Ortsname

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Dieser Artikel erläutert den Ortsnamen im speziellen Sinn, zum Ortsnamen im allgemeinen Sinn beliebiger topografischer Orte siehe Toponym.
Zweisprachiges Ortsschild von Aurich, Hochdeutsch und Friesisch
Zweisprachiges Ortsschild von Großwarasdorf/Veliki Borištof, Deutsch/Kroatisch
Zweisprachiges Ortsschild von Lubowitz/Łubowice, Polnisch/Deutsch

Ein Ortsname, auch Siedlungsname, fachlich Oikonym (griech. oΐkos ‚Haus‘), ist der Name einer Siedlung. Das kann ein Dorf oder eine Stadt, ein Einzelhof (Hausname) oder Einöde, eine Rotte, ein Weiler oder eine Wüstung sein. Zu den Siedlungsnamen zählen auch die Namen der Elemente der Ansiedlungen, wie Gebäude und anderen Infrastrukturteilen der Anlage (Oikodonyme, Gebäudenamen). Ein Ort ohne eine Siedlungsstelle wird dagegen mit einem Flurnamen belegt. Mit der Erforschung von Ortsnamen befasst sich die Toponomastik.

Entstehung von Ortsnamen im deutschen Sprachraum[Bearbeiten]

Die Benennung eines Ortes dient wie alle Bezeichnungen der Orientierung des Menschen in seiner Umwelt. Ortsnamen waren erforderlich, damit man ein oder mehrere Anwesen eindeutig benennen oder kennzeichnen konnte. Nur in Verbindung mit dem Ortsnamen konnten in der Vergangenheit Besitz, Lehnsrechte, Gerichtsrechte, Zehnte, Patronate, Leibeigene, Zölle oder sonstige Abgaben genau zugeordnet werden.

Der Entstehung der Ortsnamen lag stets ein Benennungsmotiv zu Grunde. Das war ein Merkmal, das diesem bestimmten Ort anhaftet und das sich auf den ersten Siedler, Gründer (Namen), geografische und oder topografische Gegebenheiten bzw. Besonderheiten (z. B. Gewässer, Fluss, Furth, Berg, Burg, Kirche, Kloster) oder auf mythologische Gründe bezog. Ortsnamen werden erstmals schriftlich genannt, wenn ihre Gründung durch Urkunden belegt ist oder wenn Rechtsgeschäfte, die mit dem Ort in Verbindung stehen, getätigt und in Urkunden festgehalten wurden.

Urkunden sind zufällig erhaltene Belege. Die meisten Ortsnamen waren daher schon in Gebrauch bevor sie erstmals schriftlich erwähnt wurden.

Ortsnamen können verschiedenste Ursprünge haben:

  • Herrschaftliche Namen: diese Art rührt von ehemaligen Besitztümern von adeligen oder kirchlichen Grundbesitzern her.
    • Insbesondere während der Völkerwanderungszeit wurden Orte nach der dort siedelnden Sippe eines Gründers benannt, zum Beispiel alle -ing- und -heim-Namen („bei den Leuten/Heim des …“)
    • Speziell kirchliche Bezüge sieht man oft als selbstständigen oder integrierten Teil des Ortsnamens. Sie bezeichnen meistens Gebäude (Pfarr-, -kirch, -kloster, -zell etc.), da diese den Grundstein für die Entstehung der Ortschaft legten. Herleitung des Namens vom Kirchenpatron des Ortes: Sankt.
    • Nach einem Stifter bei der Besiedlung, etwa Karlstift, oder religiös Pfaffenschlag, oder als Widmung etwa Theresienstadt (nach der Mutter des Gründers).
  • Benennung eines Ortes nach den Einwohnern:
    • Angehörige eines Volksstamms: Dürkheim (946 Thuringeheim, von Karl dem Großen umgesiedelt), Sachsenhausen, Windischgarsten (Verweis auf slawische Bevölkerungsteile im Gegensatz zu Garsten bei Salzburg), Judenburg, auch jüngeren Datums: Deutsch-Wagram (Deutsche im Burgenland-Kroatengebiet)
    • Am Ort siedelte eine größere Anzahl von Personen gleichen Berufsstands oder gleichen Familiennamens, zum Beispiel Fischerstadt
  • Bezugnehmend auf Merkmale der (natürlichen) Umgebung – viele Ortsnamen leiten sich von Flurnamen ab, viele haben aber auch einen eigenständig entstandenen Namen:
    • Der Ortsname rührt von einem Fluss her, der den Ort durchfließt, beispielsweise sehr häufig bei der Mündung, wie Ybbs oder Fischamend („Fischa am Ende“)
    • Nach nahe gelegenen Bergen, Wäldern, Seen etc.: Nürnberg („Felsberg“ zu mundartl. Nörr, Nürn „Fels“), Finsterwalde, Westensee („westlich des Sees“).
    • Nach in der Gegend gehäuft auftretenden Pflanzen oder Tieren, zum Beispiel Eschede („Eschenort“), Exten („bei den Elstern“, zu westfälisch Eekster „Elster“). Auch zusammengesetzte Namen können so entstehen, wie Eichstätt, Moorenweis („Moorwiese“) oder Biberach („Biberwasser“).
  • Es gibt aber auch die Entstehung aus einer Umwandlung aus einer fremden Sprache der ursprünglichen Bewohner wie beispielsweise Köln aus lat. Colonia (bedeutet Kolonie oder Niederlassung), oder Leobersdorf aus slawisch Ljubac. Ältere Namen von Siedlungen aus Antike und Mittelalter veränderten sich im Laufe der Zeit oft so stark, dass sich aus den heutigen Ortsnamen nicht mehr direkt auf die ursprüngliche Bedeutung und Herkunft schließen lässt.
  • Die einfache Ableitung als Erweiterung eines ursprünglichen Namens wie Neu-Isenburg oder Kleinochsenfurt. Oft heißen die Tochtersiedlungen auch einfach Neudorf, Neustadt oder Neusiedl, die auch mit einem erklärenden Zusatz versehen werden können wie Wiener Neustadt. Ähnliches gilt auch für Orte, die Auswanderer oder Vertriebene oder Umsiedler nach ihrem Heimatort benennen. Ein Beispiel für die erste Gruppe ist New Orleans, für die zweite Neugablonz, wo sich viele Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg aus Gablonz in Nordböhmen gemeinsam ansiedelten, für die dritte Neu-Lohn (vgl. Vertriebenenstadt).

Bestandteile von Ortsnamen (im deutschen Sprachraum)[Bearbeiten]

Ortsnamen im deutschen Sprachraum (wie die meisten Ortsnamen keltisch-germanischer Herkunft) bestehen im Allgemeinen aus einem Grundwort (ursprünglich im Dativ), das meistens mit einem vorangestellten Bestimmungswort näher bestimmt wird. Dieses Muster wird vorwiegend seit der späteren Völkerwanderungszeit angewendet und geht wohl auf römische Vorbilder wie Castra Regina (‚Kastell am Regen‘ > Regensburg) zurück (bei denen allerdings das Grundwort am Anfang steht). Ein älteres Muster ist die Bildung aus Bestimmungswort und Suffix (das auch für die meisten Ortsnamen slawischen Ursprungs gilt).

Da die Grundwörter im Laufe der Geschichte oft bis zur Unkenntlichkeit verschliffen wurden (zum Beispiel -heim zu -em, -en, -um), sind sie von Suffixen z. T. nicht mehr zu unterscheiden, so dass in vielen Fällen nur die ältesten urkundlichen Belege eine sichere Zuordnung erlauben.

Zur Unterscheidung von gleichen (oder ähnlichen) Ortsnamen in der Umgebung können den Namen weitere Elemente hinzugefügt werden. Dies kann ein vorangestellter Zusatz wie Berg- oder Wald- oder ein nachgestellter Zusatz wie bei/am XY sein. Benachbarte Tochtersiedlungen (bzw. planmäßige Erweiterungen bestehender Siedlungen) werden meistens durch Namenszusätze wie Neu- oder Klein- von der ursprünglichen Siedlung unterschieden, die gleiche Funktion erfüllen Zusätze wie -Neustadt etc. Meistens neuzeitlichen Ursprungs sind weitere Beinamen und Zusatzbezeichnungen (s. u.); sie werden oft nur im amtlichen Verkehr gebraucht und in der lokalen Umgangssprache ignoriert, zum Beispiel Bad Münder am Deister.

Grundwörter[Bearbeiten]

Grundwörter bezeichnen den Grund der Benennung eines Orts bzw. einer Siedlung, zum Beispiel das Vorhandensein von Gebäuden (-hausen, -kirchen etc.) oder spezieller geografischer Merkmale (-berg, -wald etc.). Die Grundwörter werden auch Endungen genannt, weil sie in germanischen Ortsnamen in der Regel hinten stehen. Durch diese Bezeichnung wird jedoch der Unterschied zu den Ortsnamen-Suffixen verwischt, die im Gegensatz zu den Grundwörtern keine erschließbare eigenständige Bedeutung haben.

Ortsnamen-Grundwörter können auch für sich stehen (Simplex) und zum Teil als Bestimmungswörter dienen, also miteinander kombiniert werden.

Beispiele sind:

Suffixe[Bearbeiten]

Ortsnamen-Suffixe können (besonders in altertümlichen Ortsnamen) die Stelle von Grundwörtern einnehmen. Da sie keine eigenständige Bedeutung haben, sind sie noch stärker als die Grundwörter der Abschleifung (und gegenseitiger Angleichung) ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die deutschen Ortsnamen ursprünglich Dativformen waren (gebraucht als Lokativ) und deshalb häufig noch auf -e (Singular) oder -(e)n (Plural) enden, zum Beispiel -walde „im/am …wald(e)“, -hausen (althochdeutsch -husun, husum, -husin, -huson) „bei den …häusern“ – diese Kasussuffixe sind weitgehend assimiliert.

Beispiele:

  • -ach, -ich (-ig), -icht (-igt), oberdeutsch -at, -et, -it, hessisch -es, -is: Kollektivsuffix, das aus Baumnamen Gehölznamen bildet, zum Beispiel Haslach („Haselwald“), Birkig, Buchet, Meiches (1342 zum Eiches).
  • -ate, -te, -nit und -net: keltischen Ursprungs, zum Beispiel Adnet (Salzburg).
  • -ede, -de, -da, -te, -ta, -t: Kollektivsuffix, das aus örtlichen Gegebenheiten Siedlungsnamen bildet, zum Beispiel Eschede, Apolda (‚Ort, wo Äpfel wachsen/Apfelbäume stehen‘ vergl. lateinisch arboretum ‚Baumgarten‘ zu arbor ‚Baum‘), Ebnet/Ebnit/Ebnat (zu althochdeutsch ëbanôti ‚Ebene‘); aber auch Substantive aus Verben, zum Beispiel Freude zu freuen, Gebäude zu bauen.
  • -ich, -ach in rheinischen Ortsnamen: aus gallo-romanisch -(i)acum, zum Beispiel Jülich, Andernach.
  • -in (-en) (wenn endungsbetont): slawisch, zum Beispiel Berlin, Schwerin, Fehrbellin ‚Weidenort‘.
  • -ing, -ingen, -ung, -ungen, friesisch -ens: bildet Siedlungsnamen (eigentlich Einwohnernamen) hauptsächlich aus Personennamen (zum Beispiel Süpplingen, Gauting, Esens, Grauingen), aber auch aus Stellenbezeichnungen (zum Beispiel Wildungen 'bei den Leuten in der Wildnis').
  • -itz, -itsch, -witz, -(sch)ütz: aus slawisch -ic- bzw. -ov-ic-, zum Beispiel Rochlitz, Delitzsch, Doberschütz (1349 Doberschwicz zum altsorbischen Vornamen Dobrš).
  • -ow (-au): aus slawisch -ov, zum Beispiel Malchow, Lüchow.
    Siehe auch: Namen auf -ow
  • -s (-z): Genitiv-Endung in elliptischen Ortsnamen; diese bestehen nur aus einem Bestimmungswort (meistens Personenname) im Genitiv, das Grundwort ist ausgelassen oder weggefallen, zum Beispiel in Sterbfritz aus 'Starcfrides [Huson]' (vergl. Familiennamen wie Frings aus 'Severins [Sohn]'); dass auch diese Ortsnamen ursprünglich Dativformen waren, zeigt Merkenfritz aus ‚[ze de]m Erkenfredis‘.

Bestimmungswörter[Bearbeiten]

Sie weisen auf bestimmte geografische (Berg-, Tal-, Wasser-) oder geologische (Erz-, Hal-, Stein-) Gegebenheiten hin, beziehen sich auf die natürliche Umwelt (Hirsch-, Hase-, Vogel-, Eich-, Buch-) oder Personengruppen (Frank-, Sachsen-, Schiffer-, Graf-) oder verweisen auf Bauten (Burg-, Kirch-, Mühl-).

Beispiele:

Namenszusätze[Bearbeiten]

Sie grenzen gegenüber nahegelegenen, ansonsten gleichnamigen Orten ab (Groß-/Klein-, Alt-/Neu-, Hoch-/Nieder-) und werden meistens den anderen Bestimmungswörtern vorangestellt; die Unterscheidung zu den Bestimmungswörtern ist dabei eher funktional als inhaltlich, so dass Elemente der oberen und unteren Listen z. T. ausgetauscht werden können, zum Beispiel Markranstädt (neben Altranstädt) und Oldenburg (ohne nahegelegenes Gegenstück).

Es gibt zum Beispiel Unterscheidungen nach

  • Alter: Alt(en)-, Alde(n)-, Old(en)-, Ohlen-, Star- (slawisch ‚alt‘); Neu(en)-, Nau(en)-, Nein-, Nie(n)- (Nin-, Nenn-), Nova- usw.
  • Größe: Groß(en)-, Gross(en)-, Grot(en)-, Groot-, Michel(n)-, Mecklen-; Klein-, Lütz(el)-, Lütten-, Lütjen- (Lütgen-) usw.
  • Höhe: Hoch-, Hohen-, Hogen-, Ober-, Over- (Aver-), Auf-, Up- (Op-); Nieder-, Neder- (Neer-), Unter-, Sieden- usw.
  • Region: Hann.(oversch)-, Neckar-, Schwäbisch- usw.
  • Richtung: Nord(er)- (Noord-); Süd(er)- (Sund-, Sont-, Sud-, Sauer-); Ost(er)-/West(er)-; Hinter-/Vorder-, Inner-/Außer- usw.
  • Siedler: Deutsch(en)-; Böhmisch-; Wendisch- (Windisch-, Wenigen-) usw.

Auch der Zusatz Klein- kann auf eine slawische Siedlung neben einer deutschen Siedlung (Groß-) hinweisen. Dies erklärt sich über eine Übersetzungskette mit dem in mittelalterlichen Urkunden benutzen Latein: Als Bezeichnung für Wenden wurde Wenigen verwendet, dieses übersetzt zu lateinisch minor, das später als Klein- wieder ins Deutsche zurückkam. Entlang der deutsch-slawischen Siedlungsgrenze des frühen und hohen Mittelalters finden sich sowohl Orte mit Klein- im Zusatz wie auch noch das ursprüngliche Wenigen-. Beispiele hierfür sind etwa Jena und Wenigenjena am gegenüberliegenden Saaleufer, Wenigensömmern und Großensömmern (das heutige Sömmerda) oder Wenigentaft und Großentaft in der Rhön. Dazwischen liegen ebenfalls Orte wie Kleinbrembach und Großbrembach mit dem rückübersetzten Klein- als Namenszusatz.

Zusatzbezeichnungen[Bearbeiten]

  • Sankt, San, São, Saint, Sint, Santa, Sta., St.
    • Die amtliche Bezeichnung solcher Orte enthält normalerweise entweder das ausgeschriebene Wort (zum Beispiel Sankt) oder die Abkürzung (zum Beispiel St.). Umgangssprachlich und selbst im behördlichen Schriftverkehr und auf Ortstafeln wird jedoch oft auch die jeweils andere, nichtamtliche Version gebraucht.
  • Maria. Speziell in den katholischen Gebieten gibt es Marienwallfahrtsorte, wo dem Ortsnamen Maria vorgesetzt ist.
  • Bad (Kurort), eine Funktionsbezeichnung

Bei- und Spitznamen[Bearbeiten]

Eine Reihe von Städtenamen tauchten und tauchen im deutschen Sprachraum mehrmals auf, etwa Mühlhausen/Mülhausen oder Rotenburg/Rothenburg. Der Städtename Neustadt ist gar mehrere Dutzend Mal vorhanden. Um in einer Zeit ohne offizielle Länderkennungen oder Postleitzahlen die Städte voneinander unterscheiden zu können,[4] erhielten sie Toponyme als Beinamen, mit denen über die zusätzliche Nennung von Flüssen (Marburg an der Drau), Inseln (Burg auf Fehmarn), Landesnamen (Rotenburg in Hannover), Bergnamen (Neustadt am Rübenberge) oder Landschaftsnamen (Worms im Veltlin) eine Unterscheidung ermöglicht werden sollte.[5]

In einigen Ländern besitzen manche Städte neben ihrem Ortsnamen noch einen zusätzlichen, amtlich verwendeten Beinamen.

Zu unterscheiden ist zwischen Namenszusätzen zur Vermeidung von Missverständnissen (z.B. Stadt Haag, New York City), offiziell geführten Beifügungen wie Freie und Hansestadt Hamburg, und Bei- oder Spitznamen, die nur zur Charakterisierung dienen, in Bezug auf Charakter, Bedeutung oder Geschichte einer Ortschaft, wie beispielsweise:

Manche Bei- oder Spitznamen sind für mehrere Städte üblich:

Darüber hinaus schmücken sich auch kleinere Ortschaften mit klangvollen Beinamen, die meistens von regionalen Vorzügen, Wirtschaftsschwerpunkten oder berühmten Persönlichkeiten abgeleitet wurden, zum Beispiel Barlachstadt Güstrow, Fischerstadt Lassan, Händelstadt Halle, Spargelstadt Beelitz, Reuterstadt Stavenhagen, Marzipanstadt Lübeck, Eulenspiegelstadt Mölln, Volkswagenstadt Wolfsburg, Babenbergerstadt Mödling, Stiefelstadt Döbeln. Die Beispiele sind beliebig erweiterbar, denn kaum ein Ort versäumt es, seine Besonderheit zu betonen.

Siehe auch: Ortsneckname

Amtliche Ortsnamen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Beinamen und Kennzeichnungen:

Österreich[Bearbeiten]

Für allgemeines geographische Namensgut sind das Ortsverzeichnis (OVZ) des Österreichischen Statistischen Zentralamtes (STAT, ehem. ÖSTAT), die Österreichische Karte 1:50.000 (ÖK50) und die Datenbank GEONAM des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) vorhanden. Deren Daten werden im Rahmen von Volkszählungen (STAT), und über Nachfrage bei den Gemeinden (BEV) ermittelt.[6]

Amtlicher Ortsname[Bearbeiten]

Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Ortsnamen einer Gemeinde, der Ortschaft, einer Siedlung (Ort im allgemeinen Sinne) und einer Katastralgemeinde:

  • der Gemeindename – als Gebietskörperschaft und Rechtsperson − obliegt der Kommunalverwaltung selbst, und wird mit Gemeinderatsbeschluss vom Bürgermeister festgesetzt, und muss von der jeweiligen Landesregierung bestätigt werden. Zu der Festlegung der Gemeindenamen gehört auch die Schreibweise, die bei Abkürzungen verschieden sein können (wie Sankt oder St.) oder Änderungen bei Rechtschreibreformen (ß oder ss) wesentlich sein können. Gemeinden tragen in der amtlichen Statistik eine eigene Gemeindekennziffer (Gkz.) – es gibt etwa 2.350 Gemeinden.
  • der Name der Ortschaft – als stadtplanerischer Region – wird seitens der amtlichen Statistik der Statistik Austria (STAT) rechtsverbindlich erfasst, sie tragen eine Ortschaftkennziffer (Okz.) innerhalb der Gemeindekennziffer,[7] – es gibt etwa 17.370 registrierte Ortschaften
  • Siedlungsnamen im eigentlichen Sinne – als geschlossenes Siedlungsgebiet/Ortsgebiet, sie können auch Weiler/Rotten (bis zehn Häuser), Einöden (bis drei Wohnstätten) bis hin zu Einzelgebäuden darstellen – werden von der Datenbank GEONAM erfasst
  • die Katastralgemeinde ist ein Subjekt des Grundbuchs bzw. des Liegenschaftskatasters, in dem sie unwiderruflich verschriftlicht ist, und wird vom Vermessungsamt (BEV) geführt
  • Stadtviertel (Stadtteile, Stadtbezirke) sind ein stadtplanerisches Element, deren Einteilung der jeweiligen Stadtverwaltung unterliegt: Sie können sich gänzlich von den Katastralgliederungen unterscheiden
  • daneben gibt es noch zwei Verwaltungsgliederungen in Österreich, die der Gerichtsbezirke und ihrer Sprengel, und der Wahlsprengel, sie zu weiterem abweichendem Namensgut der Örtlichkeiten führen können

Daher können dort, wo in einer Gemeinde der Hauptort als Ortschaft und Katastralgemeinde registriert ist, die amtlichen Namen abweichen:

  • So heißt etwa in der Gemeinde Rußbach am Paß Gschütt die einzige Katastralgemeinde Rußbach, der dort befindliche Hauptort Rußbachsaag. Einen „Ort“ namens Rußbach gibt es nicht.

Die Katastralgemeinden werden bei Ein- und Umgemeindungen unter Umständen verlegt – die Ortschaften natürlich nicht: Werden Katastralgemeinden in diesem Vorgang geteilt, behalten sie oft den Namen, und werden dann römisch genummert:

  • So heißen die beiden Hauptorte der zusammengelegten Gemeinde Wals-Siezenheim bei Salzburg Wals und Siezenheim, die dortigen Katastralgemeinden wurden nicht zusammengelegt und heißen Wals I und Siezenheim I, die Katastralgemeinden Wals II und Siezenheim II sind die jeweils zusammengefassten Grundstücke, die vom Gemeindegebiet abgetrennt wurden, und jetzt zur Stadt Salzburg gehören.

Bei Gemeindezusammenlegungen oder Eingemeindungen bleiben in den meisten Fällen die ursprünglichen Katastralgemeinden, auch in den größeren Städten, weiter bestehen: Dort tritt das Element des Stadtviertels als stadtplanerisches Element hinzu: Die Stadt Linz etwa gliedert sich in 13 Katastralgemeinden, aber 9 Stadtteile (sämtlich namentlich auch als KG zu finden) und 36 statistische Bezirke. In Wien, das zusätzlich in Gemeindebezirke – eine nur hier bestehende Verwaltungsgliederung − unterteilt ist, sind die Örtlichkeitsnamen noch komplexer.

In den letzten Jahren wurden die Gemeindenamen, und zunehmend auch der Orte, dahingehend umgestellt, dass sie innerhalb Österreichs ausnahmslos eindeutig sind, oft (in Analogie zu tradiertem Namensgut wie Zell am See und Zell am Moos im Land Salzburg) auch über die Landesgrenzen hinaus durch Beifügung eines kennzeichnenden Beinamens wie Neumarkt im Hausruckkreis (OÖ), Neumarkt in Steiermark, manche auch zur Unterscheidung gegenüber Orten anderer Staaten (meist der deutschsprachigen Nachbarregionen Südtirol, Ostschweiz, Bayern).
Mit Stand 2014 gibt es nurmehr drei Fälle gleichnamiger Gemeinden (mit Gemeindekennzahl):

Daneben haben sich zahlreiche Gemeinden auch Beinamen gegeben, die gar nicht zur Abgrenzung, sondern näheren landschaftlichen Bestimmung des Orts dienen, so die Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, oder die Atterseegemeinden, die sich alle zusammen am Attersee beigefügt haben, auch die Gemeinde Attersee am Attersee.

Die Namen der Katastralgemeinden (Grundbuch), und auch die Beschriftung der Ortstafeln (nach StVO, die sich als Ortsgebiet auf den Ortschaftsbegriff beziehen) haben diese Entwicklung teilweise nicht mitgemacht, und die unterschiedlichen rechtlichen Bezüge sind auch die Ursache des Kärntner Ortstafelstreits um die slowenischen Namen.

In diesem Zuge wurden auch in manchen Bundesländern die Gemeindenamen auf Sankt vereinheitlicht, die Katastral- und Ortschaftsnamen lauten unter Umständen noch auf St. abgekürzt (z. B. Gemeinde: Sankt Georgen bei Salzburg, KG: St. Georgen, Ortschaft: St. Georgen bei Salzburg).

Die Usancen des amtlichen Gebrauchs der Abkürzung sind nach Bundesland verschieden: So ist St. Christoph am Arlberg nur so in der GEONAM-Datenbank (und online bei AMAP) zu finden, aber im Tiroler Landesserver Tiris nur unter Sankt Christoph am Arlberg eingetragen (Adressen: St. Christoph).

Der einzige amtlich geklammerte Gemeindename Österreichs ist Sankt Josef (Weststeiermark)[8], sonst findet man nur sprachliche Formen (in, im, bei, u. ä).

Beinamen von Orten[Bearbeiten]

In Österreich ist der Zusatz Bad, ebenso wie Sankt, ein Bestandteil des amtlichen Namens, der von der jeweiligen Landesregierung vergeben wird. Er wird an Heilbäder, Thermalbäder, Luftkurorte etc. vergeben. Aflenz Kurort nennt sich als Gemeindename so, sonst besteht auch die Berechtigung, Erholungsdorf als Zusatzbezeichnung zu führen.

Vereinzelt findet sich etwa Stadt als Namensbestandteil (Stadt Haag), oder Dorf (Dorfgastein). Wien nennt sich Bundeshauptstadt, St. Pölten, die neue Hauptstadt Niederösterreichs, ausdrücklich Landeshauptstadt. Salzburg nennt sich als Stadtverwaltung selbst Stadt Salzburg, um sich von der Landesregierung des gleichnamigen Bundeslandes (Land Salzburg) zu unterscheiden. Die burgenländischen Statutarstädte (ein alter stadtrechtlicher Begriff) Eisenstadt und Rust tragen aber schon seit ungarischer Zeit traditionell den gültigen, aber nicht namentlich geführten Beinamen Freistadt (nicht zu verwechseln mit Freistadt OÖ).

Sonst sind offizielle Städtebeinamen unüblich, nicht zuletzt wegen der Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus (Stadt der Volkserhebung etc.).

Zu der Schreibweise der Gemeindenamen von Sankt ist zu bemerken, dass diese in Österreich von Bundesland zu Bundesland variiert, ob der Zusatz Sankt St. als amtliche Schreibweise verwendet wird. Das muss nicht bei Orts- oder Siedlungsnamen zutreffen.

Kurioses[Bearbeiten]

Lange und kurze Ortsnamen[Bearbeiten]

Die längste Ortsbezeichnung[9] besitzt ein neuseeländischer Hügel namens Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu (83 Zeichen), überboten vom offiziell verständlicherweise selten verwendeten Namen von Bangkok, Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit (168 Zeichen ohne Leerzeichen, 21 Wörter).[10] Europas längsten Ortsnamen trägt die walisische Ortschaft Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch (58 Zeichen), wobei diese eine Städtepartnerschaft mit dem niederländischen Dorf Ee und dem französischen Dorf Y einging.

Pfaffenschlag bei Waidhofen an der Thaya ist mit 40 Zeichen (auch der mit den meisten Wörtern)[11] Österreichs längster Gemeindename, Hellschen-Heringsand-Unterschaar (32) der von Deutschland, Niederhelfenschwil (18) der der Schweiz.

Einer der längsten Ortsnamen in Deutschland in einem Wort ist Gschlachtenbretzingen (21), der in Verbindung mit dem Namen des Hauptortes Michelbach an der Bilz-Gschlachtenbretzingen (40) länger ist als jeder andere Ortsname in Deutschland. Noch länger sind Gotthelffriedrichsgrund (23), Name eines Ortsteils der Gemeinde Reinsberg in Mittelsachsen und Schmedeswurtherwesterdeich (26 Buchstaben), Ortsteil der Gemeinde Schmedeswurth im Kreis Dithmarschen.

Die kürzesten Ortsbezeichnungen:[9]

  • Einbuchstabige Ortsnamen sind sehr selten:
  • In Frankreich gibt es ein Dorf namens Y.
  • Orte namens Å gibt es in Dänemark, Norwegen und Schweden. Dänemark hat noch einen weiteren einbuchstabigen Ortsnamen, Ø („Insel“).
  • Auf den Karolineninseln gibt es den Ort U.
  • Die japanische Stadt Aioi (相生) wurde auch Ō genannt (Im Japanischen sind es jedoch sowohl in der Schreibung als auch Lesung zwei Buchstaben).
  • In China gibt es eine Vielzahl Ortsnamen, die nur aus einem Schriftzeichen bestehen, die Pinyin-Lesung vieler Schriftzeichen hat nur zwei Buchstaben.
  • Früher gab es im amerikanischen West Virginia einen Ort mit dem Namen 6.
  • Die wohl bekannteste Stadt der Welt mit nur zwei Buchstaben ist Ur in Mesopotamien.
  • Im deutschen Sprachraum haben zwei Buchstaben: Au (viele), Ay, Ed (mehrere), Ob, Öd (mehrere) und Oy.
  • Gy und sind Orte in der Schweiz.
  • In Frankreich gibt es 15 Gemeinden mit zwei Buchstaben: Ay, , By, Eu, Fa, Gy, , Oz, Py , Ri, Ry, Sy, Ur, Us und Uz.[12]
  • In Italien haben fünf Gemeinden einen zweibuchstabigen Ortsnamen: Lu, Ne, Re, Ro und Vo.
  • In Schottland kennt man die Stadt Ae und die Halbinsel Oa.
  • In den Niederlanden heißt ein Dorf Ee.
  • Irland hat die Stadt Ta.
  • In Finnland gibt es die Stadt Ii.
  • In Schweden heißt ein Ort Ed.
  • In der türkischen Provinz Trabzon heißt eine Stadt Of.
  • Ob liegt in Russland.

Ein Kuriosum stellen für Deutschsprachige solche Ortsnamen dar, die keine Vokale enthalten, z. B. Krk (wobei bedacht werden muss, dass der Laut r im Slawischen silbig ist, man spricht „Kərk“).

Häufige Ortsnamen[Bearbeiten]

Zu den häufigsten Ortsnamen im deutschen Sprachraum zählen u. a. Hausen, Neukirchen, Neustadt und Mühlhausen; zu den häufigsten Ortsnamen in Österreich zählen Berg, Hof, Bach, St. Georgen und St. Peter sowie Neusiedl.

In den USA kommt der Name Franklin am häufigsten vor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Namenkunde, allgemein: siehe Literatur des Artikels Namenforschung
Ortsnamenkunde, allgemein: siehe Literatur des Artikels Toponomastik

Regionen, Deutschland:

Ortsnamen., Österreich:

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ortsname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Stifter: Hallstatt – In eisenzeitlicher Tradition? (PDF; 352 kB). In: Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 1. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Hrsg. Raimund Karl, Jutta Leskovar (= Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich 18), Linz: Oberösterreichisches Landesmuseum 2005, S. 229–240.
  2. Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, de Gruyter, Berlin/New York 1994 (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Ergänzungsbände, Band 9), ISBN 3-11-0141-38-8, S. 460-472 (nach: [1]); [2], [3]; abgerufen am 21. Juli 2011.
  3. Duden, Band 7, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der Deutschen Sprache, 2. Auflage 1989, Stichwort Gestade.
  4. Ernst Förstemann: Die deutschen Ortsnamen. Nordhausen 1863, S. 224 (hier online).
  5. Vgl. etwa Ulrich Hussong: Marburg "an der Lahn". Die Beinamen der Stadt Marburg, online
  6.  ÖROK-Empfehlung zur Standardisierung geographischer Namen. Rundlaufbeschluß. Empfehlung Nr. 46., 15. Mai 1998 (pdf, oerok.gv.at, abgerufen am 19. März 2010).
  7.  Statistik Austria (Hrsg.): Gemeinden mit Ortschaften und Postleitzahlen. (aktualisierte Versionen, pdf, 469 Seiten, csv online).
  8. Die amtliche Schreibweise ist festgelegt bzw. dargestellt in EW 2011_aktuell.xls Gemeinden und Bürgermeisterinnen auf der Seite der Steiermärkischen Landesregierung abgerufen am 22. November 2013, auf Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde und auf Tabelle Gemeindestrukturreform Steiermark 2015
  9. a b Quellen: Guinness-Buch der Rekorde. 1992.
    Russell Ash: 1001 Fakten, Zahlen und Rekorde (Originaltitel: Factastic Book of 1001 Lists). Seite 89.
    Lexikon der Superlative. Ausgabe 2000, Seite 98.
  10. Das Guinness-Buch der Rekorde gab den Titel daher mit der Begründung an den neuseeländischen Ort, er werde häufiger mit diesem Namen bezeichnet als Bangkok.
  11. auch in der amtlichen Fassung Pfaffenschlag bei Waidhofen a.d.Thaya (37 Zeichen), und auch ohne Leerzeichen (35), dann folgen St. Georgen bei Obernberg am Inn (als zweite Gemeinde auch mit sechs Worten) und St. Marienkirchen an der Polsenz (je 32 mit Leerzeichen), Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg hätte 35, wird aber amtlich Hohenwarth-Mühlbach a.M. geschrieben (24).
  12. und in der Bretagne die mythische Stadt Ys.