahr
1. und 2. Ostertage Ostern
1. Mai Tag der Arbeit/Maifeiertag
1. Dezember Nationalfeiertag
25. und 26. Dezember Weihnachtsfeiertage

Weitere Informationen

 Portal:Rumänien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rumänien

Literatur

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Rumänien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rumänien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Rumänien – in den Nachrichten
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Rumänien – geografische und historische Karten

Einzelnachweise

  1. a b Populația stabilă 1. Januar 2009
  2. http://www.imf.org – Wirtschaftskraft
  3. Einwohner Europas laut Eurostat
  4. Erklärendes Wörterbuch der Rumänischen Sprache, 1998; Neues Erklärendes Wörterbuch der Rumänischen Sprache, 2002
  5. a b c d e Mircea Buza, Wilfried Schreiber: Grundzüge der räumlichen Struktur Rumäniens. In: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Räzvan Ungureanu (Hrsg.): Rumänien. Wien 2008, S. 25–37.
  6. Kurt Scharr, Rudolf Gräf: Rumänien. Geschichte und Geographie, Wien, Köln Weimar 2008, S. 17.
  7. a b http://www.hgklein.de – Klima
  8. a b http://www.hgklein.de – Flora
  9. a b http://www.hgklein.de – Fauna
  10. http://www.human-wildlife.info/images/Europa%20Baer.JPG
  11. http://www.human-wildlife.info/images/Europa%20Wolf.JPG
  12. http://www.human-wildlife.info/images/Europa%20Luchs.JPG
  13. CIA: The World Factbook 2008
  14. a b Fischer Weltalmanach 2008
  15. http://www.focus-migration.de/Rumaenien.2515.0.html
  16. Eurostat
  17. Kurt Scharr, Rudolf Gräf: Rumänien. Geschichte und Geographie, Wien, Köln Weimar 2008, S. 27.
  18. a b c Volkszählung 2002 http://www.recensamant.ro/
  19. Kurt Scharr, Rudolf Gräf: Rumänien. Geschichte und Geographie, Wien, Köln Weimar 2008, S. 23.
  20. Hannelore Baier, Martin Bottesch, u.a.: Geschichte und Traditionen der deutschen Minderheit in Rumänien (Lehrbuch für die 6. und 7. Klasse der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache). Mediaș 2007, S. hier 19-36.
  21. Preşedintele României. Siehe auch: Wolfgang Benz & Brigitte Mihok (Hg): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940 – 1944 Metropol, Berlin 2009 ISBN 3-940938-34-3
  22. Kligman, G. (1998): „The Politics of Duplicity. Controlling Reproduction in Ceausescu´s Romania“. Berkeley/Los Angeles: University of California Press; Monica Lataianu: „The 1966 Law Concerning Prohibition of Abortion in Romania and its Consequences – the Fate of a Generation“; Lorena Anton: Abortion and the Making of the Socialist Mother during Communist Romania
  23. ziua.ro
  24. Strenge Auflagen für Bulgarien und Rumänien. In: Süddeutsche Zeitung, 26. September 2006
  25. IndexMundi
  26. [tt_news=52991&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=395616569f www.greenpeace-magazin.de Rumänien zieht sich aus dem Irak zurück].
  27. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?&id=60065, http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?&id=60066
  28. citypopulation.de, Rumänien, Stand Januar 2009
  29. http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2008/02/weodata/weorept.aspx?sy=2006&ey=2008&scsm=1&ssd=1&sort=country&ds=.&br=1&c=968&s=NGDPD%2CNGDPDPC%2CPPPGDP%2CPPPPC%2CLP&grp=0&a=&pr.x=47&pr.y=11
  30. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)
  31. a b c d Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Rumänien, 27. Dezember 2006
  32. Eurostat: Länderinformation Rumänien [1]
  33. TagesschauFinanzkrise in Osteuropa: EU und IWF stützen Rumänien mit 20 Milliarden Euro vom 25. März 2009
  34. „Makroökonomische Indexe, September 2007“ (auf Rumänisch)[2]
  35. Eurostat: Hotarare nr. 1507 din 12/12/2007[3]
  36. www.oeamtc.at
  37. a b c d The World Factbook
  38. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  39. Rumänisches Arbeitsgesetzbuch
45.86666666666725.3
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