Olympische Geschichte Afghanistans

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Olympische Ringe

AFG

AFG
Goldmedaillen Silbermedaillen Bronzemedaillen
2

Das Afghanistan National Olympic Committee ist das Nationale Olympische Komitee von Afghanistan. Es wurde 1935 gegründet und im Jahr darauf vom Internationalen Olympischen Komitee aufgenommen.

Seit 1936 nimmt Afghanistan an Olympischen Sommerspielen teil, zu Olympischen Winterspielen wurden bislang keine Athleten entsandt.

Afghanische Sportler nahmen in folgenden Sportarten teil: Ringen (Freistilringen und Griechisch-römisches Ringen), Boxen, Leichtathletik, Hockey, Fußball, Judo und Taekwondo.

Teilnahmen[Bearbeiten]

Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurden 15 Athleten entsandt. 13 von ihnen gehörten der afghanischen Hockeymannschaft an, hinzu kamen zwei Leichtathleten. Die Hockeymannschaft belegte den fünften Platz. Zu den Mannschaftsmitgliedern gehörte Muhammad Asif, der mit 17 Jahren der bislang jüngste afghanische Sportler bei Olympischen Spielen ist. Der erste afghanische Individualsportler war der 100-Meter-Läufer Mohammad Khan.

Mit einer Fußball- und einer Hockeymannschaft nahm Afghanistan 1948 an den Spielen von London teil. Die Fußballmannschaft scheiterte mit einem 0:6 in der Qualifikationsrunde an Luxemburg, die Hockeymannschaft erreichte den siebten Platz. Insgesamt waren 25 Sportler in London dabei, das bislang größte afghanische Kontingent.

1952 wurde auf eine Teilnahme verzichtet. 1956 nahm wieder eine Hockeymannschaft am olympischen Turnier teil. Die Mannschaft wurde 11.

1960 nahmen, neben sechs Leichtathleten, erstmals afghanische Ringer teil, die alle im Freistilringen antraten. Unter ihnen war Amir Jan Khalunder, ein Freistilringer im Leichtgewicht, der mit 35 Jahren der bislang älteste Sportler Afghanistans an Olympischen Spielen war. 1964 wurden nur Ringer entsandt. Neben fünf Freistilringern gingen auch drei Athleten im griechisch-römischen Stil an den Start. Erfolgreichster Teilnehmer war der Freistilringer Mohammad Ebrahimi, der im Federgewicht den fünften Platz erreichte. 1968 beschränkte man sich mit dem Freistilringen, bei dem fünf Athleten an den Start gingen. Auch in München 1972 nahmen nur Ringer teil, drei im Griechisch-römischen Stil und fünf Freistilringer.

Afghanistan blieb den Spielen von Montreal 1976 fern. 1980 gingen elf afghanische Sportler in Moskau an den Start. Neben acht Ringern nahmen auch erstmals Boxer an Olympischen Spielen teil. Die Spiele 1984 in Los Angeles wurden boykottiert. Fünf Freistilringer starteten dann 1988 in Seoul. 1992 in Barcelona verzichtete man auf eine Teilnahme.

Rohullah Nikpai, der erste afghanische Medaillengewinner, bei einer Rede 2012

In Atlanta 1996 starteten zwei Leichtathleten. Der Marathonläufer Abdul Baser Wasiqi startete trotz einer Oberschenkelverletzung und humpelte als 111. und letzter Teilnehmer nach 4:27:17 h ins Ziel.[1] Der andere Leichtathlet, der 100-Meter-Läufer Abdul Ghafoor, schied in den Vorläufen aus. Gemeldet war ein dritter Teilnehmer, der Boxer Mohammad Jawid Aman, der im Leichtmittelgewicht starten sollte. Da er zu spät zum Wiegen kam, wurde ihm der Start verweigert.

Das IOC schloss Afghanistan 1999 aus, somit wurde eine Teilnahme an den Spielen von Sydney 2000 unmöglich. Gründe des Ausschlusses waren der Bürgerkrieg in Afghanistan, sowie das kleine Budget von 30.000 US-Dollar des NOKs. Hinzu kamen die Frauendiskriminierung und die Bekleidungsvorschriften der Taliban-Regierung.[2] Nach dem Fall der Taliban-Regierung wurde Afghanistan 2002 wieder im IOC aufgenommen.

2004 gingen fünf Sportler an den Start. Die Judoka Friba Razayee war die erste afghanische Frau, die bei Olympischen Spielen an den Start ging. Robina Muqimyar war die erste Leichtathletin Afghanistans.

2008 in Peking nahmen vier Sportler teil, unter ihnen wieder Robina Muqimyar als einzige Frau. Die 19-jährige Mahbooba Ahadgar sollte ebenfalls starten, doch die 1500-Meter-Läuferin verschwand Anfang Juli 2008 aus dem Trainingslager im italienischen Formia. Zuerst wurde von einer Entführung ausgegangen, doch die junge Frau meldete sich später telefonisch bei ihrer Mutter. Aus Todesangst, sie hatte Morddrohungen von muslimischen Extremisten erhalten, wolle sie nicht zurückkehren.[3] Erstmals nahmen in Peking afghanische Sportler im Taekwondo teil. Der Fliegengewichtler Rohullah Nikpai gewann die Bronzemedaille und wurde damit zum ersten Medaillengewinner Afghanistans.

2012 konnte Nikpai eine weitere Bronzemedaille gewinnen, diesmal im Federgewicht. Fünf weitere Sportler, unter ihnen eine Frau, nahmen in der Leichtathletik, im Boxen und im Judo teil.

Übersicht der Teilnehmer[Bearbeiten]

Sommerspiele[Bearbeiten]

Jahr Flaggenträger Teilnehmer Männer Frauen Sportarten
1936 Berlin 15 15 0 2
1948 London 25 25 0 2
1956 Melbourne 12 12 0 1
1960 Rom 12 12 0 2
1964 Tokio 8 8 0 1
1968 Mexiko-Stadt 5 5 0 1
1972 München Ghulam Dastagir 8 8 0 1
1980 Moskau 11 11 0 2
1988 Seoul 5 5 0 1
1996 Atlanta Mohammad Jawid Aman 2 2 0 1
2004 Athen Nina Suratger 5 3 2 4
2008 Peking Nesar Bahawi 4 3 1 2
2012 London Nesar Bahawi 6 5 1 4

Winterspiele[Bearbeiten]

Bislang (Stand 2015) keine Teilnahme an Olympischen Winterspielen.

Medaillenbilanz[Bearbeiten]

Flag of Afghanistan.svg

Afghanistan bei den
Olympischen Sommerspielen
 
Olympic flag.svg

Afghanistan bei den
Olympischen Winterspielen
Jahr Gold Gold Silber Silber Bronze Bronze Gesamt Rang Jahr Gold Gold Silber Silber Bronze Bronze Gesamt Rang
1936 0 0 0 0 1936
1948 0 0 0 0 1948
1956 0 0 0 0 1956
1960 0 0 0 0 1960
1964 0 0 0 0 1964
1968 0 0 0 0 1968
1972 0 0 0 0 1972
1980 0 0 0 0 1980
1988 0 0 0 0 1988
1996 0 0 0 0 1994
2004 0 0 0 0 2002
2008 0 0 1 1 81 2006
2012 0 0 1 1 79 2010
Gesamt 0 0 2 2   Gesamt 0 0 0 0  
Ges. S+W 0 0 2 2  

Medaillengewinner[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]

  • Afghanistan in der Datenbank von Sports-Reference (englisch)
  • Afghanistan auf Olympic.org - The Official website of the Olympic movement (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel der Nachrichtenagentur Reuters vom 27. August 2004 (engl.)
  2. Artikel der Nachrichtenagentur Reuters vom 17. August 2000 (engl.)
  3. Artikel im Spiegel vom 14. Juli 2008