Osttimor

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Repúblika Demokrátika Timór Loro Sa'e (Tetum)[1]

Repúblika Demokrátika Timór-Leste
(Tetum, Alternativname)[2]
República Democrática de Timor-Leste (port.)
Demokratische Republik Timor-Leste

Flagge Osttimors
Wappen Osttimors
Flagge Wappen
Wahlspruch: Unidade, Acção, Progresso
(port. für „Einheit, Bewegung, Fortschritt“)
Amtssprache Tetum und Portugiesisch
sowie 15 weitere „Nationalsprachen“
Hauptstadt Dili
Staatsform parlamentarische Republik
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Taur Matan Ruak
Regierungschef Premierminister Xanana Gusmão
Fläche 14.954,44 [3] km²
Einwohnerzahl 1.066.409 (Zensus 2010)[4]
1.120.392 (S 2011)[5]
Bevölkerungsdichte 71,5[4] Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2013[6]
  • 6,129 Mrd. USD (147.)
  • 25,405 Mrd. USD (119.)
  • 5.162 USD (98.)
  • 21.396 USD (48.)
Human Development Index 2013: 0,620 (128.)[7]
Währung US-Dollar (USD) (+ eigene Münzen)
Unabhängigkeit 28. November 1975 (von Portugal)
20. Mai 2002 (internationale Anerkennung)
Nationalhymne Pátria
Nationalfeiertag 28. November

(Ausrufung der Unabhängigkeit 1975)
20. Mai
(Wiederherstellung der Unabhängigkeit 2002 nach indonesischer Besetzung und UN-Verwaltung)

Zeitzone UTC+9
Kfz-Kennzeichen TL
ISO 3166 TL, TLS, 626
Internet-TLD .tl
Telefonvorwahl +670
Japan Guam Osttimor Vanuatu Indonesien Hawaii Papua-Neuguinea Salomonen Norfolkinseln Neuseeland Australien Fidschi Neukaledonien Antarktika Frankreich (Kergulen) Philippinen Volksrepublik China Singapur Malaysia Brunei Vietnam Nepal Bhutan Laos Thailand Kambodscha Myanmar Bangladesch Mongolei Nordkorea Südkorea Indien Pakistan Sri Lanka Russland Republik China Malediven Kasachstan Afghanistan Iran Oman Jemen Saudi-Arabien Vereinigte Arabische Emirate Katar Kuwait Irak Georgien Armenien Aserbaidschan Türkei Eritrea Dschibuti Somalia Äthiopien Kenien Sudan Madagskar Komoren Mayotte Réunion Mauritius Tansania Mosambik Turkmenistan Usbekistan Tadschikistan Kirgistan Japan Vereinigte Staaten (Nördliche Mariannen) Föderierte Staaten von Mikronesien Palau Japan Vereinigte Staaten (Wake) Marshallinseln KiribiatiEast Timor on the globe (Southeast Asia centered).svg
Über dieses Bild

Die Demokratische Republik Timor-Leste, im Deutschen auch als Osttimor bezeichnet, ist ein Inselstaat in Südostasien. Es war der erste Staat, der im 21. Jahrhundert unabhängig wurde. Die einzige Landgrenze trennt Osttimor vom indonesischen Westteil der Insel Timor, der zu der Provinz Ost-Nusa Tenggara (Nusa Tenggara Timur) gehört, ebenso wie die nordwestlich gelegene Insel Alor. Nördlich liegen die Inseln Wetar und Liran und nordöstlich weitere Inseln der indonesischen Provinz Maluku. Australien liegt südlich, jenseits der Timorsee. Neben dem Ostteil Timors gehören zum Staat Osttimor auch die Exklave Oecusse in Westtimor und die Inseln Atauro und Jaco.

Landesname und andere geographische Bezeichnungen[Bearbeiten]

Die PPT propagiert noch heute auf ihrer Parteiflagge die Landesbezeichnung Timor-Dili

Der international offizielle, portugiesische Landesname Timor-Leste bedeutet wörtlich ‚Timor-Ost‘. In der Amtssprache Tetum heißt das Land Timór Loro Sa’e,[1] was übersetzt ebenfalls ‚Osttimor‘ bedeutet (wörtlich ‚Timor der aufgehenden Sonne‘, wobei die aufgehende Sonne in dieser Sprache für die Himmelsrichtung Osten steht). Neuerdings findet man auch offizielle Dokumente, in denen der Landesname auf Tetum Timór-Leste lautet.[2] Berücksichtigt man, dass auch das indonesische Wort timur ‚Osten‘ bedeutet und sich der Name der Insel Timor davon herleitet, ergäbe sich die wörtliche Bedeutung ‚Osten vom Osten‘ beziehungsweise ‚Osten der Ostinsel‘. Auch der während der indonesischen Besatzungszeit verwendete Provinzname Timor Timur bedeutet damit ‚Osttimor‘.

Übliche geographische Bezeichnungen[8][9]
Deutsche Bedeutung Lokale Bezeichnungen
Berg FohoT, GunungI, MonteP
Spitze PicoP
Insel IlhaP, PulauI
Land Rain, RaiT
Meer TasiT
Fluss MotaT, Rio (R.)P, SungaiI
Flüsschen Ribeira (Rib.)P
Stadt KotaI, PrasaT/P, SidadiT/P, VilaP
Dorf KampungI
Herkunft IBahasa Indonesia, PPortugiesisch, TTetum
Häufige Namensteile geographischer Namen
Namensteil Bedeutung
AiT Baum, Wald, Feuerholz
FatuT Berg, Fels
FounT neu
Kraik, CraicT, BaixoP Unter-, Nieder-
LetenT, CimaP Ober-
Lulik, LulicT heilig

Osttimoresische Stellen legen Wert darauf, dass der Landesname nicht in fremde Sprachen übersetzt wird, hauptsächlich in dem Bestreben, zu vermeiden, dass auf Indonesisch die mit negativen, historischen Konnotationen verbundene Bezeichnung Timor Timur (kurz: TimTim) verwendet wird. Seit der Unabhängigkeit wird der offizielle Landesname im internationalen Sprachgebrauch (wie er beispielsweise von Organisationen wie UNO, ILO, EU gepflegt wird) daher in praktisch allen gängigen Arbeitssprachen unübersetzt in der portugiesischen Form Timor-Leste übernommen. Ebenso wird es mittlerweile auch im amtlichen Sprachgebrauch der deutschsprachigen Länder (zumindest im zwischenstaatlichen Schriftverkehr) gehandhabt.

Die Bezeichnung der Einwohner und das vom Landesnamen abgeleitete Adjektiv werden nicht einheitlich gebraucht. Einwohner werden als Timorese/Timoresin oder weniger häufig als Timorer/Timorerin bezeichnet, wobei die weiblichen Formen auch in großen Korpora kaum auftauchen.[10] Das Adjektiv timoresisch ist aber deutlich häufiger als das konkurrierende timorisch. Auch in der Fachliteratur findet man zumeist die vom Portugiesischen abgeleiteten Formen Timorese/Timoresin und timoresisch, ebenso auf Webseiten von Interessengemeinschaften, die sich im deutschen Sprachraum mit dem Land beschäftigen.[11][12] Seit den 1970ern wird teilweise auch die Bevölkerung ethnisch als Maubere bezeichnet. Dieser Name war zuvor eine Bezeichnung für die Ethnie der Mambai, in der Kolonialzeit dann ein abwertendes Wort für die Landbevölkerung, bis sie in der nationalen Bewegung zur Sammelbezeichnung der Osttimoresen wurde. Auch heute wird er immer wieder im Land verwendet, selten aber im offiziellen Sprachgebrauch (so nur einmal in der Verfassung)[13] oder im internationalen Sprachverkehr. Der negative Unterton ist inzwischen verschwunden.

Während die deutschen amtlichen Stellen früher (Liste der Staatennamen 2002) Osttimorer(in) bzw. osttimorisch empfahlen, veröffentlichen das Auswärtige Amt und der Ständige Ausschuss für geographische Namen seit der Umstellung des offiziellen Sprachgebrauchs von Osttimor auf Timor-Leste keine Vorgaben mehr dafür.[14] Das österreichische Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten empfiehlt timorisch als Adjektiv.[15]

Bereits zur ersten Ausrufung der Unabhängigkeit 1975 gab es Stimmen, die das Land nach seiner Hauptstadt lieber „Timor-Dili“ benennen wollten. Dieser Vorschlag setzte sich aber nicht durch.

Die Namen von lokalen Orten, Bergen und Gewässern leiten sich von den regionalen Sprachen ab. Sie bezeichnen meist Naturbegebenheiten, auch aus Fauna und Flora. Nur wenige geben kulturelle Bezeichnungen wieder, wie „Fatululic“ für „Heiliger Berg“. Oft ist die Herkunft und die Bedeutung eines Ortsnamen nicht leicht festzustellen. Im Westteil des Landes findet sich zum Beispiel häufig die Vorsilbe Mau in Ortsnamen, wie Maubisse oder Maubara. Nach der Ethnologin Antoinette Schapper ist diese Vorsilbe geradezu typisch für die Siedlungsgebiete der Mambai, Kemak und Tokodede, die alle austronesischer Sprachen sprechen.[16] Eine Übersetzung vom ebenfalls austronesischen Tetum-Wort Maun für „Älterer Bruder“ würde dem Ortsnamen Maumeta die Bedeutung „Schwarzer Bruder“ geben. Ungewöhnlich, da die Bevölkerung allgemein relativ dunkelhäutig ist. Allerdings waren viele der Regionen früher von Papuavölkern bewohnt, so dass der Linguist Geoffrey Hull auch eine Ableitung von Mug (Bunak) oder Mu′a (Makasae und Fataluku) für möglich hält, was „Land“ bedeutet. Aus „Maumeta“ würde so „Schwarze Erde“.[17] Schapper sieht hingegen Mau sogar als Zeichen einer austronesischen Erstbesiedlung, womit sie Hull widerspricht. Tatsächlich kommt im Kernland der Bunak, der nächstgelegenen Ethnie mit Papuasprache ein Ortsname mit der Vorsilbe Mau nicht vor.[16] Ortsnamen portugiesischen Ursprungs finden sich kaum, und wen, dann im Distrikt der Hauptstadt Dili. Zwar führte man den 1930er Jahren für verschiedene Ortschaften in der ganzen Kolonie Portugiesisch-Timor portugiesische Ortsnamen ein, doch setzten sich diese nie durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zu den alten Bezeichnungen zurück. Noch seltener sind Ortsnamen, die indonesischen Ursprungs sind, wie zum Beispiel Delta, ein Stadtteil Dilis. Indonesische Synonyme für portugiesische Bezeichnungen verschwanden mit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Osttimors wieder. Malaiisch war bis in das 19. Jahrhundert auf Timor eine wichtige Verkehrssprache, so dass sich auch aus diesem Ursprung Ortsnamen in Osttimor finden lassen.[17]

Unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dasselbe geographische Objekt sind nicht ungewöhnlich. So wurden Flüsse traditionell nach dem Gebiet bezeichnet, das sie gerade durchfließen, so dass sich der Flussname alle paar Kilometer änderte. Zudem gibt es für alle geographischen Objekte oft verschiedene Schreibweisen. Meistens leitet sich die am häufigsten genutzte Form vom Portugiesischen ab, doch während der indonesischen Besatzungszeit wurden diese Bezeichnungen oft dem Bahasa Indonesia angepasst, was auch der Lautschrift im Tetum entspricht. So wurde qu gegen k getauscht, so dass zum Beispiel die Stadt Viqueque zu Vikeke wurde. Da heute sowohl Portugiesisch als auch Tetum Amtssprachen sind, sind beide Formen im alltäglichen Gebrauch. International wird aber in erster Linie die portugiesische Form verwendet. Englische Bezeichnungen, wie Mount, Peak oder River finden auf Karten und in anderen Quellen immer häufiger Verwendung.[18]

Die Regierung Osttimors führte im ministeriellen Dokument 6/2003 vom 29. Juli 2003 erstmals eine Schreibweise für alle Verwaltungseinheiten bis hinunter zu den Sucos auf.[19] Am 15. September 2009 wurde im Ministeriellen Dokument 199/2009 die Liste um die Aldeias erweitert. Außerdem änderten sich einige Schreibweisen und Namen von Subdistrikten und Sucos, doch auch jetzt noch folgen die Schreibweisen nicht einheitlichen Regeln, so heißen zwei benachbarte Subdistrikte im Distrikt Viqueque Uato-Lari und Uatucarbau.[20]

Geographie[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Dorf in den Bergen von Aileu

Das Staatsgebiet Osttimors umfasst nicht nur die östliche Hälfte Timors, sondern auch die Exklave Oecusse, die an der Nordküste des indonesischen Teils der Insel gelegen ist, sowie die beiden kleinen Inseln Atauro, nördlich von der Hauptstadt Dili, und Jaco an der Ostspitze. Mit einer Gesamtfläche von 14.954,44 km²[3] hat Osttimor in etwa die Größe von Schleswig-Holstein. Die Hauptlandmasse ist 260 km lang und bis zu 80 km breit.[21] Mit der Exklave und den zugehörigen Inseln beträgt die maximale Ost–West–Ausdehnung 364 km, die maximale Nord-Süd-Ausdehnung 149 km.[5] Osttimors Küstenlinie hat eine Länge von 783 km.[22] Sie ist umgeben von Korallenbänken. Die Landgrenze zu Indonesien ist insgesamt 228 km lang. Der Grenzverlauf war seit 2006 zu 97 % festgelegt. Mit Indonesien umstritten waren zunächst die Zugehörigkeit der kleinen unbewohnten Insel Fatu Sinai (Pulau Batek), 37 Hektar zwischen Memo (Suco Tapo/Memo) und dem indonesischen Dilumi (Regierungsbezirk Belu) und Gebiete um die Exklave Oecusse (Área Cruz in Passabe, Cirana-Dreieck bei Nitibe) sowie die genauen Modalitäten eines Korridors von Oecusse zum Hauptstaatsgebiet. Seit 2010 gibt es einen Sonderpass für den Verkehr im grenznahen Gebiet. Seit Ende 2009 kam es aber in Naktuka immer wieder zu Übergriffen durch indonesische Soldaten auf die dortige Bevölkerung.[23][24] 2013 konnte der Streit um das Gebiet bei Memo beigelegt werden. Die Ansprüche auf die Insel Fatu Sinai hatte Osttimor zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben. Als Streitpunkte verbleiben die beiden Gebiete an der Grenze der Exklave Oecusse.[25]

Die Insel Timor gehört zum östlichen Teil des malaiischen Archipels und zählt zu den Kleinen Sundainseln. Im Nordwesten der bergigen Insel liegt die Sawusee, nördlich die Bandasee, und südlich dehnt sich die Timorsee 500 km bis nach Australien aus. Die Timoresen nennen die raue Timorsee Tasi Mane, das Männermeer, während die ruhige Bandasee als Tasi Feto, das Frauenmeer, bezeichnet wird.[26] Bereits fünf Kilometer von der Nordküste entfernt fällt der Meeresgrund auf eine Tiefe von 1000 m ab. Während des Kalten Krieges konnten daher amerikanische Atom-U-Boote unentdeckt die Straßen von Ombai und Wetar passieren. In der Timorsee erstreckt sich südlich der Insel der schmale Timorgraben mit einer Tiefe von bis zu 3.300 m.

Erdbeben der letzten Jahre in der Region Osttimor

Timor liegt auf dem äußeren Rand des sogenannten Bandabogens, der Teil eines Ausläufers des pazifischen Feuerrings ist und eine Inselkette um die Bandasee bildet. In einer ozeanischen Subduktionszone schiebt sich hier die Nordwestecke der Australischen Platte unter die Eurasische Platte. Dies führt unter anderem zu einem Wachstum der Bergkette auf Timor, die als zentrales Bergland nahezu die gesamte Insel von Südwesten nach Nordosten durchzieht. In Osttimor heben sich einige Gebiete zwischen 1 und 1,6 mm pro Jahr.[27] 32,1 % der Landesfläche liegt auf einer Meereshöhe zwischen 500 und 1500 m, 2,6 % über 1500 m.[28] Geologisch gesehen ist Osttimor noch sehr jung, da es erst in den letzten etwa vier Millionen Jahren aus dem Meer gehoben wurde.[27] Durch die geologischen Aktivitäten besteht eine ständige Gefahr durch Erdbeben und Tsunamis. Das letzte stärkere Beben in der Region am 6. August 2014 hatte sein Epizentrum 300 km von Dili entfernt und eine Stärke von 6,3M. Es kam aber zu keinen Schäden.[29] Der Nordosten der Enklave Oecusse bildet die jüngste und wildeste Oberflächenstruktur der gesamten Insel. Er ist vulkanischen Ursprungs und erreicht mit dem Sapu (Fatu Nipane) eine Höhe von 1259 m.[30] Der höchste Punkt Oecusses ist der Bisae Súnan mit 1560 m an der Südwestgrenze des Subdistrikts Passabe.[31] Auch die Insel Atauro entstand durch Vulkanismus. Ihr höchster Punkt ist der Mano Côco mit 999 m. Aktive Vulkane gibt es nach modernen Quellen im Staatsgebiet Osttimors nicht mehr. Jedoch gibt es in Oesilo (Distrikt Oecusse) Schlammvulkane. Auch berichtete Arthur Wichmann Ende des 19. Jahrhunderts von einem Schlammvulkan bei Bibiluto, drei Kilometer vom Meer entfernt. Dieser soll zwischen 1856 und 1879 mehrfach ausgebrochen sein. Dabei schleuderte er „Wasser und bituminöse Stoffe unter Feuererscheinungen aus“. Ein zweiter Vulkan soll sich nach Wichmann in Laclubar befinden, bei dem aber von keinen Ausbrüche berichtet wird.[32] Vulkanische Gase entweichen am sogenannten Bubble Beach (Suco Lauhata) aus dem Meeresboden. An verschiedenen Orten Osttimors finden sich heiße Quellen. Die höchsten Erhebungen Osttimors sind der Tatamailau (2963 m), der Ablai (2320 m) und der Matebian (2316 m).

Schlammvulkan in Oesilo

Im Norden fällt das Gebirge teilweise steil ins Meer ab. Charakteristische Küstenterrassen und einige markante Plateaus mit 400 bis 700 m Höhe, wie jene von Baucau, prägen das Bild. Terrassen und Plateaus entstanden aus Korallen. Das bergige Landesinnere ist von Tälern zerschnitten. Schwemmland findet sich zwischen Lautém und Baucau. Größere Flächen sind die Ebenen von Batugade, Metinaro, Dili, Manatuto, Com und am Lóisfluss. An der Südküste liegen weite Küstenebenen. Sie erstrecken sich von der Landesgrenze bis Viqueque und dann schmaler bis Lore. Die größten sind die Ebene von Alas mit dem südlichen Laclófluss, die Kicras-Ebene mit dem Sáhenfluss (Sahe), die Ebene von Luca mit dem Fluss Dilor und die Ebene von Bibiluto. An der Grenze zu Westtimor liegt das Flachplateau von Maliana, das früher eine Bucht war.[9]

Die auffälligste Hochebene Osttimors ist das Fuiloro-Plateau im Distrikt Lautém. Richtung Süden fällt es, aufgrund seiner großen Fläche unmerklich, von einer Höhe von 700 m auf 500 m ab. Ursprünglich war das Plateau die Lagune eines urzeitlichen Atolls. Drei weitere Hochebenen umgeben das Plateau von Fuiloro: die Plateaus von Nári im Norden, Lospalos im Westen und Rere im Süden.

Die am häufigsten vorkommende Bodenform ist ein weicher Tonboden, der nach einer timoresischen Region als Bobonaro-Komplex bezeichnet wird. Dieser Lehm ist überschichtet mit einem wilden Durcheinander aus Kalkstein, Kalkmergel, einer Mischung aus vulkanischem Material und Felsen, die vom Meeresboden durch die seismischen Kräfte an die Oberfläche gehoben wurden. Geologen nennen Timor daher auch ein „tektonisches Chaos“.[33]

Städte mit über 10.000 Einwohnern sind (Stand 2010) Dili (193.563 Einwohner), Baucau (20.362), Maliana (15.800), Lospalos (12.743) und Same (11.258).

Binnengewässer[Bearbeiten]

Die Salzseen von Tasitolu bei Dili
Der Seiçal führt auch in der Trockenzeit Wasser.

Fast alle Flüsse Osttimors entspringen im zentralen Bergland und fließen, bedingt durch das steile Gefälle, in Richtung Norden oder Süden ab. Die Fließgewässer bilden im zentralen Inselgebiet ein dichtes hydrografisches Netz. Diese bestehen, wie bei vielen kleinen Inseln mit starken Erhebungen, fast nur aus Bächen, welche eher kurz, gewunden und rasch fließend sind. Jedoch liegen diese Bachläufe die meiste Zeit des Jahres trocken.

Intensive Niederschläge während der Regenzeit führen zur Entstehung von Sturzbächen und dadurch zu starker Erosion des Erdreiches. Mit dem Ende des Regens fällt der Pegel der Bäche jedoch wieder, sodass sie bequem durchwatet werden können. Mit der Rückkehr der trockenen Winde, die von Australien her kommen, verbleiben nur dünne Rinnsale in breiten Flussbetten voller Müll und Geröll, die sich jedes Jahr verbreitern. Die alljährlichen Überflutungen, welche einige Monate andauern können, behindern auch den Warenverkehr zwischen den fruchtbaren Ebenen im Süden und dem restlichen Land. Es gibt Bestrebungen, mit Hilfe von Anpflanzungen die Erosion der Ufer einzuschränken und somit das Zerstörungspotential der Bäche zu verringern. Keiner der Flüsse Osttimors ist schiffbar. Ganzjährig wasserführende Flüsse gibt es genau genommen nur im Süden Osttimors. Der Grund dafür liegt in der im Vergleich zum Norden längeren Regenperiode. Flüsse, die auch im Norden ganzjährig Wasser führen, werden aus dem Süden gespeist. Dies ist der Fall beim nördlichen Lacló, der das größte hydrografische Becken Osttimors bildet, dem Seiçal im Distrikt Baucau und dem Lóis, dem mit 80 km längsten Fluss Osttimors, der bei Maubara mündet. Nach Süden fließend führen Irebere (Irabere), Bebui, Dilor, Tafara, Belulik (Bé-lulic), Caraulun (Carau-úlun, Karau Ulun), Südlicher Lacló und Clerec das ganze Jahr Wasser. Der Hauptfluss der Exklave Oecusse, der Tono (Nuno-eno), mündet westlich von Pante Macassar ins Meer.[9]

In einigen permanenten Flüssen entlang der südlichen Küste sammelt sich durch die starken Gezeiten Sand an den Flussmündungen, was den Abfluss immer mehr blockiert und zur Bildung von Marschland führt. Meeresfische, die ihre Brutstätten flussaufwärts haben, und Krokodile leben hier weiter, bis sie von den Einheimischen im Laufe eines Rituals durch einen gegrabenen Ausgang getrieben werden. Fische, Garnelen, Schlangen und kleine Krokodile werden dabei mit der Hand gefangen. An den Küsten bilden sich nach den schweren Regengüssen leicht Sümpfe.

Der größte See Osttimors ist die Lagoa Ira Lalaro (auch Suro-bec) im Distrikt Lautém. Er hat eine Länge von 6,5 km und eine Breite von 3 km. Zu den weiteren Binnengewässern zählen der Maubarasee und die Tasitoluseen. Einen besonderen Reiz der bergigen Landschaft bilden die vielen Wasserfälle, am bekanntesten ist der Wasserfall von Bandeira nahe Atsabe.

Die Gewässer Osttimors sind noch wenig erforscht. Teilweise gibt es Kontroversen über ihre Namensgebung, da den Gewässern in den verschiedenen Regionen, die sie durchfließen, unterschiedliche Namen gegeben wurden.[9]

Klima[Bearbeiten]

Durchschnittliche Klimadaten Dili[5]
Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Temperatur [°C] 28,8 28,9 29,4 29,3 29,5 29,5 28,9
Niederschlagsmenge
[mm]
945 481 769 1024 526 1716,4 911,8
Wolken in den Bergen von Maubisse
Klimadiagramm Dili

Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen heiß und schwül und von einer ausgeprägten Regen- und Trockenzeit charakterisiert. Während des Ostmonsuns zwischen Mai und November herrscht oft anhaltende Dürre, die Nordküste erreicht dann praktisch kein Regen und die braune Landschaft ist ausgedörrt. In diesen Dürreperioden kommt die Landwirtschaft zum Erliegen. Die kühleren Gebirgsregionen im Zentrum der Insel und die Südküste bekommen in der Trockenzeit gelegentlich Regen, daher bleibt hier die Landschaft grün. Die Regenzeit dauert von Ende November bis April. In dieser Zeit werden die Felder wieder bewirtschaftet. Mit dem Regen kommen oft Überschwemmungen, die trockenen Flussbetten können sich in kürzester Zeit füllen und zu großen Strömen heranschwellen, die Erde und Geröll mit sich reißen und Straßen unterbrechen. An das Ende der Regenperiode schließt sich die Erntezeit an. Die Hauptstadt Dili besitzt einen durchschnittlichen Jahresniederschlag von 840 mm; der Regen fällt zum größten Teil von Dezember bis März. Dagegen erhält die Stadt Manatuto, östlich von Dili gelegen, durchschnittlich nur 565 mm Jahresniederschlag. Die Südküste Osttimors ist mit 1500 bis 2000 mm Jahresniederschlag regenreicher; der meiste Regen fällt an der mittleren Südküste und an den südlichen Bergen. Allerdings schaffen die Berge oft ein besonderes lokales Mikroklima, wodurch zum Beispiel der Ort Lolotoe im Distrikt Bobonaro die höchste jährliche Niederschlagsmenge in Osttimor mit 2837 mm aufweist. Auch gibt es im Laufe der Jahre sehr starke Unterschiede bei der Niederschlagsmenge (siehe Tabelle für Dili).[5]

Die Temperatur in der Trockenzeit beträgt um die 30 bis 35 °C im Flachland (nachts 20 °C). Teile der Nordküste erreichen am Ende der Trockenzeit Temperaturen bis über 35 °C, allerdings bei geringer Luftfeuchtigkeit und fast keinen Niederschlägen. In den Bergen ist es tagsüber ebenfalls warm bis heiß, nachts kann die Temperatur aber auf unter 15 °C absinken, in höheren Lagen deutlich tiefer.[5] Auf 500 m Höhe liegt der jährliche Temperaturdurchschnitt bei 24 °C, auf 1000 m bei 21 °C, 1500 m bei 18 °C und auf 2000 m bei 14 °C.[35] Der Wind weht in Dili im Monatsdurchschnitt am schwächsten im Mai mit 7 km/h und am stärksten im August mit 12 km/h.[5]

Der Klimawandel hat auch auf Osttimor Auswirkungen. Bis 2050 erwartet man einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen um 1,5 °C und eine Zunahme der Niederschläge um 10 %.[36]


Fauna und Flora[Bearbeiten]

Leistenkrokodil in Aileu
Clownfische in einer Prachtanemone im Meer vor Tasitolu
Hauptartikel: Fauna Timors und Flora Timors

Die Insel Timor gehört zu Wallacea, einem Gebiet der biogeographischen Übergangszone zwischen der asiatischen und der australischen Flora und Fauna. Allerdings gibt es nur wenige australische Arten, wie den Grauen Kuskus. Die wenigen Säugetier-Arten auf Osttimor, wie der Mähnenhirsch, Arten der Taxa Flughunde, Spitzmäuse und Affen, sowie Vögel und Insekten ähneln gewöhnlichen malaiischen Phänotypen. 23 Vogelarten kommen jedoch nur in der Timor and Wetar Endemic Bird Area vor, was Osttimor gerade für Ornithologen interessant macht. Zu den insgesamt etwa 240 Vogelarten gehören unter anderem zahlreiche Arten von Papageien, sowie Amadinen, Kakadus und die Wetar-Taube.

Osttimor kann nur mit wenigen Froscharten aus der Klasse der Amphibien aufwarten, die meist auch nicht endemisch, also nur auf Timor beschränkt sind. Immerhin wurden bei einer Feldstudie zwischen 2004 und 2009 mehrere bis dato nicht beschriebene Arten gefunden.[37] Auch Reptilien bereichern die Tierwelt Timors, so etwa der nach der Insel benannte Timor-Waran (Varanus timorensis), der Timor-Wasserpython (Liasis mackloti) und die im Meer lebende Timor-Riffschlange (Aipysurus fuscus). Endemisch ist die an der Ostspitze der Insel lebende und erst 2007 entdeckte Timorschildkröte, die teils als Unterart der McCords Schlangenhalsschildkröte (Chelodina mccordi), teils als eigene Art Chelodina timorensis angesehen wird.[38]

Eine besondere kulturelle Bedeutung hat das in Meer und Flüssen lebende Leistenkrokodil, das Großvater Krokodil genannt wird. Die Insel Timor soll der Sage nach aus einem Krokodil entstanden sein. CrocBITE, die Datenbank für Krokodilangriffe der Charles Darwin University, registrierte seit 2007 (Stand: Januar 2014) 32 tödliche und sieben weitere Attacken in Osttimor.[39] Auch Haustiere werden immer öfter gerissen, weswegen 2010 eine Crocodile Task Force aus zehn Männern aufgebaut wurde. Unterstützung erhielt Osttimor dabei vom australischen Northern Territory, wo man lange Erfahrung im Umgang mit Leistenkrokodilen hat.[40] Gefangene Krokodile sollen in einem Park in Suai unterkommen.[41]

Die einzigen reinen Süßwasserfische in den Flüssen Timors sind der nur vier Zentimeter lange endemische Oryzias timorensis aus der Familie der Reisfische (Adrianichthyidae) und Craterocephalus laisapi[42] aus der Gattung der Hartköpfchen, der im osttimoresischen Fluss Irasiquero endemisch ist. Daneben gibt es noch etwa 40 weitere Arten, die aber eher im Brackwasser der Flussmündungen und Mangroven leben, unter anderem aus den Familien der Kreuzwelse (Ariidae), der Grundeln (Gobiidae), der Schützenfische (Toxotidae) und Kuhlia mugil aus der Familie der Flaggenschwänze (Kuhlia). Der Karpfen, der Raubwels Clarias gariepinus und die Zahnkärpflinge Guppy, Moskitofisch und Aplocheilus panchax wurden vom Menschen eingeführt.[43] An der Küste der Ostspitze Timors entdeckte man 2013 den endemischen Eviota santanai.[44] Die Gewässer um Timor gehören zum so genannten Korallendreieck, einer Region mit der größten Biodiversität an Korallen und Rifffischen in der Welt.

Die Vegetation Osttimors besteht hauptsächlich aus Sekundärwald, Savannen und Grasland. Es gibt zumeist Arten aus der Familie Kasuarinengewächse, der Gattung Eukalyptus, der Gattung Cendana, Sappanholz, Sandelholz, und Lontarholz. Die Gesamtfläche des Waldes nahm zwischen 1990 und 2000 um 0,6 % ab. Die Fläche des ursprünglichen Primärwaldes Osttimors ist auf 220.000 ha, oder ein Prozent des Territoriums, zusammengeschrumpft. Dichten Wald findet man nur noch im Süden des Landes und in den Bergregionen. Mangrovenwälder bedecken nur etwa 7.500 ha Osttimors, da im Gegensatz zu anderen Inseln des Archipels nur wenige Ausbuchtungen in der Küstenlinie vorhanden sind. Diese kommen hauptsächlich an der Nordküste vor, an der das Meer ruhiger ist. Beispielsweise findet man Mangrovenwälder bei Metinaro, Tibar und Maubara. An der Südküste breiten sich die Mangroven nicht viel weiter als über die Flussmündungen und sumpfigen Gelände hinaus aus.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen und Volksgruppen[Bearbeiten]

Größte Sprachgruppe in den jeweiligen Sucos Osttimors nach den Ergebnissen der Volkszählung vom Okt. 2010. Daneben die beiden Sprachinseln der Lolein (L) und Makuva (M).[45]
Hauptartikel: Sprachen Osttimors

Timor wurde von mindestens drei Einwanderungswellen (Veddo-Austronesen, Melanesier und Malaien) besiedelt, deren Nachkommen die verschiedenen einheimischen Völker der Insel stellen.

Es gibt auf Osttimor etwa 15 Ethnien, davon 12 größere Stammesverbände. Sie sprechen meist austronesische (malayo-polynesische) Sprachen und Papua-Sprachen. Amtssprachen sind Portugiesisch und Tetum, die als Lingua Franca am weitesten verbreitete einheimische Sprache. Die 15 anderen Sprachen der einheimischen Ethnien sind als Nationalsprachen anerkannt, die nach der Verfassung „wertgeschätzt und gefördert“ werden sollen:[13] Dies sind Atauru, Baikeno, Bekais, Bunak, Fataluku, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Kemak, Makuva, Makalero, Makasae, Mambai und Tokodede. Englisch und Bahasa Indonesia sind als Arbeitssprachen aufgeführt.

Mann in traditioneller Kleidung und der Kaibauk-Krone in Ermera
Mambai-Familie in der Nähe von Maubisse
Kinder in Dili
Die kulturellen Regionen Osttimors: Loro Munu (rosa) und Loro Sae (rot).

Tetum war bereits vor der portugiesischen Kolonialzeit die Lingua Franca des östlichen Timors. Nach der Annektierung Osttimors durch Indonesien wurde die portugiesische Sprache verboten. Die Katholische Kirche hielt ihre Messen jedoch nicht auf Bahasa Indonesia, sondern ab dem 7. April 1981 auf Tetum und trug so zur Herausbildung der Sprache und Identitätsstiftung bei. 56,1 % der Bevölkerung können Tetum sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 2 % nur lesen und 30 % nur sprechen.[46]

Während Tetum weit verbreitet ist, sprechen, lesen und schreiben nur 25,2 % der Bevölkerung Portugiesisch. Weitere 2 % können es sprechen und lesen, 21 % nur lesen und 4 % nur sprechen. Auch viele Lehrkräfte sprechen kein oder nur sehr schlecht Portugiesisch. Aufgrund dieser Probleme wird die ersten drei Jahre der Unterricht auf Tetum gehalten und erst danach Portugiesisch schrittweise eingeführt.[46]

Die malayo-polynesischen Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors. Weitere malayo-polynesische Ethnien sind die Mambai (131.000), die Kemak (62.000), die Tokodede (39.000) und die Galoli (13.000). Die Baikeno in Oecusse (62.000) sprechen eine malayo-polynesische Sprache, stammen aber von der veddo-austronesischen Einwanderungswelle ab. Melanesischer Herkunft sind die Sprecher der Papuasprachen: Die Makasae (107.000), die Bunak (56.000) und die Fataluku (38.000).[47]

Dazu kommen noch Einwanderer aus der jüngeren Geschichte, wie etwa Chinesen (hauptsächlich Hakka-Händler), Araber und Portugiesen. Mit der Einrichtung der Dampfschifffahrtslinie um die Jahrhundertwende zwischen Macao und Dili, nahm die Zuwanderung von Chinesen nach Portugiesisch-Timor zu. Unter den Einwanderern waren auch viele zu finden, die als Gegner der chinesischen Mandschu-Kaiser aus China flohen. 1912 war die chinesische Gemeinde bereits gut organisiert. Es gab ein Vereinsgebäude, eine eigene Schule und einen buddhistischen Tempel. Die chinesische Bevölkerung sprach ursprünglich Hakka, Hochchinesisch und Kantonesisch. Vor der indonesischen Invasion 1975 gab es in Osttimor eine große und lebendige Hakkagemeinde. Während der Invasion kamen aber viele Hakka um oder flohen nach Australien. Heute leben die meisten timoresischen Hakka in Darwin und anderen australischen Städten, wie Brisbane, Sydney und Melbourne. In Osttimor nennen noch etwa 700 Menschen Chinesisch als ihre Muttersprache. Arabischer Herkunft ist zum Beispiel der ehemalige Premierminister Marí Alkatiri. Seine Vorfahren kamen am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem heutigen Jemen nach Timor.

Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist gemischter portugiesisch-timoresischer Herkunft. Auf Portugiesisch wird diese Bevölkerung Mestiços (deutsch: Mestizen) genannt. Zu ihnen gehören zum Beispiel Premierminister Xanana Gusmão und der ehemalige Staatspräsident José Ramos-Horta. Zudem gibt es noch eine kleine Gruppe reiner Portugiesen. Etwa 700 Osttimoresen bezeichnen Portugiesisch als ihre Muttersprache. Auch einige Einwanderer aus Indonesien sind nach der Unabhängigkeit Osttimors im Land geblieben. Bahasa Indonesia hat allerdings als Verkehrssprache an Bedeutung verloren, während Englisch durch die ausländischen UN-Soldaten gewonnen hat. 36 % der Bevölkerung können Bahasa Indonesia sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 11 % nur lesen und 7 % nur sprechen. 11,5 % der Bevölkerung können Englisch sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 16 % nur lesen und 2,5 % nur sprechen.[46] Als Muttersprache sprechen etwa 2400 Einwohner Bahasa Indonesia und etwa 800 nennen Englisch als ihre Muttersprache. An der Nationaluniversität in Dili werden aber weiterhin viele Studiengänge auf Bahasa Indonesia gehalten.

Die Besatzungszeit hat ein starkes osttimoresisches Nationalgefühl entstehen lassen, doch haben die Unruhen von 2006 wieder eine ethnische Spaltung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht, die schon vor der Kolonialzeit bestand. Diese Teilung des Landes in einen Ost- und einen Westteil hat einen deutlichen Einfluss auf das alltägliche Leben in Osttimor. Die westliche Bevölkerung aus Loro Munu wird Kaladi, die östliche aus Loro Sae wird Firaku genannt. Der Osten besteht aus den Distrikten Lautém, Baucau, Viqueque und Manatuto. Loro Munu besteht aus den Distrikten Dili, Aileu, Ainaro, Manufahi, Ermera, Bobonaro, Cova Lima, Liquiçá und Oecusse.

Die Firaku sehen sich als diejenigen, die durch ihren langen Widerstand die indonesische Besatzungsmacht besiegt haben. Zu den Firaku gehören wichtige osttimoresische Persönlichkeiten aus dem Militär und der Premierminister Xanana Gusmão. Dem Westen werfen die Firaku vor, mit den Indonesiern sympathisiert zu haben. Viele der Polizisten, die die Indonesier rekrutiert haben, waren Kaladi. Die UN und das unabhängige Osttimor haben die meisten dieser Polizisten in ihren Dienst übernommen. Der schwelende Konflikt zwischen Polizei und Militär resultiert daraus. Dili ist, als Schmelztiegel der verschiedenen Ethnien und Gruppen des Landes, Schauplatz von regelmäßigen Straßenkämpfen zwischen Banden aus dem Osten und dem Westen. Auch politisch ist eine Trennung zu erkennen. Während die östlichen Distrikte die Hochburgen der alten Unabhängigkeitspartei FRETILIN sind, haben im Westteil Parteien die Mehrheit, die erst nach dem Unabhängigkeitsreferendum gegründet wurden.

Trotzdem gibt es auch zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Distrikten. Die engen Vernetzungen der einzelnen Stämme und Ethnien durch Heirat haben eine lange Tradition, die schon vor der Kolonisation die Insel und ihre grobe Teilung in eine West-, einen zentralen und eine Ostregion verband. Die Stämme am Westrand des Einflussgebietes von Wehale hatten gleichzeitig Bündnisse mit dem westlichen Timor und Oecusse, die Stämme im Osten mit dem östlichen Timor und seinen Zentren Atsabe und Lospalos. Auf diese Weise bildete die Insel aus Sicht vieler Timoresen trotz der verschiedenen Einflusssphären eine Einheit, die erst durch die koloniale Spaltung durch Niederländer und Portugiesen zerstört wurde. Doch auch von Fehden und Kriegen wird berichtet. Die alten Beziehungen und familiären Strukturen haben noch heute einen erheblichen Einfluss auf die Politik des Landes.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Osttimor hatte Anfang 2006 knapp 950.000 Einwohner, die Volkszählung von 2010 brachte ein Ergebnis von 1.066.409 Einwohnern. 10.983 davon haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Dazu gehören 5.501 Indonesier, 1.139 Bürger der Volksrepublik China, 726 Philippiner, 517 Australier und 318 Portugiesen.[5] Seit der letzten Zählung von 2004 nahm die Bevölkerung um 143.000 oder 15 Prozent zu.[4] Für 2011 gab das Nationale Amt für Statistik (Direcção Nacional de Estatística DNE) eine Einwohnerzahl von geschätzten 1.120.392 an.[5] Die Bevölkerungsentwicklung im 20. Jahrhundert weist vor allem kriegsbedingt auffällige Schwankungen auf. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 450.000 Menschen in der damaligen portugiesischen Kolonie. Im Krieg verloren 40.000 bis 70.000 Timoresen ihr Leben.

Bei der letzten portugiesischen Volkszählung 1970 zählte man 609.477 Einwohner. Durch die indonesische Invasion 1975, den Guerillakrieg und Repressalien durch die Besatzungsmacht starben zwischen 1974 und 1999 183.000 Menschen. Viele flohen auch aus dem Land, besonders direkt nach der Invasion und in den 1990ern mit Höhepunkt bei den Vertreibungen von 1999, die schließlich zum Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft führten. Damals waren drei Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Etwa 280.000 Osttimoresen wurden von Indonesien nach Westtimor zwangsdeportiert oder hatten dort Zuflucht gesucht.[48]

Das jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 2,7 % (2017,[5] 2004: 3,2 %[22]) und ist damit die höchste aller Länder in der Region. Die Fruchtbarkeitsrate sank in den letzten Jahren von 6,9 (2004)[22] auf 5,7 (2011).[5] Dabei betrug sie in der Stadt durchschnittlich 4,9, auf dem Land 5,9.[5] Der Anteil der Bevölkerung mit einem Alter unter 15 Jahren beträgt 41,4 %, der der Personen über 60 beträgt 8,2 % (2010),[3] das Durchschnittsalter 2011 bei 18,4 Jahren.[5] Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren kommen 81 Kinder unter 15 Jahren und 9,6 Personen über 64.[5] Die Lebenserwartung lag 2006 bei 60,2 Jahren,[22] 2011 betrug sie 64,64 Jahre.[5] Der Anteil der städtischen Bevölkerung beträgt 29,6 % (2010,[3] 2007:27 %[49] ). Auf 100 Frauen kamen 2011 statistisch 104,5 Männer. 2006 betrug das Verhältnis noch 100 zu 103,2.[5]

Religion[Bearbeiten]

Statue der Muttergottes von Fátima in Dili
Religion/Konfession Anzahl der Gläubigen[47] Anteil
Katholiken 1.021.247 96,5 %
Protestanten 23.708 2,2 %
Animisten 3.291 0,3 %
Muslime 3.623 0,3 %
Buddhisten 542 0,05 %
Hindus 195 0,02 %
Sonstige 1.365 0,1 %
Gesamt 1.053.971 100,00 %

Fast alle Einwohner Osttimors sind christlichen Glaubens. Über 96 % gaben bei der Volkszählung 2004 an Katholiken zu sein; Protestanten bilden eine christliche Minderheit (2,2 %). Es gibt Minderheiten von Muslimen (0,3 %, zumeist Sunniten), Buddhisten und Hindus. Der traditionelle animistische Glaube ist nur noch schwach vertreten (0,3 %).[47] Allerdings werden animistische Glaubensinhalte immer noch im Alltag praktiziert.[50]

Der katholische Glaube war während der portugiesischen Kolonialherrschaft auf die Hauptstadt Dili und wenige größere Orte beschränkt. Die Mehrheit der Bevölkerung waren Animisten. Um 1975 betrug der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung nur etwa 30 %. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die Katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer um die zwölf größeren Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier.[51] In keinem anderen Land der Erde hat die Katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten einen derart großen Zuwachs erreicht.

Sie verdankt das unter anderem dem damaligen Apostolischen Administrator der 1940 errichteten Diözese Dili, Martinho da Costa Lopes, der gegen die Menschrechtsverletzungen der Indonesier predigte. 1983 musste er auf Druck Jakartas abdanken und wurde durch Carlos Filipe Ximenes Belo ersetzt. Doch auch er wandte sich gegen die Besatzer. In einem offenen Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen forderte er ein Referendum über die Eigenständigkeit Osttimors. Weiteren Auftrieb erhielt die Katholische Kirche 1989 durch den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Osttimor. 1996 erhielt Bischof Belo, zusammen mit José Ramos-Horta, für sein gewaltloses Eintreten für die Freiheit Osttimors den Friedensnobelpreis. Die Befreiungsbewegung FRETILIN hatte zwar kommunistische Züge, deren Führer wurden aber stark durch die Befreiungstheologie Lateinamerikas von katholischen Priestern beeinflusst.

Kirche von Tutuala

Im Jahr 1996 wurde die Diözese Baucau eingerichtet, 2010 folgte als drittes Bistum die Diözese Maliana. Alle Bistümer sind kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Zu den Feierlichkeiten für die Unabhängigkeit wurde 2002 eine Marienstatue aus Fátima (Portugal) nach Dili verschifft und das Land der Mutter Gottes von Fátima geweiht. Im Mai 2005 wurde der Religionsunterricht in öffentlichen Schulen nach wochenlangen Protestmärschen wieder als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Premierminister Alkatiri hatte im Februar einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem das Fach nur freiwillig besucht werden solle.[52]

Osttimor ist ein säkularer Staat und es herrscht laut Verfassung Religionsfreiheit.[13] Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der Katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element. In einem nächsten Schritt entsandte 2007 die Regierung mit Justino Maria Aparício Guterres den ersten ständig beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter, um die Beziehungen zum Vatikan weiter zu entwickeln. Außerdem wurde ein apostolischen Nuntius nach Osttimor entsandt.

Eine Reihe von Jugendbewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Familia, tragen quasi-religiöse Züge. Diese Gruppen verwenden dafür christliche und animistische Elemente und kombinieren sie mit verschiedenen Kampfsportarten. Sie haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder.[53]

Frauen in Osttimor[Bearbeiten]

Marktfrauen in Dili
Regierungsplakat gegen häusliche Gewalt

49 % der Einwohner Osttimors sind Frauen (2010).[4] Die Rolle der Frau verändert sich mit Erlangung der Unabhängigkeit langsam. 88 % der Einwohner hielten 2008 Frauen für genauso gut geeignet wie Männer, ein Regierungsamt zu bekleiden, nur 7 % hielten sie für schlechter geeignet. 71 % der Befragten erklärten, sie könnten es sich vorstellen, bei künftigen Wahlen eine Frau zu wählen. Für 8 % war das unvorstellbar.[54] Die meisten Parteien setzen sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein, die auch in der Verfassung festgeschrieben ist.[13] Bei den ersten kommunalen Wahlen 2004/2005 wurden erstmals Frauen zu Chefs in sieben Sucos und mehreren Aldeias gewählt, bei den Neuwahlen 2009 waren es neun.[55] Im ersten Kabinett Gusmãos (2007–2012) gab es drei weibliche Minister und im ersten Nationalparlament Osttimors waren 25,3 % der Abgeordneten Frauen. Bei den Neuwahlen am 30. Juni 2007 wurde vorgeschrieben, dass 25 % der Kandidaten auf den Parteilisten weiblich sein mussten. In das neue, kleinere Parlament zogen 18 Frauen ein. Der Frauenanteil im Parlament betrug nun 27,7 %. Mit den Wahlen 2012 zogen 19 Frauen in das Parlament ein (29,2 %).

Gerade bei Frauen hat die indonesische Besatzungszeit viele Spuren hinterlassen. Neben den Gewaltverbrechen (systematische Vergewaltigungen, sexuelle Sklaverei) wurden der indonesischen Besatzungsmacht auch Zwangssterilisationen, Zwangsabtreibungen und Zwangsverhütung zur Bevölkerungskontrolle und Indonesierung vorgeworfen. Die spätere Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (CAVR) konnte zwar keinen organisierten Genozid mit diesen Methoden nachweisen, doch weist die Verbreitung des Gerüchts auf das tiefe Misstrauen der Osttimoresen gegen das indonesische Bevölkerungskontrollprogramm hin.[56][57][58] Die Serious Crimes Unit der UNTAET berichtete von sogenannten Rape Houses in Suai, Bobonaro, Lolotoe, Gleno und im Hauptsitz der Aitarak-Miliz in Dili. Wurden Frauen in der Besatzungszeit als Aktivisten oder Angehörige der Freiheitskämpfer Opfer sexueller Gewalt, so gelten sie heute als sozial gebrandmarkt. Ihre Familien fühlen sich beschämt, Ehemänner weisen sie zurück, Kindern aus diesen Vorfällen wird oft die katholische Taufe und der Kirchenbesuch verwehrt.[59]

Allgemein ist häusliche Gewalt ein großes Problem. Die Gründe dafür sind mit in den traumatischen Erlebnissen der Einwohner zu suchen. Allein 2008 wurden über 400 Fälle registriert, die Dunkelziffer dürfte diese Zahl aber weit übersteigen. Studien des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) in zwei Distrikten des Landes ergaben, dass Gewalt für timoresische Frauen „normal“ sei und als Privatangelegenheit angesehen würde. 2009 wurde häusliche Gewalt als Straftat in das Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen, das erste Mal überhaupt in der Geschichte des Landes, denn auch unter indonesischer Herrschaft war dies nicht der Fall. Am 3. Mai 2010 verabschiedete das Nationalparlament ein Gesetz, das Opfern von häuslicher Gewalt juristische Unterstützung gewähren soll. In der vorangegangenen Debatte wurde kritisiert, dass das Gesetz die Unverletzlichkeit der Familie und die Kultur Timors beschädige. Dagegen sprach sich Fernanda Borges, die Parteivorsitzende der Partido Unidade Nacional PUN aus: „Die timoresische Kultur bringt uns nicht Gewalt bei.“[60]

Das Abtreibungsgesetz folgt noch immer dem alten indonesischen Recht. Schwangerschaftsabbrüche sind, auch wenn Lebensgefahr für die Mutter besteht, durch das Gesetz verboten, weswegen illegale Abtreibungen ohne ärztliche Hilfe vollzogen werden. Ein neues Gesetz, das sich an portugiesischem und australischem Recht orientiert, ist zurzeit in Planung. Nach den derzeitigen Planungen sollen Abtreibungen erlaubt sein, wenn die Schwangerschaft das Leben der Frau gefährdet. Zunächst sprachen sich katholische Kräfte in der Politik, wie Fernanda Borges, gegen das Gesetz aus und kritisierten es als „westlichen Einfluss“.[61] Doch weil Abtreibungen abseits der Ausnahmeregelung weiterhin als kriminell gelten sollen, befürwortete später die Katholische Kirche die Neuregelung.[62] Auch die Abbrüche bei Opfern sexueller Gewalt und bei Inzest werden, entgegen ersten Planungen, nun nicht mehr entkriminalisiert.[63]

Kirsty Sword Gusmão, die Ehefrau von Premierminister Gusmão, ist die Gründerin und Vorsitzende der Alola Foundation,[64] die sich für die Frauen in Osttimor einsetzt. Alola unterstützt vielfältige Projekte im ganzen Land. Der 3. November wird in Osttimor offiziell als Nationaler Tag der Frau begangen.

In letzter Zeit wurden wiederholt illegal eingewanderte Frauen aus Südost- und Ostasien aufgegriffen, die in Osttimor der Prostitution nachgingen. Auch Menschenschmuggler wurden in diesen Zusammenhang festgenommen.[65]

Gesundheit[Bearbeiten]

Klinik in Hatulia
Mädchen beim Wäschewaschen in einem typischen Badezimmer in Osttimor. Das große Becken wird nur als Wasserspeicher genutzt; man wäscht sich außerhalb. Das rechte Mädchen hockt über der im Boden eingelassenen Toilette.

Die medizinische Versorgung ist mangelhaft, verbessert sich aber langsam. Die Vielfalt der Sprachen im Land führt oft zu Problemen bei der Verständigung zwischen Arzt und Patient. Es gibt 302 medizinische Einrichtungen (2003: 218): sechs öffentliche Krankenhäuser (die zwei größten in Dili und Baucau), 66 kommunale Gesundheitszentren, 189 medizinische Stationen und 41 Privatkliniken (Stand 2008).[22] Die Bevölkerung erhält in den öffentlichen Einrichtungen kostenlose Behandlung. Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich 0,3 Ärzte, 0,8 Krankenschwestern und 0,3 Hebammen (2008).[22] Bis vor kurzem fehlten vor allem einheimische Ärzte. Von 40 Ärzten in den Hauptkrankenhäusern von Dili und Baucau waren 2003 nur 10 Osttimoresen. Dank einer Kooperation zwischen Dili und Havanna waren 2007 300 kubanische Ärzte in Osttimor tätig, 90 % aller Ärzte im Land. 700 Timoresen studierten in Kuba Medizin.[66][67] Ende 2012 gab es in Osttimor 152 Ärzte, davon 13 Spezialisten, 1271 Krankenschwestern und Pfleger, 427 Hebammen und 416 medizinisch-technische Assistenten. Im Dezember 2012 graduierten als Ärzte zusätzlich 400 Osttimoresen, nach vier Jahren Studium in Kuba und 2 Jahren in Osttimor. Weitere 80 hatten bereits 2010/11 erfolgreich ihr Medizinstudium beendet.[68] Zwei Flugzeuge der Mission Aviation Fellowship (MAF) transportieren Kranke und Verletzte aus ländlichen Regionen in die Hauptstadt Dili.[69]

Der Anteil am Staatshaushalt für Gesundheitsausgaben lag 2008 bei 4,73 %.[22] 34,1 % (2010, 2006: 38 %) der Einwohner haben kein sauberes Trinkwasser und 60,8 % (2010, 2006: 59 %) keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen (Stand 2006).[4][49] Pro 100.000 Lebendgeburten 2004 starben 800 Mütter. 2008 lobte die UNICEF Osttimor, da es zwischen 1990 und 2006 die Kindersterblichkeit um 40 % gesenkt habe.[70] Die Kindersterblichkeit lag 1990 bei 177, 2004 bei 80, 2005 bei 61 und 2010 bei 44. Die Säuglingssterblichkeit lag 1974 bei 50 %, 1990 bei 133 von 1.000 Geburten, 2004 bei 64, 2005 bei 52 und 2006 bei 47.[71][72] Ein Grund für die sinkenden Raten bei der Kindersterblichkeit ist die zunehmende medizinische Versorgung. 2010 waren 53 % der Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten mit allen wichtigen Impfungen versorgt, 2003 waren es nur 18 %. Allerdings waren 2010 noch 23 % der Kinder ohne jegliche Impfungen.[73]

Problematisch ist die andauernde Mangelernährung, gerade von Kindern. Über 40 % der Kinder unter fünf Jahren sind untergewichtig. Ähnliche Zahlen gibt es nur noch in Indien. Auf dem Welthunger-Index belegt Osttimor 2013 auf Rang 75 von 78 mit einem Wert von 29,6 (2005: 26,0).[74] Grund für die kritische Lage sind die häufigen Missernten in Osttimor (siehe auch: Kapitel Landwirtschaft und Handwerk).

Die Geburtenrate lag 2011 bei 36,85 Geburten auf 1.000 Einwohner (2004: 43,6), die Sterberate 2011 bei 8,77 Sterbefällen auf 1.000 Einwohner (2004: 10,8).[5] Aufgrund der Berichte über angebliche Zwangssterilisationen während der indonesischen Besatzungszeit haben gerade Frauen ein erhöhtes Misstrauen gegenüber staatlichen, medizinischen Einrichtungen, was besonders die Versorgung von Schwangeren erschwert. In einigen Gebieten ist der Anteil an jungen Müttern extrem hoch. Im Landesdurchschnitt kamen 2004 auf 1000 Lebendgeburten 59,2 Geburten bei Müttern im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, in Tilomar waren es aber zum Beispiel 114,4, womit diese Subdistrikte ähnlich hohe Zahlen wie einige lateinamerikanische Länder haben.[28]

In der Regenzeit ist Schutz vor Mücken notwendig, um sich vor von ihnen übertragenen Infektionen zu schützen. 2006 gab es 223.000 registrierte Fälle von Malaria und 68 Tote. Mit Hilfe der WHO wurde ein landesweites National Malaria Control Programme (NMCP) gestartet. 2013 registrierte man nur noch 1.040 Malariaerkrankungen und drei Tote.[75] Reisenden wird trotzdem dringend empfohlen, Malariaprophylaxe zu betreiben. Daneben sind weitere Krankheiten, wie die Tuberkulose und die japanische Encephalitis weit verbreitet. Die Anzahl von Fällen von Denguefieber ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen, von 2.789 im Jahr 2006 auf 187 im Jahr 2008.[22] Allerdings gab es in Dili 2014 einen größeren Ausbruch der Krankheit.

Bei der Lepra sind Fortschritte festzustellen. Wurden 2004 noch 4,7 Neuinfektionen pro 10.000 Einwohnern registriert, waren es 2009 nur noch 1,3. Trotzdem bedeutete das zwischen 2004 und 2009 etwa 1300 neue Fälle der Krankheit.[76]

HIV spielt noch eine geringe Rolle, auch wenn die meisten Osttimoresen nichts über das AIDS-Risiko oder seine Verhütung wissen. 2002 gab es nur einen Todesfall durch HIV in Osttimor, 2003 waren sechs Infizierte bekannt. Im März 2011 zählte man insgesamt 239 Fälle, wovon 42 bereits verstorben waren. Die meisten Infizierten kommen aus Dili, aber es gibt auch Fälle in Maliana (18) und Baucau (9).[77] Im August 2012 waren 263 HIV-Infizierte registriert, darunter 28 neue Fälle. 73 von ihnen erhalten antiretrovirale Medikamente. 17 der Infizierten sind Kinder unter fünf Jahren, weitere fünf Kinder starben bereits infolge von AIDS.[78]

Osttimor ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil an Rauchern in der Bevölkerung. 33 % der Einwohner rauchen jeden Tag, bei den Männern beträgt der Anteil sogar 61 %. Es fehlt an einer umfassenden Gesundsheitserziehung und es gibt keinerlei Reglemtierungen gegen den Zigarettenkonsum, dem Tabakverkauf oder der -werbung. Geraucht wird meist Importware aus Indonesien. Es gibt aber auch einheimische Tabakbauern, deren Produktion zum selber drehen von Zigaretten verwendet wird, was die ohnehin niedrigen Preise für Zigaretten weiter senkt.[79]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Osttimors

Kleine Reiche und Fremdherrschaft[Bearbeiten]

Markt in Atsabe (1968/70)
Ein Graffiti in Tutuala mit dem Wort für „Mörder“ klagt die Verbrechen von 1999 an.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung wurden 2006 in der Kalksteinhöhle Jerimalai nahe Tutuala, im äußersten Osten Timors gefunden. Sie sind mindestens 42.000 Jahre alt. Neben Steinwerkzeugen, dem ältesten bekannten Angelhaken der Welt und Muschelschalen, die als Schmuck verwendet wurden, fand man die Überreste von Schildkröten, Thunfischen und Riesenratten, die den Höhlenbewohnern als Nahrung gedient hatten. Außerdem wiesen die Funde erstmals nach, dass Menschen bereits vor 42.000 Jahren in der Tiefsee Fischfang betrieben. Diese Funde erhärten die Theorie, dass die Besiedlung Australiens über die Kleinen Sundainseln erfolgte.

Ab 40.000 v. Chr. Timor wurde in mindestens drei weiteren Wellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt. Die Insel teilte sich nach Berichten der Portugiesen in drei lose Herrschaftsgebiete, die wiederum in zahlreiche kleine Reiche zersplitterten, deren Herrscher Liurais genannt wurden. Heirat- und Bündnispolitik bildeten ein Netzwerk, das praktisch die gesamte Insel miteinander verband, was aber ständige Konflikte und Kämpfe zwischen den Reichen bis in das 20. Jahrhundert hinein nicht verhinderte. 1515 landeten die Portugiesen erstmals auf Timor und gründeten die Kolonie Portugiesisch-Timor, deren endgültige Grenzen zum niederländischen Teil der Insel erst 1916 festgelegt wurden. Beide Kolonialmächte waren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch auf die traditionellen Herrschaftsstrukturen angewiesen, um ihre Territorien zu verwalten. Ständig kam es zu Aufständen gegen die Europäer. Die größte Rebellion gegen die Portugiesen führte im Jahre 1912 Boaventura von Manufahi.

Japanische Truppen besetzten die gesamte Insel von 1942 bis 1945, obwohl Portugal im Zweiten Weltkrieg ein neutrales Land war. Die Folge war ein Guerillakrieg, den alliierte Truppen gegen die Japaner auf der Insel führten, der als die Schlacht um Timor bekannt wurde. Auf beiden Seiten kämpften auch Timoresen mit. Allein in Portugiesisch-Timor starben zwischen 40.000 und 70.000 Menschen. Nach Ende des Weltkriegs erlangte Indonesien seine Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialmacht. Westtimor wurde Teil des neuen Staates, während Osttimor 1951 nur den neuen Status einer portugiesischen Überseeprovinz erhielt.

Erst 1974 änderte die Nelkenrevolution in Portugal die politischen Verhältnisse. 1975 sollte die Kolonie für die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch es kam zu einem Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Parteien FRETILIN und UDT, aus dem die FRETILIN als Sieger hervorging. Sie rief am 28. November 1975 die Unabhängigkeit aus, doch nur neun Tage später annektierte Indonesien das Land und machte es trotz internationaler Verurteilung zu seiner 27. Provinz Timor Timur. Infolge der 24 Jahre indonesischer Besatzung starben bis zu 183.000 der 800.000 Einwohner. Nach einem Referendum im Jahre 1999, das zu Gunsten einer Unabhängigkeit ausging und weitere Gewalt durch pro-indonesische Milizen (Wanra) und die indonesische Armee zur Folge hatte, entsandten die Vereinten Nationen unter australischer Führung die Friedenstruppe INTERFET. Osttimor kam unter Verwaltung der UNTAET, bis es schließlich am 20. Mai 2002 endgültig unabhängig wurde. Am 27. September 2002 wurde Osttimor als 191. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.

Die ersten Jahre der Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta (2008)

Zwischen Ende April und Ende Mai 2006 erlebte Osttimor die schwersten Unruhen seit seiner Unabhängigkeit. 37 Menschen starben, 155.000 waren auf der Flucht. Ausgangspunkt dafür war die Entlassung von etwa 40 % der Armeeangehörigen, die aus Protest gegen Missstände bei den Verteidigungskräften Osttimors Anfang des Jahres desertierten. Über 3.000 Soldaten (Internationale Stabilisierungstruppe ISF) wurden aus verschiedenen Ländern nach Osttimor geschickt, um die Situation wieder zu stabilisieren. Premierminister Marí Alkatiri sah sich am 26. Juni zum Rücktritt gezwungen. Bis März 2011 übernahm die UNMIT (UN Integrated Mission in Timor-Leste) zusammen mit den ausländischen Truppen der ISF die Aufgabe, für Ordnung im Land zu sorgen. Das Mandat der UNMIT wurde bis zum 31. Dezember 2012 verlängert.[80] Sie unterstützte bis dahin die Nationalpolizei Osttimors (PNTL) und trug auch zur Sicherheit bei den Wahlen 2012 bei.[81]

Die ersten Neuwahlen nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit 2007 brachten einen Machtverlust für die FRETILIN. Der parteilose José Ramos-Horta setzte sich in der Stichwahl für das Präsidentenamt gegen den FRETILIN-Kandidaten durch. Einer Vier-Parteien-Koalition gelang es die Mehrheit im Parlament zu gewinnen und Xanana Gusmão als Premierminister einzusetzen. Die FRETILIN war zwar die stärkste Partei im Parlament, konnte aber keine Koalitionspartner finden. Dass sie als stärkste Kraft nicht die Regierung führte, sah die FRETILIN als Verfassungsbruch, kam aber von anfänglichen Drohungen ab, das Parlament zu boykottieren oder vor das Oberste Gericht zu ziehen.

Der Anführer der 2006 meuternden Soldaten Alfredo Reinado war noch im selben Jahr zusammen mit 56 Getreuen aus einem Gefängnis ausgebrochen, in dem sie wegen unerlaubten Waffenbesitzes und dem Verdacht des Mordes im Laufe der Maiunruhen einsaßen. 2007 eskalierte die Lage um die Flüchtigen, die sich in den Bergen von Manufahi und Distrikt Ermera versteckten. Bei einem Überfall auf zwei Posten der Grenzpolizei raubten sie 23 teilweise schwere Waffen. Präsident Gusmão ermächtigte die ISF zur Verhaftung von Reinado und bat auch Indonesien um Unterstützung. Ein Zugriffsversuch durch australische Spezialeinheiten im März 2007 scheiterte.[82] Mehrfach drohte Reinado der Regierung mit Bürgerkrieg und Angriffen auf Dili.

Am 11. Februar 2008 kam es im Wohnhaus von Präsident Ramos-Horta zu einem Schusswechsel zwischen Reinado, einigen seiner Männer und den Sicherheitskräften. Ramos-Horta und einer seiner Leibwächter wurden dabei schwer verletzt, Reinado und ein weiterer Rebell kamen ums Leben. Kurz darauf wurde der Wagen von Premierminister Gusmão beschossen. Er entkam der Attacke aber unverletzt. Gusmão erklärte den versuchten Staatsstreich für gescheitert. Präsident Ramos-Horta übernahm im April wieder die Amtsgeschäfte, nachdem er in Darwin medizinisch behandelt worden war. Die Rebellenbewegung brach kurz nach den Attentaten endgültig zusammen.[83] Seitdem hat sich das Land deutlich stabilisiert. Im Dezember 2012 wurden die letzten Soldaten und Polizisten von ISF und UNMIT verabschiedet. 75 % der Einwohner Osttimors erklärten 2008, sie seien mit der Arbeit der UN zufrieden, 3 % empfanden sie als schlecht.[54]

Politik[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Politische Meinungsfreiheit in den Distrikten Osttimors

Die Verfassung Osttimors wurde nach portugiesischem Vorbild entwickelt.[13]

Von vielen Seiten wird Osttimor als eine „Gesellschaft, die auf Gerüchten basiert“ (rumor-based society) bezeichnet, was eine Folge der Traumatisierung durch die gewaltreiche Vergangenheit ist. Nach Beendigung der Eroberung hielt Indonesien das besetzte Land durch eine Art Strategie der Spannung in einem Zustand der permanenten Anspannung, um den innenpolitischen Widerstand gegen die Besetzung zu unterdrücken. Es kam zu willkürlichen Verhaftungen, öffentlicher Ausstellung von Leichen, mysteriösen Morden und dem Ausstreuen von Gerüchten. Die geheimen Widerstandsgruppen wandten wahrscheinlich ähnliche Methoden an, um Angst unter den Besatzern zu schüren. Die Bevölkerung ist daher anfällig für Gerüchte und Verschwörungstheorien, was von allen politischen Parteien und Akteuren ausgenutzt wird. Das beginnt mit Vermutungen über die verfassungsmäßige Rechtmäßigkeit der ersten Koalitionsregierung unter Xanana Gusmão und geht über unbelegte Korruptionsvorwürfe und Behauptungen über Fehlverhalten der ausländischen Sicherheitskräfte (zum Beispiel der „INTERFET-Frosch“) und Unfähigkeit der Regierenden bis hin zu Gerüchten über bewaffnete, paramilitärische Gruppen und Spekulationen über den gewaltsamen Tod des Rebellen Alfredo Reinado und dessen Verbindungen ins Ausland. Im Mai 2009 sah sich der stellvertretende Polizeikommandant Alfredo de Jesus gezwungen, die Bevölkerung in Radio und Fernsehen aufzufordern, nicht dem Gerücht zu glauben, eine Hexe namens Magareta würde nächtens über Dili fliegen.[84] Die Gerüchte verbreiten sich schnell durch Mundpropaganda, SMS und Internet-Blogs. Dazu kommen Ankündigungen und Warnungen (zum Beispiel per SMS) vor gewalttätigen Ausschreitungen oder Massendemonstrationen, die dann nie stattfinden, oder Machtdemonstrationen von militanten Gruppen, zum Beispiel mit inszenierten Flaggenzeremonien. Folge ist ein „Reich der Angst“ (Kingdom of Fear), das dann durch die immer wieder vorkommende wirkliche Gewalt verstärkt wird.[85]

Am 9. Oktober 2009 wurden bei den Kommunalwahlen in den Sucos die Räte und Chefs (Chefes de Suco) neu gewählt. Die Bevölkerung zeigte sich im Vorfeld interessiert. 97 % wollten laut einer Umfrage an der Wahl teilnehmen. 39 % sind sehr an den Parteien und ihre Führer interessiert, 19 % wenig und 5 % gar nicht. 28 % sind mit der Parteienlandschaft sehr zufrieden, 31 % soweit zufrieden, 27 % nicht sehr zufrieden und 6 % nicht zufrieden. Allerdings sind nur 62 % der Einwohner der Meinung, sie könnten ihre politische Meinung in ihrem Heimatort frei äußern; 24 % sagen, dies sei bei Ihnen nicht der Fall.[54]

Exekutive[Bearbeiten]

Ex-Präsident und Premierminister Xanana Gusmão
Präsident Taur Matan Ruak

Der Präsident von Osttimor wird alle fünf Jahre gewählt und hat eher symbolische Befugnisse; er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Ihm steht der Staatsrat beratend zur Seite. Bei den Präsidentschaftswahlen in Osttimor 2012 setzte sich Taur Matan Ruak, der ehemalige Oberbefehlshaber der Verteidigungskräfte Osttimors gegen Francisco Guterres (Lú-Olo) von der linksorientierten Partei FRETILIN in einer Stichwahl durch. Taur Matan Ruak übernahm von seinem Vorgänger und Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta am 20. Mai 2012 das Präsidentenamt, zum 10. Jahrestag der Unabhängigkeit.

Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition im Parlament hinter sich hat. Als Kopf der Regierung sitzt der Premierminister dem Kabinett vor. Xanana Gusmão vom Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT) wurde am 8. August 2007 als vierter Premierminister seit 2002 vereidigt. Seine Partei wurde im Parlament zwar hinter der FRETILIN nur zweitstärkste Kraft, konnte aber mit einer Koalition die Mehrheit der Sitze hinter sich vereinigen. Auch nach den Parlamentswahlen in Osttimor 2012 bildete Gusmão eine Koalition, die seit dem 8. August 2012 die Regierung stellt. Vize-Premierminister ist Fernando de Araújo von der Partido Democrático PD.

Im November 2013 kündigte Gusmão an, er wolle sich noch vor Ablauf der Legislaturperiode von der aktiven Politik zurückziehen.[86] Spätestens im September 2014 will er als Premierminister zurücktreten.[87]

Siehe auch: Kabinett Osttimors

Legislative[Bearbeiten]

Nationalparlament von Osttimor in Dili
Sitzverteilung im Nationalparlament nach den Wahlen 2012

Das Parlament (Parlamento Nacional) besteht aus nur einer Kammer. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Die Anzahl der Sitze kann zwischen 52 und 65 variieren. Während der ersten Wahlperiode wurden ausnahmsweise die 88 Sitze der Verfassungsgebenden Versammlung beibehalten.

Im ersten Parlament hatte die FRETILIN die absolute Mehrheit mit 55 Sitzen. Nach den Parlamentswahlen 2007 bildete sich mit der Aliança da Maioria Parlamentar AMP (Allianz der Parlamentarischen Mehrheit) aus CNRT, PD und der Coligação ASDT/PSD eine Regierungskoalition gegen die FRETILIN, die ihre absolute Mehrheit verlor, mit 21 Sitzen aber noch immer stärkste Kraft war. Die AMP verfügte über 37 Sitze und, nachdem sich die UNDERTIM 2008 ihr anschloss, über 39 Sitze.

Die bisher letzten Parlamentswahlen fanden am 7. Juli 2012 statt.[88] Der CNRT erhielt 30 Sitze, die FRETILIN 25 Sitze, die PD 8 und die Frenti-Mudança (FM) 2 Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 74,78 %. Die anderen Parteien und Bündnisse scheiterten an der Drei-Prozent-Hürde, darunter die KHUNTO knapp mit 2,97 %.[89][90] Das neue Parlament trat am 30. Juli zusammen. CNRT, PD und Frenti-Mudança bilden eine Regierungskoalition, die FRETILIN ist die einzige Oppositionspartei.[91]

Parlamentspräsident ist seit 2012 Vicente da Silva Guterres vom CNRT.

Judikative[Bearbeiten]

Das Tribunal de Recurso de Timor-Leste (deutsch Berufungsgericht Osttimors) ist das höchste Gericht Osttimors. Gegen dessen Urteile kann nicht in Berufung gegangen werden. Den Vorsitz führt der Gerichtspräsident, der durch den Präsidenten der Republik für vier Jahre ernannt wird. Von 2003 bis 2014 hatte Cláudio de Jesus Ximenes das Amt inne.[92] 2014 wurde er von Guilhermino da Silva abgelöst.[93] Das Nationalparlament wählt ein Mitglied des Obersten Gerichts, die anderen Mitglieder werden durch den Conselho Superior da Magistratura Judicial (deutsch Oberster juristischer Rat) bestimmt.[94] Generalstaatsanwältin war bis zum 27. März 2013 die ehemalige Ministerin für Staatsadministration Ana Pessoa Pinto. Ihr Stellvertreter war seit Juli 2009 Vicente Fernandes Brito. Am 15. April 2013 wurde José Costa Ximenes als Generalstaatsanwalt vereidigt.[95] Pintos Vorgänger Longuinhos Monteiro wurde 2009 neuer Polizeichef des Landes.[96]

Die Todesstrafe und lebenslängliche Gefängnisstrafe sind in Osttimor abgeschafft. Die zulässige Höchststrafe liegt bei 25 Jahren Gefängnis.

Nach UN-Angaben kam es in Osttimor 2008 zu 169 Fällen von Körperverletzung auf 100.000 Einwohner. Der Weltdurchschnitt liegt bei 250, in den USA beträgt der Wert 795. Außerdem kam es in Osttimor 2008 zu drei Morden pro 100.000 Einwohner (USA: sechs pro 100.000).[97] Im Zeitraum vom 1. Januar bis 22. Dezember 2011 wurden insgesamt 13.567 Straftaten registriert. Die höchste Zahl verzeichnete der Distrikt Dili mit 1.748, gefolgt von Oecusse mit 297 und Baucau mit 283 Fällen. Die kleinste Zahl hatte Manufahi mit 37 registrierten Straftaten.[98]

Innenpolitik[Bearbeiten]

Obwohl durch die ständigen Gerüchte der Eindruck entsteht, dass die Einwohner sich unsicher fühlen, unzufrieden sind und der Regierung misstrauen,[85] ergab eine Umfrage im November/Dezember 2008 (landesweit 1500 Befragte im Alter über 17 Jahre) ein anderes Bild. 75 % der Befragten sehen Osttimor auf dem richtigen Weg. 55 % sagen, dass sich die Lage seit dem Regierungswechsel 2007 gebessert habe, nur 8 % sehen eine Verschlechterung. Vor allem bei der Bildung (70 %), den Beziehungen zu Australien (69 %) und Indonesien (68 %), Gesundheitspolitik (66 %), Nationalen Einheit (61 %) und den Flüchtlingen (53 %) sehen die Einwohner Verbesserungen. Verschlechtert haben sich nach Meinung der Befragten die Lebensmittelpreise (71 %) und die Stromversorgung (53 %). Die wichtigsten Themen der Zukunft seien eine verbesserte Bildung, ein Ausbau des Straßennetzes und die Arbeitslosigkeit. Insgesamt sagen 66 % der Befragten, dass die Regierung eine sehr gute oder gute Arbeit mache, nur 4 % bewerten sie als schlecht oder gar sehr schlecht. Trotz der guten Werte, würden 34 % der Bevölkerung vorgezogene Neuwahlen begrüßen, 43 % sind dagegen.[54]

Transparency International listete Osttimor im Korruptionswahrnehmungsindex 2009 auf Platz 146 mit Wert 2,2 (2007: Platz 122 mit 2,6, 2008: Platz 145 mit 2,2).[99] Korruptionsvorwürfe durch die oppositionelle FRETILIN gegen Regierungsmitglieder konnten nicht bestätigt werden, führten aber Ende 2008 zu ausführlichen Diskussionen zu dem Thema. 35 % der Osttimoresen glaubten, die Korruption sei schlimmer geworden. Die Korruptionsbekämpfung ist daher nun ein Hauptziel der Regierungspolitik, auch wenn sie darauf hinweist, dass Transparency in großen Teilen bei ihrer Bewertung 2009 auf Daten zur Vorgängerregierung der FRETILIN zurückgegriffen habe. Die Regierung gründete eine Anti-Korruptionskommission (CAC). Vorsitzender wurde Adérito de Jesus Soares, der Gründer Osttimors wichtigster Menschenrechtsorganisation, der La'o Hamutuk. 79 % der Einwohner begrüßten die Einrichtung der Kommission.[54][100] 2010 verbesserte sich Osttimor auf dem Index von Transparency wieder auf Platz 127 mit einem Wert von 2,5.[99] Allerdings litt die AMP-Regierung unter ständigen Korruptionsvorwürfen gegen verschiedene Mitglieder. Mehrere Kabinettsmitglieder mussten sich Verfahren vor Gericht stellen, wurden aber bisher alle der Korruption als unschuldig freigesprochen. Nur Justizministerin Lúcia Lobato von der PSD wurde 2012 wegen Missmanagements zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sie trat 2013 ihre Haft an.[101] Der Wert auf dem Korruptionsindex 2011 sank auf 2,4 (Platz 143),[99] 2012 konnte sich das Land aber auf Platz 113 verbessern (Wert in der neuen Skala: 33),[102] und sank 2013 wieder auf Platz 119 (30).[103]

Für 2010 erhöhte das Parlament die Rente für alle Alterspensionäre um zehn auf 30 US-Dollar pro Monat.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Außenministerium in Dili

Außenminister ist José Luís Guterres (FM), stellvertretender Außenminister Constâncio Pinto (PD) und Staatssekretär für die Beziehungen mit den ASEAN Roberto Soares (parteilos).

Osttimor gehört seit dem 24. Februar 2003 zur Bewegung der blockfreien Staaten. Außerdem ist es Mitglied bei der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP), in der es besonders freundschaftliche Beziehungen mit Angola und Mosambik pflegt, was auch historische Gründe hat. Von 2014 bis 2016 wird Osttimor die Gemeinschaft leiten. Als Beobachter nahm Osttimor am dritten Gipfel der AKP-Staaten im Juli 2002 und seit August 2002 an den jährlichen Treffen der Staats- und Regierungschefs des Pacific Islands Forum teil. Seit 2010 hat Osttimor Beobachterstatus bei der Melanesian Spearhead Group.

Am 8. April 2010 fand in Dili eine Konferenz der g7plus-Staaten statt, einer Gruppe der instabilen und gefallenen Staaten. Dieser gehören unter anderem Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, die Elfenbeinküste, Haiti, Sierra Leone, die Zentralafrikanische Republik und Osttimor an. Die Konferenz sollte zum Austausch von Erfahrungen bei Stabilisierungsmaßnahmen und zur Stärkung gemeinsamer Interessen dienen, wobei sich Osttimor selbst als Erfolgsbeispiel sieht. Allerdings fehlten Afghanistan und Haiti auf der Konferenz. Dafür waren weitere Vertreter Burundis, Nepals, der Salomonen, des Südsudans und des Tschads am Fragile State Forum teil.[104] Auf der Konferenz wurde die Finanzministerin Osttimors Emília Pires zur neuen Vorsitzenden der g7plus-Staaten gewählt.[105]

Nach der Aufnahme in das ASEAN Regional Forum (ARF) im Juli 2005 strebt Osttimor auch die Mitgliedschaft in der ASEAN an. Der Antrag wurde am 28. Juli 2006 in Kuala Lumpur gestellt. In Vorbereitung zum Beitritt hat Osttimor am 14. Januar 2007 einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit den ASEAN-Staaten unterzeichnet. Im August 2007 erklärten die ASEAN-Staaten ihre grundsätzliche Bereitschaft Osttimor aufzunehmen. 2010 wohnte Osttimor als „Sondergast der Präsidentschaft“ den ASEAN-Gipfeltreffen bei. Während Indonesien, Malaysia, Brunei, Thailand, Kambodscha, die Philippinen und Myanmar Osttimor bei seinem Wunsch auf Vollmitgliedschaft unterstützen, werden hinter vorgehaltener Hand Bedenken geäußert, die ASEAN hätte bereits mit Myanmar genug Probleme. Vor allem Singapur ist skeptisch, ob Osttimor einen Beitritt verkraften würde.[106][107] Im Mai 2011 bremste Premierminister Gusmão Hoffnungen. Noch fehle es dem Land an den nötigen „Humanressourcen“.[108][109]

Emblem der GTZ in Osttimor
Das Europahaus in Dili, die Vertretung der Europäischen Union in Osttimor

Mit dem zweiten katholischen Land in Asien, den Philippinen, entwickelten sich seit der Unabhängigkeit Osttimors gute Beziehungen. Diese erstrecken sich über den wirtschaftlichen, den kulturellen und den Bildungssektor. Mit der Demokratischen Arabischen Republik Sahara hat Osttimor diplomatische Beziehung. Seit 2010 gibt es eine Botschaft der Sahara in Dili.[110] Man sieht Parallelen in der Geschichte als besetzte Staaten.

Zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal bestehen enge Beziehungen. Portugal leistet Entwicklungshilfe (1999-2007 472 Millionen US-Dollar, 2007-2010 60 Millionen Euro) und ist der wichtigste Geldgeber im Erziehungs- und Justizsektor. Deutschland engagiert sich bei der ländlichen Entwicklung, dem maritimen Transport mit der Finanzierung der Fähren zwischen den Landesteilen und Krisenprävention und Konfliktberatung. Schweden hat Osttimor als eines der Kernländer für seine Entwicklungshilfe ausgewählt, ebenso wie Irland, das Osttimor zwischen 2003 und 2007 bereits mit 20 Millionen Euro für Entwicklungshilfe unterstützte. Außerdem entsandte Irland 2008 einen Sonderbotschafter, der mit der osttimoresischen Regierung die Erfahrungen mit dem Friedensprozess in Nordirland teilen soll. Die Europäische Union hat für 2008 15 Millionen Euro für die ländliche Entwicklung zugesagt, 2011 startete die EU ein 39 Millionen Euro-Programm für Osttimor.[111] 2006 waren es bereits 23 Millionen US-Dollar. Japan unterstützte Osttimor zwischen 1999 und 2007 mit 210 Millionen US-Dollar, unter anderem bei der Modernisierung des Hafens von Dili und Pante Macassar und beim Bau der ersten Schnellstraße des Landes. Die USA leisteten im selben Zeitraum Entwicklungshilfe im Wert von 86 Millionen US-Dollar.[112]

Auch zu Australien gibt es enge Bindungen aufgrund der geographischen Nähe und der jüngsten Geschichte, in der Australien das Land auf dem Weg zur Unabhängigkeit unterstützte und unterstützt. Den Plan, das gewonnene Erdgas zu einer Raffinerie in Australien zu leiten lehnt Dili aber ab und verlangt eine Verwertung in Osttimor. Australien hat bis 2009 insgesamt Hilfen in Wert von 750 Millionen US-Dollar geleistet.[113] Den Wunsch der australischen Regierung, in Osttimor ein Zentrum für Personen einzurichten, die Asyl in Australien beantragen, wird von der osttimoresischen Regierung abgelehnt.[114]

Demonstration gegen Australien, 5. Dezember 2013

Der Streit über die Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Timorsee war zunächst durch den CMATS-Vertrag beigelegt worden. Allerdings kam es zum Streit, da die mit der Ausbeutung des Gasfeldes Greater Sunrise beauftragte australische Firma Woodside Petroleum das Erdgas auf See verflüssigen wollte, statt an Land, wo Arbeitskräfte in Osttimor profitieren würden. 2013 wurde dann auch noch bekannt, dass der australische Auslandsgeheimdienst ASIS Wanzen im osttimoresischen Kabinettssaal installiert und Gespräche abgehört hatte, die die Verhandlungen über den Grenzverlauf mit Australien betrafen. Angebracht hatten die Abhörgeräte Geheimdienstmitarbeiter, die als Entwicklungshelfer in Osttimor arbeiteten. Osttimor stellte deswegen die Gültigkeit des Moratoriums über den Grenzverlauf in Frage und zog vor den Ständigen Schiedshof in Den Haag. Wenige Tage bevor die Gerichtsverhandlung begann durchsuchte der australische Inlandsgeheimdienst ASIO die Räume des für Osttimor arbeitenden Anwalts Bernard Collaery und eines ehemaligen ASIS-Agenten, der als Whistleblower in diesem Fall gilt. Von letzterem wurde der Reisepass eingezogen. Er gilt als wichtiger Zeuge für die Verhandlungen in Den Haag. Dokumente und Datenträger wurden beschlagnahmt.[115][116][117][118]

Mota'ain: Grenzübergang zu Indonesien

Indonesien ist Osttimors größter Handelspartner. Als Staatsoberhaupt und nun als Regierungschef hat Xanana Gusmão sich vor allem dem Versöhnungsgedanken verschrieben. Nur eine Normalisierung der Beziehungen zur früheren Besatzungsmacht Indonesien und ein gewisser Schlussstrich unter die Vergangenheit, so seine Überzeugung, können das bitterarme und durch die lange Fremdherrschaft rückständige Land in die Zukunft führen. Die Teilnahme der damaligen indonesischen Präsidentin Megawati Sukarnoputri an der Unabhängigkeitsfeier 2002 in Dili zeugt von dem Willen Indonesiens, die Unabhängigkeit Osttimors nunmehr endgültig zu akzeptieren. Anfang 2005 empfing Gusmão den im Vorjahr neugewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono zu einem Staatsbesuch. Das Treffen der beiden Männer verlief außergewöhnlich herzlich und wurde als Neuanfang in den bilateralen Beziehungen gewertet. Die osttimoresische Regierung hält trotz der Kritik von Menschenrechtsorganisationen und der Katholischen Kirche an dieser Versöhnungspolitik fest. Eine vom UN-Generalsekretär eingesetzte dreiköpfige unabhängige internationale „Commission of Experts“ hat in ihrem am 27. Juni 2005 vorgelegten Abschlussbericht festgestellt, dass die juristische Aufarbeitung der 1999 in Osttimor begangenen Menschenrechtsverletzungen in Indonesien „völlig unzureichend“ ist. Auch die Arbeit der gemeinsamen Wahrheits- und Freundschaftskommission (CTF) steht in der Kritik von Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen, da sie Amnestie auch für schwere Verbrechen gewährt. UN-Personal wurde die Zusammenarbeit mit der CTF untersagt. Im Oktober 2007 vereinbarten die beiden Außenminister eine engere Zusammenarbeit. So sollen osttimoresische Diplomaten in Indonesien ausgebildet werden.

Die Volksrepublik China war der erste Staat, mit dem Osttimor offiziell diplomatische Beziehungen aufnahm, bereits zwei Tage nach der Erklärung der Unabhängigkeit 2002. Wenige Stunden später folgte als zweiter Staat Indien. Unter Premierminister Alkatiri wurde die Zusammenarbeit mit China sowohl im militärischen, als auch im wirtschaftlichen Bereich verstärkt, was auch nach seinem Rücktritt Bestand hat. Bis 2009 leistete die Volksrepublik Hilfen in Wert von 53 Millionen US-Dollar, meist in öffentlichkeitswirksamen Projekten.[113] So lieferte China Uniformen für die timoresischen Streitkräfte, bildet Bauern, Beamte, Soldaten und Polizisten aus, entsendet medizinische Teams und Sicherheitskräfte, lädt timoresische Studenten ein und finanzierte den Bau des Präsidentenpalastes und des Außenministeriums in Dili sowie vom F-FDTL-Hauptquartier in Metinaro und Hunderten Häusern für Kriegsveteranen. Im Juni 2008 lebten laut Angaben der chinesischen Botschaft 2.342 chinesische Staatsbürger in Osttimor. Das Immigrationsbüro schätzt die Zahl sogar auf 3.000.[112][119]

Staaten mit Botschaften in Osttimor
Staaten mit diplomatischen Missionen von Osttimor

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben keine Botschaften in Osttimor. Zuständig sind die Botschaften der Länder in Jakarta/Indonesien. In dringenden Fällen können sich EU-Bürger an die Botschaft Portugals oder der Vertretung der Europäischen Union im Casa Europa in Dili wenden. Außerdem haben folgende Länder Botschaften in Dili: Australien, Brasilien, Volksrepublik China, Indonesien, Japan, Kuba, Malaysia, Philippinen, Südkorea, Thailand, Großbritannien und die USA.[120] Neuseeland hat in Dili ein Konsulat,[121] Irland ein Repräsentantenbüro, das von der Botschaft in Singapur verwaltet wird. Diplomatische Beziehungen gibt es unter anderem auch mit Kuwait, Trinidad und Tobago[122] und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die für Mitteleuropa zuständige Botschaft Osttimors befindet sich in Brüssel. Sie ist auch die offizielle Vertretung Osttimors bei der Europäischen Union. Der Brüsseler Botschaft ist zudem die ständige Vertretung Osttimors bei den Vereinten Nationen in Genf untergeordnet. Darüber hinaus unterhält Osttimor Botschaften in Bangkok, Canberra, Havanna, Jakarta, Kuala Lumpur, Lissabon, Manila, Maputo, Peking, Pretoria,[123] Seoul, Singapur, Tokio, beim Vatikan und in Washington, D. C., sowie eine Mission bei den Vereinten Nationen in New York.[124] Eine weitere Botschaft ist wegen des geplanten Beitritts zu den ASEAN in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw geplant[125] und auch in Angola, mit dem gute Beziehungen bestehen, soll eine Vertretung entstehen, während der afrikanische Staat in Dili eine Botschaft eröffnen will.[126] In Denpasar, Kupang und Sydney befinden sich Generalkonsulate. Ein weiteres ist seit 2009 im indonesischen Surabaya geplant, da 2000 Osttimoresen in Universitäten der Provinz studieren. Außerdem werden hier mehrere Staatsbürger in Krankenhäusern behandelt. Mit der Provinzregierung soll eine Ausbildungs- und gesundheitspolitische Kooperation aufgebaut werden. In Berlin vertritt der Honorarkonsul Peter Badge Osttimor.[127] Weitere Honorarkonsulate gibt es in Beirut, Cebu, Dublin, Évora, Genf, Manila, Melbourne, Port Moresby und auf Tasmanien.[128]

Osttimor kündigte nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 in Japan an, dass es 100 Helfer nach Japan zur Trümmerbeseitigung schicken wolle.[129] Außerdem wurden 2011 zwei osttimoresische Polizisten als UN-Polizisten nach Guinea-Bissau entsandt.[130] Zusammen mit dem portugiesischen Kontingent werden seit November 2011 14 Offiziere der osttimoresischen Verteidigungskräfte an der UN-Mission im Libanon UNIFIL eingesetzt. Es war das erste Mal, dass das südostasiatische Land sich an UN-Missionen beteiligte.[131][132]

Militär[Bearbeiten]

Generalmajor Lere Anan Timor (2012)

Die Verteidigungskräfte Osttimors (portugiesisch: Forças de Defesa de Timor Leste, Tetum: Forcas Defensa Timor Lorosae) oder FALINTIL-FDTL (F-FDTL) bestehen aus Landstreitkräften und einer kleinen Marine. 2012 erhielten die ersten osttimoresischen Offiziere ihren Helikopterpilotenschein. Oberbefehlshaber ist Generalmajor Lere Anan Timor. Nach mehreren Monaten Unklarheit wurde Premierminister Xanana Gusmão Ende Oktober 2012 auch zum Minister für Verteidigung und Sicherheit vereidigt. Staatssekretär für Verteidigung ist seit 2007 Júlio Tomás Pinto (CNRT).

Die Planstärke der Streitkräfte sieht 1500 Aktive und weitere 1500 Angehörige vor. Ihr Grundstock wurde am 1. Februar 2001 aus Kämpfern der ehemaligen Guerillaarmee FALINTIL rekrutiert. Es blieben aber nur wenige aufgrund der geringen Altersversorgung. Nach den Unruhen von 2006 und den damit verbundenen Desertionen hat die Armee seit August 2008 wieder ihre alte Stärke. Das Heer besteht aus zwei Infanteriebataillonen. Die Marine hatte zunächst die Patrouillenboote Oecusse und Atauro übernommen. Diese wurden 2010 durch die in der Volksrepublik China neu gebauten Jaco und Betano ersetzt. Drei weitere Patrouillenboote wurden im September 2011 von Südkorea übernommen. Sie erhielten die Namen Kamenassa, Díli und Hera.[133] Zwei der Boote wurden 2012 an die Nationalpolizei weitergegeben.[134]

Im Juni 2007 wurde ein Aufrüstungsplan namens „Forças 2020“ bekannt. Nach diesem Plan sollten bis 2010 Marine und Armee massiv aufgerüstet werden, um die osttimoresischen Interessen im Erdölfeld in der Timorsee zu sichern und Schmuggel und illegale Fischerei zu unterbinden. Allein durch illegale Fischer entsteht Osttimor jährlich ein Schaden von 45 Millionen US-Dollar. Schmuggel kostet dem Staat jährlich weitere 8 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen.[112] Die zukünftigen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft sollen die Finanzierung sichern. Neben der Finanzierung wird auch die Fähigkeit Osttimors die notwendigen Technologien anzuwenden vom Ausland angezweifelt. 2008 betrug der Anteil der Verteidigung im Staatshaushalt 4,39 %.

2007 wurde die Wehrpflicht offiziell eingeführt, wird aber nicht angewendet. Die kleine Armee könnte die große Anzahl von Rekruten nicht aufnehmen. Außerdem erscheint es keine gute Idee, Mitglieder von Straßenbanden an Schnellfeuerwaffen und Handgranaten auszubilden. Taur Matan Ruak, Staatspräsident und ehemaliger Chef der Streitkräfte propagiert die Anwendung als Mittel gegen die Jugendarbeitslosigkeit und Vertiefung des Nationalgefühls.[135]

Im Mai 2008 unterschrieb Osttimor mit den sieben anderen Staaten der CPLP eine Vereinbarung über ein Militärbündnis. Unter anderem sollen osttimoresische Soldaten in Brasilien und Portugal ausgebildet werden.[136] Auch mit China, Polen, Kanada, Indien und Japan gibt es Pläne zur militärischen Zusammenarbeit bei der Ausbildung der osttimoresischen Soldaten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

2004 wurden die Verwaltungsgrenzen überarbeitet. Osttimor ist in 13 administrative Distrikte aufgeteilt. Diese sind in insgesamt 65 Subdistrikte, 442 Sucos und in 2.225 Aldeias (Dörfer) unterteilt.[137] Die Insel Atauro gehört zum Distrikt Dili, die Insel Jaco zum Distrikt Lautém.

Seit 2009 überlegt man aber zur Dezentralisierung die Distrikte in Gemeinden umzuwandeln. Ihre Grenzen sollen erhalten bleiben. Dazu sollen eine Gemeindeverwaltung und ein Gemeinderat geschaffen werden. Die Gemeinden sollen einen Etat von der Zentralregierung bekommen, den dann der Gemeinderat verteilt. Ein Bürgermeister soll für die Umsetzung der Beschlüsse sorgen und für die Gemeindeverwaltung verantwortlich sein.[138] Die Verabschiedung der Verwaltungsreform sollte im Februar 2010 erfolgen.[139]

Verteilung der Landfläche und der Einwohner auf die einzelnen Distrikte
Administrativer Distrikt (Zahl auf der Karte) ISO 3166-2:TL Einwohner (2004)[140] Einwohner (2010)[4] Einwohner (2011)[5] Fläche in km²[3] Hauptstadt
Aileu (6) TL-AL 37.926 44.325 46.569 676,02 Aileu
Ainaro (10) TL-AN 52.476 59.175 62.171 869,79 Ainaro
Baucau (2) TL-BA 100.326 111.694 117.348 1.507,95 Baucau
Bobonaro (11) TL-BO 83.034 92.049 96.709 1.380,82 Maliana
Cova Lima (12) TL-CO 52.818 59.455 62.465 1.206,66 Suai
Dili (5) TL-DI 173.541 234.026 245.873 368,12 Dili
Ermera (9) TL-ER 103.199 117.064 122.990 770,83 Gleno
Lautém (1) TL-LA 55.921 59.787 62.813 1.813,11 Lospalos
Liquiçá (8) TL-LI 54.834 63.403 66.613 550,95 Liquiçá
Manatuto (4) TL-MT 36.719 42.742 44.906 1.785,96 Manatuto
Manufahi (7) TL-MF 44.950 48.628 51.090 1.326,60 Same
Oecusse (13) TL-OE 57.469 64.025 67.266 817,23 Pante Macassar
Viqueque (3) TL-VI 65.245 70.036 73.581 1.880,39 Viqueque

Transport und Verkehr[Bearbeiten]

Entfernungen [km][141]
Ort DI PM VI SU SA MT ML LO LI ER BA AN AL
Aileu 47 145 230 113 54 134 196 295 79 29 169 51
Ainaro 78 127 134 69 60 123 49 247 82 55 183 51
Baucau 122 243 61 223 159 60 208 126 154 155 183 169
Ermera 58 123 164 104 65 95 55 306 67 155 55 29
Liquiçá 32 126 215 131 90 119 117 280 67 154 82 79
Lospalos 248 300 187 282 217 186 397 280 306 126 247 295
Maliana 149 95 332 61 87 236 397 117 55 208 49 196
Manatuto 87 194 96 189 115 236 186 119 95 60 123 134
Same 81 140 105 84 115 87 217 90 65 159 60 54
Suai 138 97 169 84 189 61 282 131 104 223 69 113
Viqueque 183 220 169 105 96 332 187 215 164 61 134 230
Pante Macassar 154 220 97 140 194 95 300 126 123 243 127 145
Dili 154 183 138 81 87 149 248 32 58 122 78 47
Osttimors Straßennetz
Ein Mikrolét
Pferde am Markttag in Maubisse

2008 waren 4.053 Motorräder (2004: 3.512), 1.159 PKW (2.079), 241 Klein-LKW (614) und 216 Schwer-LKW (385) gemeldet.[22] Wer, wie die meisten Timoresen, nicht über einen allradbetriebenes Fahrzeug verfügt, ist bei Reisen über Land auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die es in zwei Formen gibt. Der Biskota ist ein größerer Bus. Solche Busse verbinden die bedeutenderen Ortschaften, wie Lospalos oder Baucau, mit Dili und fahren auf den größtenteils asphaltierten Hauptrouten. Um zu kleineren Orten zu gelangen, muss man auf Kleinbusse, sogenannte Mikroléts, umsteigen. Beide Bustypen sind durchweg mit Menschen und Handelsware überfüllt. Gerade in den bergigen Regionen sind die einheimischen Timor-Ponys noch ein alltägliches Transportmittel.

Auch die Straßenverhältnisse erleichtern das Reisen nicht. 70 % der 5.320 Kilometer Straße sind reparaturbedürftig. In der Regenzeit sind viele der Wege nur noch Schlammpisten und nicht mehr befahrbar. Es gibt 1.426 km Nationalstraßen, 869 km Distriktsstraßen und 3.025 km örtliche Straßen. Hauptverkehrswege sind die beiden Küstenstraßen an Nord- und Südküste des Landes, die durch fünf Überlandstraßen in Nord-Süd-Richtung miteinander verbunden sind. Daneben gibt es noch zwei Querverbindungen im Landesinneren.[141] 2011 registrierte die Nationalpolizei insgesamt 2.010 Verkehrsunfälle.[142]

Dilis Flughafen Presidente Nicolau Lobato liegt westlich des Stadtzentrums im Suco Comoro (Komoro) und wird international von Passagiermaschinen angeflogen. Die Airnorth fliegt seit dem 18. Januar 2000 die Strecke Darwin (Australien)–Dili und zurück, inzwischen täglich in zwei Stunden mit einer Embraer. An zwei Tagen der Woche wird die Strecke sogar zweimal bedient. Dieselbe Route fliegt auch die Sriwijaya Air. Täglich fliegt die Merpati Nusantara Airlines mit einer Boeing 737-200 von Denpasar auf Bali (Indonesien) nach Dili. Seit dem 1. August 2008 bietet Air Timor (ehemals Austasia Airlines) die Route von Singapur nach Dili und zurück zweimal die Woche an. Für die Strecke wird ein Airbus 319 der Silk Air verwendet. Für größere Maschinen ist der Flughafen Dili nicht ausgelegt.

Zusammen mit dem aus Osttimor stammenden australischen Geschäftsmann Jeremias Desousa gründete die osttimoresische Regierung 2002 eine eigene Gesellschaft namens East Timor Air (ICAO Code: ETA). Erst am 27. November 2008 wurde die Fluggesellschaft, nun als Timor Air offiziell in Betrieb genommen. Der Flugverkehr begann aber erst 25. Juli 2011, da der bisherige Partner SkyAirWorld zusammenbrach.[143] Im Mai 2012 stellte die Timor Air den Verkauf von Tickets und den Flugverkehr ein. Die Gesellschaft hatte zu wenig Passagiere.[144] Allerdings gibt es noch Verhandlungen über neue Partnerschaften.[145]

Der Baucau Airport ist der einzige Flughafen Osttimors, auf dem größere Maschinen als die Boeing 737 landen können. Er wird in erster Linie für militärische und Versorgungsflüge genutzt. Reguläre, zivile Flugverbindungen nach Baucau sind im internationalen Buchungssystem der Fluggesellschaften zurzeit nicht vermerkt.

Wichtigster Frachthafen des Landes ist Dili. Allerdings haben die Vereinigten Staaten über den Hafen ein Embargo verhängt, da in ihren Augen Schiffe dort nicht genügend vor Terrorangriffen geschützt seien. Premierminister Xanana Gusmão protestierte gegen diese Bewertung.[146]

Eine Fährgesellschaft hat, mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland, eine Verbindung nach Pante Macassar in der Exklave Oecusse hergestellt. Zunächst mit der MV Uma Kalada, die im Februar 2007 durch die Berlin Nakroma ersetzt wurde. Auch dieses Schiff ist ein Geschenk Deutschlands an Osttimor. Sie fährt dienstags und donnerstags von Dili in 12 bis 13 Stunden nach Pante Macassar und am selben Tag zurück. Samstags wird von der Berlin Nakroma die Insel Atauro in zweieinhalb Stunden Fahrt angelaufen. Zusätzlich verbinden kleine Boote Atauro mit Dili.

Es gibt einen Grenzübergang in Mota'ain nah der Nordküste und in Motamasin an der Südküste zum indonesischen Westtimor hin. Seit 2012 befindet sich zusätzlich in Salele ein Grenzposten.[147] Ein regelmäßiger Busverkehr fehlt. Von Oecusse aus führen Grenzübergange bei Napan/Bobometo (Subdistrikt Oesilo), Sacato/Wini und Passabe nach Westtimor. Allerdings sind nur Bobometo und Sacato legale Übergänge.[148]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Situation[Bearbeiten]

Markt in Dili
Fischer in Dili
Lastwagen in Dili

Osttimor ist, laut den Vereinten Nationen, heute vor Afghanistan das zweitärmste Land Asiens. Die Wirtschaftsindikatoren liegen weit hinter denen anderer asiatischer Länder. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 20 %. 37,5 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, die die Vereinten Nationen auf 1,25 US-Dollar pro Tag festgelegt haben.[51] Im Human Development Index (HDI) lag Osttimor 2008 auf Platz 158 (2007: 150).[149] 2009 fiel Osttimor auf Platz 162 zurück, konnte aber seinen Wert von 0,483 auf 0,489 leicht steigern[150] und erreichte 2010 mit 0,502 Platz 120.[151] Nach Änderungen der Kriterien kam Osttimor 2011 auf Platz 147 mit einem Wert von 0,495.[152] 2012 stieg Osttimor auf Platz 134 mit dem Wert 0,576.[153] 2013 gab es einen erneuten Aufstieg auf Platz 128 mit einem Wert von 0,620.[7] Von 2000 bis 2011 hat Osttimor seine Entwicklungsstufe um 20 % gesteigert, mehr als jedes andere Land auf der Welt.[152]

Nach der Volkszählung von 2004 arbeiten 78 % in Land- und Forstwirtschaft und in der Fischerei. 6 % arbeiten in der Öffentlichen Verwaltung, Bildung, Gesundheits- und Sozialdienst, Gemeinden und Verteidigung. Jeweils 4 % für die UN oder dem diplomatischen Dienst, beziehungsweise für Handel, Hotels und Gaststätten. 3 % arbeiten in der Heimarbeit. 2 % arbeiten im Bereich Finanzen, Transport, Lagerung und Kommunikation, nur 1 % im Bereich Bergbau, Ölgewinnung, Elektrizität und im Bau. Mit Macao und Australien gibt es Vereinbarungen über die Entsendung von Gastarbeitern in diese Länder. Am 27. Oktober 2009 trafen die ersten osttimoresischen Gastarbeiter in Südkorea ein.[154] 2012 wurde der nationale monatlicher Mindestlohn in Osttimor von der Regierung auf 115 US-Dollar festgesetzt. Dies gilt sowohl für den privaten wie für den öffentlichen Sektor.[155] Das durchschnittliche Einkommen wuchs von 367 US-Dollar im Jahre 2005 auf 3005 US-Dollar im Jahr 2011. Zwar öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich und Stadt und Land immer weiter, doch ist erkennbar, dass insgesamt immer mehr Einwohner über Geld verfügen.[152]

Bis Ende 1999 wurden ungefähr 70 % der ökonomischen Infrastruktur durch pro-indonesische Milizen und Militärs verwüstet. Neben der fehlenden Infrastruktur sind weitere Probleme ein eklatanter Fachkräftemangel und das hohe Lohnniveau aufgrund der internationalen Präsenz und der Einführung des US-Dollars als Währung. Diese Faktoren verringern die Konkurrenzfähigkeit Osttimors gegenüber seinen Nachbarländern.

Schätzungen zufolge seien jährliche Investitionen von 40 Millionen Euro nötig, um pro Jahr ein Wirtschaftswachstum von fünf bis sieben Prozent zu erzielen. Damit könne die Armut bis 2015 um ein Drittel reduziert werden. Ein UN-Report stellt fest: „Angesichts der voraussichtlichen Einnahmen aus dem Handel mit Öl und Gas ist dies technisch und finanziell machbar“.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel 1999 um 30 %. Während der folgenden drei Jahre wurde das Gebiet mit einem massiven internationalen Hilfsprogramm unter Führung der UN wieder aufgebaut. Das Programm umfasste zivile Beobachter, eine 5000 Mann starke Friedenstruppe und 1300 Polizisten. Das Bruttoinlandsprodukt stieg daher, getragen von der Nachfrage an Dienstleistungen und vom Bausektor, kräftig an (15,4 bzw. 18,3 %) und das Vorkrisenniveau wurde wieder erreicht. Zwischen 2002 und 2005 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt. Im Jahre 2005 war ein Wachstum von 2,9 % zu verzeichnen. Mit dem Abzug des UN-Personals bis zu den Unruhen 2006 schrumpfte zunächst die Wirtschaft des Landes, heißt es in dem Bericht „Der Weg aus der Armut“ des UN-Entwicklungsprogramms 2006.[156] Trotz der Weltfinanzkrise konnte Osttimor 2008 ein Wirtschaftswachstum von 12,8 % erreichen.[157] In einer Umfrage gaben im November/Dezember 2008 29 % der Befragten an, dass sich seit dem Regierungswechsel 2007 ihre finanzielle Situation gebessert habe. Besonders in Oecusse (58 %), Manufahi (49 %) und Lautém (42 %) sahen die Einwohner eine positive Entwicklung, während in Ainaro (16 %) und Baucau (16 %) deutlich weniger Personen eine persönliche Verbesserung sehen. Bei insgesamt 47 % ist sie unverändert, bei 20 % hat sie sich verschlechtert.[54] 2012 wuchs die Wirtschaft um 10,9 %, womit Osttimor das viertstärkste Wirtschaftswachstum in Asien verzeichnen konnte.[158] Der Trend ging auch 2013 so weiter. Der Internationale Währungsfonds schätzte ein pro-Kopf-BIP bezogen auf die Kaufkraftparität für 2013 auf 21.396 US-Dollar.[6] Die Zahl spiegelt aber nicht die Einkommenssituation des einzelnen Osttimoresen wider, da die Gewinne aus den Erdöleinnahmen nicht direkt an die Bevölkerung gehen, sondern in einen staatlichen Fond wandern, aus dem zum Teil der Staatshaushalt finanziert wird. 2011 lag das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen bei 62,12 US-Dollar. Auf dem Land sind es nur 50,08 US-Dollar.[159]

Für die Südküste plant die Regierung Osttimors ein umfassendes Infrastrukturprojekt, namens Tasi Mane project. Die Weiterverarbeitung des Erdgases aus dem Greater Sunrise-Feld in der Timorsee soll nach deren Willen dort erfolgen. Geplant sind von Beaco, über Betano bis Suai eine vierspurige Autobahn, petrochemische Anlagen, eine LNG-Anlage, ein Flughafen und ein Tiefseehafen.[160][161] Die bisher mit der Förderung des Erdgases beauftragte Firma Woodside Petroleum zog aber eine Weiterverarbeitung in Australien oder Offshore vor, weswegen die Regierung die Förderungslizenz stoppte. Außerdem gab es Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der Gewinne und den Steuerzahlungen der Erdölfirmen aus dem kleineren Gasfeld Bayu Undan, unter anderem durch ConocoPhillips. Mit Australien wird derzeit vor Gericht über die Verteilung der Gewinne auf die beiden Staaten gestritten (siehe Kapitel Außenpolitik).[162]

Telekommunikation[Bearbeiten]

Handybenutzerin in Osttimor

Das GSM-Netz wurde von der Timor Telecom aufgebaut, die zu 50,1 % der Portugal Telecom gehört. Weitere Anteilseigner sind der osttimoresische Staat und Vodatel. Mit der chinesischen ZTE wurde von der Timor Telecom 2009 ein Vertrag geschlossen, um das Mobilfunksystem weiter auszubauen und Wideband CDMA zu etablieren.[163] Das Monopol der Timor Telecom wurde 2010 von der Regierung aufgehoben, um den freien Wettbewerb zu ermöglichen.[164] Am 28. Juni 2012 wurde bekanntgegeben, dass PT Telekomunikasi Indonesia International (Telin) und Digicel Pacific Limited (Digicel) Lizenzen erhalten.[165]

Die Anzahl von Mobiltelefonen nahm nach 2006 deutlich zu. Hatten 2006 erst zehn Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon,[166] stieg der Anteil 2012, mit 600.000 Handys, bereits auf mehr als die Hälfte der Einwohner.[167] und 2014 liegt der Anteil der Handybesitzer bei 63 % der Bevölkerung.[168] Festnetzanschlüsse gab es 2008 nur 2.641 (2004: 2.115).[22]

2008 gab es landesweit 926 Internetanschlüsse (2004: 601).[22] 2010 hatten 0,21 % der Bevölkerung Zugang zum Internet.[169] Um Osttimor mit Breitband-Internet zu versorgen, soll in naher Zukunft ein Unterseekabel von Darwin nach Dili verlegt werden.[170]

Energie- und Wasserversorgung[Bearbeiten]

Noch nicht für alle erreichbar: Sauberes Trinkwasser aus einem Brunnen
Wohnort[4] Stromversorgung Fernsehen Radio Telefon Kühlschrank Auto Motorrad
städtisch 87,7 % 62,5 % 44,5 % 86,3 % 31,4 % 14,8 % 34,1 %
ländlich 18,9 % 10,9 % 28,5 % 43,2 % 3,2 % 2,1 % 7,4 %
Gesamt 36,7 % 24,2 % 32,6 % 54,3 % 10,5 % 5,4 % 14,3 %

66 % der Haushalte haben Zugang zu sauberen Trinkwasserquellen,[3] wobei nur 21 % das Wasser am oder im Haus haben. Die Bewohner der anderen Haushalte müssen das Trinkwasser aus öffentlichen Leitungen, Brunnen, Quellen oder Gewässern holen. 90 % der Haushalte benutzen Holz zum Kochen, was zu einem Rückgang der Wälder führt. Fast die Hälfte verwendet Petroleum um Licht zu erzeugen, 37 % Strom.[171] Meistens werden Dieselgeneratoren zur Stromproduktion verwendet, weswegen in kleineren Orten, wenn überhaupt, Elektrizität zumeist nur für wenige Stunden am Abend verfügbar ist. Seit Ende 2007 funktioniert die Stromversorgung der Hauptstadt wieder verhältnismäßig reibungslos, nachdem sie durch die Unruhen von 2006 zusammenbrach.

Seit 2008 arbeitet das von Norwegen gebaute erste Wasserkraftwerk bei Gariuai (Distrikt Baucau).[172] Daneben gibt es Projekte mit Biogas-Kraftwerken, die von Dorfkooperativen betrieben werden, so in Loi-Huno (Viqueque) und Ponilala (Ermera).[173]

2011 kamen sieben Generatoren für ein Ölkraftwerk aus Finnland in Hera an. Sie sollen 120 MW für das nahegelegene Dili produzieren.[174] Die finnische Wärtsilä betreibt das Kraftwerk seit 2012.[175] In Betano wurde ein Kraftwerk mit 130 MW zur Versorgung der Südküste gebaut und am 20. August 2013 offiziell eingeweiht.[176] Neun Substationen wurden errichtet. Von den geplanten 600 km Hochspannungsleitungen und 120 km Verteilungskabel sind im August 2013 90 % errichtet. Damit besteht eine zentrale Stromversorgung in 47 Subdistrikten in 12 der 13 Distrikte. Bis 2015 soll in der Exklave Oecusse ein Kraftwerk gebaut werden. Die Insel Atauro soll mittels eines Unterwasserkabels mit Strom versorgt werden.[177]

Anteil Haushalte mit …[171]
… Hauswänden aus …
Ziegel/ Beton Holz Bambus Lehm Eisen-/ Zinkblech Palmwedel Natursteine Sonstiges
30 % 4 % 31 % 3 % 1 % 28 % 1 % 1 %
… Dächern aus … … Böden aus …
Palmwedel/ Stroh/ Bambus Eisen-/ Zinkblech Dachziegel Sonstiges Beton Fliesen Boden/ Lehm Bambus/ Holz Sonstiges
31 % 66 % 1 % 1 % 26 % 7 % 59 % 4 % 4 %
Trinkwasserversorgung durch …
Leitung oder Pumpe im Haus Leitung oder Pumpe außerhalb Öffentliche Leitung, Brunnen, Bohrloch geschützte Quelle nicht geschützte Quelle Oberflächengewässer Sonstiges
5 % 16 % 29 % 14 % 19 % 13 % 0 %
Energiequelle zum Kochen Lichtquelle
Elektrizität Petroleum Holz Sonstiges Elektrizität Petroleum Holz Lichtnuss/
Candle berry
Sonstiges
3 % 6 % 90 % 2 % 37 % 49 % 3 % 5 % 5 %

Außenhandel[Bearbeiten]

Jahresvergleich Export/Import

33 % der Importe 2009 in Osttimor stammen aus Indonesien, 19 % aus Singapur, 17 % aus Australien, 12 % aus Vietnam und 4 % aus der Volksrepublik China. Auf der Liste der Importeure ist Portugal auf Platz 6 nach Australien das erste Land, das nicht in Ost- oder Südostasien liegt, Dänemark folgt auf Platz 10. Deutschland folgt auf Platz 21 mit einem Handelsvolumen von nur 314.000 US-Dollar. Nachdem der Wert der Importe von 2004 bis 2006 um 23 % sank, stieg er 2008 fast auf das dreifache Volumen an und erhöhte sich 2009 nochmals auf insgesamt 282,6 Mio. US-Dollar. 2009 machten Fahrzeuge und Fahrzeugteile 20,7 % der Importe aus. Auffällig ist der starke Rückgang bei der Einfuhr von Erdöl und Treibstoffen. Er hat sich etwa halbiert (nun 13,5 % des Gesamtimports.) Größere Anteile am Import stellen Elektrogeräte, Maschinen und Getreide (Reis). Außerdem weitere Lebensmittel und Medikamente.

Die Handelsbilanz von 2008 wies nur Kaffee als Exportgut Osttimors aus, 2009 hatte er einen Anteil von 97,6 %. Andere Waren machen beim Exportwert nur 200.000 US-Dollar der insgesamt 8,5 Millionen US-$ aus. Deutschland ist in der Gesamtmenge größter und nach dem Warenwert, nach den USA, der zweitgrößte Importeur von osttimoresischen Kaffee. Die weltweit exportierte Menge hat sich von 2004 bis 2008 fast verdreifacht, der Wert fast verdoppelt. 2009 kam es zum Einbruch der Kaffeeexporte. Nur noch 47 % der Menge des Vorjahrs wurden ausgeführt. Der Warenwert betrug nur noch 65,6 % des Wertes von 2008.

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Filiale der portugiesischen Caixa Geral de Depósitos in Dili

Osttimor ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank sowie der Asian Development Bank (ADB).

Die Lage des Staatshaushalts verbessert sich aufgrund der gestiegenen Einnahmen im Öl- und Gassektor infolge des hohen Ölpreises zusehends. Eine Auslandsverschuldung existiert nicht, da die internationalen Hilfeleistungen bisher als Zuschüsse (grants) gewährt wurden. Der Staatshaushalt für 2008 hatte ursprünglich eine Höhe von 348,1 Millionen US-Dollar.[178] Aufgrund der rapide steigenden Preise für das Grundnahrungsmittel Reis auf dem Weltmarkt und der Schwäche des US-Dollars, entschloss sich die Regierung Ende Juli 2008 das Budget auf 612 Millionen US-Dollar zu erhöhen. Dafür wurden erstmals die nationalen Reserven aus den Erdölgeschäften angetastet. Im November 2008 wurden die Pläne der Regierung aber vom Obersten Gericht des Landes als verfassungswidrig erklärt.[179] Für 2009 hatte das Parlament einen Staatshaushalt von 1,05 Milliarden US-Dollar verabschiedet.[157] Für 2010 sank er wieder auf 659,996 Millionen US-Dollar. Das Defizit beträgt 572,6 Millionen US-Dollar, allein 502 Millionen US-Dollar davon werden aus dem Erdölfonds finanziert. Der Großteil des Budgets geht in den Ausbau der Infrastruktur. 2011 betrug der Staatshaushalt 989,1 Millionen US-Dollar,[180] 2012 hatte er eine Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar, davon wurden aber nur 87 % ausgegeben.[181] Für 2013 wurde der Haushalt auf 1,6 Milliarden festgelegt.[182]

Ziel der Wirtschaftspolitik sind stabile Staatsfinanzen und die Förderung des Privatsektors. Eine Aufsichtsbehörde für das Banken- und Zahlungssystem (Banking and Payments Authority) wurde bereits gegründet, ebenso das Nationale Statistisches Amt. Die Politik wird geprägt von einer moderaten Ausgabenpolitik, der Begrenzung der Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten und den Bemühungen um eine Verbreiterung der steuerlichen Basis. Seit 2009 wird über eine eigene Nationalbank nachgedacht. Bankfilialen finden sich in Dili, Baucau, Viqueque, Gleno, Maliana und Suai.[183]

Zurzeit wird ein Industriepark gebaut, um ausländische Investoren anzuziehen. Investitionshemmnisse müssen aber noch abgebaut werden, um die Privatwirtschaft in Gang zu bringen. Mit Programmen zur Erleichterung des Zugangs zu Krediten für die klein- und mittelständische Industrie sollen weitere Anreize geschaffen werden. Die Regierung hat ein Investitionsgesetz verabschiedet, dass Anlegern Rechtssicherheit garantiert. Hiermit soll die Attraktivität Osttimors für Investoren gesteigert werden.

Währung[Bearbeiten]

50-Centavos-Münzen von Osttimor

Landeswährung ist seit Januar 2000 der US-Dollar. Daneben sind seit 2003 eigene Centavo-Münzen im Gebrauch. Ein Centavo entspricht dabei einem US-Cent. Die Münzen gibt es in Werten von 1, 5, 10, 25 und 50 Centavos. Dazu wurde 2012 die erste Sondermünze des Landes im Wert von 100 Centavos ausgegeben. Landeseigene Banknoten gibt es nicht.

Die Einführung des US-Dollars war eine politische Entscheidung. Als Alternativen standen die Einführung einer eigenen Währung oder später die des Euros zur Auswahl. Eine eigene Währung schien aufgrund der Landesgröße als sinnlos. Der Euro wurde erst wenige Monate vor der Unabhängigkeit Osttimors 2002 als Bargeld eingeführt. Der Wechselkurs zum US-Dollar war zu diesem Zeitpunkt sehr gering, die Zukunft schien noch unsicher. Der US-Dollar wurde schon zuvor von Privatleuten als sichere Währung verwendet. Außerdem hat er auch für die Volkswirtschaften der Nachbarstaaten große Bedeutung, ebenso für den Erdölhandel, auf den Osttimor große Hoffnungen setzte. Daher wurde trotz der engen Beziehungen zu Portugal der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel eingeführt.

Durch die Dollarisierung verzichtete Osttimor zunächst auf eine eigenständige Geldpolitik. Die Seigniorage-Einnahmen beschränken sich auf die Ausgabe der Centavo-Münzen. 2011 wurde die Bank Payment Authority (BPA) in die Nationale Zentralbank Osttimors (BCTL) umgewandelt. Präsident der Zentralbank wurde der ehemalige BPA-Chef Abráo Vasconcelhos (Stand 2011).[184]

Bodenschätze[Bearbeiten]

Bei Suai wurde bereits während der Kolonialzeit Öl gefördert.

Erdöl ist das wichtigste Wirtschaftsgut Osttimors. 2010 machte der Erdölsektor 79 % des Bruttoinlandsprodukts, 67 % des Bruttonationaleinkommens und 58 % des verfügbaren Bruttonationaleinkommen aus.[185] Erdölvorkommen an Land waren schon früh bekannt. Bereits 1884 versorgte man die Lampen Dilis mit Öl aus Laclubar.[186]

Noch in der portugiesischen Kolonialzeit wurden in der Timorsee zwischen Timor und Australien mehrere Ölfelder entdeckt. Diese Vorkommen gehören zu den reichsten im asiatisch-pazifischen Raum. Am 11. Dezember 1989 schlossen Indonesien und Australien den Timor Gap Treaty, der die Ressourcen unter den zwei Staaten aufteilte. Noch im Mai 2004 bestätigte die australische Regierung erneut die Gültigkeit des Vertrages in einer Form, die die Seegrenze, und damit auch die Rohstoffe, zu Gunsten Australiens verschob.[187] Am 12. Januar 2006 einigten sich Osttimor und Australien im Treaty on Certain Maritime Arrangements in the Timor Sea (CMATS-Treaty), den Gewinn aus dem Öl- und Gasvorkommen der Greater Sun Rise Area zu gleichen Anteilen aufzuteilen. Ein 50-Jahre-Moratorium bezüglich der Seegrenze wurde vereinbart, ohne dass Osttimor auf seine Ansprüche verzichtet. Am 7. November 2006 unterzeichnete Osttimor einen ersten Vertrag über die Ausbeutung von fünf der insgesamt elf ausgeschriebenen Blöcke des Ölfeldes mit dem italienischen ENI-Konzern, zehn Tage später wurde eine ähnliche Vereinbarung mit der indischen Reliance-Industries-Gruppe abgeschlossen und schließlich im Dezember ein Joint Venture mit Kuwait vereinbart, für das die East Timor Trading Company gegründet werden soll.

Die Firma PetroChina führte 2004 seismische Untersuchungen von 70 % des osttimoresischen Festlands auf Erdölvorkommen durch. Als PetroChina aber die Exklusivausbeute möglicher Festlandsvorkommen von Öl und Gas forderte, lehnte die osttimoresische Regierung ab.[112]

Weitere Bodenschätze spielen derzeit keine Rolle. Marmor gibt es in nennenswerten Mengen, dazu etwas Gold, Mangan und Kupfer.[188] Heiße Quellen in einigen Regionen deuten auf geothermische Energie hin.

Landwirtschaft und Handwerk[Bearbeiten]

Anteil Haushalte mit …
Ackerbau
Feldfrüchte Anteil 2010[171] Produktion 2008[22]
Mais 55 % 100.170 t
Reis 25 % 80.236 t
Maniok 51 % 35.541 t
Kokosnüsse 42 % keine Angaben
Gemüse 43 % 14.247 t (mit Obst)
Kaffee 28 % keine Angaben
Viehzucht
Nutzvieh Anteil 2010[171] Anzahl der Tiere 2010[171]
Hühner 67,5 % 702.474
Schweine 67,1 % 330.435
Rinder 23,3 % 161.654
Wasserbüffel 10,4 % 96.484
Pferde 15,0 % 57.819
Ziegen 24,8 % 152.360
Schafe 3,8 % 41.854
Reisdreschen mit Wasserbüffeln
Reisanbaugebiete in Osttimor

Der Großteil der timoresischen Bevölkerung lebt von der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei. 63,1 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 80,0 % hält Nutztiere.[3] Die unterschiedlichen Kulturen Timors hängen ökonomisch von Nahrungsmitteln wie Mais (Produktion 2008: 100.170 t), Reis (80.236 t), Maniok (35.541 t) und verschiedenen Obst und Gemüse (14.247 t) ab.[22] Vom Osten von Manufahi und Manatuto bis in den Westen von Lautém, im Zentrum Bobonaros und im Osten Cova Limas dominiert der Reisanbau. Mais wird eher im zentralen Hochland angebaut.

Eine regionale Teilung gibt es auch bei domestizierten Tieren: Büffel und Schwein werden überall auf Timor gezüchtet, aber der Büffel besitzt zum Beispiel für die Makasae eine größere Bedeutung als das Schwein. In anderen Regionen, bei den Ost-Tetum beispielsweise, ist das Schwein von wirtschaftlich größerer Bedeutung als der Büffel. Überall in Osttimor spielen Hühner eine wichtige Rolle in der Versorgung der Bevölkerung. Andere Haustiere sind Ziegen, Schafe und Pferde.

Subdistrikte mit Nahrungsmangel im November 2007

Durch Dürre, Ungeziefer und Pflanzenkrankheiten sanken 2007 die Ernteerträge bei Mais um 30 % auf 70.000 Tonnen, bei Getreide, Maniok und Knollenfrüchte um 25 bis 30 % und bei Reis um 20 %. Zusätzlich wurde die Situation noch durch die 100.000 Binnenflüchtlinge verschärft. Ein Fünftel der Bevölkerung litt an Unterernährung und musste mit Hilfslieferungen versorgt werden. Man schätzt, dass Osttimor 86.000 Tonnen an Lebensmitteln einführen musste um die Verluste auszugleichen, 15.000 Tonnen davon musste durch internationale Nahrungsmittelhilfen aufgebracht werden.[66][189] Laut dem Landwirtschaftsministeriums litten Ende des Jahres noch elf Subdistrikte unter Nahrungsmittelknappheit. Anfang 2008 wurde die Situation erneut durch Überflutungen und Sturmschäden in elf der dreizehn Distrikte und erneute Heuschreckenplagen verschärft.[190] 2009 entsandte China ein Team vom Henan Hybrid Rice Institute nach Osttimor. Die timoresische Regierung gibt an, dass mit dessen Hilfe und der Einführung des chinesischen Hybridreises die Erntemengen um das Fünffache gesteigert werden konnten.[112]

Seit 1815 wird Kaffee in Osttimor angebaut und exportiert. Gerade im Hochland wächst ein besonders aromatischer und milder Kaffee. Sein Potential wird aufgrund fehlender Transport- und Veredelungsmöglichkeiten bisher nur teilweise ausgeschöpft. Die Cooperativa Café Timor (CCT) ist Osttimors größte Kooperative mit etwa 22.000 Pflanzern als Mitglieder. In der Erntezeit ist sie der größte Arbeitgeber Osttimors mit 3.000 Arbeitern. Die CCT bildet so die Lebensgrundlage für 44.000 Familien. Ein Viertel der Bevölkerung Osttimors ist abhängig von der Kaffeeproduktion. Hauptzentren sind die Distrikte von Ermera, Ainaro und Liquiçá. Die CCT ist der weltgrößte Produzent und Verkäufer von zertifiziertem Bio-Kaffee. Mit seinem Ruf für konstante Qualität, der seit 1994 aufgebaut wurde, erzielt der ökologische fair gehandelte Arabica-Kaffee Höchstpreise am internationalen Markt. 2005 hat Starbucks ein Drittel der Kaffeeernte aufgekauft. 2004 wurden von der CCT 7.689 t Kaffee exportiert, 2005 waren es 7.210 t. 2006 kam es aufgrund der Unruhen aber zu Ernteausfällen von bis zu 20 %. Auch aufgrund der unsicheren Lage nach dem Attentat in Dili am 11. Februar 2008 kam es zu Behinderungen bei der Kaffeeernte, die zu Verlusten führte.[191] Trotzdem erzielte die CCT in diesem Jahr mit 19.000 t Kaffee und Kaffeeexporten im Wert von 12 Millionen US-Dollar ein Rekordergebnis. Der zweitgrößte Exporteur Timor Corp. verkaufte 6.000 t. Es gibt aber noch strukturelle Probleme. Die Kaffeepflanzen gehören zu den ältesten noch produzierenden Kaffeesträuchern der Welt. Meistens sind Sträucher 15 bis 20 Jahre alt, in Osttimor sind 90 % der Pflanzen über 30, manche sogar über 70 Jahre alt. Auch ging durch die indonesische Besatzungszeit viel Wissen über Kaffeepflanzungen verloren. Im nahen Papua-Neuguinea wird auf vergleichbaren Flächen die doppelte Ernte gewonnen.[192] 2009 sank der Kaffeeexport auf 47 % der Vorjahresmenge. 2010 konnte die CCT nur noch eine Ernte von 11.000 t verzeichnen. Für 2011 wird aufgrund starker Regenfälle mit nur noch 8.000 t gerechnet.[193]

Durch den Anbau von Vanille, Kakao und Erdnüssen neben dem bereits als Exportgut etablierten Kaffee sind hier zukünftig Ertragssteigerungen zu erwarten.

Vor und während der Kolonialzeit war Timor für sein Sandelholz bekannt, dessen Vorkommen bereits im 19. Jahrhundert nahezu erschöpft waren. Außerdem ist Osttimor in der Region berühmt für seine farbenfrohen gewebten Stoffe, die sogenannten Tais. Diese unterscheiden sich je nach Region des Landes. Auch traditioneller Silberschmuck wird hergestellt. Daneben gibt es kleine Schmieden, Holzverarbeitung, Töpfereien und Möbelmacher.

Tourismus[Bearbeiten]

Strand der Stadt Baucau
Korallenriff an der Nordküste Osttimors

Das Land bietet zum Wandern geeignete Berge, Strände, Tauchgebiete, heiße Quellen (zum Beispiel die Termas do Marobo) und eine große kulturelle Vielfalt. Gerade die Korallenriffe gehören zu den artenreichsten der Welt. Die Wälder und Feuchtgebiete bieten gute Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung. Vorteilhaft ist auch die unmittelbare Nähe zu den beliebten Touristenzielen Australien und Bali. Fehlende Infrastruktur und teilweise hohe Preise, aufgrund der ausländischen Truppen, bereiten immer noch Schwierigkeiten, weswegen bisher eher Rucksacktouristen den Weg hierher fanden. 2006 warb Osttimor zum ersten Mal auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin um Besucher und wiederholte dies 2012.

In den ersten Jahren kam es immer wieder zu Gewaltausbrüchen, die mögliche Touristen zurückschrecken ließen. Hauptsächlich in Dili kämpften kriminelle Jugendbanden gegeneinander, bis 2008 mehrere Gruppen einen Friedensvertrag untereinander schlossen. Seitdem hat sich die Situation etwas beruhigt. Im Oktober 2008 wurden Pläne für ein Fünf-Sterne-Hotel in Tasitolu, nahe Dili, bekannt. Es wäre das erste Luxushotel dieser Art in dem Land.[194] Weitere Großhotels und Beach Ressorts werden vor allem von Investoren aus Australien, China und Macao geplant.[112][195] 2011 reisten 50.590 Ausländer über den internationalen Flughafen Dilis nach Osttimor ein.[5] Die 18 registrierten Hotels des Landes mit 869 Zimmern und insgesamt 871 Betten registrierten 2011 17.422 Gäste (2008: 12.026, 2006: 7.858) und 101.948 Übernachtungen (59.512, 35.533). Der durchschnittliche Zimmerpreis beträgt 68 US-Dollar. 434 Menschen arbeiten in den 18 Hotels und verdienen durchschnittlich 183 US-Dollar monatlich.[5]

Kultur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Die Portugiesische Schule in Dili

1974 waren noch 95 bis 99 % der Bevölkerung Analphabeten. 2004 waren es noch etwa 54,2 %; von den Frauen zwischen 15 und 60 Jahren konnten sogar 58,2 % nicht lesen und schreiben.[28] Laut Zensus 2010 reduzierte sich inzwischen die Zahl der Analphabeten auf 20,9 %, wobei 77,8 % in Tetum, 55,6 % in Indonesisch, 39,3 % in Portugiesisch und 22,3 % in Englisch lesen und schreiben können.[4] 2011 nannte Präsident José Ramos-Horta, die Distrikte Lautém, Manatuto und Manufahi als inzwischen frei von Analphabetismus.[196]

201.264 Schüler besuchen die Grundschulen (Primário), 27.972 die Schulen zur Vorbereitung auf die Sekundärstufe (Pre-secundário) und 16.443 die Sekundarschulen (Secundário, Colégio) des Landes (Stand: 2007/2008). Der Mädchenanteil entspricht dabei beinahe ihren Anteil in der Bevölkerung.[22] 6.000 Lehrer unterrichten sie. 2008/2009 gab es in Osttimor 1009 Grundschulen (2001: 700), 168 Prä-Sekundarschulen, 73 Sekundarschulen, 40 Vorschulen und zehn technische Hochschulen.[22] Privatschulen haben einen großen Anteil an der Bildung. Bei den Grundschulen sind 13 % nicht in öffentlicher Hand, bei den Prä-Sekundarschulen 27 % und bei den Sekundarschulen sogar 40 %.[22] Die Einschulungsquote von Kindern im Grundschulalter beträgt lediglich 75 %. Weniger als die Hälfte beenden die sechs Jahre Schule, nur 30 % der Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren gehen überhaupt zur Schule. Die Sekundarschule wird von 15- bis 18-Jährigen besucht. Die Universidade Nasionál Timór Lorosa'e UNTL hatte 2004 etwa 8.000 Studenten. Daneben gibt es zwei Privatuniversitäten mit 2.000 bis 3.000 Studenten.

Von den Einwohnern, die fünf Jahre oder älter sind, besuchten 2010 36,4 % (Frauen: 35,1 %; Männer: 37,6 %) eine Schule. 28,7 % (26,3 %; 31,1 %) haben die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 28,7 % (37,7 %; 30,5 %).[171] 5,6 % der Einwohner haben nur die Vorschule besucht, knapp die Hälfte die Grundschule. Weiterführende Schulen haben knapp 40 % der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können 6,0 % vorweisen.[171]

Schulbildung[171] Schulabschluss[171]
in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-
Sekundär
Sekundär Diplom/ Fach-
hochschule
Universität Kein Abschluss
Frauen 35,1 % 26,3 % 37,7 % 5,9 % 48,8 % 18,7 % 21,2 % 0,7 % 4,1 % 0,7 %
Männer 37,6 % 31,1 % 30,5 % 5,4 % 48,9 % 16,6 % 21,7 % 1,1 % 5,9 % 0,4 %
gesamt 36,4 % 28,7 % 34,1 % 5,6 % 48,8 % 17,6 % 21,4 % 0,9 % 5,1 % 0,5 %

Die ersten drei Jahre wird auf Tetum unterrichtet, danach steigt sukzessiv der Anteil an Unterricht in Portugiesisch. Anfang 2012 begann eine heftige Diskussion über Pläne in Grundschulen auch Unterricht in den jeweiligen Nationalsprachen zu halten. Demnach sollen die Kinder zunächst in der Vorschule in ihrer Muttersprache und mündlich in Tetum unterrichtet werden. Mit Beginn der Grundschule folgt dann mündlich Portugiesisch. Sobald die Schüler ihre Muttersprache schriftlich beherrschen (2. Klasse), soll das Lesen und Schreiben in Tetum folgen, später in Portugiesisch (ab der 4. Klasse). Dies führt zu einer bilingualen Ausbildung in den beiden Amtssprachen, die Muttersprache wird zur Unterstützung verwendet. Die Lesefähigkeit in der Muttersprache soll dann weiter gefördert werden. Schließlich erfolgt der Unterricht nur noch in den Amtssprachen. In der 7. Klasse kommt Englisch als Fremdsprache dazu und Bahasa Indonesia als Wahlfach, zusammen mit anderen Sprachen in der 10. Klasse.[197] Während Befürworter so die kulturelle Identität der verschiedenen ethnolingustischen Gruppen des Landes bewahren wollen, empfinden viele das Programm als Bedrohung der nationalen Einheit.

Medien[Bearbeiten]

Ausbildung von Radiojournalisten

Aufgrund der vielen verschiedenen Sprachen, die in Osttimor im Gebrauch sind, erscheinen auch die Zeitungen in unterschiedlichen Sprachen. Die Diario Tempo, Diario Nacional und Seminario erscheinen in Portugiesisch. Die Lia Foun erscheint in Tetum. Timor Post (in Tetum und Bahasa Indonesia), East Timor Sun und Suara Timor Lorosae (in Englisch, Portugiesisch, Bahasa Indonesia und Tetum) erscheinen in mehreren Sprachen. Eine Zeitung erscheint wöchentlich, drei täglich und andere sporadisch.[169]

Fernsehen spielt national eine geringe Rolle. Wohlhabendere Timoresen besitzen Satellitenfernseher und sehen oft indonesische und australische, teils auch chinesische Sender. Der nationale Sender ist Televisão de Timor Leste (TVTL). Er sendet auch Eigenproduktionen auf Tetum, wie zum Beispiel eine beliebte Comicserie über Geschichte und Legenden Timors.

Der Großteil der Bevölkerung nutzt das Radio, um sich zu informieren. Als Hauptquelle für politische Information geben 31 % das Radio, 27 % das Fernsehen, 13 % Freunde und Nachbarn, 9 % lokale Führungspersönlichkeiten und 3 % Zeitungen an.[54] 33 % der Haushalte verfügen über ein Radiogerät.[171] Auch hier sind viele Sprachen im Gebrauch. Derzeit gibt es in Osttimor mehr als 15 kommunale, einen nationalen staatlichen und drei weitere Radiosender.[169] Überregional sind Radio Falintil/Voz da Esperanca, Radio Nacional de Timor Leste (RTL), der Parteisender der FRETILIN Radio Maubere und der katholische Sender Radio Timor Kmanek (RTK) von Bedeutung. Der Radiosender Rádio Communidade de Lospalos ist für den Distrikt Lospalos ein Beispiel der verschiedenen kommunalen Radiostationen, die die Bevölkerung mit Nachrichten versorgen.[198]

Die Reporter ohne Grenzen listeten Osttimor in Bezug auf Pressefreiheit 2014 auf Platz 77 (Wert: 29,04),[199] 2013 auf Platz 90 (Wert: 28,72).[200] und 2012 Platz 86. 2010 stand das Land auf Platz 93 (Wert: 25,00), womit das Land nach 2009 (Platz 72, 16,00)[201] erneut in der Statistik sank und fast den Wert von 2007 (Platz 94, 27,00) erreichte. Seinen besten Wert hatte Osttimor 2008 mit 13,75.[202] Im Vergleich zu seinen südostasiatischen Nachbarländern ist die Situation in Osttimor aber deutlich besser. Indonesien liegt auf Platz 132, Singapur auf 150, Brunei auf 117 und Malaysia auf 147.[199] Teilweise wird kritisiert, dass es eine Kultur der Achtung und des Respekts vor der Hierarchie gäbe. So würden Meldungen nur den Inhalt von Pressekonferenzen wiedergeben.[169]

Tradition[Bearbeiten]

Gebäude im traditionellen Stil in Lospalos

Die Kultur Osttimors weist, neben europäischen und asiatischen Merkmalen, auch zahlreiche pazifische Einflüsse auf. Die Lebensweise der Einwohner Osttimors hat mit derjenigen der Einwohner des indonesischen Westens der Insel wenig gemein. Der Einfluss der katholischen Kirche auf die Lebensweise der Einwohner ist beschränkt und die Gesellschaft sehr liberal.

Die kulturellen Traditionen Timors zeichnen sich durch unterschiedliche soziale Institutionen aus. Die sozialen Organisationen der einzelnen Gesellschaften können matrilinear / uxorilokal oder patrilinear / patrilokal strukturiert sein; einzelne Gruppen schwanken zwischen diesen Möglichkeiten verwandtschaftlicher Organisation. Während die soziale Organisation der Baikeno wahrscheinlich durch eine symmetrische Allianz charakterisiert ist, findet sich die asymmetrische Allianz beispielsweise bei den Makasae, Naueti und Fataluku. Bei den Tetum herrschen bilaterale beziehungsweise kognate Abstammungsregeln vor.

Heiraten und wirtschaftlich-rituelle Allianzen, die sich entlang dieser Organisationsstrukturen bilden, werden über die soziale Institution des sogenannten „Brautpreises“ gesteuert, bei dem Frauen und Güter, die zwischen den sozialen Gruppen zirkulieren, immer in eine bestimmte Richtung fließen. Patrilineare und patrilokale Organisationen zeichnen sich gegenüber matrilinearen und uxorilokalen durch eindrucksvolle Gütertransaktionen aus. In den meisten Kulturen Timors bestimmt die Vollständigkeit des übergebenen „Brautpreises“ die Residenz des Ehepaares. Wird kein oder nur ein unzureichender „Brautpreis“ gezahlt, wohnt der Ehemann in der Frauengeberlineage; die Kinder verbleiben ganz in dieser Lineage.

Katzen gelten in Osttimor als heilig. Wenn man eine Katze tötet, soll man selbst und seine Nachkommen bis in die siebente Generation verflucht sein. Bei Beerdigungen werden Katzen vom Leichnam ferngehalten, weil laut einem Volksaberglauben der Tote, beherrscht von bösen Geistern, wieder zum Leben erwacht, wenn eine Katze über ihn springt.

Architektur[Bearbeiten]

Hafengebäude in Dili mit Dach im traditionellen Stil

Bei den traditionellen Hütten unterscheidet man zwischen den Schlafhäusern (tetum Uma tidor) und Heiligen Häusern (tetum Uma lulik).[203] Ein weit verbreitetes nationales Symbol für Osttimor sind Hütten mit steilen Dächern, quadratischen Grundriss und Stelzen. Diese Häuser auf Beinen (fataluku Lee-teinu) sind die heiligen Häuser der Fataluku an der Ostspitze der Insel. Sie waren während der indonesischen Besatzung und vor allem der Gewaltwelle von 1999 fast alle verschwunden. Seit der Unabhängigkeit werden sie wieder neu errichtet, ebenso wie die traditionellen heiligen Häuser der anderen Ethnien. Die steilen Dächer der Fataluku-Häuser dienen auch als Vorbild für moderne Gebäude, wie zum Beispiel beim Präsidentenpalast, dem Flughafen und Hafen von Dili oder die katholische Kirche von Lospalos.

Pfahlhäuser sind bei mehreren Ethnien verbreitet. Von diesen gibt es zwei verschiedene Basistypen. Beiden Basistypen gemeinsam sind die Pfähle, ein erhöhter Boden und ein Schrägdach. Zum ersten Typ gehören die Bauten der Fataluku und Makasae, die beiden Ethnien im äußersten Osten des Landes. Die Hütten verfügen über drei Ebenen: Fuß, Raum und Dach. Das Dach ist in zwei Ebenen mit verschiedenen Steigungen geteilt. Den zweiten Basistyp findet man bei Mambai, Bekais, Tetum Terik, Bunak, Kemak und Makalero. Außerdem gehören auch die abgeleiteten Typen Manatuto und Lefo dazu. Bei diesem Typ gibt es jeweils mindestens drei verschiedene Sorten von Pfählen, die den Boden und das Dach abstützen. Mehrere Ringe aus peripheren Stangen bilden das kreisrunde Dach.[203]

Markant im Vergleich zu den benachbarten Ethnien sind die traditionellen Rundhütten der Mambai, die noch heute als Wohnhäuser weit verbreitet sind.[204]

Traditionelle Tracht[Bearbeiten]

Vor allem zu festlichen Anlässen sieht man noch die traditionellen Wickelröcke, die sowohl von Männern, als auch von Frauen getragen werden. Die gewebten Tücher werden Tais genannt. An ihren Mustern kann man die Herkunft aus den verschiedenen Regionen, Ethnien und Gruppen erkennen. Männer tragen sie um die Hüfte, der Oberkörper ist unbedeckt oder man trägt ein einfaches Hemd oder ein weißes, armelloses Unterhemd. Frauen wickeln sich die Tais zum Teil unter die Achseln um die Brust, so dass nur die Schultern frei sind. Manchmal werden diese mit einem weiteren Tais bedeckt. Andere wickeln den Tais um die Hüfte und tragen am Oberkörper eine Bluse, die Kebaya genannt wird. Kebayas stammen ursprünglich von der Insel Java, sind aber im gesamten Malaiischen Archipel beliebt.[205] Noch in den 1930ern trugen die Frauen bei vielen Ethnien Timors keine Oberbekleidung.[206] Zu Festlichkeiten schmücken sich Männer und Frauen mit Federn am Kopf oder mit dem Kaibauk, der timoresischen Krone. Sie ist ein Symbol der Weiblichkeit, während das Belak, eine metallene Brustscheibe, die um den Hals gehängt wird, die Männlichkeit symbolisiert.[205] Dazu kommen Perlenketten, Haarnadeln bei den Frauen, Armreife und anderer Silberschmuck. An den Fußknöcheln sieht man manchmal ebenfalls Schmuck, so tragen Tänzer kleine Glocken. Die Ketten mit orangefarbenen Steinen, die Mortel genannt werden, dienen oft als Brautpreis. Diese sogenannten Mutissalas haben teilweise den Gegenwert mehrerer Rinder.[207]

Als Kopfbedeckung dienen bei Frauen und Männer im westlichen Teil des Landes traditionell turbanähnlich gewickelte Kopftücher. Bei Männern in der Region von Maubisse sieht man auch breitkrempige Hüte, die an Cowboyhüte erinnern. Im Alltag hat sich westliche Kleidung in Form von Hemden, T-Shirts, Hosen und Jacken weit verbreitet. Statt barfuß zu laufen, benutzen viele Menschen nun Flip-Flops. Zum Teil wird westliche Kleidung mit der traditionellen Kleidung kombiniert.

Musik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Musik in Osttimor
Timoresische Tänzerinnen in traditioneller Kleidung mit Babadok-Trommeln

Die Musik Osttimors spiegelt den Einfluss der Fremdherrschaft wider, unter der das Land fast 500 Jahre stand. Portugiesen und Indonesier brachten beide ihre Musik wie etwa Fado und Gamelan mit. Die am weitesten verbreitete Volksmusikrichtung ist der Likurai-Tanz, der für die vom Krieg heimkehrenden Männer von den Frauen vorgeführt wird. Der Tanz wurde von einer kleinen Trommel begleitet. In früheren Zeiten trug man dazu die Köpfe erschlagener Feinde in einer Prozession durch das Dorf. Heutzutage wird dieser Tanz von den Frauen zur Werbung verwendet.

Die Gitarre ist seit langem ein wichtiger Bestandteil der osttimoresischen Musik. Sie wurde von den Portugiesen eingeführt, jedoch gibt es auch einheimische Saiteninstrumente, die ihr ähneln. Ebenfalls von den Portugiesen beeinflusst ist die reichhaltige Kirchenchortradition.

Das Karau dikur ist ein Horn aus einem Wasserbüffelhorn. Es wird im Heiligen Haus (Uma Lulik) oder dem Wohnsitz des Liurais geblasen, um die Dorfbewohner für große Anlässe zusammen zu rufen. Es wird auch bei traditionellen Tänzen verwendet. Die Kakalo'uta ist ein Schlaginstrument aus drei aufgehängten Hölzern der Fataluku. Es wird aus dem Ai Solda-Baum hergestellt.

Die moderne timoresische Musik hat enge Bindungen zur ehemaligen Unabhängigkeitsbewegung. So hat etwa die Band Dili All Stars ein Lied veröffentlicht, das zu einer Hymne während der Vorbereitung zum Unabhängigkeitsreferendum 1999 wurde. Die Vereinten Nationen gaben den Auftrag zu dem Lied Hakotu Ba von Lahane, das die Bevölkerung ermutigen sollte, sich für das Referendum zu registrieren.

Zu den osttimoresischen Popmusikern gehört Teo Batiste Ximenes, der in Australien aufwuchs und Folkrhythmen Osttimors in seiner Musik verwendet. Viele osttimoresische Auswanderer brachten ihre Volksmusik auch in die Welt, so nach Portugal und Australien. In Portugal wurde diese mit Musikrichtungen aus anderen portugiesischen Kolonien wie Angola und Mosambik vermischt. Weitere Einflüsse stammen von Rock ’n’ Roll, Hip Hop und Reggae. Aktuelle Bands aus Osttimor sind Ego Lemos, 5 do Oriente, Rai Na’in, Detective und Diosis Putri.[208]

Die in Osttimor geborene Sängerin Sandra Pires ist unter anderem in ihrer jetzigen Heimat Österreich erfolgreich. Ihre Eltern flohen vor dem Bürgerkrieg von 1975. 2007 trat Pires erstmals in ihrem Geburtsland auf.

Essen und Trinken[Bearbeiten]

Tukir, gekocht in Bambusstangen
Palmsaft wird zur Herstellung von Palmwein aufgefangen
Gegrillte Sardinen

Die osttimoresische Küche spiegelt die verschiedenen Einflüsse wider, denen das Land unterworfen war. Man findet in ihr chinesische, portugiesische und indonesische Elemente.

In den Bergen wächst Kaffee, der hocharomatisch und mild ist. Er wird gerne zum Frühstück getrunken. Dazu gibt es Brot und Butter. Tee wird heiß und süß in Gläsern serviert. Drei Mahlzeiten am Tag sind üblich, wobei das Mittagessen gewöhnlich zwischen zwölf Uhr mittags und zwei Uhr nachmittags eingenommen wird.

Mais, Reis, Erdnüsse, Sago, Maniok, Taro, Kartoffeln, Brotfrucht und Süßkartoffeln werden angebaut ebenso Obst wie Jackfrüchte, Mangos und Bananen. Dazu lokale Früchte, wie Salak, Jambulan (Jamblang), Uha, Saramalé und Aidák. Daneben züchtet man Hühner, Schweine, Büffel und Ziegen. Neben dem Muskelfleisch werden auch die Innereien gegessen. Fisch hat aufgrund der Transportschwierigkeiten nur an der Küste für die Ernährung der Bevölkerung eine Bedeutung. So wird zum Beispiel Thunfisch als gegrilltes Steak serviert. In den Dörfern an der Küste wird Soboko zubereitet. Dies sind Sardinen mit Tamarindesauce und Gewürzen, die in Palmenblättern am Feuer gekocht werden. Der Geschmack kann von mild bis sehr scharf reichen. Wie in vielen anderen Teilen Ostasiens ist hier der Verzehr von Hundefleisch üblich. Allerdings soll sich diese Sitte erst in den Achtziger Jahren von Sulawesi kommend hier eingebürgert haben, als in Colmera, einem Stadtteil von Dili, das erste Hundefleisch-Restaurant eröffnete.

Ein typisches Gericht ist Kaldeirada, gekochtes Fleisch (meist Lamm) mit Kartoffeln, Paprika, Gewürzen und Oliven als Beilage. Auch beliebt ist Tukir, ein Lammgericht, das mit vielen Gewürzen in Bambus gekocht wird.

Als Nachtisch bekommt man frittierte Bananen, Koibandera und als regionale Spezialität Koirambu, einen Reismehlkuchen, der wörtlich übersetzt „Haarkuchen“ heißt. Er sieht aus wie zu einem Dreieck geformte dünne Haare.

Traditionelle Alkoholika sind verschiedene Palmweine (Tuaka und Tua Mutin) und Palmweinbrand (Tua Sabu). Bier wird aus Australien, Indonesien und Singapur importiert und die Portugiesen brachten in der Kolonialzeit den Wein nach Osttimor.

Beim Mechi-Fest im Februar und März fangen die Fataluku an der Ostspitze Timors maritime Meci-Würmer, die mit Chili und Zitrone roh als Salat gegessen werden.[209]

Literatur[Bearbeiten]

Xanana Reading Room in Dili

Der bekannteste Autor der Moderne dürfte wohl der ehemalige Freiheitskämpfer und jetzige Premierminister Xanana Gusmão sein. Während seines Kampfes für die Unabhängigkeit schrieb er zwei Bücher. Auch als Dichter und Maler ist er tätig. Seine Werke beschreiben Kultur, Werte und Fähigkeiten der osttimoresischen Bevölkerung. Weitere wichtige Schriftsteller sind Luís Cardoso, Fernando Sylvan, Ponte Pedrinha, Jorge Barros Duarte, Crisodio Araujo, Jorge Lauten, Francisco Borja da Costa, Afonso Busa Metan und Fitun Fuik.

Die timoresischen Völker kannten ursprünglich keine Schrift. Dafür existiert eine reiche Tradition an mündlichen Überlieferungen, wie etwa beim Volk der Bunak im Zentrum der Insel. Die Geschichten wurden in wiederkehrenden Reimen und Alliterationen rezitiert. In jedem Dorf bringen die Alten den Jungen die Legenden des Clans bei, aber es gibt auch die Lian Nain (in etwa Herr der Wörter), die als Bewahrer der Traditionen stundenlang Verse rezitieren konnten. Meistens wurden Verse aus zwei Zeilen verwendet, bei denen jede Zeile aus zwei Sätzen bestand. Der erste Satz der zweiten Zeile wiederholte dabei in anderen Worten den Inhalt des letzten Satzes der ersten Zeile. Die Sprache war reich an Metaphern und Symbolen aus der animistischen Kultur Timors.[210] Die reiche Welt an timoresischen Sagen und Legenden wurde traditionell nur mündlich weitergegeben und erst in moderner Zeit niedergeschrieben.[211]

Bildende Kunst, Film und Theater[Bearbeiten]

Moderne Malerei aus Osttimor

Der portugiesische Künstler Fausto Sampaio kam 1937 in die damalige Kolonie Portugiesisch-Timor und malte dort mehrere Bilder von Dili, Baucau, Manatuto, Laclo und Vemasse, aber auch Portraits, wie von Aleixo Corte-Real.

Die timoresischen Legenden, wie der Schöpfungsmythos um das Krokodil, wurden oft bildlich dargestellt und Motive auch dekorativ verwendet.

Seit Februar 2003 gibt es in Dili die erste freie Kunstschule Arte Moris. Ihr Hauptziel ist Kunst als ein Baustein im psychologischen und sozialen Wiederaufbau eines Landes, das von Gewalttätigkeit verwüstet worden ist, mit besonderer Betonung auf die Hilfe an seine jungen Bürger. Arte Moris bietet Malerei und Bildhauerei und ist mit der Dramaschauspieltruppe Bibi Bulak auch mit Theaterstücken in der Landessprache Tetum aktiv.

Maquili ist bekannt für seine Holzschnitzkunst. Ursprünglich schnitzte man Tanzmasken, Männer- und Frauenfiguren. Dazu kamen Schnitzereien von Meerjungfrauen und Aalen, die auf den Schöpfungsmythos Atauros hinweisen sollen. Das Christentum beeinflusste diese anmistischen Darstellungen. So begann man die Genitalien der Figuren mit Tüchern zu verhüllen und auch christliche Motive zu schnitzen. Noch heute findet man auf Atauro Masken, die an Bäumen hängen und die Gärten vor Dieben schützen sollen. Auch Krieger und Tänzer nutzten die Masken. Heute finden sie als Souvenire neue Interessenten.[212]

Mit A Guerra da Beatriz (deutsch Der Krieg von Beatriz) erschien 2013 der erste osttimoresische Spielfilm. Regie führten die Osttimoresin Bety Reis und der Australier Luigi Acquisito. In Osttimor wurde der Film oft in Open Air-Vorführungen präsentiert, da es nur in Dili ein Kino gibt.[213]

Sport[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sport in Osttimor
Freundschaftsspiel zwischen der U17-Mannschaft und Seeleuten der US Navy

Der Sport in Osttimor leidet vor allem an einer dauernden Geldknappheit. Athleten fehlen teilweise die einfachsten Sportgeräte zur Ausübung ihrer Disziplin. Erstmals erfolgreich bei internationalen Wettkämpfen waren osttimoresische Sportler in Kempō Karate. Bei den Südostasienspiele 2011 holten sie in dieser Sportart eine Gold- und eine Silbermedaille.

Der beliebteste Sport in Osttimor ist Fußball. Hier konnte das U23-Team als erstes osttimoresisches Team am 5. November 2011 ein Länderspiel gegen die Auswahl von Brunei mit 2:1 für sich entscheiden.[214] Die A-Nationalelf erzielte ihren ersten Länderspielsieg am 5. Oktober 2012 in der Qualifikation zur ASEAN-Fußballmeisterschaft, als Kambodscha mit 5:1 besiegt wurde.

Des Weiteren sind osttimoresische Sportler international regelmäßig beim Marathon aktiv. Seit 2010 wird jährlich der Dili-Marathon veranstaltet. 2009 fand erstmal das jährliche internationale MountainbikerennenTour de Timor“ statt, das als eines der härtesten der Welt gilt.

Unter der Jugend ist Kampfsport beliebt, von dem es auch eine einheimische, traditionelle Form gibt. Schätzungsweise betreiben 70 % der jungen Männer einen Kampfsport. Verschiedene Jugendbanden bezeichnen sich offiziell als Martial Arts-Clubs, weswegen das Erlernen und die Ausübung von Kampfsport in Osttimor gesetzlich stark reglementiert sind. Weit verbreitet ist die Tradition des Hahnenkampfs, bei dem auch um Geld gewettet wird.

Der in Frankreich geborene Yohan Goutt Goncalves nahm in Sotschi als erster Osttimorese an Olympischen Winterspielen teil. Er startete beim Ski Alpin-Wettbewerb.[215]

Öffentliche Feiertage[Bearbeiten]

Palmsonntagsprozession in Maubisse
Datum Name des Feiertags
1. Januar Neujahr
März/April Karfreitag
1. Mai Tag der Arbeit
20. Mai Wiederherstellung der Unabhängigkeit
Mai/Juni Fronleichnam
15. August Mariä Himmelfahrt
30. August Consulta – Tag der Volksbefragung
20. September Freiheitstag
1. November Allerheiligen
2. November Allerseelen
12. November Nationaler Tag der Jugend (Santa Cruz-Tag)
28. November Proklamation der Unabhängigkeit
7. Dezember Tag der Helden
8. Dezember Maria Empfängnis
25. Dezember Weihnachten
variabel Zuckerfest, Ende des Ramadan
variabel muslimisches Opferfest
Datum Name des Gedenktags
Februar/März Aschermittwoch
März/April Gründonnerstag
Mai/Juni Christi Himmelfahrt
1. Juni Internationaler Tag des Kindes
20. August Tag der FALINTIL
3. November Nationaler Tag der Frau
10. Dezember Internationaler Tag der Menschenrechte

Da Osttimor mehrheitlich christlich ist und die katholische Kirche eine wichtige Rolle im Unabhängigkeitskampf hatte, sind die wichtigen katholischen Feste zugleich öffentliche Feiertage. Zudem sind seit 2005 auch zwei muslimische Feste öffentliche Feiertage.

Außerdem gibt es mehrere Feiertage, die an den Freiheitskampf des Landes erinnern:

  • Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor endgültig von der UN-Verwaltung in die Unabhängigkeit entlassen.
  • Am 30. August 1999 fand das Volksreferendum statt, in dem sich die Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach.
  • Am 20. September 1999 landeten die ersten Soldaten der INTERFET, der internationalen Eingreiftruppe, die nach den vorangegangenen Gräueltaten die Kontrolle über Osttimor von Indonesien übernahmen.
  • Am 12. November 1991 kam es zum Santa-Cruz-Massaker, bei dem das indonesische Militär mindestens 271 Menschen tötete, weitere 270 „verschwanden“ spurlos. Der Vorfall kippte endgültig die öffentliche Meinung in der westlichen Welt zu Gunsten der Timoresen.
  • Am 28. November 1975 erklärte Osttimor seine Unabhängigkeit von Portugal.
  • Am 7. Dezember 1975 begann offiziell die Invasion Osttimors durch Indonesien.

Der Tag der Proklamation der Unabhängigkeit am 28. November ist der Nationalfeiertag Osttimors. Alle Bürger, insbesondere Studenten, Beamte und zivile Angestellte des Staates, sind per Gesetz dazu verpflichtet, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Neben den landesweiten Feiertagen sind auch lokale Feiertage möglich. Die Gedenktage sind keine Urlaubstage, Arbeitnehmern kann aber frei gegeben werden.[216]

Umwelt[Bearbeiten]

Important Bird Areas in Osttimor

Nur noch 220.000 Hektar Osttimors sind Primärwald. Wo Wald vorhanden ist, handelt es sich meist um Sekundärwald. Die kommerzielle Holzgewinnung ist seit 2000 verboten, doch noch immer geht in geringerem Umfang (0,6 % zwischen 1990 und 2000) Waldfläche verloren, meist durch Brennholzgewinnung (Mehr als 94 % der Haushalte kochen auf Feuerholz, 80 % davon stammt aus dem Wald[217]), Brandrodung, Abweidung und starke Regenfälle, die auch in vielen Teilen Timors eine starke Erosion verursachen. Darunter leidet auch die Wasserqualität der Küste, was wiederum Korallen und Fischbestände gefährdet. Hausmüll und seine Entsorgung sind ein Problem in Dili. Der Klimawandel führt in Osttimor zu stärkeren Unwettern, die die Erosion weiter vorantreiben, und steigende Temperaturen. Der El Nino-Effekt erscheint öfter als bisher, weswegen extreme Wetterlagen zunehmen, was zu häufigere Dürren und Überflutungen führt.[218] Die CO2-Emissionen pro Kopf betrugen 2006 etwa 0,2 t.[49] 2009 unterzeichnete Osttimor das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht.[219]

Der Tatamailau, eines der Wildschutzgebiete Osttimors

2000 gründete die UNTAET 15 Wildschutzgebiete (Protected Natural Areas PNA). Sie sind auch durch das Gesetz des unabhängigen Osttimor geschützt. Sowohl auf See als auch auf dem Land sollen sie Landschaften, seltene Arten und kulturelle Werte schützen. Dazu zählen Korallen, Feuchtgebiete und Mangroven ebenso wie historische, kulturelle und künstlerische Orte. Unter den geschützten Gebieten sind unter anderem der Tasitolu Friedenspark mit drei Salzseen und die Berge Tatamailau, Matebian, Saboria und Monte Mundo Perdido. Außerdem wurden von BirdLife International insgesamt 17 Gebiete zu Important Bird Areas erklärt.[220] Sie haben eine Gesamtfläche von 2.013 km², was in etwa 13,4 % der Gesamtfläche Osttimors entspricht.

Am 27. Juli 2007 wurde Osttimors erster Nationalpark, der Nationalpark Nino Konis Santana gegründet und am 4. August 2008 feierlich eröffnet. Er beinhaltet unter anderem die Important Bird Areas Paitchau, Ira Lalaro und Lore, sowie Tutuala, die Insel Jaco und im Meer das Korallendreieck. Der Nationalpark hat eine Gesamtfläche von 123.600 Hektar (68.000 Hektar Landfläche und 55.600 Hektar des Meeres)

Zurzeit laufen Vorbereitungen auch den Tasitolu Friedenspark in einen Nationalpark umzuwandeln. Außerdem bereitet man zusammen mit australischen Wissenschaftlern ein Meeresschutzgebiet vor. Gerade die Nordküste ist der Lebensraum geschützter Arten, wie dem Buckelwal und dem Grindwal. Zudem gibt es entlang der Küste viele Korallenriffe.[221]

Der Anteil am Staatshaushalt für Umweltschutz lag 2008 bei 0,16 %.[22]

Siehe auch[Bearbeiten]

Blick aufs Meer
 Portal: Osttimor – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Osttimor

 Wikipedia: WikiProjekt Osttimor – Wikipedia-interne Fachredaktion zum Thema Osttimor

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikimedia-Atlas: Osttimor – geographische und historische Karten
 Wikinews: Timor-Leste – in den Nachrichten
 Commons: Osttimor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Osttimor – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webseite der Regierung, 26. Juli 2010, Estatutu Universidade Nasionál de Timor Lorosa’e, abgerufen am 20. Mai 2012
  2. a b Webseite der Regierung 3/2010: Verfassung Osttimors auf Tetum, abgerufen am 20. Mai 2012 (PDF; 245 kB)
  3. a b c d e f g Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English), abgerufen am 20. Mai 2012 (PDF; 2,7 MB)
  4. a b c d e f g h Direcção Nacional de Estatística: Highlights of the 2010 Census Main Results in Timor-Leste English, abgerufen am 20. Mai 2012 (PDF; 4,5 MB)
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  6. a b International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, Oktober 2013, abgerufen am 6. Dezember 2013 des Internationalen Währungsfonds
  7. a b Human Development Index, abgerufen am 27. Juli 2014
  8. Wörterbuch Tetum - Englisch, abgerufen am 20. Mai 2012
  9. a b c d Universität Coimbra - The geomorfology of Timor-Leste, abgerufen am 20. Mai 2012 (Version vom 9. Dezember 2007 im Internet Archive)
  10. Wortschatz-Portal der Universität Leipzig
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  216. Gesetz 10/2005 der Demokratischen Republik Timor-Leste vom 10. August.
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  220. Bird life International, 27. Oktober 2009, Endemics thrive on Timor-Leste's "Lost World" mountain
  221. ABC, 18. Dezember 2007, NT helping E Timor establish first marine park

-8.9666666666667125.75Koordinaten: 9° S, 126° O

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