Islamischer Staat (Organisation)

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Variante der IS-Flagge mit dem ersten Teil der Schahāda[1]
  • Vom IS kontrollierte Gebiete in Syrien und im Irak

Der Islamische Staat (IS; arabisch ‏الدولة الإسلامية‎, DMG ad-daula al-islāmiyya, in der arabischen Presse mit der Abkürzung[2]داعش‎ / dāʿiš für ‏ الدولة الإسلامية في العراق والشام‎ / ad-daula al-Islāmīya fī l-ʿIrāq wa-š-Šām / ‚Der islamische Staat im Irak und in (Groß-)Syrien‘) ist eine seit 2003 aktive dschihadistisch-salafistische Terrororganisation. Sie war und ist in verschiedenen Staaten unter anderem mit Anwerbung von Mitgliedern, Bombenanschlägen und Beteiligung an Bürgerkriegen aktiv.

Nach militärischer Eroberung eines zusammenhängenden Gebiets im Nordwesten des Irak und im Osten Syriens rief sie am 29. Juni 2014 einen als Kalifat bezeichneten Staat aus. IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi regiert diesen auf territoriale Ausdehnung nach dem historischen Vorbild der islamischen Expansion des siebten und achten Jahrhunderts angelegten „Islamischen Staat“ als selbst ernannter Kalif. Damit ist der Anspruch auf die Nachfolge des Propheten Mohammed als politisches und religiöses Oberhaupt aller Muslime verbunden.[3]

Die Organisation hat ihren Ursprung im irakischen Widerstand und bekannte sich anfangs zu al-Qaida,[4] von deren Führung sie sich etwa Mitte 2013 gelöst hat und mit der sie seitdem in zunehmend deutlicher Konkurrenzbeziehung steht.[5][6] IS kämpft im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad, aber zugleich auch gegen die Freie Syrische Armee sowie gegen die kurdische Minderheit im Norden des Landes und sie löste auch eine politische Krise aus. Seit August 2014 sind IS-Truppen Ziele US-amerikanischer Luftangriffe, an denen sich seit September mehrere westliche und arabische Staaten beteiligen.[7]

Vom UN-Weltsicherheitsrat[8] sowie unter anderem von den Regierungen der Vereinigten Staaten,[9] des Vereinigten Königreichs,[10] Australiens[11] und Deutschlands[12] wird sie als terroristische Vereinigung eingestuft.

Inhaltsverzeichnis

Organisation[Bearbeiten]

Namen[Bearbeiten]

Der Irak und die Länder der Levante (in heutigen Grenzen)

Seit Ende Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat. Zuvor nannte sie sich arabisch ‏الدولة الإسلامية في العراق والشام ‎, DMG ad-daula al-islāmiyya fī l-ʿIrāq wa-š-Šām, kurz: ‏داعش‎, DMG dāʿiš, populär auch Daaisch. Asch-Schām bedeutet wörtlich übersetzt „der Norden“, wird aber im arabischen historischen Kontext traditionell mit Syrien bzw. Damaskus in Verbindung gebracht. Im Deutschen wird das mit asch-Scham gemeinte Gebiet als Levante oder als Großsyrien bezeichnet. Nach Ansicht des Politologen Volker Perthes will die Organisation, die er als „dschihadistisches Staatsbildungsprojekt“ kennzeichnet, durch Verzicht auf frühere Namensbestandteile unterstreichen, dass sie über den Irak und die Levante hinaus expandieren will.[13] In deutschsprachigen Medien wurden bzw. werden folgende Bezeichnungen genutzt:

Abkürzung Bedeutung
IS Islamischer Staat
ISI Islamischer Staat im Irak
ISIS Isis Islamischer Staat im Irak und Syrien
Islamischer Staat im Irak und in Syrien
Islamischer Staat im Irak und in (Groß-)Syrien
ISIL Isil Islamischer Staat im Irak und der Levante
Islamischer Staat im Irak und in der Levante
ISIG Isig Islamischer Staat im Irak und Groß-Syrien
Islamischer Staat im Irak und Großsyrien
DAʿESH Daesh ad-Daula al-Islāmiyya fī l-ʿIrāq wa-š-Šām (arabisches Akronym)[14]

Weitere, ehemalige Namen der Organisation (JTJ, Az-Zarqawi-Netzwerk, TQJBR, AQI) sind im Abschnitt Geschichte angegeben.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Gruppe finanziert sich vermutlich durch Spenden aus Katar,[15] Kuwait, Saudi-Arabien[16] und den Vereinigten Arabischen Emiraten.[17][18] Zusätzliche Einnahmen erzielt sie, indem sie Rohöl aus eroberten Ölfeldern,[19][20] antike und islamische Fundstücke aus Grabungsstätten und Museen[21] sowie Frauen als „Bräute“ verkauft,[22][23] indem sie „Steuern“ und „Zölle“ erhebt[18] und bei Geiselnahmen Lösegeld (und anderes[24]) erpresst.[25][26]

Führungsstruktur[Bearbeiten]

Neben dem „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi stehen mit Adnan al-Sweidawi („Abu Ali al-Anbari“) für Syrien und Fadel al-Hayali („Abu Muslim al-Turkmani“) für den Irak zwei weitere „Regierungsvertreter“ an der Spitze der Organisation IS. Fünf „Gouverneure“ regieren in Syrien, sieben weitere im Irak. Die Führung des IS besteht aus neun Räten: dem Führungsrat, dem Schura-Rat, dem Rechtsrat, dem Sicherheitsrat, dem Hilfsrat für Kämpfer, dem Militärrat, dem Geheimdienstrat, dem Medienrat und dem Finanzrat.[27][28]

Mitglieder[Bearbeiten]

Schätzungen des US-Außenministeriums vom Mai 2013 bezifferten die Truppenstärke von ISIS im Irak mit 1000 bis 2000,[29] Schätzungen eines Irak-Experten der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Juni 2014 gehen jedoch von 10.000 bis zu 15.000 Mann aus.[30] In Syrien wurde die Anzahl der Kämpfer von ISIS je nach Quelle auf 3000 bis 8000 geschätzt.[31][32][33] Im August 2014 berichtete der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, von 50.000 Mann, die mittlerweile in Syrien kämpfen – 20.000 davon seien aus dem Ausland,[34] laut Schätzungen der EU-Kommission sind 2000 davon aus Europa.[35] Der Sprecher des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, Ryan Trapani, sagte im September 2014, er gehe von 20.000 bis 30.000 Kämpfern aus.[36]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Anführer

Andere

Ideologie[Bearbeiten]

Scharia[Bearbeiten]

In seinem Herrschaftsgebiet führte der IS einen auf der Scharia und dem „klassischen“ Wahhabismus[41][42][43] basierenden „16-Punkte-Katalog“ ein, der das öffentliche und private Leben massiv normiert.[44] Demnach sind der Konsum und Verkauf von Alkoholika, Drogen und Tabakwaren ebenso untersagt wie das Tragen von Waffen, das Abhalten von Versammlungen, „Götzen-Bildnisse“ und „Schreine“. Frauen müssen „züchtig-bedeckende Kleidung“ tragen und gemeinhin zuhause bleiben. Verlautbarungen in Moscheen unterliegen der Zensur.[45]

Umgang mit Abweichlern[Bearbeiten]

Beobachtet wurde, dass der IS gegen Muslime anderer Glaubensrichtungen eine rigorose Version der islamischen Praxis des Takfīr anwendet: Alle „Abweichler“ (z. B. die Schiiten) sind demnach „Ungläubige“ bzw. „Gottesleugner“ (Kāfir), werden als „todeswürdig“ eingestuft und getötet, wenn sie sich im Machtbereich des IS aufhalten.[46][47]

Sklaverei[Bearbeiten]

Beim Vormarsch im Sommer 2014 vertrieb der IS die jesidische Bevölkerung im Nordirak und nahm einen großen Teil gefangen. In seinem Propagandamagazin „Dabiq“ (im Oktober 2014) erklärt der IS, dass sein „Ziel die kulturelle und religiöse Auslöschung der Identität der Jesiden ist“. Offensichtlich in Ermangelung islamischer Gelehrter hätten Scharia-Studenten die Jesiden nicht als ehemalige muslimische Sekte eingestuft, sondern als eine heidnische Religion aus vorislamischer Zeit, somit als Muschrik (Götzendiener, also eine abwertende Bezeichnung für Polytheisten). „Nach islamischem Recht sei man damit auch berechtigt, jesidische Frauen und Kinder zu versklaven.“[48]

Der Artikel mit dem Titel „Die vorzeitige Wiedergeburt der Sklaverei“ führt weiter aus, dass man Frauen und Kinder unter den Kämpfern des islamischen Staates aufgeteilt habe, „‚nachdem ein Fünftel von ihnen der Regierung des Islamischen Staates als Steuer übergeben wurde.‘“[49] Nach Berichten geflohener Mädchen gehört es zur Praxis in allen vom IS besetzten Territorien, junge Frauen und ältere Mädchen (ab neun Jahren) als „Sexkonkubinen“ zu versklaven. Ausländische Anhänger der Milizen werden mit Frauen versorgt.[50] Der Sexhandel wird als fromme Bekehrung verkauft.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen gehen von 2500 bis 7000 Verschleppten aus.[51] „Die Selbstbezichtigung von IS ist nun ein wichtiges Indiz dafür, dass die Terrormiliz den Versuch eines kulturellen Genozids an den Jesiden unternimmt.“[48]

Umgang mit behinderten Menschen[Bearbeiten]

Seit mehreren Jahren wird festgestellt, dass die Terrororganisation körperlich oder psychisch kranke Menschen entführt und sie anschließend „benutzt“, um Selbstmordattentate durchzuführen.[52]

Entwicklung[Bearbeiten]

At-Tauhīd wa-l-Dschihād (2003 bis 2004)[Bearbeiten]

Das zerstörte Bagdader Canal Hotel nach dem Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq 2003

Die Organisation wurde 2003 bzw. Anfang 2004 von Abu Musab az-Zarqawi gegründet (az-Zarqawi war bereits am 23. September 2003 auf die konsolidierte Liste des Al-Qaida Sanctions Committee des UN-Sicherheitsrates gesetzt worden).[53] Az-Zarqawis Organisation wurde für den Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq im Bagdader Canal Hotel am 19. August 2003 verantwortlich gemacht, bei dem 22 Menschen (darunter Sérgio Vieira de Mello) getötet und über 100 verletzt wurden.[54] Die Organisation trat im April 2004 als Dschamāʿat al-Tauhīd wa al-Dschihād (JTJ, Gemeinschaft für Tauhīd und Dschihad) in Erscheinung; sie wurde auch Zarqawi-Gruppe bzw. Az-Zarqawi-Netzwerk genannt.

Qāʿidat al-Dschihād fi Bilād ar-Rāfidain (2004 bis 2006)[Bearbeiten]

Im Oktober 2004 änderte die Organisation ihren Namen in Tanzim Qāʿidat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain (TQJBR; Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland); da Zarqawi am 17. Oktober 2004[55] offiziell al-Qaida und Osama bin Laden die Treue schwor (baiʿa) und bin Laden am 27. Dezember 2005[55] die Gruppe anerkannte sowie Zarqawi zu seinem Stellvertreter im Irak erklärte, war die Organisation seitdem eher als al-Qaida im Irak (AQI) bekannt. Die vor allem in Bagdad und westlich von Falludscha aktive Organisation bekannte sich von Anfang an dazu, Angriffe (Bombenanschläge, Ermordung von Geiseln) auf Zivilisten (Beamte, ausländische Hilfsarbeiter – im Jahr 2004 Dutzende von Toten) durchzuführen; später zählte sie auch Parteien und alle am demokratischen Prozess Beteiligten als legitime Ziele für Anschläge.[56] Sie bekannte sich zum Attentat auf Ezzedine Salim.[57] Über auf dschihadistischen Websites verbreitete Videos bekannte sich die Organisation 2004 als verantwortlich für die Entführungen und auf Video festgehaltenen Ermordungen folgender ausländischer Zivilisten: Nicholas Berg, Eugene Armstrong und Jack Hensley (USA), Kenneth Bigley (Großbritannien), Murat Yuce (Türkei); Kim Sun-Il (Südkorea),[58] Shosei Koda (Japan),[59] Georgi Lazov und Ivailo Kepov (Bulgarien).[60]

Am 15. Oktober 2004 gab das Außenministerium der Vereinigten Staaten bekannt, dass JTJ auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt worden sei.[58] Am 18. Oktober 2004 wurde AQI aufgrund von Resolution 1526 des UN-Sicherheitsrates als mit al-Qaida, bin Laden bzw. den Taliban assoziiert gelistet.[54] Am 17. Dezember 2004 wurde AQI auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt.[61] Am 2. März 2005 listete die australische Regierung AQI als terroristische Organisation.[55]

In einem auf den 9. Juli 2005 datierten Brief Aiman az-Zawahiris an Abu Musab az-Zarqawi[62] erklärte Zawahiri u. a. die Wichtigkeit des Irak-Kriegs für den weltweiten Dschihad, dass der Krieg nicht mit dem Abzug amerikanischer Truppen enden werde, die zumindest zeitweilige Notwendigkeit der Unterstützung durch die Volksmassen, die Forderung nach politischen Aktionen, die Einsicht, dass mehr als die Hälfte des Konflikts in den Medien ausgetragen werde.

Die IS änderte ihre Strategie weg von Entführungen und einzelnen Ermordungen Anfang 2005 hin zu spektakulären Anschlägen (vor allem Bombenattentate in Bagdad sowie West- und Nordirak mit über 700 Toten im Jahr 2005). Im September 2005 erklärte Abu Musab az-Zarqawi den „Rāfiḍa“ wegen Anschlägen von Schiiten auf Sunniten den Krieg; im selben Jahr war TQJBR auch in Jordanien aktiv (insbesondere mit den Bombenattentaten in Amman am 9. November auf die Hotels Grand Hyatt, Radisson SAS und Days Inn).[56]

Madschlis Schura al-Mudschahidin fi 'l-Iraq (2006)[Bearbeiten]

Diverse dschihadistische Gruppen schlossen sich TQJBR an, und im Januar 2006 wurde unter ihrer Führung die Dachorganisation Madschlis Schura al-Mudschahidin fi 'l-Iraq (MSC, Schura-Rat der Mudschahidin im Irak) ausgerufen; zum Anführer wurde Abu Abdullah al-Rashid al-Baghdadi (auch Abu Omar al-Baghdadi) erklärt, bis zu Zarqawis Tod im Juni 2006 kontrollierte jedoch dieser die Organisation. Nach Zarqawis Tod übernahm Abu Ayyub al-Masri die Leitung von TQJBR.

ad-dawla al-islāmīya fī l-ʿirāq (2006 bis 2013)[Bearbeiten]

Im Oktober 2006 benannte sich die Organisation in ad-dawla al-islāmīya fī l-ʿirāq (ISI, Islamischer Staat im Irak) um; seitdem wird ISI von einem Kabinett geleitet, in dem Masri Kriegsminister wurde.[56] Vordergründig wurde für die Ausrufung des Islamischen Staates, der als sunnitisches Territorium Bagdad sowie die Gouvernate al-Anbar, Diyala, Salah ad-Din, Kirkuk, Ninawa und Teile von al-Wasit und Babil umfassen sollte, auf die Autonome Region Kurdistan für Iraks Kurden und die Verabschiedung von Iraks Föderalismusgesetz für Iraks Schiiten Bezug genommen.[63] Die Aktivitäten von TQJBR/ISI konzentrierten sich 2006 auf Bagdad, Kerbela, Tuz Khurmatu und Kufa mit ca. 440 Toten.[56] In der zweiten Jahreshälfte 2006 wurde mit Finanzierung, Ausbildung und Bewaffnung durch die Vereinigten Staaten im Irak (zunächst in al-Anbar) die sogenannte Sahwa- oder Erweckungsbewegung ausgehoben: aus sunnitisch-arabischen Stämmen rekrutierte und in örtlichen Räten organisierte Milizen, die gegen Aufständische – und vor allem AQI – eingesetzt wurden. Zu ihren Hochzeiten hatte sie über 100.000 Mitglieder (seit dem Abzug der amerikanischen Truppen 2010 nicht mehr als 38.000); zu ihren Anführern gehörte Abdul Sattar Abu Rischa.[64][65]

Im Jahr 2007 beging ISI im ganzen Irak Anschläge, oft mit Autobomben in Selbstmordattentaten, wodurch ca. 1900 Menschen getötet wurden.[56] Anfang Oktober 2013 gaben die aufständischen Organisationen im Irak Asaeb al-Iraq al-Jihadiya und Hamas im Irak Verlautbarungen heraus, in denen sie sich von ISI distanzierten und deren Taktiken verurteilten.[66]

Im Jahr 2008 beging ISI vor allem in Mossul Anschläge, aber auch in Baquba, Bagdad und Tal Afar mit insgesamt ca. 520 Toten. 2009 tötete ISI insgesamt ca. 630 Menschen. Mit derselben Strategie war Mossul 2008 oft Ziel von ISI; daneben wurde z.B. auch in Kirkuk ein Anschlag bei einer Schia-Moschee mit über 70 Toten verübt. 2010 wurden die meisten Anschläge von ISI in Mossul, Bagdad sowie den Gouvernements Diyala und Karbala (unter anderem auf schiitische Pilger und auf stark besuchte Märkte) durchgeführt, dadurch wurden ca. 700 Menschen getötet.[56] Im April 2010 kamen al-Baghdadi und al-Masri bei Tikrit in einer durch irakische und amerikanische Truppen durchgeführten Operation ums Leben.[67]

Mitte Mai 2010 erklärte ISI Abu Bakr al-Baghdadi zu ihrem neuen Anführer.[68][69][70] Am 31. Oktober 2010 verübte ISI Anschläge auf die Iraker Börse sowie die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad.[55]

Im Zuge des Arabischen Frühlings, der auch von den westlichen Ländern begrüßt wurde, kam es ab Anfang 2011 zu bewaffneten Auseinandersetzungen gegen Demonstranten. Mitte 2011 mündeten die Zustände im Bürgerkrieg in Syrien. ISIS wurde laut einem Spiegelartikel von der Türkei hierbei jahrelang unterstützt.[71] 2011 verübte ISI vor allem in Bagdad sowie in den Gouvernements Karbala und Salah ad-Din (so auf schiitische Pilger bei Samarra) Anschläge, dabei wurden ca. 320 Menschen getötet. 2012 verübte ISI vor allem in Bagdad sowie den Gouvernements Basra, Salah ad-Din und Babil Anschläge (so auf schiitische Pilger in Basra), dadurch wurden ca. 770 Menschen getötet;[56] hierzu gehörte die Anschlagserie am 23. Juli 2012 in 19 irakischen Städten, in der 113 Menschen getötet und 250 verletzt wurden und die zur am 21. Juli von Abu Bakr al-Baghdadi angekündigten Offensive „Zerstörung der Mauern“ gehörte, die u. a. die Befreiung von Gefangenen zum Ziel hatte.[72]

Am 26. Januar 2012 wurde ISI durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten auf Anweisung von Außenministerin Hillary Clintons vom 11. Januar[73] als Alias von AQI erfasst. Am 11. Februar 2012 rief al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Muslime im Irak, in Jordanien, im Libanon und in der Türkei zum Kampf gegen das Assad-Regime auf.[74] Seit ungefähr dieser Zeit beteiligt sich ISI offen am syrischen Bürgerkrieg.[75][76][77] Dort gehörte sie neben der Nusra-Front, mit der sie teils kollaborierte und die sie teils bekämpfte, zu den al-Qaida zugehörigen Akteuren. Am 11. Dezember 2012 erfasste das US-Außenministerium auf Anweisung vom 20. November[78] auch die Nusra-Front als Alias von AQI.[79][80]

Am 4. März 2013 verübte ISI einen Anschlag auf syrische Truppen, die in das irakische Gouvernement al-Anbar geflohen waren; dabei wurden mindestens 42 syrische Soldaten und Beamte sowie bis zu 14 Iraker getötet.[81]

Islamischer Staat im Irak und der Levante (April 2013 bis Mai 2014)[Bearbeiten]

Im April 2013 erklärte Abu Bakr al-Baghdadi die Nusra-Front zu einem bloßen Teil von ISI und gab die Vereinigung von Nusra-Front und ISI unter dem neuen Namen Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) bekannt. Der Anführer der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Jawlani (arabisch ‏أبو محمد الجولاني‎), widersprach daraufhin einen Tag später der Vereinigung mit ISI, schwor aber dem al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Treue.[82][83] Am 30. Mai 2013 wurden sowohl ISIS als auch al-Nusra durch die UN als Alias-Namen von AQI festgestellt.[84] Am 9. Juni 2013 veröffentlichte Al-Jazeera einen Brief von Aiman az-Zawahiri an die Anführer von ISIS und al-Nusra, in dem er die Vereinigung annullierte und zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen den beiden al-Qaida-Gruppen aufrief (wofür er Abu Musab al-Suri als Vermittler nannte) sowie beiden verschiedene Einflussgebiete zuwies (ISIS Irak, Nusra Syrien).[85] Abu Bakr al-Baghdadi und ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani verweigerten die Vermittlung in eigenen Botschaften; diese würde die illegitime koloniale Grenze des Sykes-Picot-Abkommen heiligsprechen; die Nusra-Front werde weiterhin als Teil von ISIS betrachtet und Abu Mohammed al-Jawlani als Abtrünniger betrachtet.[86][87]

Der Hintergrund der Abspaltung des ISIL von al-Qaida liegt darin, dass al-Baghdadi, der als sehr ehrgeizig beschrieben wird, die Operationen des ISIL nicht auf den Irak beschränken wollte, sondern auch in Syrien tätig ist und in naher Zukunft in der gesamten Levante aktiv werden will. Dagegen vertritt al-Zawahiri das Motto: „Betreibst du den Jihad überall, betreibst du ihn nirgendwo“, wonach eine Konzentration der einzelnen Organisationen auf genau abgegrenzte Operationsgebiete stattfinden soll, um möglichst große Wirksamkeit zu erzielen. Die von al-Qaida abweichenden theologischen Positionen des ISIL haben sich nach der Ansicht von Beobachtern erst nach diesem Bruch entwickelt, auch um diesen Bruch zu legitimieren.[88]

ISIS bekannte sich am 23. Juli 2013 zu den in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli ausgeführten Anschlägen auf die irakischen Gefängnisse in Abu-Ghuraib und Tadschi. ISIS tötete dabei Dutzende von Menschen mit Handfeuerwaffen, Granaten und durch von Selbstmordattentätern gesteuerte Autobomben und verhalf so Hunderten von Gefangenen, darunter hochrangigen al-Qaida-Mitgliedern, zur Flucht aus Abu-Ghuraib.[89][90][91][92]

Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki beschloss in der zweiten Jahreshälfte 2013 in Reaktion auf das Erstarken von ISIS im Irak die Wiedereinsetzung und Stärkung der Sahwa-Bewegung.[93][65]

Am 29. September 2013 töteten Selbstmordattentäter mit Autobomben in Arbil (Regierungssitz von Iraks Autonomer Region Kurdistan) in der Nähe des Asayesh-Hauptquartiers sechs Menschen und verwundeten 36.[94][95] Am 6. Oktober bekannte sich ISIS zu dem Anschlag, der eine Reaktion auf Masud Barzanis angeblichen Willen gewesen sei, die Regierung in Bagdad und kurdische Kräfte, die in Syrien gegen Dschihadisten kämpfen, zu unterstützen.[96]

Neben dem Assad-Regime gehören im syrischen Bürgerkrieg vor allem die Freie Syrische Armee[97] und kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG)[98] zu den Gegnern von ISIS. Zu den von ISIS eingenommenen syrischen Städten zählen al-Bab, Dscharabulus, A'zāz und ar-Raqqa. Am stärksten ist ISIS im Gouvernement ar-Raqqa.[32]

Zu Protesten gegen ISIS kam es 2013 u. a. in ar-Raqqa und Manbidsch.[99]

In der zweiten Jahreshälfte 2013 baute ISIS seine Präsenz in der irakischen Stadt Mossul aus, wo die Organisation Berichten zufolge 8 Millionen US-Dollar Schutzgeld pro Monat eintrieb.[100][101] Ende September 2013 begann ISIS mit Selbstmord- und Mörser-Anschlägen in Damaskus; damit tötete sie in einem Monat etwa 100 Menschen.[102]

Am 11. Oktober 2013 veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht, nach dem ISIS zusammen mit mindestens 19 anderen bewaffneten Oppositionsgruppen vom 4. bis 18. August in ländlichen Gegenden des Gouvernement Latakia an organisierten Massakern beteiligt war, bei denen mindestens 190 Zivilisten getötet und über 200 als Geiseln genommen wurden. Mindestens 67 Menschen seien in der Operation bei regierungstreuen Alawiten-Dörfern hingerichtet oder rechtswidrig getötet worden. Die fünf Gruppen, die diese Operation hauptsächlich finanziert, organisiert und ausgeführt hätten, seien Ahrar al-Scham, ISIS, Dschabhat al-Nusra, Jaish al-Muhajireen wal-Ansar und Suquor al-Izz. ISIS und Jaish al-Muhajireen wal-Ansar hätten noch Gewalt über die Geiseln, zu denen größtenteils Frauen und Kinder gehören.[103] The Wall Street Journal berichtete am 17. Dezember 2013, die Geiseln seien immer noch in den Händen von ISIS und ISIS habe Angriffe auf Alawiten und Christen verstärkt.[104]

Am 15. Oktober 2013 gaben die türkischen Streitkräfte (TSK) bekannt, mit zwei T-155 Fırtına vier Granaten auf ISIS-Stellungen abgefeuert zu haben, nachdem am 14. Oktober ein Mörser-Geschoss aus der Aʿzāz-Region auf türkischem Territorium beim Armee-Grenzposten Demirisik nahe Kilis eingeschlagen war. Dies war der erste Angriff der türkischen Streitkräfte auf al-Qaida zugehörige Gruppierungen.[105][106]

Im November 2013 gab ISIS bekannt, in Syrien ein Ausbildungslager für minderjährige Kämpfer zu unterhalten, die jüngsten davon zehn Jahre alt.[107] Im selben Monat begannen die Vereinigten Staaten auf eine entsprechende Anfrage Malikis während eines Staatsbesuchs im Vormonat, Hellfire-Raketen und Überwachungsdrohnen zur Bekämpfung von ISIS in den Irak zu schicken.[108] Ebenfalls im November kam es zur Konfrontation zwischen ISIS und Ahrar al-Scham, als ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham enthauptete, den sie irrtümlich für einen irakischen Schiiten hielt.[109] Anfang Januar 2014 kam es wieder zu einem Vorfall, bei dem ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham tötete und verstümmelte.[110]

Am 19. Dezember 2013 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, demzufolge ISIS in Syrien Geheimgefängnisse unterhält, in denen systematisch Folterungen, Auspeitschungen und spontane Ermordungen durchgeführt werden.[111]

Wegen der Massenverhaftungen und Ermordungen seitens ISIS unter den syrischen Aktivisten und Rebellen, der extremen Islamauslegung sowie der mangelnden Beteiligung an Kämpfen gegen das Regime wurde ISIS von zahlreichen Rebellengruppen unterstellt, von Kräften des Regimes unterwandert zu sein und gegen die Revolution zu arbeiten. Ein weiterer Teil der ISIS-Führung stammt aus dem Irak, die Kämpfer dienten früher als Offiziere unter Saddam Hussein und wurden aus irakischen Gefängnissen kurzfristig wieder freigelassen.[112] Der Chef der Al-Qaida Zawahiri distanzierte sich im Februar 2014 von der ISIS.[113]

Islamischer Staat (Juni 2014 bis heute)[Bearbeiten]

Seit Ende Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat.

Situation nach Ländern[Bearbeiten]

Irak[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Irakkrieg, der international umstritten war (siehe Irakkrise 2003), wurde zunächst eine Übergangsverwaltung, dann ein Regierungsrat und danach eine irakische Regierung installiert. Die Truppen der Vereinigten Staaten wurden im Dezember 2011 abgezogen (siehe Besetzung des Irak 2003–2011). Im Land stehen gesellschaftliche und religiöse Gruppen in einer Spannung. Die sunnitische Bevölkerungsmehrheit fühlte sich vom schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki (zurückgetreten im August 2014) unterdrückt. Teile der irakischen Armee desertierten. In der ersten Jahreshälfte 2014 gelang es den Milizen des IS, große Teile des nördlichen Irak unter die eigene Kontrolle zu bringen. Im Juni 2014 drohte sogar Bagdad der Fall.[114]

Januar 2014[Bearbeiten]

Anfang Januar 2014 gelang es ISIS-Kämpfern, die Städte Ramadi sowie Falludscha, die Hauptstadt der westirakischen Provinz Al-Anbar, zu erstürmen und unter ihre Kontrolle zu bringen; aus Ramadi wurden sie allerdings von Stammeskämpfern und lokalen Polizeikräften bald wieder vertrieben (siehe Islamistischer Aufstand in Anbar Januar 2014).[115][116][117] Nach einigen Tagen hatten auch in Falludscha die regulären Behörden wieder normal geöffnet. Zuvor hatten sunnitische Stammesführer gemeinsam mit der Lokalpolizei die Sicherheitsverantwortung für das Gebiet übernommen.[118]

US-Außenminister John Kerry mit Iraks Premier Nuri al-Maliki bei einem Treffen in Bagdad

Die USA und die Europäische Union berieten sich über eine erneute militärische Invasion, um so den Zerfall des Irak zu verhindern. Auch die Türkei und Israel waren als von der Krise betroffen zu sehen.[119][120][121][122] Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großayatollah Ali al-Sistani, rief die Iraker zum Widerstand gegen die sunnitischen Dschihadisten auf.[123] Der iranische Präsident Hassan Rohani schloss eine Zusammenarbeit mit den USA zur Bekämpfung der ISIS-Milizen nicht aus.[124]

Juni 2014[Bearbeiten]

Anfang Juni 2014 startete die Organisation eine Blitzoffensive auf die zweitgrößte irakische Stadt Mossul – angeführt wurde die Gruppe von Abu Bakr al-Baghdadi. Innerhalb weniger Tage eroberte sie die Stadt und anschließend die mehrheitlich von Sunniten bewohnten Provinzen Ninive, Salahaddin und Anbar im Norden des Landes. Bei der Einnahme von Mossul entführen sie auch 49 Personen des türkischen Konsulats.[125] Die irakische Armee überließ den Angreifern das Feld meist kampflos.[126] Die britische Zeitung The Guardian berichtete, es seien bei der Offensive auf Mossul etwa 30.000 Regierungssoldaten desertiert; die Zahl der ISIS-Angreifer habe schätzungsweise 800 betragen.[127] Dabei brachten die ISIS-Kämpfer neben den Waffenlagern der lokalen Garnison auch eine noch unbekannte Zahl US-Black-Hawk-Hubschrauber, weiteres Fluggerät sowie schwere Waffensysteme unter ihre Kontrolle. Nach Angaben eines irakischen Sicherheitsoffiziers, der sich auf Verhöre eines gefangengenommenen IS-Kuriers beruft, sind ihr bei der Eroberung Mossuls Geld und militärisches Gerät im Wert von bis zu 1,5 Milliarden USD in die Hände gefallen, ihr Gesamtvermögen (Geld und Waffen) soll schon vorher bei 875 Millionen Dollar gelegen haben[128].

Von Mossul aus drangen am 10. Juni ISIS-Kämpfer nach Baidschi vor, wo sich die größte Ölraffinerie des Irak befindet, zogen sich aber angesichts verstärkter Armee- und Polizeikräfte wieder zurück.

Am 11. Juni 2014 erreichten ISIS-Kämpfer Tikrit, wo Sunniten des früheren Regimes von Saddam Hussein mit den ISIS-Kämpfern zusammenarbeiteten[129], und Baidschi.[130] Bei Gefechten zwischen der Hawza of Najaf und der IS in der Provinz Salaheddin starben am 12. Juni in den Ortschaften Udhaim und Mukdadija mehr als 100 Menschen.[131]

Am 12. Juni verließen 3000 Soldaten der irakischen Armee den Luftwaffenstützpunkt Camp Speicher, in Zivilkleidung, um sich zu ergeben, zuvor waren ihre Offiziere geflohen. Die IS-Milizen teilten die Soldaten in Sunniten und Schiiten auf, schiitische Soldaten wurden hingerichtet. Die Organisation Human Rights Watch schätzt die Zahl der Opfer auf bis zu 770, es konnten anhand von Satellitenbildern fünf Orte identifiziert werden, an denen Ermordungen stattgefunden hatten.[132] Diese Massenermordungen wurden als Massaker von Tikrit bekannt.

Die Menschen in Bagdad bereiteten sich auf einen Angriff vor, und am 13. Juni legte das religiöse Oberhaupt der Schiiten im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, seine Zurückhaltung ab und rief zum Kampf gegen die sunnitischen Extremisten auf. Jeder, der eine Waffe tragen könne, solle sich den irakischen Sicherheitskräften anschließen. Der Aufruf wurde von Sistanis Vertreter, Sheikh Abdul Mehdi Kerbalaie, während der Freitagspredigt in der Imam-Hussein-Moschee in Kerbala verlesen.[133] Auch der radikale Schiitenprediger Muktada al-Sadr rief seine Anhänger zum Widerstand auf.

Bei einem Angriff von Anhängern der ISIS auf eine Polizeistation und ein Gefängnis, in dem Sunniten einsitzen, starben in Diyala 44 Menschen.[134]

Rund eine Million Iraker sind auf der Flucht. Viele versuchen, das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Wenig später wurde der Grenzposten Al-Kaim erobert, ein offizieller Grenzübergang zwischen dem Irak und Syrien.[135]

Trotz des offenen Streits zwischen dem Regierungschef Nuri al-Maliki in Bagdad und dem Kurdenpräsident Masud Barzani in Arbil stellte sich die Führung der kurdischen Gebiete im Irak offiziell an die Seite der irakischen Regierung und schickte ihre Peschmerga-Einheiten aus der Hauptstadt Arbil ins Kampfgebiet. Am 12. Juni übernahmen Peschmerga-Kämpfer die vollständige Kontrolle über die Großstadt Kirkuk.

Nach der Einnahme von Mossul bat die Regierung von Nuri al-Maliki die US-Regierung um Luftunterstützung gegen die ISIS-Kämpfer. US-Präsident Barack Obama zog einen Militärschlag in Erwägung, der Einsatz von US-Truppen am Boden wurde jedoch ausgeschlossen. Die Vereinigten Staaten hätten schon viel Geld in den Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte investiert; wenn diese nicht bereit seien zu kämpfen, gebe es „Probleme mit der Moral und dem Bekenntnis zum Irak“. Es liege „an den Irakern, als einem souveränen Staat, ihre Probleme zu lösen“, sagte Obama und verwies auf die schwierige Geschichte des Irak.[136] Zunächst verlegte der US-Verteidigungsminister Chuck Hagel den Flugzeugträger USS George H. W. Bush in den Persischen Golf. Begleitet wurde dieser von drei Zerstörern, die mit ihren Tomahawk-Marschflugkörpern bereits bei der Irak-Invasion 2003 eingesetzt wurden, der USS Arleigh Burke (DDG-51), der USS Truxtun (DDG-103), der USS O’Kane (DDG-77) und einem mit Raketen bestückten Kreuzer, der USS Philippine Sea (CG-58).[137][138] Zudem wurde ein weiteres Kriegsschiff in die Region abkommandiert, die USS Mesa Verde, das für amphibische Einsätze konzipiert ist, mit senkrecht startendem Kipprotor-Wandelflugzeug Bell-Boeing V-22 Osprey und mit 550 Marineinfanteristen an Bord.[139]

Der iranische Präsident Hassan Rohani bot am 14. Juni dem Irak an, im Rahmen internationalen Rechts beizustehen, und schloss eine Kooperation mit den Vereinigten Staaten im Irak nicht grundsätzlich aus: „Wenn wir sehen, dass die Vereinigten Staaten gegen terroristische Gruppen im Irak einschreiten, dann kann man darüber nachdenken. Bisher haben wir aber von ihrer Seite keine Handlungen gesehen.“[140] Zudem dementierte Rohani einen Bericht des Wall Street Journals, wonach bereits mindestens drei Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden Al-Quds-Brigaden (Al-Kuds-Brigaden) in den Irak entsandt worden seien.[141]

Am 17. Juni entschied Barack Obama, eine 275-köpfige Spezialeinheit in den Irak zu entsenden, um Personal der US-Botschaft in Bagdad zu den US-Konsulaten in Arbil (Autonomen Region Kurdistan im Nordirak) und Basra (Südirak) sowie in die US-Botschaft nach Amman in Jordanien zu verlegen. Wie viele der insgesamt 5000 US-Botschaftsmitarbeiter in Bagdad verlegt werden, wurde nicht bekanntgegeben.[142]

Eine mögliche militärische Zusammenarbeit mit dem Iran wurde von der Sprecherin des US-Außenministeriums dementiert, nachdem Außenminister John Kerry sie zuvor nicht ausgeschlossen hatte.[143]

Nach Angaben eines Funktionärs der kurdischen DPK sind die meisten Rebellen, die sich der ISIS-Offensive angeschlossen haben, keine Islamisten, sondern nicht-radikale sunnitische Iraker, die mit der schiitischen Maliki-Regierung nicht einverstanden sind.[144] Unterstützt werden sie von entlassenen oder übergelaufenen Soldaten der irakischen Armee, deren Anzahl um ein Vielfaches über der der Dschihadisten liegen soll.[145] Als Grund nennen sie vielfältige Diskriminierung durch die schiitisch dominierte irakische Regierung.[146]

Nach Informationen des Journalisten Jürgen Todenhöfer gehört nur ein kleiner Teil der Aufständischen zum „Islamischen Staat“. Er ging im Juni 2014 von etwa 1000 IS-Anhängern aus, denen etwa 20.000 Kämpfer des säkular orientierten „ Nationalen, Panarabischen und Islamischen Widerstandes (FNPI)“ gegenüberstehen. Der Anführer dieses Widerstandes sei Izzat Ibrahim ad-Duri, seine Anhänger seien neben Sunniten und Baathisten auch Bevölkerungsteile, die wirtschaftlich unzufrieden sind und unter dem Krieg im Land leiden.[147]

Am 29. Juni 2014, dem ersten Tag des Fastenmonats Ramadan, rief die Organisation in einer umfassenden Erklärung das Kalifat und ihren Anführer Baghdadi zum Kalifen aus.[148] Auf Arabisch, Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch erklärte die Organisation gleichzeitig ihre Umbenennung von „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ zu „Islamischer Staat“.[149] Sie erklärte auch, dass alle Emirate, Gruppen, Staaten und Organisationen ihre Rechtmäßigkeit mit der Ankunft des Kalifats und dem Eintreffen seiner Truppen verlören.[150]

Juli 2014[Bearbeiten]

Am 3. Juli gab Saudi-Arabien die Verlegung von 30.000 Soldaten in Richtung irakische Grenze bekannt, nach einem Rückzug dortiger stationierter irakischer Soldaten und vor dem Hintergrund der anhaltenden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der IS.[151]

Im Juli 2014 zerstörten IS-Kämpfer in den irakischen Städten Mossul und Tal Afar schiitische und sufistische Moscheen und Heiligtümer, darunter auch das Mausoleum von Ahmed Rifai, eines Nachkommen Mohammeds.[152] Die christlichen Einwohner Mossuls wurden am 18. Juli über Lautsprecher der Moscheen aufgefordert, die Stadt zu verlassen; ansonsten drohe ihnen „das Schwert“. Eine Woche zuvor waren sie aufgefordert worden, zum Islam zu konvertieren oder eine Sondersteuer zu zahlen, um der Ausweisung zu entgehen.[153] Die Häuser von Christen wurden mit einem N für Nasrani markiert; sie sollen dem Islamischen Staat zufallen.[154] Der Bischofssitz der syrisch-katholischen Kirche in Mossul wurde in Brand gesetzt.[155] Die Gruppe übernahm ebenfalls die Kontrolle über mehrere Ölfelder[19] und den größten Staudamm des Irak, die Mosul-Talsperre.[19]

Kämpfer der IS griffen am 17. Juli östlich von Palmyra das Erdgasfeld an und töteten 90 Soldaten, Sicherheitspersonal und Arbeiter der Anlagen.[156]

Im Bürgerkrieg in Syrien griff die IS nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) in ar-Raqqa rund 35 km östlich der Tabqa-Talsperre einen Militärstützpunkt der 17. Division der syrischen Armee an. Dabei starben mindestens 50 Regierungssoldaten und 28 IS-Kämpfer.[157]

Ende Juli zogen sich die nördlich und westlich von Mossul stationierten Peschmerga-Einheiten nach heftigen Gefechten mit mindestens 77 Toten zurück. Die meisten Bewohner des Gebiets gehören zur religiösen Minderheit der Jesiden, die in den Augen des IS „ungläubig“ sind. Im Zuge der Eroberung ermordete der IS zehn schiitische Kurden und zerstörte schiitische und jesidische Schreine. Das Vorrücken des IS löste eine Massenflucht aus, bis zu 200.000 Menschen flohen in den nahegelegenen Dschabal Sindschar. Der UNO-Sonderbeauftragte für den Irak, Nikolaj Mladenow, sprach von einer humanitären Tragödie und warnte davor, dass der IS das Sindschar-Gebirge eingeschlossen habe. Nach der Zerstörung bedeutender Moscheen und Grabmäler formierte sich in Mossul aber auch sunnitischer Widerstand gegen den IS; eine Gruppe mit Namen „Brigaden der Revolutionäre von Mossul“ tötete mehrere IS-Kämpfer.[158]

Rund 11.000 Kurden, Aleviten und Jesiden demonstrierten am 16. August 2014 in Hannover für Hilfe gegen den IS-Terror.

August 2014[Bearbeiten]

Südöstlich von Mossul eroberten Kämpfer der IS unter anderem am 7. August Bakhdida (Karakosch). Über 200.000 Christen besonders der Chaldäisch-katholischen Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens wurden aus der Ebene von Mossul vertrieben. Zudem stießen IS-Kämpfer in Richtung Erbil vor, dem Sitz der Autonomen Region Kurdistan.[159]

Am 8. August 2014 bombardierte die US-Regierung mit Kampfjets Artilleriestellungen des IS.[160] Weitere Luftangriffe der US-Navy fanden in den folgenden Tagen vom Flugzeugträger USS George H. W. Bush (CVN-77) aus statt. Dabei wurden nach US-Militärangaben auch Panzer, welche der IS erbeutet hatte, ausgeschaltet.[161] Der irakische Minister für Menschenrechte, Schia al Sudani, berichtete von 500 durch IS-Anhänger getöteten Jesiden, einige davon seien lebendig begraben worden. Zudem seien hunderte Frauen gekidnappt worden, die alle unter 35 Jahre alt seien und in Schulen in der Stadt Mossul eingesperrt sein sollen, so ein Sprecher des Ministers.[162] Die jesidische Parlamentsabgeordnete Wian Dachil gab an, dass 20.000–30.000 Jesiden durch kurdische Peschmerga-Kämpfer aus dem Sindschar-Gebirge gerettet wurden.[163] Nach Angaben vertriebener Jesiden erfolgte die Rettung nicht durch die Peschmerga, sondern durch Kämpfer der Partei der Demokratischen Union (PYD) und der Volksverteidigungseinheiten (YPK), die beide der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahestehen.[164][165] Die UN berichtete von mehreren weiteren tausend Jesiden, die im Gebirge festsäßen und vom IS eingeschlossen seien.[166] Qasim Şeşo hatte am 30. Juli eine jesidische Bürgerwehr (YBŞ) gegründet, um auf den Extremfall vorbereitet zu sein.[167] Diese Bürgerwehr bezog Stellung im Sindschar-Gebirge, um die Pilgerstätte Sherfedin zu schützen und gegen den IS zu kämpfen.[168] Im Ort Tel Kudscho starben mindestens 80 Männer, laut der kurdischen Nachrichtenagentur Basnews, weil sie nicht zum Islam übertreten wollten.[169]

Ein Führungsmitglied des IS, Abu Turab Al Mugaddasi, kündigte an, bis nach Saudi-Arabien ziehen zu wollen, um Mekka einzunehmen. König Abdullah ibn Abd al-Aziz erklärte daraufhin, 30.000 Soldaten im Norden des Landes fest stationieren zu lassen.[170] Einen Monat später wurde angekündigt, einen Zaun an der Grenze zu Jordanien mit einer Länge von 900 Kilometern errichten zu lassen.[171]

Am 11. August wurde bekannt, dass kurdische Kräfte die Städte Makhmur und Gwer – mit US-Luftunterstützung – zurückerobert haben. Gwer wurde zuvor in der Nacht von 6. auf 7. August von den kurdischen Kräften aufgegeben.[172][173]

Nuri al-Maliki trat am 14. August 2014 zugunsten des designierten Nachfolgers und politischen Rivalen Haidar al Abadi von seinem Amt als Premierminister des Irak zurück. Am 15. August begannen 25 sunnitische Stämme ihren Widerstand gegen den IS und vertrieben ihn aus den Gebieten westlich der Provinzhauptstadt Ramadi. Am 18. August wurde die strategisch wichtige Mosul-Talsperre von kurdischen und irakischen Einheiten mit US-Luftunterstützung zurückerobert.[174]

Die irakische Armee startete am 19. August 2014 eine Gegenoffensive zur Rückeroberung der sunnitisch dominierten Stadt Tikrit.[175] Die Offensive kam jedoch noch am selben Tag zum Erliegen, da die Gegenwehr zu stark war.[176]

Kurdische Kräfte starteten am 22. August 2014 eine Offensive auf den strategisch wichtigen Ort Jalawla im Gouvernement Diyala, die irakische Armee marschierte derweil auf den in der Nähe befindlichen Ort Saadiya.[177] Am 17. September wurde bekannt, dass der Ort noch immer in der Hand des IS war, ein Hauptgrund war die Unterstützung des IS durch den Krui-Stamm, der laut Angaben der Peschmerga ca. 1500 ehemalige Armeesoldaten in seinen Reihen hat.[178]

Ende August 2014 stellten Mitglieder des IS ein Video ins Internet, das die Ermordung des US-amerikanischen Journalisten James Foley zeigen soll. Am Schluss wurde im Video ein zweiter Gefangener gezeigt, der als Steven Sotloff bezeichnet wurde. Im Video wurde erklärt, dass das Leben dieses Mannes von den „nächsten Entscheidungen“ Obamas abhänge.[179][180] Kurz darauf berichtete der Nachrichtensender ABC News von einer weiteren Geiselnahme durch den IS. Es handelt sich um eine 26-jährige Frau, die im Jahr 2013 in Syrien entführt wurde. Die Entführer forderten unter anderem 6,6 Millionen Dollar und die Freilassung von Aafia Siddiqui.[181] Die USA setzen ihre Luftangriffe fort und schlossen eine Ausdehnung der Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien nicht mehr aus.[182]

Die irakische Luftwaffe begann am 27. August mit Angriffen auf IS-Stellungen, um die seit zwei Monaten eingeschlossene Stadt Amerli im Distrikt Tuz Khurmatu Gouvernement Salah ad-Din. Parallel wurden mit Helikoptern Hilfsgüter und Munition in die Stadt geflogen.[183][184] Kräfte der irakischen Armee sowie schiitische und kurdische Kämpfer starteten am 30. August eine gemeinsame Offensive zum Entsatz der seit mehr als zwei Monaten eingeschlossenen Stadt.[185] Diese Bodentruppen in Stärke von mehreren Tausend Mann rückten aus vier Richtungen, unterstützt von Luftschlägen mit US-Beteiligung, gegen die Einschließung vor.[186] Der irakischen Armee gelang der Durchbruch des Belagerungsringes am 31. August 2014.[187] Die kleineren Orte rund um Amerli Stadt konnten noch am selben Tag zurückerobert werden.[188] Erstmalig dürfte sich die Luftwaffe des schiitisch dominierten Iran beteiligt haben.[189] Laut einer Aussage des Irak-Experten vom Washington Institute for Near East Policy Michael Knights wurde die Stadt zum Symbol des schiitischen Widerstands und war auch die letzte nicht-sunnitische Gemeinde, die der Terrororganisation ausgeliefert war.[190] Im Zuge dieser Offensive konnten die verbündeten Kräfte die vor elf Wochen verloren Stadt Sulaiman Bak zurückerobern, dabei wurden 36 IS-Kämpfer gefangengenommen.[191]

Am 28. August wurde ein Video auf YouTube online gestellt, das die Enthauptung eines Peschmerga-Kämpfers zeigen soll. Die Enthauptung soll eine Warnung für die kurdischen Führer sein, ihre Allianz mit den USA zu beenden. Am frühen Morgen konnten kurdische Kräfte im Raum Zumar Distrikt Tal Afar im Gouvernement Ninawa – 10 bis 20 km westlich des Mosul-Dammes – einige Ortschaften unter anderem die am 3. August verlorene Ölstadt Ain Zalah und den strategisch wichtigen Berg Batma zurückgewinnen – er ermöglicht eine sehr gute Sicht auf die Städte Ain Zalah und Zumar. Der IS zündete im Verlauf ihres Rückzugs drei Ölquellen an.[192][193] Die ersten kurdischen Verbände konnten am 30. August in die Stadt Zumar eindringen, die Stadt konnte am selben Tag eingenommen werden.[194][195][191]

Am 28. August 2014 töteten IS-Kämpfer mehr als 160 Soldaten im Gouvernement ar-Raqqa.[196] Anfang September 2014 wurden im zurückeroberten Ort Sulaiman Bek Massengräber entdeckt.[197]

September 2014[Bearbeiten]

Karte zu den Luftangriffszielen gegen die IS in Syrien am 23. September 2014
Karte zu den alliierten Luftangriffen auf von der IS kontrollierte Raffinerien am 24. September 2014

Am 2. September veröffentlichte der IS ein Video, in dem ein schwarz vermummter Kämpfer offenbar den Journalisten Steven Joel Sotloff ermordet. Im Video wurde die Ermordung mit der Weiterführung der Angriffe der USA gegen IS-Stellungen begründet. Es wurde auch mit der Tötung des Briten David Cawthorne Haines gedroht, falls die US-Luftschläge weitergehen.[198][199]

Am 4. September wurde bekannt, dass die "rechte Hand" von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi, Abu Hadschir al-Suri, mutmaßlich bei einem Luftschlag auf Mossul getötet worden war; bei diesem Luftangriff sollen auch 50 IS-Kämpfer gestorben sein.[200] Im gleichen Zeitraum wurde westlich von Kirkuk der Ort Tel Ali von den IS-Milizen gestürmt, und es wurden mindestens 50 Männer entführt.[201]

Kurdische Kräfte rückten östlich von Mossul vor und konnten sich bis zum 5. September 25 Kilometer an die Stadt herankämpfen, dabei wurden weitere Dörfer vom IS zurückerobert.[202] Am 6. September konnte die Peschmerga, ca. 20 km östlich von Mossul, den strategisch wichtigen Berg Zartak erobern. Die US-Luftwaffe unterstützte den Vormarsch.[203]

Am 7. September bombardierte die US-Luftwaffe auch IS-Stellungen bei der Haditha-Talsperre, ca. 250 km südwestlich von Mossul, und eröffnete dadurch eine zusätzliche Front. Die Angriffe dienten der Unterstützung irakischer Sicherheitskräfte und sunnitischer Stämme, die den Staudamm verteidigten, die Luftschläge erfolgten auf Bitte der irakischen Regierung. Durch die Luftschläge konnten die Kämpfer die Stadt Barwana ca. 10 km südlich des Dammes einnehmen.[204][203][205]

Am 12. September wurde bekannt, dass sich Saudi-Arabien, der Irak, Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, der Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate an der internationalen Allianz beteiligen wollen. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die zehn arabischen Länder nach einer Anti-Terror-Konferenz in der saudischen Hafenstadt Jeddah, sie seien übereingekommen, ihren Teil zum Kampf gegen die Extremisten beizutragen und die Militäraktion zu unterstützen. Sie sagten unter anderem zu, die Finanzströme der Extremisten und den Zulauf von ausländischen Kämpfern zu stoppen.[206]

Australien kündigte Mitte September 2014 die Verlegung von 600 Soldaten und acht FA18 Super Hornet in die Vereinigten Arabischen Emirate an. Zweihundert dieser Soldaten waren Mitglieder des Australian Special Air Service Regiments.[207][208] Am 15. September 2014 startete die Französische Luftwaffe erstmals Aufklärungsflüge im Irak.[209]

Am 13. September wurde ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung von David Haines zeigen soll. Die Tat wurde darin wie folgt begründet: „Dieser Brite muss den Preis für dein Versprechen, Cameron, zahlen, die Peschmerga zu bewaffnen, um gegen den 'Islamischen Staat' vorzugehen.“ Als nächstes Opfer wurde der britische Entwicklungshelfer Alan Henning angekündigt.[210] Henning wurde offenbar vor dem 3. Oktober 2014 ermordet; vor ihm wurden James Foley und Steven Sotloff (beide US-Journalisten) enthauptet.[211]

Bis zum 16. September hatten die US-Luftangriffe auf IS-Stellungen eine Anzahl von 162 erreicht, und erstmals wurden Stellungen nahe der irakischen Hauptstadt angegriffen. Am selben Tag konnten die Peschmerga weitere fünf Dörfer nordöstlich von Mossul befreien. Die Befreiung dieser Dörfer wurde als strategisch wichtiger Erfolg gewertet. Nachdem sich die Peschmerga zehn Tage zuvor 20 km östlich von Mossul, am Berg Zartak, hatte festsetzen können, zeichnete sich hier eine nördliche Umfassungsbewegung ab. Gemäß Aussagen eines Kommandeurs vor Ort befanden sich die IS-Truppen schon seit Tagen im Rückzug. Auch wurde bekannt, dass die kurdischen Kämpfer eine Offensive für die Rückeroberung der Ebene von Mossul vorbereiten. Die französische Luftwaffe begann mit Aufklärungsflügen.[212][213][214] Die US-Luftwaffe griff am 18. September mehrere Ausbildungslager, im Bereich Hammam al-Alil, ca. 25 km südlich von Mossul an und zerstörte diese vollständig.[215] Am 20. September wurde bekannt, dass die US-Luftwaffe erstmals Ziele im Stadtzentrum von Mossul angegriffen hat.[216]

Am 19. September bombardierten Rafale-Jets der französischen Luftwaffe ein Waffendepot des IS im Raum Zumar und zerstörten es vollständig.[217] In Algerien wurde der Franzose Hervé Gourdel von Dschund al-Chilāfa / ‏ جُنْد الخِلافة‎ / Ǧund al-ḫilāfa / ‚Armee des Kalifats / Kalifatsarmee‘[218] (vormals al-Qaida im Maghreb angegliedert,[219] seit dem 14. September IS) am 21. September entführt, die Terroristen forderten eine Einstellung der französischen Luftangriffe.[220][221] Am 24. September wurde die französische Geisel enthauptet. Die französische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, man werde „keiner Erpressung“ nachgeben.[222] Kurz zuvor hatte die Gruppe Abu Sajaf auf den Philippinen mit Ermordung zweier deutscher Geiseln gedroht, falls sich Deutschland am Kampf gegen den IS beteiligt und nicht ein gefordertes Lösegeld zahlt.[223]

Am 25. September folgten weitere Luftangriffe durch zehn Kampfflugzeuge aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie sechs aus den USA auf 12 vom IS kontrollierte und modular aufgebaute Ölraffinerien nahe der syrisch-irakischen Grenze bei Al Mayadin, Al Hasakah und Abu Kamal.[224]

Am 26. September beteiligte sich Großbritannien an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Irak mit zwei bewaffneten Kampfflugzeugen des Typs Tornado. Auch Belgien, die Niederlande und Dänemark sagten ihre Unterstützung zu. Belgien entsandte sechs Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und 120 Soldaten nach Jordanien, die Niederlande ebenfalls sechs F-16 und maximal 250 Soldaten, darunter 130 für die Ausbildung von irakischen und kurdischen Soldaten.

Im Raum Alqosh entstand die erste christliche Bürgerwehr. Als Grund dafür gilt der fluchtartige Rückzug der Peschmerga im August 2014.[225]

Mit Luftunterstützung und Artilleriefeuer rückten, laut Vertretern der Peschmerga, kurdische Kämpfer am 30. September an drei Fronten vor. Im Grenzgebiet zu Syrien konnten zwei Dörfer zurückerobert werden, auch rückten die kurdischen Kämpfer in den (an der Autobahn 1 gelegenen) Grenzort Rabia ein und stießen dabei auf Widerstand. Auch im Raum Zumar wurde wieder eine Offensive durchgeführt. Rund um den Darkuk im Gouvernement Kirkuk konnten ebenfalls einige Dörfer zurückerobert werden.[226][227]

Am 30. September 2014 flog die Royal Air Force erstmals Angriffe gegen IS-Stellungen.[228] Der türkische Vize-Premierminister Bülent Arınç sagte, das türkische Parlament werde am 1. Oktober über Resolutionen zum Kampfeinsatz gegen den IS zustimmen.[228][229]

Oktober 2014[Bearbeiten]

Am 3. Oktober erschien ein Video im Internet, das die Enthauptung des britischen Entwicklungshelfers Alan Henning zeigen soll, der bereits 2013 von IS-Kämpfern entführt worden war. Seine Ermordung wurde im Video mit der Beteiligung Großbritanniens an den Angriffen auf den IS im Irak gerechtfertigt.[230]

Hinrichtungen von politisch aktiven Frauen und Akademikerinnen, darunter zwei Ärztinnen, wurden Anfang Oktober bekannt.[231]

Mitte Oktober 2014 wurde berichtet, dass der IS am 11. Juni 2014 den Muthanna-Komplex nordwestlich von Bagdad erobert hat und vermutlich auch Reste von Kampfstoffen oder Produktionsreste erbeutet habe, darunter Sarin.[232][233]

Anfang Oktober 2014 rückten Einheiten des IS gegen die Jesiden im Sindschar-Gebirge vor. In der Region hielten sich etwa 10.000 Menschen auf, denen es an Nachschub mangelte. Darunter befanden sich etwa 3000 Mitglieder der Bürgerwehr (Hêza Parastina Şingal) unter der Führung von Qasim Şeşo, sowie 7000 Zivilisten. Sie versuchen unter anderem, die Pilgerstätte Sherfedîn zu schützen. Die Ortschaften Borik und Dhola fielen an den IS.[234]

Der syrische Botschafter in Neu-Delhi, Riad Kamel Abbas, bezeichnete die ISIS bei einer Konferenz des Indian Women's Press Corps (IWPC) am 15. Oktober 2014 als einen „Amerikanischen Mythos“, eine Erfindung, die direkte Unterstützung von der Türkei erhalte und von Saudi-Arabien und Katar finanziert werde: „Al-Qaida erschien in Syrien nachdem die USA den Irak besetzt hatte. Vorher gab es keine al-Qaida in Syrien. Es ist klar, dass al-Qaida von den USA erschaffen wurde und der ISIS von den USA unterstützt wird.“[235][236]

Syrien[Bearbeiten]

Seit März 2011 hält der Bürgerkrieg in Syrien an. Präsident Baschar al-Assad befehligt die Regierungstruppen und wird von der Hisbollah unterstützt. Die Freie Syrische Armee versteht sich als die Miliz der irakischen Opposition. Ferner etablierte sich die al-Qaida nahestehende al-Nusra-Front als Gegner Assads; 2014 erlangte der IS eine dominierende Rolle unter der Führung von Abu Omar al-Shishani. Darüber hinaus gibt es kleinere aufständische Organisationen. 2012 kam es zum syrisch-türkischer Konflikt; die Türkei versteht sich seitdem als Gegner Assads.

Siehe auch: Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2014, 2013, 2012, 2011

Januar 2014[Bearbeiten]

Seit dem 3. Januar 2014 finden massive Angriffe durch Rebellen, darunter die Freie Syrische Armee (FSA) und die Islamische Front, gegen ISIS in Nordsyrien statt.[237][238][239] Nachdem ISIS Anfang Januar 2014 einige bedeutende syrische Aktivisten in ihren Gefängnissen ermordet hatte, brachen verstärkt offene Kämpfe zwischen ISIS und den Rebellen aus, denen sich immer mehr Rebellengruppen anschlossen. Mehrere Vermittlungsversuche zwischen ISIS und den Rebellen waren zuvor gescheitert.

Februar 2014[Bearbeiten]

Bereits Anfang Februar 2014 hatte ISIS unter den syrischen Rebellengruppen keinen Verbündeten mehr, insbesondere auch unter der Al-Nusra-Front und der islamischen Armee. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten, YPG und YPJ (Frauenbataillone), verteidigten schon seit längerem die kurdischen Gebiete gegen Einfälle des ISIS.

März 2014[Bearbeiten]

Ende März 2014 startete ISIS einen erneuten Angriff auf die kurdische Region um Ain al-Arab (kurdisch: Kobanê). Zur selben Zeit verlangte der ISIS von der Türkei, ihre Truppen aus der einzigen türkischen Exklave der Grabstätte Sulaiman Schahs beim Dorf Qara Qusaq abzuziehen. Die Türkei drohte mit einer militärischen Antwort.[240]

Juni 2014[Bearbeiten]

Im Juni 2014 wurde von Ermordungen und Kreuzigungen in Dayr Ḥāfir im Osten der Provinz Aleppo und Al-Bab berichtet.[241][242]

August 2014[Bearbeiten]

Bei einem Kampf mit der Al-Qaida verbündeten Al-Nusra-Front eroberte der IS im August 2014 auch weitere Gebiete an der türkischen Grenze.[243]

Mitte August 2014 berichteten Aktivisten, dass IS-Kämpfer 700 Angehörige des regionalen Stammes der Sheitat, darunter 600 Zivilisten, im Gouvernement Deir ez-Zor gefangengenommen und getötet hätten.[244][245] Deir ez-Zor ist eine von der Freien Syrische Armee besetzte Enklave in einem von der IS kontrollierten Gebiet.

Am 24. August 2014 nahm die IS-Miliz den Militärflughafen al Tabqa syrischer Regierungstruppen in Al-Tabka ein. Dabei kamen 500 Menschen zu Tode.[246]

September 2014[Bearbeiten]

Im September 2014 griffen IS-Anhänger die Stadt Kobanê an der Grenze zur Türkei an. Die Kampfhandlungen mündeten in die international beachtete Schlacht um Kobanê. Zeitweilig waren bis zu einer halben Million Menschen durch IS-Kämpfer eingekesselt.[247] Die US-Luftwaffe bombardierte zusammen mit jordanischen und saudiarabischen Kampfflugzeugen Ziele des IS in Syrien. Die Aktion wurde auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterstützt.[248] Der IS nahm Mitte September 2014 insgesamt 16 mehrheitlich kurdisch bewohnte Dörfer, in der Nähe der Stadt Ain al-Arab, ein. Die Dörfer in der Nähe der türkischen Grenze wurden von lokalen Bürgerwehren verteidigt, die Zivilisten waren vor der Einnahme geflohen.[249] Die kurdische Enklave um Ain al-Arab wurde von den IS schon seit Monaten angegriffen, die Enklave war eingekesselt.[250] Nach heftigen Protesten öffnete die Türkei die Grenze für die Flüchtenden. Mit Ausnahme von Ain al-Arab kontrollierte die Terrororganisation IS die gesamte Grenze zur Türkei, zwischen Ras al-Ain und Aleppo. Die Einnahme von Ain al-Arab hätte zudem den Vormarsch auf Aleppo erleichtert. Der Erfolg der IS-Miliz bei dieser Offensive wurde mit den von der syrischen Armee erbeuteten schweren Waffen in Zusammenhang gebracht. Die Versorgung der Enklave von außen gestaltete sich schwierig, da die Türkei den syrischen Kurden feindlich gesinnt war.[251] Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte drangen in der Nacht zum 20. September mindestens 300 türkische Kurdenkämpfer über die Grenze nach Syrien vor, um den Kampf der syrischen Kurden gegen den IS zu unterstützen. Salih Muslim Mohamed, ein Vertreter der syrischen Kurdenbewegung, forderte Hilfe von den USA und Europa. Bei Ain al-Arab drohten „sogar noch schlimmere ethnische Säuberungen als jene in Sindschar.“[252] Am 23. September 2014 wurde bekannt, dass die USA gemeinsam mit den arabischen Verbündeten Luftschläge in Syrien ausgeführt hatten. Die Verbündeten Staaten waren laut Washington Post: Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabische Emirate und Bahrain. Die Angriffe fanden im Raum ar-Raqqa der nordsyrischen IS-Hochburg und entlang der syrisch-irakischen Grenze statt.[253] Diese Ziele wurden mit Kampfjets, Bombern und Marschflugkörpern angegriffen. Die Washington Post berichtete, dass bei dem Angriff auch Drohnen zum Einsatz kamen.[254]

Oktober 2014[Bearbeiten]

Mitte Oktober 2014 konnten die Dschihadisten große Teile der belagerten nordsyrischen Grenzstadt Kobanê einnehmen. Berichtet wird vom Häuserkampf in Aleppo gegen syrische Regierungseinheiten sowie von der Sprengung eines Kontrollpostens in Hama.[255]

Im weiteren Verlauf konnten die Milizen des IS aus Kobanê zurückgedrängt werden. Die USA unterstützten die Kurden dort mit insgesamt 135 Luftangriffen gegen die Einheiten des IS. Am 20. Oktober 2014 wurde bekannt, dass die USA erstmals für die kurdischen Kämpfer mit Flugzeugen des Typs Lockheed C-130 mehrere Ladungen von Waffen, Munition und medizinischen Gütern abgeworfen haben. Das Material sei von der Autonomen Region Kurdistan im Irak zur Verfügung gestellt worden. Zur gleichen Zeit erklärte Erdogan nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die syrisch-kurdische Partei PYD sei ebenso „eine Terrororganisation“ wie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK; er lehne eine Waffenhilfe durch die Türkei grundsätzlich ab.[256]

Jordanien[Bearbeiten]

ISIS nahm am 20. Juni 2014 in Jordanien den einzigen Grenzübergang zum Irak am Highway 10 nach Al Rutbah, al-Anbar, ein. Der Verkehr kam zum Erliegen.[257][258] Jordanien verstärkte danach seine Truppen im Osten des Landes vor dem Hintergrund des Vormarsches des IS im westirakischen Gouvernement al-Anbar.[259] US-Präsident Obama warnte vor einem Übergriff des IS auf Jordanien.[260]

Libanon[Bearbeiten]

Anfang Januar 2014 übernahm ISIS die Verantwortung für einen am 2. Januar ausgeführten Autobomben-Anschlag in Beirut, der der Hisbollah galt und bei dem vier Menschen getötet und 77 verletzt wurden.[261]

Im August 2014 wurden mindestens 27 libanesische Soldaten in der Ortschaft Arsal, die an Syrien grenzt, entführt. Zwei von ihnen, Ali Sayyed und Abbas Medlej, wurden im August und September enthauptet.[262][263]

Saudi-Arabien[Bearbeiten]

Im Juni 2014 machte der irakische Premierminister Nuri al-Maliki Saudi-Arabien, verantwortlich für das, was ISIS an finanzieller und moralischer Unterstützung erhalten habe.[264]

Am 3. Juli 2014 gab Saudi-Arabien bekannt, 30.000 Soldaten an die 800 km lange Grenze zum Irak zu entsenden.[265] Ende Juli 2014 distanzierte sich Saudi-Arabien von ISIS.[266]

Eine Meinungsumfrage unter saudi-arabischen Bürgern im August 2014 ergab, dass 92 % der Befragten der Meinung seien, dass der IS mit den Werten des Islam und mit den islamischen Gesetzen übereinstimme. [267]

Afghanistan[Bearbeiten]

Im September 2014 wiesen Ermordungen in der Provinz Ghazni darauf hin, dass sich Ableger der IS in Afghanistan bilden.[268]

Algerien[Bearbeiten]

Der französische Bergführer Hervé Gourdel wurde in Algerien am 21. September 2014 entführt und am 24. September 2014 enthauptet. Einer der Täter war mutmaßlich Bachir Kherza, Anführer der Dschihadistengruppe Dschund al-Khilafa (Soldaten des Kalifats), der Frankreich aufforderte, seine Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak binnen 24 Stunden einzustellen.[269] Die Gruppe hat dem IS die Treue geschworen.[270]

Nigeria[Bearbeiten]

Die nigerianisch-sunnitische Terrororganisation Boko Haram sagte dem IS Unterstützung zu.[271]

Philippinen[Bearbeiten]

Die Gruppe Abu Sajaf, die im Süden der Philippinen seit 1991 für einen islamischen Staat kämpft, sagte dem IS Unterstützung zu.[272]

Türkei[Bearbeiten]

Außen- und innenpolitische Interessen[Bearbeiten]

Die Türkei ist seit 1952 NATO-Mitglied und wurde von März 2003 bis August 2014 von Recep Tayyip Erdoğan als Ministerpräsident regiert. Erdoğan ließ lange Zeit dschihadistische Gruppen gewähren, wohl um Baschar al-Assad, einen seiner „Intimfeinde“, zu schwächen. Verschiedene Extremistengruppen konnten sich eine Basis innerhalb der Türkei aufbauen. Die Türkei hat hingegen wenig Interesse am Erstarken der Kurden in Syrien und im Irak; sie tritt gegen Autonomiebestrebungen der Kurden in der Türkei (ca. 18 Prozent der türkischen Bevölkerung) ein.[273] Die türkische Regierung vermied es, eine eindeutige Position gegenüber IS einzunehmen.

Mutmaßliche Unterstützung der IS[Bearbeiten]

Mitte September 2014 galt die Türkei als wichtigstes Transitland, nicht zuletzt da der IS vom türkischen Regierungschef Ahmet Davutoğlu nur als reaktionär gesehen wurde. Die Anwerbung von IS-Kämpfern soll in der Türkei in Einkaufszentren, Cafés, Buchhandlungen und auf Marktplätzen erfolgen sowie durch Hodschas. Die Terrororganisation wirbt mittlerweile ganze Familien an.[274]

Laut Berichten aus der Grenzregion vom 17. September 2014 sollen Güterzüge mit Rüstungsgegenständen an der türkischen Seite der syrisch-türkischen Grenze abgestellt worden sein; die IS-Milizen holten diese dann über die Grenze.[275][276]

Am 20. September wurde bekannt, dass die 49 türkischen Geiseln, die 101 Tage zuvor bei der Besetzung der irakischen Stadt Mossul durch die IS in deren Gewalt geraten waren, jetzt freigelassen wurden. Die Türkei hatte ihre Zurückhaltung in der internationalen Allianz gegen die IS wiederholt mit der möglichen Gefährdung der Geiseln begründet.[277] Gleichzeitig wurde auch bekannt, dass der türkische Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MIT) bereits zwei Monate zuvor erfolgreich mit Suchoperationen mittels Drohnen begonnen und arabische Stämme als Vermittler eingesetzt hatte. Der Zustand der Geiseln war erstaunlich gut, bis hin zu sauberer Kleidung. Dies veranlasste den Journalisten Ismail Türk zu der Stellungnahme: „Es gibt in dieser Angelegenheit in jeder Hinsicht dunkle und zweifelhafte Ereignisse.“ So führte Türk an, dass die Türkei bereits mit ihrer finanziellen Unterstützung der Gegner des syrischen Machthabers Assad „eine Anzahlung“ für Lösegelder erbracht habe.[278] Auf die Frage nach etwaigen Gegenleistungen für das Freikommen der Geiseln verwies die Türkei mehrfach auf die Diplomatie; Erdoğan selbst nährte das Gerücht über einen Geiselaustausch.[279]

Am 22. September 2014 wurde bekannt, dass IS-Kämpfer ihre Verletzungen in türkischen Krankenhäusern behandeln lassen; es kursierten zeitgleich Videos, wie langbärtige Männer mit IS-Logo unbehelligt türkische Straßenbahnen benutzen.

Kaum vorhandene Unterstützung für die Kurden[Bearbeiten]

Am 22. September reduzierte die türkische Regierung die offenen Grenzübergänge auf zwei; vor allem junge Männer wurden zurückgehalten, die Grenze in Richtung Syrien zu überschreiten. Das Ausreiseverbot für diese jungen Männer schwächte wohl die Verteidigungskräfte der Stadt Ain al-Arab (die PKK hatte die türkischen Kurden zum Kampf aufgerufen).[280][281] Die israelische Zeitung Haaretz berichtete am 23. September, dass syrische Dschihadisten Trainingslager in der Türkei unterhalten.[282] Eine autonome Provinz Rojava (angrenzend an die kurdischen Gebiete der Türkei sowie an die bereits bestehende Autonome Region Kurdistan) könnte Unabhängigkeitsbestrebungen türkischer Kurden anheizen.[279] Die Türkei ließ kampfwillige, türkische Kurden auch weiterhin nicht über die Grenze nach Ain al-Arab. Erdoğan trat auch für die Errichtung einer Flugverbotszone und einer Schutzzone auf syrischem Gebiet ein und schloss eine Beteiligung von türkischen Bodentruppen nicht mehr aus.[283]

Nach einem Besuch in den USA sagte Erdoğan Ende September, die Türkei dürfe sich „bei der Gegenoffensive nicht heraushalten“. Dies war ein deutlicher Kurswechsel; bis dahin wollte Erdogan dem Anti-IS-Bündnis nicht beitreten und erlaubte nicht einmal die Nutzung türkischer Luftwaffenstützpunkte, um von dort Angriffe auf IS-Kämpfer zu fliegen.[284][285]

Aufnahme von Flüchtlingen[Bearbeiten]

Die Türkei nimmt die meisten Flüchtlinge auf. So sind seit dem Bürgerkrieg 2011 in Syrien ca. 1,5 Millionen Menschen in die Türkei geflohen. Zwischen dem 20. und 22. September sollen bis zu 130.000 Menschen vor einer Offensive des IS auf die syrische Stadt Ain al-Arab in die Türkei geflüchtet sein.[286][287] Laut der Walsroder Zeitung waren die Flüchtlingszahlen der Türkei stark übertrieben: statt der vom UNHCR kolportierten 144.000 syrischen Flüchtlinge sollen es nur 15.000 bis 20.000 gewesen sein. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu nannte am 26. September eine Zahl von 160.000. Die Motivation der Türkei soll gewesen sein, die menschenleeren Regionen zu Pufferzonen erklären zu lassen.[288] Die Türkei gab eine Verschärfung der Grenzkontrollen und ein Unterbinden der Handelswege für Diesel und Öl aus IS-Gebieten bekannt. Bis zum 27. September sollen 830 Europäer festgenommen worden sein, die als IS-Kämpfer die Türkei als Transitland nutzen wollten.[279]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

US-Präsident Barack Obama äußerte anlässlich der Enthauptung von James Foley im August 2014, dass die Ideologie des IS für keine Religion stehe. Sie bedrohe Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen. „Ihre Opfer sind überwiegend Muslime, und kein Glaube lehrt Menschen, Unschuldige zu massakrieren.“ „Kein gerechter Gott würde hinter dem stehen, was sie gestern getan haben und was sie jeden einzelnen Tag tun.“[289]

Seit August 2014 statten die USA die Kurden mit Waffen aus.[290]

Im August 2014 flogen die USA Luftangriffe gegen die Stellungen des IS. Zugleich leiteten sie Hilfsmaßnahmen für die vom IS bedrängten Jesiden ein.[291]

Iran[Bearbeiten]

Seit August 2014 stattet der Iran die Kurden im Iran mit Waffen aus.[292]

Deutschland[Bearbeiten]

Aktivitäten von IS-Anhängern[Bearbeiten]

Anfang August 2014 attackierten deutsche IS-Anhänger in Herford Jesiden mit Messern[293] und bedrohten diese.[294] In Hamburg gab es im September 2014 in der Schnackenburgallee im Hamburger Stadtteil Stellingen Bedrohungen und Übergriffe durch Sympathisanten des IS.[295]

Einschätzung des Verfassungsschutzes[Bearbeiten]

Im Verfassungsschutzbericht 2012 des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz wurde AQI als die „aktivste terroristische Gruppierung im Zentral- und Südirak“ beschrieben. Strukturen von AQI in Deutschland seien derzeit nicht bekannt.[296] Ende November 2013 veröffentlichte ISIS ein Video, in dem erstmals ein deutsches ISIS-Mitglied für den Dschihad in Syrien wirbt.[297] Das Bundesamt für Verfassungsschutz identifizierte den Mann als einen 26-jährigen Konvertiten aus Dinslaken; er soll mit vier Salafisten aus dem Raum Dinslaken über die Türkei nach Syrien gereist sein und sich dort ISIS angeschlossen haben.[298] Inzwischen sind mehrere Männer aus Deutschland für IS im Einsatz, wie auch der ehemalige Rapper Denis Cuspert.[299][300]

Laut Verfassungsschutz gingen bisher bereits mehr als 400 junge Männer von Deutschland aus in den Irak oder nach Syrien, um für den IS zu kämpfen.[301] Im Februar 2014 gaben deutsche Behörden an, mindestens 20 Dschihadisten aus Deutschland seien in Syrien getötet worden.[302] Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes des Bundes für das Jahr 2013 warnte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen vor einem „besonderen Sicherheitsrisiko“ durch nach Deutschland zurückkehrende Syrien-Kämpfer.[303]

Verbot und Strafbarkeit[Bearbeiten]

In Deutschland ist die Organisation seit dem 12. September 2014 nach § 3 Abs. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 und § 18 Satz 2 Vereinsgesetz verboten. Die öffentliche Verwendung von Kennzeichen des IS, das Sammeln von Spenden und die Rekrutierung von Kämpfern sowie jegliche andere Unterstützung der Organisation ist somit strafbar.[304]

Eine Strafbarkeit der Verwendung der IS-Flagge wurde kritisiert, da ihr Inhalt („Es gibt keinen Gott außer Gott.“; „Mohammed ist der Prophet Gottes.“) als Glaubensbekenntnis vom Schutzbereich der Religionsfreiheit umfasst sei.[305] Das Bundesinnenministerium teilte diesbezüglich mit, das Kennzeichenverbot richte sich nicht gegen islamische Symbolik allgemein, sondern gegen deren spezifische Verwendung durch den IS für seine verfassungswidrigen Zwecke.[306]

Strafverfolgung und Resozialisierung[Bearbeiten]

Mit Stand Mitte September 2014 laufen etwa 140 Ermittlungsverfahren gegen aus Deutschland stammende Kämpfer und Aktivisten des IS. 33 Verfahren mit 60 Beschuldigten werden von der Bundesanwaltschaft bearbeitet. Jedoch warnte die Bundesanwaltschaft bereits, dass sie bald überfordert werden könnte, weil tendenziell mehr Verfahren dazu kommen könnten. Justizminister Heiko Maas sprach sich für eine Wiedereingliederungshilfe für IS-Kämpfer aus, welche dem Terror abschwören wollen, um sie so wieder in die Gesellschaft zurückzuführen.[307]

Unterstützung der Autonomen Region Kurdistan[Bearbeiten]

Deutschland startete am 15. August 2014 Hilfsflüge in den Irak. Vier Bundeswehrflugzeuge brachten 36 Tonnen Sanitätsmaterial und Lebensmittel nach Erbil. Nach einem Treffen der europäischen Außenminister[308] fällte die Bundesregierung am 20. August einen Grundsatzbeschluss, dass man den Kampf der Kurden im Nordirak gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat notfalls auch mit Waffen unterstützen werde.[309] Ende August 2014 entschied sich die Bundesregierung, die irakischen Kurden mit Panzerabwehrwaffen (MILAN-System, Panzerfaust 3, Schwere Panzerfaust), Sturmgewehren (G3, G36), Maschinengewehren (MG3), Pistolen (P1), Handgranaten und Munition zu unterstützen.[310][311][312]

Obwohl eine Zustimmung formal nicht erforderlich war, unterstützte der Deutsche Bundestag am 1. September 2014 die Waffenlieferungen mehrheitlich, gegen das Votum der Linken und bei einigen Enthaltungen aus den Reihen der Grünen. Bundeskanzlerin Angela Merkel begründete den Entschließungsantrag von CDU/CSU und SPD. Die Expansion des grausamen IS-Terrors müsse aufgehalten werden. Waffenlieferungen entsprächen sowohl der Bitte der kurdischen Autonomieregierung als auch der irakischen Zentralregierung. „Maßnahmen zur Bekämpfung“ von IS seien durch einen Resolution des UN-Sicherheitsrates gedeckt. Thomas Oppermann erklärte, die Gefahr eines „fortgesetzten Völkermordes und weiterer Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ seien höher zu bewerten als das „durchaus vorhandene Risiko, dass unsere Waffen in falsche Hände geraten“. Auf Seiten der Opposition verwies dagegen Anton Hofreiter auf US-Ẃaffen, die IS erbeutet habe. Er hielt am Grundsatz fest, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern und forderte, Druck besonders auf Saudi-Arabien und Katar auszuüben, die Unterstützung für IS einzustellen. Die UN solle stärker einbezogen werden. Gregor Gysi sah dies ähnlich und betonte außerdem das Ziel der Verhinderung aller Waffenexporte.[313]

Demonstrationen[Bearbeiten]

Rund 11.000 Menschen demonstrierten am 16. August 2014 in Hannover für Hilfe gegen den IS-Terror.

Mitte August 2014 kam es in mehreren Städten, wie z. B. Hannover,[314] Bielefeld[315] und Frankfurt am Main[316] zu Demonstrationen gegen den Terror des IS, mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. Am 6. Oktober 2014 kam es in mehreren europäischen Städten zu Demonstrationen gegen die Erstürmung von Kobanê durch den IS. Dabei wurde auch das Europaparlament im belgischen Brüssel und das Parlament in Den Haag kurzzeitig besetzt.[317] Am 7. Oktober wurden in Düsseldorf und Bonn kurzzeitig Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und der Deutsche Welle besetzt und eine Resolution übergeben.[318] Am 8. Oktober demonstrierten 1300 Menschen in Hamburg,[319] am 11. Oktober demonstrierten in Düsseldorf 21.000 Menschen gegen den Angriff der IS auf Kobanê,[320] am 12. Oktober demonstrierten über 3000 Menschen in Berlin.[321]

Österreich[Bearbeiten]

Aus Österreich zogen bis August 2014 130 Personen für den IS in den Krieg. Mehrheitlich stammen sie aus Tschetschenien. Zehn Personen, hauptsächlich anerkannte tschetschenische Asylbewerber, wurden in diesem Zusammenhang wegen Mitgliedschaft in einer Terrorverbindung im August 2014 festgenommen.[322][323]

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurde die Gruppierung „Islamischer Staat“ am 8. Oktober 2014 durch den Bundesrat verboten,[324] wie früher bereits al-Qaida.

Ursachen[Bearbeiten]

Die Rhein-Zeitung geht in einem Kommentar davon aus, dass die Bürgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien das Erstarken des IS erst möglich machten; Chaos und Vakuum seien wie gemacht für straff organisierte Terrormilizen wie den Islamischen Staat.[325]

Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi, der der Muslimbruderschaft nahesteht, kritisierte die Benachteiligung und Unterdrückung der Sunniten im Irak.[326]

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth warf der Türkei vor, die IS-Milizen mit Waffen und Ausbildungslagern unterstützt zu haben, sie sprach von einer „dreckigen Politik“ der Türkei.[327]

Reaktionen[Bearbeiten]

Muslimische Welt[Bearbeiten]

Politische Verbände[Bearbeiten]

Im Juni 2014 distanzierte sich die 56 Mitgliedsstaaten zählende Organisation für Islamische Zusammenarbeit vom IS. Der Generalsekretär betonte, dass „diese gewaltsame Vertreibung ein nicht zu tolerierendes Verbrechen darstellt und dass die Praktiken von ISIS nichts mit dem Islam und seinen Prinzipien, welche Gerechtigkeit, Güte, Anstand, Glaubensfreiheit und Koexistenz einfordern, zu tun haben.“[328]

Der Golf-Kooperationsrat verurteilte Ende August die Gräueltaten all jener, „die den Islam als Vorwand zum Morden und Vertreiben nehmen“.[329] Die Außenminister der Arabischen Liga kamen bei einem Treffen am 7. September 2014 in Kairo überein, dass sie die notwendigen Maßnahmen gegen terroristische Vereinigungen wie IS ergreifen werden.[330]

Stimmen aus den religiösen Gemeinschaften[Bearbeiten]

Im August 2014 wurde die Organisation vom Rat der islamischen Gelehrten Indonesiens für „harām“ (verboten) erklärt.[331] Der oberste Mufti von Saudi-Arabien Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich stellte fest, dass der IS mit seinen Verbrechen im Nahen Osten die islamischen Prinzipien und Lehren verletze, und bezeichnete ihn als „Feind Nummer eins“ des Islam.[332] Der ägyptische Großmufti Schawki Ibrahim Allam kennzeichnete den IS als eine Gefahr für den Islam und die Muslime, weil er das Image des Islam zerstöre und korrumpiere,[333] sprach IS das Recht ab, sich „Islamischer Staat“ zu nennen, und forderte die Medien dazu auf, IS nur noch als „al-Qaida-Separatisten in Irak und Syrien“ zu bezeichnen.[334]

Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi äußerte Verständnis für den Aufstand der Sunniten gegen Benachteiligung und Unterdrückung, distanzierte sich aber von ISIS und forderte eine Einheit des Irak über konfessionelle Unterschiede hinweg.[326]

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erklärte, die Vertreibung von Christen sei gegen den Islam.[335] Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verlautbarte, dass IS nicht das Recht habe, den muslimischen Glauben zu vertreten.[336] Die türkische Kulturgemeinde in Österreich warf dem IS den Missbrauch des Islam vor.[337] Die Islamic Society of North America (Islamische Gesellschaft Nordamerikas) verurteilte die Angriffe des IS als „unislamisch“.[338] Anfang September erließen führende britische Imame eine Fatwa, die es Muslimen verbietet, die „vergiftete Ideologie“ des IS zu unterstützen: „IS ist eine häretische, extremistische Organisation, und es ist religiös verboten (haram), sie zu unterstützen oder sich ihr anzuschließen. Weiterhin ist es für britische Muslime eine Pflicht, sich dieser giftigen Ideologie aktiv entgegenzustellen, vor allem dann, wenn sie in Großbritannien verbreitet wird.“[339][340][341]

Abseits dieser offiziellen Aussagen stellten muslimische Intellektuelle in der saudischen und anderen arabischen Gesellschaften nicht unbeträchtliche Sympathien für Ideologie und Terrorakte des IS fest.[342]

Meinungsbild in Großbritannien, Frankreich und Deutschland[Bearbeiten]

Das britische Meinungsforschungs-Institut ICM Research führte eine telefonische Umfrage unter je 1000 Franzosen, Briten und Deutschen durch. Diese hat ergeben, dass 16 % der befragten Franzosen, 7 % der Briten und 3-4 % der Deutschen eine positive Meinung von ISIS hatten, demgegenüber standen 26 % der Gruppe ablehnend und 43 % stark ablehnend gegenüber. Unter den 18-24-jährigen Franzosen betrug der Anteil der positiven Meinungen 27 %.[343]

Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat[Bearbeiten]

Am 24. September 2014 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig Resolution 2178 für den weltweiten Kampf gegen die islamistische Terrororganisation ISIS. Die Resolution verpflichtet alle Uno-Staaten, Rekrutierung, Transport, Durchreise, Organisierung und Ausrüstung von Terroristen zu unterbinden und zu bekämpfen.[344][345]

Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat[Bearbeiten]

Die USA riefen am 5. September 2014 beim Nato-Gipfel im walisischen Newport eine internationale Allianz gegen den IS ins Leben. Die Gründungsmitglieder waren: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark, Australien, Kanada, die Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika.[205]

US-Präsident Barack Obama legte am 11. September 2014 in einer Rede an die Nation, seine zukünftige Strategie gegen die Terrororganisation IS dar. Diese umfasst im Wesentlichen vier Punkte:

  1. Die US-Luftoffensive im Irak wird systematisch ausgeweitet. IS-Stellungen sollen weiter unter Beschuss genommen werden. Auch in Syrien soll es US-Luftschläge geben. „Ich werde nicht davor zurückschrecken, dort ebenfalls gegen den IS vorzugehen“, unterstreicht der Präsident: „Wer Amerika bedroht, wird nirgendwo Unterschlupf finden.“
  2. Der Kampf wird sich nicht allein auf Luftangriffe beschränken. Die USA wollen zudem lokale Sicherheitskräfte im Irak und Oppositionstruppen in Syrien unterstützen. Zur US-Hilfe zählen militärisches Training, Waffen und anderes Gerät. Schon in den kommenden Tagen sollen 475 Militärberater aus den USA nach Bagdad aufbrechen. US-Soldaten, so stellt Obama klar, würden jedoch nicht in die Schlacht geschickt. „Unsere Bemühungen unterscheiden sich grundlegend von den Kriegen im Irak und Afghanistan. Es wird keine amerikanischen Kampftruppen auf fremdem Boden geben.“
  3. Dem Terrornetz soll die finanzielle Basis entzogen werden. Dazu will man IS-Konten mit Hilfe von Geheimdiensten weltweit einfrieren. Auch soll verhindert werden, dass ausländische IS-Kämpfer unbehelligt in Syrien ein- und ausreisen können.
  4. Die humanitäre Hilfe für Opfer des IS-Terrorismus und Flüchtlinge soll verstärkt werden.[346][347]

Wenige Tage später berief Obama den ehemaligen General und früheren Befehlshaber der International Security Assistance Force John Allen zum Sonderbeauftragten für die Allianz gegen den IS.[348]

Am 22. September wurde bekannt, dass auch Russland einen Beitritt zur Allianz erwägt.[349]

Am 15. Oktober 2014 hat das United States Central Command (CENTCOM) die Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak offiziell und rückwirkend ab dem 8. August 2014 den Namen Operation Inherent Resolve (in deutsch etwa: Innere Entschlossenheit) gegeben.[350]

Wissenschaft und Medien[Bearbeiten]

Der Beginn der amerikanischen Luftangriffe nach der Flucht vieler Jesiden in das Sindschar-Gebirge wurde weitgehend als notwendig angesehen.[325]

Ein Kommentar[325] der Rhein-Zeitung beurteilt sie und den Krieg gegen einen „islamistischen Staat brutalster Prägung“ als alternativlos, auch wenn sich darin viel Hilflosigkeit ausdrücke. Die Bürgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien, die das Erstarken des IS erst möglich gemacht hätten, seien „ein weltpolitisches Desaster“. In Zukunft sollten nur besonnene Kräfte unterstützt werden. Der Irakkrieg habe viele alte Strukturen zerschlagen, jedoch müssten die bisher meist korrupten und egoistischen Eliten im Irak auf nationalen Ausgleich hinarbeiten.

Der Konfliktforscher Musa al-Gharbi kritisiert dagegen in Al Jazeera America, die Ziele des Militäreinsatzes seien schlecht definiert. Fundamentalismus und Terrorismus seien ein grundlegend soziologisches Problem, das durch militärische Mittel nicht gelöst werden könne. Vielmehr werde so die Legitimität des IS erhöht als Kampforganisation gegen die in weiten Teilen der arabischen Welt als Hauptfeinde muslimischer Selbstbestimmung wahrgenommenen Kräfte: die einzige Supermacht USA, autokratische Staaten der Region und frühere europäische Kolonialmächte. Stattdessen solle nicht-staatlichen Akteuren die Unterstützung entzogen werden, fremde Waffen- und Geldflüsse sowie der Zustrom von Kämpfern unterbunden werden, außerdem die Zusammenarbeit mit Israel sowie Diktatoren und Monarchen im Mittleren Osten reduziert werden. Dann könnten die Staaten der Region und die lokalen Bevölkerungen die schwere, aber übertrieben dargestellte Herausforderung durch den Islamischen Staat bewältigen.[351]

Es gehört zu den Zielen der internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, die territoriale Integrität sowie die Autorität der Zentralregierung des Irak in den von IS kontrollierten Gebieten wieder herzustellen.[352] Dagegen stellt der Politikwissenschaftler Vicken Cheterian[353] einen Zerfall des Irak als am Ende der Kolonialzeit künstlich geschaffenem Nationalstaat fest. Das Sykes-Picot-Abkommen sei von Großbritannien und Frankreich gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchgesetzt worden. Die staatliche Ordnung des Irak sei dann durch den Zweiten Irakkrieg zerstört worden. Nicht weniger wichtig seien innere Gründe für die Staatskrise, besonders die enormen sozialen und ökonomischen Gegensätze. Überlagert werde dies von lokalen, religiösen oder Stammesinteressen, besonders der Konfrontation von Schiiten, Sunniten und Kurden.[354]

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery sieht die allgemeinere Tendenz, dass Nationalstaaten angesichts weltweiter Verflechtungen überholt seien, aber oft zunächst in kleinere Gebilde zerbrächen. Diese Tendenz zeige zum Beispiel das knapp gescheiterte schottische Unabhängigkeits-Referendum. Die europäische Nationalstaats-Idee sei sogar nie stark in der arabischen Welt verwurzelt gewesen. Dagegen werde der Mythos großer muslimischer Reiche wie dem arabischen durch die Idee vom Islamischen Staat wieder belebt, die wie die Europäische Einigung Nationalstaaten überwinden wolle. Führende Politiker in den USA und Europa glaubten zu Unrecht, eine revolutionäre neue Idee durch Bombardements und in Koalition mit "arabischen Diktatoren und korrupten Politikern" löschen zu können. Sie stünden "nicht 'Terroristen' gegenüber – das magische Wort, das alle Probleme zu lösen scheint, ohne das Gehirn zu strapazieren. Sie stehen einem neuen Phänomen gegenüber." Darauf sei keine einfache Antwort möglich.[355]

Netzkultur[Bearbeiten]

Anfang September 2014 gab das Kollektiv Anonymous auf Twitter bekannt, dass es eine Cyberwar-Kampagne namens "Operation Ice ISIS" (#OpIceISIS) gegen den IS betreibt.[356] Ziel der Kampagne ist es, den Einfluss des IS auf Soziale Medien zu verringern.[357]

Literatur[Bearbeiten]

  • Benahm T. Said: Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden. Verlag C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-67210-1.

Film[Bearbeiten]

  • Medyan Dairieh: The Islamic State. Vice News, 2014[358]
  • Nafeez Ahmed: The Powers Behind The Islamic State. filmsforaction.org, 2014[359]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Günther: Ein zweiter Staat im Zweistromland? Genese und Ideologie des „Islamischen Staates Irak“. Ergon, Würzburg 2014, ISBN 978-3-95650-036-7 (= Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Band 28, zugleich Dissertation an der Universität Leipzig 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Islamic State of Iraq and the Levant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. William McCants: Black Flag. Foreign Policy, 7. November 2011, abgerufen am 27. September 2013.
  2. Mit Ausnahme der Kodikologie kennt die arabische Sprache nur in Ausnahmefällen Abkürzungen. In dieser Abkürzung steht das Dal (Arabischer Buchstabe) für daula (Staat), das Alif für islamisch, das Ain (Arabischer Buchstabe) für den Irak, das Schin (Arabischer Buchstabe) für Syrien
  3. Stephan Rosiny: „Des Kalifen neue Kleider“: Der Islamische Staat in Irak und Syrien (PDF; 476 kB). In: GIGA Focus, Nr. 6/2014, abgerufen am 2. Oktober 2014
  4. Führungsmitglied der Al Qaida im Irak gefasst, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. September 2006
  5. Al-Qaida in Syrien und Irak: Neuer Gottesstaat im Nahen Osten, in: Spiegel-Online, 4. Januar 2014
  6. Clint Watts: Jihadi Competition After al Qaeda Hegemony – The 'Old Guard', Team ISIS & The Battle For Jihadi Hearts & Minds, in: Foreign Policy Research Institute vom 20. Februar 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014 (englisch)
  7. Krieg gegen "Islamischen Staat": USA fliegen mit arabischen Verbündeten Luftangriffe in Syrien, in: Spiegel Online vom 23. September 2014
  8. United Nations Security Council, SC/11495, 28. Juli 2014
  9. Foreign Terrorist Organisations, US Departement of State, abgerufen am 26. August 2014
  10. Proscribed Terrorist Organisations, Home Office, 20. Juni 2014
  11. Listed terrorist organisations, Australian National Security, abgerufen am 26. August 2014
  12. Verfassungsschutzbericht 2013 (PDF) des Bundesamtes für Verfassungsschutz, S. 209 f, abgerufen am 2. Oktober 2014
  13. Volker Perthes: Viel mehr als eine Terrormiliz. Artikel vom 25. September 2014 im Portal sueddeutsche.de, abgerufen am 30. September 2014
  14. Salzburger Nachrichten: IS, ISIS, ISIL: Die vielen Namen der Extremisten, Abruf am 13. Oktober 2014
  15. Katars Staatschef bei Merkel: Der zwielichtige Scheich besucht Berlin, Spiegel Online, 17.09.2014
  16. Die Terrorgruppe IS. Artikel vom 26. Juli 2014 in tagesschau.de, abgerufen am 11. August 2014
  17. Die Sponsoren der IS-Gotteskrieger
  18. a b Die Geldgeber der IS-Terroristen. Tagesschau.de, 22. August 2014
  19. a b c DW: ISIS verkauft Rohöl aus eroberten Ölfeldern, 3. Juli 2014
  20. Die reichste Terrorgruppe der Welt tagesschau.de vom 9. September 2014
  21. Entführungsopfer nach der Farbe des Reisepasses ausgesucht Sueddeutsche.de vom 27. August 2014
  22. Das Kalifat handelt mit Frauen. Artikel vom 30. August 2014 im Portal tagesanzeiger.ch, abgerufen am 30. August 2014
  23. Kämpfen gegen "sexuellen Dschihad". Artikel vom 22. September 2014 im Portal tagesschau.de, abgerufen am 22. September 2014
  24. Es ist z. B. nicht bekannt, wie es der Türkei gelang, ihre bei der Besetzung von Mossul durch die IS gefangenen Konsularangehörigen am 20. September 2014 nach 101 Tagen Geiselhaft freizubekommen. Der Spiegel spricht von einer mysteriösen Geiselbefreiung.
  25. Fall James Foley: Geiseln für den Gottesstaat, Spiegel Online, 21. August 2014
  26. Das einträgliche Geschäft mit den Entführungen, Welt Online, 21. August 2014
  27. Führungsstruktur des "Islamischen Staats": Organigramm des Terrors, spiegel.de, 24. September 2014
  28. Das Organigramm des Terrorkalifats, welt.de, 20. September 2014
  29. Office of the Coordinator for Counterterrorism: Country Reports on Terrorism 2012. Chapter 6 Foreign Terrorist Organizations. United States Department of State, 30. Mai 2013, abgerufen am 28. September 2013.
  30. tagesschau.de: Irak-Experte Walde zum Machtkampf: "Bagdad ist auf der Kippe. ARD, 12. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2014.
  31. James Traub: 'Everyone Is Scared of ISIS.' Foreign Policy, 4. Oktober 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  32. a b Barak Barfi, Aaron Y. Zelin: Al Qaeda's Syrian Strategy. Foreign Policy, 10. Oktober 2013, abgerufen am 11. Oktober 2013.
  33. Syria crisis: Guide to armed and political opposition. BBC News, 17. Oktober 2013, abgerufen am 20. Oktober 2013.
  34. Immer mehr Kämpfer schließen sich der IS-Terrormiliz an 25. August 2014.
  35. Die EU als Rekrutierungszentrum für IS 28. August 2014.
  36. IS verfügt über bis zu 31.500 Kämpfer 12. September 2014.
  37. Enger Vertrauter von IS-Führer angeblich getötet, Abruf am 4. September 2014
  38. Bild: Deutscher Musiker steigt in ISIS-Führung auf
  39. ÊzîdîPress: Êzîdîsche Verteidigungseinheit tötet IS-Terrorfürsten al-Hassani in Shingal, Abruf am 14. September 2014
  40. a b c d e f g h i Das Organigramm des Terrorkalifats, Abruf am 20. September 2014
  41. Paul Lies: Ausbreitung und Radikalisierung des islamischen Fundamentalismus in Dagestan. LIT Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8258-1136-5, S. 29 ff. (online)
  42. Lorenz Graitl: Sterben als Spektakel. Zur kommunikativen Dimension des politisch motivierten Suizids. Dissertation Freie Universität Berlin 2011, Veröffentlichungen der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18461-6, S. 93 (online)
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  170. Die Saudis fürchten einen Einmarsch der IS
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  181. ISIS Demands $6.6M Ransom for 26-Year-Old American Woman, Abruf am 27. August 2014
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  183. Irakische Luftwaffe flog Angriffe auf Dschihadisten bei Amerli,Abruf am 27. August 2014
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  191. a b ntv: Amerli erholt sich von Belagerung, Abruf am 1. September 2014
  192. IS Beheads Peshmerga Captive for Erbil-US Alliance, Abruf am 29. August 2014
  193. IS-Terroristen sollen mehrere Ölquellen in Brand gesetzt haben, Abruf am 29. August 2014
  194. TAGBLATT: Kurden erfolgreich im Kampf gegen IS-Miliz, Abruf am 31. August 2014
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  196. Blauhelmsoldaten als Geiseln genommen
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  218. In europäischen Medien wurde von „Soldaten des Kalifats“ berichtet. Es handelt sich aber nicht um Einzelpersonen, sondern um eine militärische Organisation (arabisch: ǧund). Siehe:Band 1, S. 400:An army; a military force; a legion; a body of troops or soldiers; Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. s.n. ǧund: Heer, Armee
  219. Vgl. Jacob Zenn: On the Eve of 2014: Islamism in Central Asia. In: Current Trends in Islamist Ideology 15 (2013), S. 67–91, hier S. 78 ff.
  220. derStandard: IS will französische Geisel in Algerien ermorden, Abruf am 22. September 2014
  221. Tourist zuvor bei Wanderung verschleppt, Abruf am 24. September 2014
  222. Die Zeit: IS enthauptet Franzosen, Abruf am 24.September 2014
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  224. NZZ.ch: Luftangriffe gegen den IS - Belgien, die Niederlande und Dänemark reihen sich in Allianz ein vom 26. September 2014
  225. Iraks Christen greifen zu den Waffen, Abruf am 27. September 2014. Abzeichen der Bürgerwehr ist ein X, das aus blau-weiß-roten Streifen gebildet wird und in dessen Mitte ein blauer Stern mit einem goldfarbenen Punkt ist.
  226. MZ: Kurden rücken an drei Fronten vor, Abruf am 30. September 2014
  227. Die Welt: Kurdenkämpfer rücken an drei Fronten gegen IS vor, Abruf am 30. September 2014
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