Hurricane Festival

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Hurricane Festival
Beatsteaks spielen auf der Green Stage (2005)
Beatsteaks spielen auf der Green Stage (2005)
Allgemeine Informationen
Ort Scheeßel
Genre Rock, Alternative, Independent, Electro
Website www.hurricane.de

Das Hurricane Festival ist ein seit 1997 auf der Motorrad-Sandrennbahn Eichenring bei Scheeßel (Niedersachsen, zwischen Bremen und Hamburg) stattfindendes Musikfestival. Mit derzeit mehr als 70.000 Besuchern zählt es zu den größten Musikfestivals in Deutschland. Gleichzeitig mit dem „Schwesterfestival“ Southside wird es jeweils im Juni von der FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH, der MCT Agentur GmbH und KoKo Konstanz GmbH veranstaltet. Wie viele andere große Festivals setzt das Hurricane auf eine Mischung aus Rock, Alternative, Pop und Electro, wobei neben etablierten Stars auch Neulinge zum Zuge kommen.

Angereist werden kann ab Donnerstagmittag. Bedingt durch die Lage trifft man neben Besuchern aus ganz Deutschland auch Menschen aus England, den Niederlanden und den Nordischen Ländern auf dem Hurricane. Aufgrund der steigenden Beliebtheit dieses Festivals kommt es jedoch auch immer häufiger zu Treffen mit Menschen aus aller Welt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerfestivals 1973 und 1977[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 8. und 9. September 1973 fand unter dem Titel „Es rockt in der Heide“ das erste Festival in Scheeßel statt. Es war ein Festival mit vielen damals sehr bekannten Größen der Rockmusik (wie Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Chicago, Manfred Mann’s Earth Band, Lou Reed) und es zog sich dank der Spielfreude der Bands bis in die tiefe Nacht vom Montag hin.

Beim First Rider Open Air vom 3. bis 4. September 1977 entstand ein Sachschaden von 1,5 Millionen Mark, als der Veranstalter, dem im Lauf der Planung des Festivals klar wurde, dass er die Bands nicht bezahlen konnte, mit den Resten der Festivalkasse durchbrannte. Der Name First Rider Open Air bezog sich auf einen seinerzeit neu eingeführten Zigaretten-Drehtabak der Marke Rider in Blue Jeans-Aufmachung. Der niederländische Tabak-Hersteller Douwe Egberts hatte das Festival mit 140.000 DM gesponsert und dafür ausgehandelt, dass der Name des Tabaks erwähnt würde. Ein Teil der angekündigten Bands, u. a. Nektar und die Byrds, kam gar nicht erst nach Scheeßel, weil zum einen bis zuletzt noch nicht einmal die Anreise-Finanzierung gesichert war, und zum anderen der vollkommen unbedarfte Veranstalter, ein 25-jähriger Bankangestellter, verschiedene Bands bereits im Voraus voll bezahlt hatte, die dann sinnigerweise überhaupt nicht mehr anreisten.

Es eröffneten Long Tall Ernie & The Shakers aus den Niederlanden und Golden Earring beendete mit Radar Love den Abend. Dann ging bis auf eine Notbeleuchtung die Bühnenbeleuchtung aus. Die als Ordner engagierten Hells Angels hatten sämtlich bereits lange vorher ihren Dienst mangels erhaltener Entlohnung eingestellt. Die sich betrogen fühlenden Musikfans und die um ihren Lohn geprellten Ordner setzten nach kurzer Zeit die Bühne und die Wohnwagen der Organisatoren in Brand. Equipment und Instrumente wurden zerstört. Aufgetreten sind außer den vorgenannten Bands Van der Graaf Generator, Colosseum II sowie die britische Prog-Rock-Gruppe Camel. Auch der Elektronik-Musiker Klaus Schulze war für einen Auftritt bereits hinter der Bühne anwesend gewesen. Ursprünglich angekündigt waren u.a. auch Steppenwolf und Ray Manzarek, der Pianist der Doors. Es gab durch von der brennenden Bühne herabfallende Teile der stählernen Einrüstung einige Verletzte, die umgehend vom Rettungsdienst versorgt wurden. Auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters fanden danach die Rock-Festivals in Scheeßel ein vorläufiges Ende.[1]

Neustart auf dem Eichenring 1997[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst 1997 wurde unter der Regie eines neuen Bürgermeisters mit dem ersten Hurricane-Festival die musikalische Tradition des Ortes fortgesetzt. Mit Hilfe eines ortsansässigen Unternehmers gelang es Veranstalter Folkert Koopmans (FKP Scorpio) die Scheeßeler Stadtverwaltung zu überzeugen. Beim ersten Hurricane Festival am 21. und 22. Juni 1997 mit den Headlinern Rammstein, INXS und Bad Religion kamen rund 20.000 Besucher, ein Gewinn wurde nicht erwirtschaftet. Koopmanns hatte mit einem Breakeven bei 12.000 Besuchern gerechnet.[2] 36 Bands spielten an zwei Tagen auf einer großen Haupt- und einer kleinen Zeltbühne. Da 9.000 der Zuschauer - viel mehr als erwartet - auf dem Gelände übernachten wollten, wurden kurzfristig weitere Flächen der benachbarten Bauern in Zeltplätze umgewandelt.[3]

Anstieg der Besucherzahlen und Vergrößerung des Geländes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im zweiten Jahr kamen mit 40.000 Besuchern mehr als doppelt so viele wie bei der Premiere und auch in der Folgezeit sollte die Besucherzahl weiter ansteigen. 2002 wurde mit 52.000 Zuschauern ein neuer vorläufiger Besucherrekord aufgestellt. In den ersten Jahren spielten - mit Ausnahme vom Festival 2000 - die Bands an zwei Tagen (Samstag und Sonntag), seit dem Jahr 2003 findet das Festival an drei Tagen (Freitag, Samstag und Sonntag) statt.[3]

2004 war erstmals eine zweite Open-Air-Bühne aufgebaut, damals standen diese noch gegenüber, was zu einem unschönen Soundgemisch führte. Ein Highlight in der Geschichte des Hurricanes war mit Sicherheit der Auftritt von David Bowie im gleichen Jahr. Nach seinem Auftritt klagte Bowie über Herzbeschwerden und wurde noch in der Nacht in Hamburg notoperiert. Sein Auftritt beim Schwesterfestival Southside wurde daraufhin abgesagt. Was damals keiner ahnen konnte: Das Konzert auf dem Hurricane sollte Bowies letzter Live-Auftritt werden. Abgesehen von vereinzelten Gastauftritten stand er bis zu seinem Tod im Januar 2016 nicht mehr auf der Bühne.[3]

2005 war das Festival mit über 60.000 verkauften Tickets ausverkauft; dies ließ aber bei einigen Besuchern Kritik laut werden, da sowohl der Zeltplatz als auch das Gelände selbst als zu überfüllt angesehen wurden. Aus diesem Grund wurde im darauffolgenden Jahr (2006) das bereits zwei Monate vor Festivalbeginn ausverkaufte Kontingent auf 50.000 Tickets reduziert, aus Sicherheitsgründen wurde auch das Crowdsurfing verboten.[3] 2006 kam es etwa 90 Minuten vor dem offiziellen Ende des Festivals zum bis dato schwersten Unwetter in der Geschichte des Hurricane-Festivals. Sturmböen mit Windstärke elf und Niederschläge mit bis zu 30 Litern pro Quadratmeter verursachten den Abbruch des Festivals sowie Schäden an zahlreichen Zelten und Pavillons. Die Zeltplätze standen teilweise kniehoch unter Wasser, so dass mehrere tausend Festivalbesucher im Diskozelt eine Notunterkunft fanden. Viele PKW steckten fest und konnten nur mit Hilfe von Landmaschinen der ortsansässigen Landwirte aus dem aufgeweichten Parkplatz befreit werden.

Durch eine Erweiterung von Zelt- und Bühnenfläche wurde 2007 das Kontingent wieder auf 60.000 Tickets angehoben. Die zweite Bühne (Blue Stage) wurde aus dem Eichenring ausgelagert, daneben gab es eine Zeltbühne. Das Festival 2008 war kurz vor Festivalbeginn mit 70.000 Besuchern ausverkauft.

Entwicklung in den letzten Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hurricane-Festival 2009 war mit 60.000 Besuchern erstmals seit längerer Zeit nicht ausverkauft. Headliner der 13. Auflage waren Kings of Leon, Faith No More und Die Ärzte auf der Green Stage, sowie Kraftwerk, Nick Cave and the Bad Seeds und Nine Inch Nails auf der Blue Stage. Für einen der wenigen Auftritte von Faith No More in Europa reisten einige Fans aus Griechenland, Großbritannien und Australien an.

Erstmals wurde 2010 eine vierte Bühne, die White Stage, erbaut, auf der ausschließlich Acts aus dem elektronischen Bereich auftraten.

Seit 2011 werden durch den Betreiber Handy-Apps (Android, iOS) gepflegt, über die neben Informationen zu den Bands (Zeitplan, Bühne, Info) auch Aktuelles zum Festival vermittelt wird. Auch SMS-Infos sind möglich. 2011 wird von einem Netzbetreiber insbesondere für die stromlosen Camper als Werbe-Aktion ein Handy-Lade-Service angeboten, vor dem sich teilweise lange Schlangen bilden. Problematisch ist die zeitweise starke Auslastung der Handy-Netze im Festivalbereich, was auch durch die Zunahme von Smartphones, die zum Datentransfer teilweise regelmäßig eine Verbindung aufbauen, bedingt ist. Auch das Green Camping wurde in diesem Jahr erstmals angeboten.

Die wenige Jahre zuvor eingeführte Red Stage war ab 2012 nicht mehr ein Zelt, sondern eine dritte Open-Air-Bühne. Das Festival war seit Anfang Mai ausverkauft.

Im Vorverkauf 2013 wurde ein neuer Rekord erzielt, alle 73.000 Tickets waren bereits Ende März ausverkauft.[4] Seit 2013 entwirft der spanische Künstler Dani Blázquez jährlich ein neues Artwork für das Hurricane-Festival. 2013 war dies eine pinkfarbene Eule, 2014 ein blauer Wolf, 2015 ein grünes Wildschwein, 2016 ein roter Fuchs. Die stilisierten Tiere unterscheiden sich jeweils in der Augenfarbe vom entsprechenden Artwork des Schwesterfestivals Southside. Das Artwork wird unter anderem auf den Leinwänden der Bühnen während der spielfreien Zeiten, als Wallpaper der Hurricane-App und des Internetauftritts sowie auch an vielen Stellen auf dem Festivalgelände auf Bannern zur Dekoration verwendet.[5]

Nachdem auch das Festival 2014 vorzeitig mit 73.000 verkauften Kombitickets ausverkauft war, war die Ausgabe 2015 erstmals nach längerer Zeit nicht ausverkauft, es kamen etwa 65.000 Besucher. Laut Veranstalter ist dies auf den starken Festival-Konkurrenzkampf in diesem Jahr und die daraus folgende schwächer Headliner-Spitze (Placebo, Florence + the Machine, Marteria) zurückzuführen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde ein ausgearbeitetes RFID-Bezahlsystem statt Bargeldzahlung auf dem Festivalgelände genutzt.

Der Veranstalter vermeldete am 23. Februar 2016 den Ausverkauf aller 73.000 Kombitickets.[6] Direkt am ersten offiziellen Festivaltag wurde das Festival 2016 aufgrund einer akuten Unwetterwarnung für etwa zwei Stunden unterbrochen. Der Veranstalter teilte in einer Pressekonferenz mit: "(...) wir unterbrechen den Veranstaltungsbetrieb für zwei Stunden aufgrund eines schweren Unwetters und bitten Euch, das Gelände über die gekennzeichneten Wege zu Euren Fahrzeugen zu verlassen. (...)". Nach dem vorzeitig beendeten Festival Rock am Ring waren die Veranstalter des Hurricane besonders sensibel. Dort wurden 71 Menschen nach einem Blitzeinschlag verletzt. Am zweiten Festivaltag wurde die Öffnung des Veranstaltungsgeländes zunächst verschoben, gegen Abend dann komplett versagt. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2016 legte der Veranstalter mit mehreren Fachgruppen des THW sowie der Feuerwehr und eigenem Personal große Teile der Flächen trocken, pumpte Wasser ab und verteilte Stroh und Kies. Am Sonntag konnte das Gelände dann regulär geöffnet werden.[7]

Daten und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Datum Besucher Eintrittspreis Bands Headliner
1997 21. bis 22. Juni 20.000 30,17 € (59 DM) 36 INXS, Rammstein, Bad Religion, Midnight Oil
1998 20. bis 21. Juni 40.000 40,39 € (79 DM) 39 Beastie Boys, Björk, Iggy Pop, Garbage
1999 26. bis 27. Juni 45.000 40,39 € (79 DM) 38 Marilyn Manson, Massive Attack, Skunk Anansie, Blur, Bush
2000 24. bis 25. Juni 35.000 45,50 € (89 DM) 44 Nine Inch Nails, Bush, Skunk Anansie
2001 23. bis 24. Juni 40.000 60,84 € (119 DM) 39 Die Toten Hosen, Placebo, Faithless
2002 22. bis 23. Juni 52.000 72,50 € 39 Red Hot Chili Peppers, Die Ärzte, New Order
2003 20. bis 22. Juni 45.000 79 € 49 Coldplay, Massive Attack, Björk, Radiohead
2004 25. bis 27. Juni 40.000 79 € 46 David Bowie, The Cure, Placebo, Die Fantastischen Vier
2005 10. bis 12. Juni 60.000 89 € 44 Die Ärzte, Rammstein, System of a Down, Nine Inch Nails
2006 23. bis 25. Juni 50.000 89 € 64 The Strokes, Muse, Manu Chao
2007 22. bis 24. Juni 55.000 109 € 61 Pearl Jam, Beastie Boys, Marilyn Manson
2008 20. bis 22. Juni 70.000 99 € bis 130 € 63 Radiohead, Foo Fighters, Beatsteaks
2009 19. bis 21. Juni 60.000 ab 99 € 64 Die Ärzte, Kings of Leon, Faith No More
2010 18. bis 20. Juni 70.000 ab 105 € 74 The Strokes, Beatsteaks, Billy Talent, Jack Johnson
2011 17. bis 19. Juni 70.000 ab 109 € 77 Foo Fighters, Incubus, Arcade Fire
2012 22. bis 24. Juni 73.000 ab 109 € 96 Die Ärzte, The Cure, blink-182
2013 21. bis 23. Juni 73.000 ab 109 € 98 Rammstein, Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys
2014 20. bis 22. Juni 73.000 ab 109 € 100 Arcade Fire, Volbeat, Macklemore & Ryan Lewis, Seeed
2015 19. bis 21. Juni 65.000 ab 125 € 104 Placebo, Florence + the Machine, Marteria
2016 24. bis 26. Juni Rammstein, Mumford & Sons, The Prodigy

Line-Ups[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2004 hatte der Kölner Musiksender VIVA die exklusiven Übertragungsrechte der Bühnenshows. Im Jahr 2004 wurden zum ersten Mal die Auftritte auf der Center Stage auch hochauflösend in HDTV aufgezeichnet und exklusiv auf dem ersten europäischen HDTV-Sender Euro1080 (jetzt HD-1) gesendet. Nach Übernahme der Mehrheit an VIVA durch Viacom, die ebenfalls im Besitz des (zuvor konkurrierenden) Musiksenders MTV sind, war MTV Partner des Hurricane-Festivals. 2005 wurde der Auftritt von Die Ärzte live auf MTV gezeigt; 2006 die drei Auftritte von Mando Diao, The Hives und The Strokes hintereinander; 2008 eine Zusammenfassung von Freitag und Samstag und der Auftritt von den Beatsteaks und Billy Talent. Des Weiteren sendete Arte Dokumentationen über die Hurricane-Festivals seit 2004. Im Jahre 2011 übernahmen VIVA und ZDFkultur die Übertragung. 2012 hatte ZDFkultur die alleinigen Übertragungsrechte. Im Jahre 2016 hat ARTE die Rechte zur Übertragung.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitungsbericht: Chaos im Eichenring-Stadion: 20.000 Besucher fühlten sich betrogen.
  2. Esther Mai: Das Geheimnis Deines Erfolges – Folkert Koopmans von FKP Scorpio träumt von Rage Against The Machine. Wecab, abgerufen am 14. März 2014 (deutsch).
  3. a b c d Folkert Koopmans (Hrsg.): 20 Jahre Hurricane Festival. 1997-2016., FKP Scorpio, 2016.
  4. Mitteilung Veranstalter 30. März 2013
  5. Internetauftritt von Dani Blázquez. Abgerufen am 23. Juni 2014 (deutsch).
  6. Ausverkauft (Mitteilung Veranstalter 23. Februar 2016)
  7. Hurricane Festival bringt herbe Verluste ein. kreiszeitung.de, 26. Juni 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.
  8. Vgl. Hurricane 2010 auf festivalguide.de. Abgerufen am 2. März 2013
  9. Hurricane: Rockspektakel der ruhigen Art NWZ Online
  10. ARTE: Hurricane. Abgerufen am 23. Juni 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hurricane Festival – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Folkert Koopmans (Hrsg.): 20 Jahre Hurricane Festival. 1997-2016., FKP Scorpio, 2016.

Koordinaten: 53° 9′ 34″ N, 9° 31′ 21″ O