Geschichte des Saarlandes

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Wappen des Saarlandes (1957) mit Nassau-Saarbrücken, Kurtrier, Lothringen und Pfalz-Zweibrücken

Das Saarland (von 1920 bis 1935 Saargebiet genannt) ist seit 1957 ein Land im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland, an der mittleren Saar gelegen. Die Landeshauptstadt ist Saarbrücken. Das Gebiet des heutigen Saarlandes stand im Laufe seiner jüngeren Geschichte zeitweise unter französischer Hoheit oder Einfluss. So kam es im Zuge der Reunionspolitik unter Ludwig XIV. (1680 bis 1697), infolge der Französischen Revolution bzw. unter Napoleon I. (1793 bis 1815), als Saargebiet (1920 bis 1935) und als autonomer Saarstaat (Saarland 1947 bis 1956) zu einer Abtrennung von Deutschland.

Frühgeschichte und römische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeugnisse menschlicher Besiedlung des heutigen Saarlandes reichen bis in die Altsteinzeit vor rund 100.000 Jahren zurück. In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten lebten die keltischen Stämme der Mediomatriker und der Treverer in diesem Raum. Nach der Eroberung durch die Römer im 1. Jahrhundert v. Chr. entstanden zahlreiche kleine gallo-römische Landstädte und ländliche Villen, vor allem in der Saar-Mosel-Region, z. B. in Nennig, Perl und in Dillingen, sowie im Bliesgau, z. B. Homburg-Schwarzenacker und Bliesbruck-Reinheim. Ein Kastell am Fuße des Halbergs und eine Siedlung in Sankt Arnual waren durch eine Brücke über die Saar verbunden; gallo-römische Heiligtümer sind an vielen Orten nachweisbar.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Völkerwanderung brach die Römerherrschaft zusammen. Die Franken assimilierten die gallo-römische Bevölkerung; gallo-römische Sprach- und Volksreste blieben aber in den abseits der Hauptverkehrswege gelegenen oder weniger attraktiven Besiedlungsgebieten noch bis ins Mittelalter erhalten, erkennbar zum Beispiel an den moselromanischen Ortsnamen.

Eine erste Christianisierung fand bereits in römischer Zeit statt. Die neu eingewanderten germanischen Bevölkerungsschichten wurden durch eine zweite Missionswelle angelsächsischer und iro-schottischer Missionare christianisiert. Nach der Christianisierung gehörte das Land an der Saar kirchlich zum Bistum Metz und zum Erzbistum Trier und teilte fortan die Geschicke des Fränkischen Reichs, Lotharingiens und des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Im Hoch- und Spätmittelalter entstanden im Westrich zahlreiche Kleinterritorien. Diese waren aufgrund ihrer stärkeren Nachbarn nicht in der Lage, eine mehr als nur regionale Bedeutung zu erreichen oder ihr Territorium wesentlich auszuweiten.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Saarlandes wurde in wesentlichen Teilen durch benachbarte Fürsten regiert. Hierbei sind insbesondere die heute neben Nassau-Saarbrücken im Landeswappen des Saarlandes vertretenen Territorien, das Herzogtum Lothringen, das Kurfürstentum Trier und das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zu nennen. Im 16. Jahrhundert wurde in Pfalz-Zweibrücken die Reformation nach lutherischem, später nach calvinistischem Bekenntnis eingeführt, in Nassau-Saarbrücken nach lutherischem Bekenntnis, während die zum Herzogtum Lothringen gehörenden Gebietsteile westlich der Saar und zwischen Wallerfangen und Tholey und die dem Erzbischof von Trier unterstehenden nordsaarländischen Gebiete katholisch blieben.

Das 17. Jahrhundert war für die Region des heutigen Saarlandes eine Zeit schwerer Verwüstungen und Verheerungen. Der Dreißigjährige Krieg brachte große Verwüstungen, weniger durch unmittelbare Kriegshandlungen, sondern vielmehr wegen der durch die Region hindurchziehenden Heere, die das Land fast ohne Bevölkerung zurückließen: Bei der Rückkehr des Saarbrücker Grafenhauses am Ende des Krieges ergab eine Volkszählung, dass in der gesamten Grafschaft Nassau-Saarbrücken noch 248 Menschen am Leben waren. Die Fortdauer des Krieges in Lothringen bis 1661 (Friede von Vincennes) sowie der bald danach erneut ausbrechende Konflikt mit Frankreich in den Reunionskriegen, in deren Verlauf auch der Saarbrücker Graf Gustav Adolf in der Schlacht bei Kochersberg fiel, erschwerten und verzögerten den Wiederaufbau und die Entwicklung der gesamten Region. Erst die gezielte Werbung von Einwanderern z. B. aus Wallonien, Österreich und der Schweiz oder auch die Ansiedlung von französischen Hugenotten am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbrachten einen wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Aufschwung.

Französische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan der Festung Saarlouis, 1680 durch Vauban erbaut

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchs der Einfluss Frankreichs auf die Saargegend. 1680 wurde das Gebiet während der Reunionen dem Königreich Frankreich angegliedert, das die neu gewonnenen Gebiete zu einer Saarprovinz zusammenschloss. Dieser Zustand endete 1697, als Frankreich im Frieden von Rijswijk die Reunionen an der Saar und in der Pfalz wieder aufgeben musste.

Ansätze der frühen Industrialisierung erlebte das Gebiet schon im 18. Jahrhundert durch die Verstaatlichung der Steinkohlengruben und Ausbau wie auch Neuerrichtung von Eisenhütten und Glashütten.

1792 begann der Erste Koalitionskrieg zwischen Frankreich (wo 1789 die Französische Revolution begonnen hatte) und einer Koalition aus Österreich, Preußen und weiteren Staaten. 1792 stießen französische Truppen unter Adam-Philippe de Custine bis zum Rhein vor. In den Folgejahren besetzten französische Truppen nach wechselndem Kriegsverlauf das gesamte linke Rheinufer.

Der zentrale Teil des heutigen Saarlandes kam zu dem 1798 errichteten Département de la Sarre, Gebietsteile im Westen zum Département de la Moselle und Gebietsteile im Osten zum Département du Mont-Tonnerre. Während der Napoleonischen Herrschaft teilte das Gebiet die Geschicke des Ersten Kaiserreichs.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld und das Fürstentum Lichtenberg

Nach dem Wiener Kongress, vor allem durch den Zweiten Pariser Frieden fielen die größten Teile des heutigen Saarlandes an die Königreiche Preußen und Bayern, kleinere Teile an andere Staaten des Deutschen Bundes, nämlich das Fürstentum Lichtenberg mit St. Wendel an das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld und das Fürstentum Birkenfeld an das Großherzogtum Oldenburg. Die preußischen Gebietsteile kamen zu dem neu gebildeten Regierungsbezirk Trier in der Provinz Großherzogtum Niederrhein, die 1822 in der Rheinprovinz aufging, die bayerischen Gebietsteile zum neu gebildeten Rheinkreis, seit 1835 Rheinpfalz genannt. Die Errungenschaften der Französischen Revolution blieben als Rheinisches Recht erhalten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Steinkohlebergbau und die Eisen- und Stahlindustrie. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Schlacht bei Spichern vor den Toren Saarbrückens führte die Gründung des Deutschen Reiches und die Angliederung Elsaß-Lothringens zur Bildung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes bis zur französischen Grenze. An der Saar entstand das drittgrößte Schwerindustriegebiet des Deutschen Reiches, das als „Saarrevier“ und seit den 1890er Jahren meist als „Saargebiet“ bezeichnet wurde.[1]

Saargebiet von 1920 bis 1935[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Saargebiet
Zwischen Rheinpfalz, Preußen und Frankreich – Saargebiet 1920–1935
Jubel bei der Rückkehr der Berliner Abstimmungsberechtigten 1935 nach Berlin

Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg kam das Saargebiet gemäß der Artikel 45 bis 50 des Versailler Vertrags (dort als „Territoire du Bassin de la Sarre“ bezeichnet) unter die Regierung des Völkerbundes. 1920 wurde es mit einem Mandat des Völkerbundes für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Das Mandatsgebiet mit einer Fläche von 1912 km² und 770.030 Einwohnern (1927) umfasste den Südteil der preußischen Rheinprovinz und den Westteil der bayerischen Rheinpfalz. Die Grenzziehung orientierte sich an den Wohnorten der Bergleute, die in den Kohlengruben des Saarreviers arbeiteten. Kleiner zugeschnitten als das heutige Saarland, gehörten der südliche Hunsrück (Schwarzwälder Hochwald) als sogenannter Restkreis Merzig-Wadern und der nördliche Saargau zwischen Saar und Mosel nicht zum Saargebiet. Wirtschaftlich wurde das Saargebiet in das französische Zoll- und Währungsgebiet integriert. 1935 sollte laut Vertrag eine Volksabstimmung über den künftigen Status stattfinden.

Die Besetzung des Saargebietes durch französische Kolonialtruppen bestärkte die Saarländer im Wunsch, ins Deutsche Reich zurückzukehren. Alle saarländischen Parteien unterstützten das bis 1933.

Mit der Machtübernahme der NSDAP unter Adolf Hitler im Deutschen Reich änderte sich die Politik der linken Parteien im Saargebiet. Nun wurde der Status quo propagiert, das hieß Beibehaltung der Mandatsverwaltung bis zum Sturz Hitlers. Aber 15 Jahre „Heim ins Reich“-Politik aller wichtigen saarländischen Parteien konnten ab 1933 bis zur Volksabstimmung am 13. Januar 1935 nicht mehr ausgeglichen werden, Hitler wurde nicht als Gefahr wahrgenommen. So stimmten dann 90,73 Prozent der Wähler für eine Vereinigung mit Deutschland, 8,86 Prozent für den Status quo und nur 0,4 Prozent der Wähler für eine Vereinigung des Saargebietes mit Frankreich.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 im Deutschen Reich war das Saargebiet zum Zufluchtsort vieler im Reich Verfolgter geworden, allen voran Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten, aber auch von Oppositionellen beider christlicher Konfessionen. Durch seine Sonderstellung war das Saargebiet des Weiteren ein wichtiger Drehpunkt für das Einschleusen antirassistischer Propaganda ins Deutsche Reich. Nach dem überwältigenden Mehrheitsergebnis für den Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland flohen viele Hitlergegner und von Verfolgung Bedrohte aus dem Saargebiet, vor allem nach Frankreich.[2][3]

Teil des Deutschen Reichs von 1935 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Saargebiet gehörte ab dem 1. März 1935 wieder uneingeschränkt zum Deutschen Reich. Es trat aber nicht wieder zu Preußen bzw. Bayern zurück, sondern blieb als politische Einheit unter dem neuen Namen „Saarland“ erhalten. In der Parteiorganisation der NSDAP bildete es zusammen mit der bayerischen Pfalz den Gau „Saar-Pfalz“. Das Saarland wurde durch Josef Bürckel, ab 1935 zunächst als Reichskommissar, ab August 1940 dann als Reichsstatthalter in Saarbrücken verwaltet. Diesem waren auch die Pfalz und ab 1940 das deutsch besetzte Lothringen unterstellt.

Der förmliche Zusammenschluss dieser drei Verwaltungseinheiten zum geplanten Reichsgau Westmark ist aber nicht mehr zustande gekommen.

Der auf französischer Seite als Verteidigungssystem gebauten Maginot-Linie wurde auf deutscher Seite seit 1938 als Verteidigungslinie der Westwall entgegengestellt. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ein 10 km breiter Streifen entlang der Reichsgrenze, die sog. „Rote Zone“ von der Zivilbevölkerung geräumt, eine entsprechende Räumung erfolgte auch auf französischer Seite. Während des sogenannten Sitzkrieges stießen französische Truppen im September 1939 bis zu 8 km auf deutsches Gebiet vor und hielten 12 Ortschaften der geräumten Grenzregion bis Mitte Oktober 1939 besetzt.[4][5] Im Frühjahr 1945 kam es erneut zu Kampfhandlungen in dem Gebiet.

Nach der Angliederung des Saarlands ans Deutsche Reich wurde auch hier die nationalsozialistische Verfolgung gegen Juden und Oppositionelle vorangetrieben. In der Reihe „Gegen das Vergessen“ der Aktion 3. Welt Saar werden die Verbrechen und der Terror, aber auch der Widerstand saarländischer Bürger unter der Herrschaft der Nationalsozialisten für die Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis anhand vieler Einzelschicksale dokumentiert.[3][2]

Von den um 1930 etwa 3000 zählenden Saarländern jüdischen Glaubens wurden ca. 700 im Rahmen der nationalsozialistischen Verfolgung ermordet. Nur wenige Überlebende kehrten nach 1945 ins Saarland zurück.[6]

Abtrennung nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Saarland 1947 bis 1956
Französischer Pass eines Saarländers

Nach dem Zweiten Weltkrieg beabsichtigte Frankreich ursprünglich, das gesamte linksrheinische Gebiet von Deutschland abzuspalten. Diese Pläne wurden jedoch auf den Außenministerkonferenzen der Alliierten abgelehnt. Die Ablehnung erfolgte unter Verweis auf die Atlantikcharta, dass es keine Gebietsveränderungen geben dürfte, die nicht mit den frei geäußerten Wünschen der betroffenen Völker übereinstimmen. Um es sich mit den Franzosen nicht zu verderben, gaben die USA jedoch ihre Zustimmung für eine Abtrennung des Saarlandes, dessen Gebiet gegenüber 1920 vor allem im Nordwesten und im Norden etwas vergrößert wurde. Am 10. Juli 1945 rückten französische Besatzungstruppen in das Saarland ein, das die dortigen US-Einheiten verließen.[7]

Am 16. Februar 1946 wurde das Saarland der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrates entzogen. Mit Wirkung vom 20. Juli 1946 wurde das Landesgebiet nicht unwesentlich durch vormals preußische und birkenfeldisch-oldenburgische Gemeinden erweitert. Ende 1946 errichtete man eine Zollgrenze zum restlichen Deutschland. Kurze Zeit später wurde das Land zu einem französischen Protektorat mit einer eigenen Regierung und Verfassung. Die Präambel der Verfassung sah einen wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich vor. Dies hatte für die Bevölkerung zwar wirtschaftlich positive Folgen und löste – noch vor dem westdeutschen „Wirtschaftswunder“ – ein starkes Wirtschaftswachstum aus, auch gab es mit der Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France eine starke frankophile Bewegung im Saarland, dennoch wurde weiterhin ein möglicher politischer Anschluss an Frankreich weitgehend abgelehnt. Mit Wirkung vom 8. Juni 1947 wurden 61 Gemeinden der Landkreise Trier und Saarburg wieder aus dem Saarland ausgegliedert. Gleichzeitig wurden 13 vormals bayerische (6), birkenfeldische (3) oder preußische (4) Gemeinden der Kreise Birkenfeld und Kusel dem Saarland angegliedert. Im Jahre 1949 erfolgte eine letzte Grenzänderung durch Anschluss der ehemals pfälzischen Gemeinde Kirrberg.

Am 16. Juli 1947 wurde die Saarwährung „Saarmark“ in der Parität 1 Reichsmark = 1 Saarmark eingeführt, die den Hintergrund hatte, die im zweiten Schritt vorgesehene Einführung des französischen Francs vorzubereiten. Mit diesem Schritt sollte der Verbringung von Reichsmark-Beständen aus den anderen westlichen Besatzungszonen, dem Gebiet der späteren Bundesrepublik, in das Saarland mit dem Ziel der späteren Umwechslung in damals wesentlich stabileren Franc vorgebeugt werden. Am 15. November 1947 wurde der französische Franc offizielles Zahlungsmittel, am 23. März 1948 die Zollunion offiziell bestätigt; später wurden die französischen Münzen (nicht jedoch die Scheine) durch eigene „Saar-Franken“ ergänzt, die jedoch den analogen französischen Münzen genau glichen, und auch die Währungskonvergenz blieb bestehen.

Im Juli 1948 erhielten alle Saarländer eine eigene Staatsangehörigkeit, sie wurden Sarrois. Die von Frankreich eingesetzte Regierung, vorwiegend aus Emigranten und von den Nationalsozialisten Verfolgten bestehend, sorgte dafür, dass im Saarland nachhaltiger entnazifiziert wurde als in irgendeinem anderen Teil Westdeutschlands. Die politische Neuorganisation an der Saar wurde von den Verantwortlichen vor allem als „Entpreußung“ verstanden.

Nach anfänglicher Zustimmung der Bevölkerung zu dem neuen Status, was sicherlich auch mit der raschen wirtschaftlichen Erholung noch vor dem sogenannten „Wirtschaftswunder“ in der Bundesrepublik zusammenhing, stieg der Widerwille gegen die Regierung in den 1950er Jahren an. Parteien, die gegen eine Eigenstaatlichkeit eintraten – vor allem die großen Parteien der Bundesrepublik – wurden nicht zugelassen. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wurde eingeschränkt. Sowohl die Christliche Volkspartei des Saarlandes als auch die Sozialdemokratische Partei des Saarlandes waren Befürworter des Saarstatuts. Politische Verfolgung und Auftragsmorde durch die geheime Polizei gehörten zum saarländischen Alltag. Die prodeutsche Demokratische Partei Saar, die von der Linie des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann abwich, wurde im Auftrag des französischen Außenministers Robert Schuman verboten.[A 1]Die Saarregierung rechtfertigte diesen Schritt damit, dass ein Staat keiner Partei ein Betätigungsfeld bieten dürfe, die seine Existenz grundlegend ablehne. Bundeskanzler Konrad Adenauer verweigerte jeden Kontakt zu der als „separatistisch“ bezeichneten Regierung Hoffmann. 1952 rief die verbotene pro-deutsche DPS dazu auf, bei der Landtagswahl ungültige Stimmzettel abzugeben, was rund ein Viertel der Wahlberechtigten auch tat. Dies stellte auch einen Wendepunkt in Adenauers Saarlandpolitik dar: Er nahm Kontakt zur Saarregierung auf, vor allem um seine Projekte der Westbindung und der Aussöhnung mit Frankreich nicht zu gefährden. Dieser neue Kurs mündete in der Unterzeichnung des Saarstatuts am 23. Oktober 1954 in Paris als Teil der Pariser Verträge. In der deutschen Innenpolitik wurde Adenauer wegen des Saarstatuts scharf angegriffen, obwohl das Statut eine Volksabstimmung[8] vorsah. Vor allem die SPD und FDP sahen darin eine De-facto-Abtretung des Saarlands an Frankreich.

Volksbefragung 1955 und Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland 1957[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke der Deutschen Bundespost (1957) zur Eingliederung des Saarlandes

Am 23. Oktober 1955 wurde schließlich nach einem heftig geführten „Abstimmungskampf“ eine Volksbefragung[8] über die Zukunft des Landes durchgeführt, wobei 67,7 Prozent der Saarländer mit „Nein“ stimmten und sich damit gegen das Saarstatut entschieden. Das Saarstatut war die Vision des saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, der das Saarland zum ersten europäischen Territorium machen wollte. Die Planung ganzer Stadtteile in und um Saarbrücken, die die heute in Brüssel, Luxemburg und Straßburg befindlichen Institutionen der Europäischen Union aufnehmen sollten, war bereits angelaufen.

Das Ergebnis der Volksabstimmung werteten die politisch Verantwortlichen in den beteiligten Regierungen als Wunsch der Saarländer, sich der Bundesrepublik anzuschließen. Am 27. Oktober 1956 wurde in Luxemburg der Saarvertrag abgeschlossen, worauf das Gebiet am 1. Januar 1957 als zehntes Land (ohne West-Berlin) zur Bundesrepublik Deutschland kam (sogenannte kleine Wiedervereinigung).

Korporierte Hilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach beiden Weltkriegen engagierten sich viele Korporierte für den Verbleib des Saargebiets bei Deutschland. Als Nationalsozialist und Abgeordneter spielte Heinrich Schneider 1935 und 1955 an der Saar eine wichtige Rolle.[9][A 2] Der Burschenschafter Fritz Hellwig hatte sich bereits in seiner Dissertation und in seiner Habilitation mit dem Saargebiet auseinandergesetzt.[10][A 3] Bei der Saarabtimmung 1935 votierten gut 90 % der Saarländer für die Rückgliederung in das Deutsche Reich.[11] Für Hellwig war das ein „Bekenntnis zu Deutschland, keine Stimmabgabe für ein politisches System“.[12] In den 1950er Jahren war die Werbung für Deutschland viel schwieriger als 20 Jahre zuvor; denn die Versammlungs-, Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit waren nicht garantiert. Die Deutsche Burschenschaft unterstützte die Gründung der Saarbrücker Germania, die im Mai 1952 in den Verband aufgenommen wurde.[13] Mit ihrem zweiten Wahlspruch „Deutsch ist die Saar!“ von Anbeginn an für die Wiederangliederung des Saarlands an Deutschland engagiert, wurde sie bald verboten. Zunächst als „Vereinigung Saarbrücker Studenten“ getarnt und zeitweise offiziell nach Mainz verlegt, überließ sie es ihren Mitgliedern, sich in der Demokratischen Partei Saar, im Deutschen Saarbund und in der Parteizeitung „Deutsche Saar“ einzubringen.[12] Fritz Hellwig war das neunte Mitglied der Germania.[14]

Der DPS-Vorsitzende Heinrich Schneider ließ sich von den Repressalien nicht beirren, ähnlich wie Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, der mit seiner Saarkonzeption zu den engagiertesten Vorkämpfern einer „deutschen Saar“ galt.[A 4] Weder das Einreiseverbot in das Saargebiet noch die mögliche Verurteilung konnten ihn abhalten. Mit seiner „Deutschen Aktion“ wollte er die Saar „helgoländern“; denn zusammen mit Studenten hatte er am 29. Dezember 1950 durch die gewaltlose Besetzung Helgolands dafür gesorgt, dass die Briten die Bombardierung und Zerstörung der Insel einstellten und sie 1952 an Deutschland zurückgaben. Um Ähnliches im Saarland zu wiederholen, nutzte der „rote Prinz“ seine internationalen Netzwerke in Politik, Gesellschaft und Medien. Im April 1953 ließ er sich zum 2. Vorsitzenden der Deutschen Aktion wählen. Vorsitzender wurde der Corpsstudent Heinrich Lietzmann.[A 5] Hellwig empfahl Heinz Amberger als Vertreter der Deutschen Burschenschaft.[A 6] Beide wurden zu Beisitzern ernannt. Die Mitgliedschaft im Saarbund war nicht parteigebunden.[12] Zu den Mitgliedern gehörten Annemarie Renger (SPD) und die Burschenschafter Erwin Feller (GB/BHE) und Ernst-Christoph Brühler (DNVP, DP).[A 7][A 8] Auch Hubert Ney hatte sich schon 1935 für die Rückgliederung des Saargebiets eingesetzt.[A 9] Seit 1956 Ministerpräsident des Saarlandes, sprach er am 1. Januar 1957 zur „kleinen Wiedervereinigung“ nach Artikel 23 Grundgesetz. Der Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine chargierte.[12]

Geschichtsvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historische Verein für die Saargegend (HV) (Gründung 1839) hat sich die Erforschung der Archäologie und Geschichte des Saarlandes und der angrenzenden Gebiete zur Aufgabe gemacht. Für das Forschungsgebiet der Genealogie hat sich 1966 die Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde gebildet.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Saarland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Saarland

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ammann, Hektor (Begr.); Quasten, Heinz (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas für das Land an der Saar. 4 Lieferungen mit insgesamt 45 Karten und 12 Erläuterungsheften, Saarbrücken 1991, ISBN 978-3-923877-80-5
  • Aust, Bruno, Herrmann, Hans-Walter, Quasten, Heinz: Das Werden des Saarlandes – 500 Jahre in Karten. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 45), Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-923877-45-4 (80 Karten).
  • Becker, Frank G.: „Deutsch die Saar, immerdar!“ Die Saarpropaganda des Bundes der Saarvereine 1919–1935. Quellen- und Literaturverzeichnis. Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2006 (Volltext)
  • Becker, Frank G.: „Deutsch die Saar, immerdar!“ Die Saarpropaganda des Bundes der Saarvereine 1919–1935. Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2009 (Volltext)
  • Dörrenbächer, H. Peter, Kühne, Olaf, Wagner, Juan Manuel (Hrsg.): 50 Jahre Saarland im Wandel. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 44), Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-923877-44-7.
  • Flender, Armin: Öffentliche Erinnerungskultur im Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg. Untersuchungen über den Zusammenhang von Geschichte und Identität. Nomos Verlagsgesellschaft, ISBN 3-7890-5394-5 (Kurzbeschreibung)
  • Freis, Helmut: Das Saarland zur Römerzeit. Saarbrücken 1991, ISBN 978-3-923877-51-5
  • Herrmann, Hans-Christian; Bauer, Ruth (Hrsg.): Widerstand, Repression und Verfolgung. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus an der Saar. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2014, ISBN 978-3-86110-553-4.
  • Herrmann, Hans-Christian / Schmitt, Johannes (Hrsg.): Das Saarland – Geschichte einer Region. Hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2012, ISBN 978-3-86110-511-4.
  • Hoppstädter, Kurt; Herrmann, Hans-Walter (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes. Hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend. Band 1: Vom Faustkeil zum Förderturm, Saarbrücken 1960. Band 2: Von der fränkischen Landnahme bis zum Ausbruch der französischen Revolution, Saarbrücken 1977. Band 3/2: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Saarlandes (1792–1918), Saarbrücken 1994
  • Kolling, Alfons: Späte Bronzezeit an Saar und Mosel. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 15), Saarbrücken 1968, ISBN 978-3-923877-15-7.
  • Walter, Rudolf: Brudermörder Adenauer / Mit derben Parolen bliesen die deutschtreuen Saarländer zum Kampf – und siegten am 23. Oktober 1955 auf ganzer Linie: Das Saarland wandte sich von Frankreich ab und kehrte heim in die junge Bundesrepublik. In: DIE ZEIT Nr. 43, 20. Oktober 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vor- und Frühgeschichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schuman war Mitglied der Salia Bonn im Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas.
  2. Schneider war in Göttingen in den Verband der Vereine Deutscher Studenten eingetreten.
  3. Hellwig war Mitglied der Marburger Burschenschaft Rheinfranken und der Saarbrücker Burschenschaft Germania.
  4. Prinz Löwenstein war Mitglied der Herninonia im Schwarzburgbund und Ehrenmitglied des VDSt.
  5. Lietzmann war Mitglied des Corps Teutonia Marburg; Kösener Corpslisten 1996, 171, 1164.
  6. Amberger war Mitglied der Burschenschaften Germania Jena und Germania Saarbrücken.
  7. Feller war Mitglied der Alten Straßburger Burschenschaft Germania zu Tübingen.
  8. Brühler war Mitglied der Burschenschaft Vineta Heidelberg.
  9. Ney war Mitglied der KStV Palatia Heidelberg.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Laufer: Saarbecken, Saargegend, Saargebiet. In: saargeschichte|n 2-2007, Saarbrücken 2007, S. 2–4.
  2. a b Gegen das Vergessen- Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis Saarlouis (PDF; 1,9 MB), Aktion 3. Welt Saar und Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis e. V., Dezember 2012.
  3. a b Gegen das Vergessen- Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern (PDF; 2,7 MB), Aktion 3. Welt Saar, November 2010.
  4. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 2, Stuttgart 1979, S. 272.
  5. Chemins de memoire
  6. Alemannia Judaica- Synagogen im Saarland, Alemannia Judaica, Seitenabruf Mai 2014.
  7. Der Landtag des Saarlandes: Das Saarland nach 1945 (Memento vom 6. Juni 2009 im Internet Archive), abgerufen am 1. Oktober 2015.
  8. a b Sowohl die Verfassung des Saarlandes als auch das Saarstatut selbst sahen eine Volksabstimmung vor, das Referendum am 23. Oktober 1955 war aber von seiner Art eine Volksbefragung und wurde auch von offizieller Seite als solche bezeichnet.
  9. Der brutale Kampf um die Zukunft des Saarlands (2015)
  10. Der Kampf um die Saar 1860–1870 – Beiträge zur Rheinpolitik Napoleons III. Dissertation Berlin 1934
  11. Die Saarabstimmung 1935 (DHM)
  12. a b c d Frank Grobe: Mit korporierter Hilfe. Vor sechzig Jahren wurde das Saarland wieder deutsch. Studentenkurier 1 (2017), S. 4–5
  13. Saarbrücker Burschenschaft Germania
  14. Klaus Oldenhage (Hrsg.): Fritz Hellwig. Saarländer, Deutscher, Europäer. Eine Festschrift zum 100. Geburtstag, in: Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 20, Heidelberg 2012.
  15. ASF – Familienkunde im Saarland. Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde, abgerufen am 6. Februar 2015.